© Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch (Redemptorist)                                                  Index   A - Z
Band 1

Az, iranischer Dämon, der im > Manichäismus zu einer weiblichen Finsternis bzw. zu einer Dämonin wurde und die > Hyle (griech., Materie) personifiziert, insbesondere die Begierde.

Lit.: Schmidt, H.-P.: Vom awestischen Dämon Asi zur manichäischen A., der Mutter aller Dämonen. In: Studia Manichaica. IV. Internationaler Kongress zum Manichäismus, Berlin, 14.–18. Juli 1997 / hg. v. Ronald E. Emmerick, Werner Sundermann und Peter Zieme. Berlin: Akademie Verlag, 2000.

Azabe-Kaberi, nach dem Koran eine Strafe für die Bösen, die diese im Grab erdulden. Ihr Gesellschafter ist ein grauenhaftes Ungeheuer, mit dem sie unter fortwährender Geißelung durch Engel des Gerichts die Zeit bis zur Auferstehung verbringen müssen, um dann sogleich in die Hölle verstoßen zu werden.

Lit.: Der Koran. Übers. u. eingel. v. Hans Zirker. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2003.

Azael > Asasel.

Azazel > Asasel.

Azaziel, nach dem Islam gewaltige Geister, die dem höchsten Gott am nächsten stehen.

Lit.: Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Erftstadt: area verlag gmbh, 2004.

Az(h)i Dahaka (awest. azi, Schlange; neupersisch daha, Drache), ein in die älteste indo-arische Zeit zurückreichendes dreiköpfiges Schlangen- bzw. Drachenungeheuer mit sechs Augen und drei Paar schrecklichen Fangzähnen, ursprünglich Viehräuber und Feind der guten Menschen, dann Usurpator des iranischen Reiches und Inkarnation der Lüge (> Drug). Als menschliches Vorbild für diesen Dämon wird ein mythischer babylonischer Herrscher, genannt, welcher der Erzfeind des Königs Yima war. Babylonien hatte das alte Persien ein Jahrtausend unterjocht, was im Verhältnis von Irak und Iran heute noch nachklingt.
Vom Helden Thraetona besiegt und an den Felsen Damavand gebunden, verursacht A. D. durch seine Zuckungen das Erdbeben. Am Ende der Tage reißt er sich los und wird als Bundesgenosse > Ahrimans nochmals zu einer Bedrohung für die Gläubigen, bis er schließlich im Feuerstrom (> Ayohshust) sein Ende findet.

Lit.: Lincoln, B.: Aži Dahaka (Altiranische und zoroastrische Mythologie. Wörterbuch der Mythologie 4, 1986; Die Enzyklopädie der östlichen Mythologie: Legenden des Ostens: Mythen und Sagen der Helden, Götter und Krieger aus dem alten Ägypten, Arabien, Persien, Indien, Tibet, China und Japan/Rachel Storm. Genehm. Lizenzausg. Reichelsheim: Ed. XXL, 2000.

Aziel (Aciel), in der Zauberliteratur des späteren Mittelalters und der Renaissance häufig erwähnter Dämon, der, ähnlich > Mephistopheles, auch Höllenfürst ist. A. ist so schnell wie die Gedanken des Menschen und wird zur Geldbeschaffung beschworen.
Für den Okkultisten und Rosenkreuzer Karl > Weinfurter ist A. (Haziel) als neunter Engel (> Genius) der Gott der Barmherzigkeit. Angerufen wird er mit dem Psalm 25,6: „Denk an dein Erbarmen, Herr, und an die Taten deiner Huld; denn sie bestehen seit Ewigkeit.“ Dieser Genius gibt die Barmherzigkeit Gottes, Freundschaft und Zuneigung hoher Persönlichkeiten sowie die Durchführung gegebener Versprechen wieder. Ihm unterstehen Vertrauen und Versöhnung.

Lit.: Weinfurter, Karl: Mystische Fibel: ein Handbuch für die Schüler der praktischen Mystik; erster Band / Dt. Bearb. v. Erich Sopp. Sersheim / Wttbg.: Osiris Verlag, 1954.

Aziluth oder Auila, auch Atziluth (hebr., Vornehmheit), nach der > Kabbala neben > Beriah, > Jezirah und > Asijjah eine der vier Welten, nämlich „die höchste Welt der geistigen Transzendenz“, die Urheimat, in die der Mensch wieder zurückkehren kann. Sie enthält die 10 > Sephiroth bzw. die ersten Ausstrahlungen des > Ensoph, des höchsten, nur denkbaren reinen Seins, des Absoluten.
Nach Eliphas Lévi ist A. das Haupt des mächtigen Engels mit dem Sonnengesicht in der Offenbarung des Johannes: „Und ich sah: Ein anderer gewaltiger Engel kam aus dem Himmel herab; er war von einer Wolke umhüllt, und der Regenbogen stand über seinem Haupt. Sein Gesicht war wie die Sonne, und seine Beine waren wie Feuersäulen (Offb 10, 1).

Lit.: Waltharius: Rückkehr nach Aziluth: das Meditationsbuch des mystischen Menschen. Berlin-Lichterfelde: Privatdruck, 1959; Papus: Die Kabbala. In der Übers. von Julius Nestler. Mit einem Vorw. von Gerold Necker. Überarb. und wiss. betreut von Michael Tilly. Wiesbaden: Marixverl., 2004.

Azizos und Monimos – unter diesen Namen wurden in Edessa (Altsyrien) der Morgen- und Abendstern verehrt, die als zwei Knaben mit einem > Adler dargestellt wurden. Der Neuplatoniker Iamblichos setzte A. dem > Ares gleich.

Lit.: Drijvers, H. J. W.: The cult of Azizos and Monimos at Edessa (Ex Orbe Religionum Studia Geo Widengren), 1972.

Azoni (griech.), Götter, denen nach Servius, dem Kommentator des Vergil, nicht einzelne Zonen des Himmels gehören, sondern die allgemein und überall verehrt werden, wie etwa die Göttermutter > Cybele.

Lit.: Vergilius Maro, Publius: P. Virgilii Maronis opera etiam carmina minora cum commentariis Servii. Brescia: Jacobus Britannicus, 1485; Servius, Grammaticus: Aeneidos librorum VI–XII commentarii / rec. Georg Thilo. Hildesheim [u. a.]: Olms, 1986.

Azoth auch Azot, Azoch, Azoc, Azok (arab.: al-zauq, Quecksilber), alchemistische Bezeichnung für verschiedene Stoffe, insbesondere für Quecksilber, das als Urstoff, mercurius philosophorum, materia prima galt, da es seit alters her als lebensspendend für Leib und Geist betrachtet wurde.
Bei > Paracelsus ist das Wort zusammengesetzt aus: A, dem lateinischen Z, dem griechischen Omega und dem hebräischen Tau in der Bedeutung: Alles in einem von Anfang bis Ende, was im Einzelnen folgende Bedeutungen annimmt: 1) Mercurium metallicum; 2) Mercurium philosophorum duplicatum; 3) höchstes Remedium, das aus Mercurio, Gold und Silber besteht; 4) Mercurium fixum; 5) höchste Medizin des Paracelsus. Einer alten Überlieferung zufolge soll es sich um ein weißes Pulver gehandelt haben, dem eine solche Wirkung zugesprochen wurde, dass es Paracelsus in seiner Schwertknaufkugel mit dem Wort A. stets bei sich trug. Dies soll angeblich auch der Grund dafür gewesen sein, dass er sich selbst nachts nicht von seinem Schwert trennen wollte. Wegen dieser Besonderheit war A. auch eine Bezeichnung für den > lapis philosophorum, den „Stein der Weisen“.
A. kommt als besonderer Geist schon bei der koptischen Philosophin Maria der Jüdin vor, wie bei Olympiodor im 6. Jh. zu lesen ist.
Von A. leitet sich seit Antoine L. de Lavoisier (1743–1794) die Bezeichnung für Stickstoff, azote, ab, die wohl auf arab. al-zauq zurückgeht.

Lit.: Kieserus, Franciscus: Cabala Chymica, Concordantia Chymica. Azot Philosoph. Solifactum, Drey unterschiedliche/ Nützliche/ und zuvor nie außgegangene Tractätlein/ ohn welcher Hülff niemandt in Ewigkeit Chymiam veram verstehen/ noch das summum Arcanum erlernen wirdt. Mülhausen: Spiess, 1606; Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste / J. S. Ersch; J. G. Gruber. Graz: ADEVA, 1969; Aschner, Bernhard: Paracelsus: Sämtliche Werke; nach der 10-bändigen Huserschen Gesamtausgabe (1589–1591) zum erstenmal in neuzeitliches Deutsch übersetzt / M. Einleit., Biogr., Literaturang. u. erklär. Anmerk. versehen. Fotomechan. Neudr. d. Orig.ausg. 1926–32. Vierter Band. Anger: Anger-Verlag Eick, 1993.

Azrail (arab.), auch Azrael, Engel des Todes. Dieser Engel ist im islamischen Glauben einer der vier großen Engel des > Allah. Wenn der Todestag eines Menschen naht, lässt Allah vom Baum des Lebens unter seinem Thron dasjenige Blatt herunterfallen, auf dem der Name des Todeskandidaten steht. Dann muss A. nach 40 Tagen die Seele des Betreffenden vom Körper trennen. A. ist von solcher Größe, dass, während einer seiner Füße auf einem Lichtsitz im siebten Himmel ruht, der andere auf der Brücke zwischen  Paradies und Hölle steht. Seine Flügel sind mit 4.000 Zungen und Augen besetzt. Er hat 70.000 Füße und vier Gesichter.

Lit.: Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Erftstadt: area verlag gmbh, 2004.

Azteken, benannt in der Sprache Nahuatl nach dem mythischen Ursprungsort Aztlán (Silberreiherland) oder aber nach Aztatl (Reiher) und Tlacatl (Mensch), „Volk der Reiher“, bzw. auf mexikanisch, der Sprache von Mexiko, nach einem Beinamen, der dem Stamm der Mexica oder Chichimeca Mextin (daher Mexiko und Mexikaner) gegeben wurde.
Land und Sprache
Die A. sind eine Abzweigung der Nahuatl-Sprachgruppe, die von einem Ort namens Aztlán kamen (890–1100 n. Chr.). Sie wanderten ungefähr 130 Jahre, um einen besseren Platz zum Leben zu finden. Den Weg zeigte ihnen dabei ihr wichtigster Gott, Huitzilopochtli. Der Stamm stieß auf eine kleine Insel in der Mitte eines Sees, wo ein > Adler eine Schlange fraß. Dies wurde von Huitzilopochtli als Zeichen dafür gedeutet, sich dort niederzulassen. Daher befindet sich heute in der Mitte der mexikanischen Flagge ein Adler, der eine Schlange frisst.
Die A. waren Krieger, stets in Kämpfe mit den Stämmen in der Nähe des Texcoco-Sees verwickelt, um Sklaven zu bekommen. Zu den Stämmen, die dort lebten, gehörten die Texcocanos und die Xochimilcas.
Die Hauptstadt der Azteken war Tenochtitlan (das heutige Mexico-Stadt). Der Zeitpunkt der Gründung ist ungenau, er schwankt zwischen 1325 und 1370. Es war eine Doppelstadt. Die Leute lebten im Süden und das Zentrum war der kulturelle und religiöse Teil (Templo Mayor). Der Templo Mayor galt als das Zentrum des Aztekenreiches überhaupt. Als die Spanier kamen, waren sie erstaunt über die Größe der Stadt und den riesigen Goldbesitz. 1521 zerstörten sie das Reich der Azteken.
Kultur
Neben den wirtschaftlichen Tätigkeiten und Fertigkeiten verfügten die A. über eine vielfältige Kultur und ein entsprechendes Gesundheitswesen. So sagte der Zerstörer des Aztekenreiches, Hernando Cortez, in Bewertung ihrer Medizin, dass die spanischen Ärzte getrost zu Hause bleiben könnten. Die aztekischen Ärzte waren in Fachrichtungen spezialisiert: Chirurgen, Zahnärzte, Augenärzte, Aderlasser und Darmspezialisten. Ebenso gab es Hebammen und Arzneimittelhersteller.
Die A. benutzten einen Kalender mit einer Jahreszählung von 365 Tagen. Die Astronomie besaß einen starken astrologischen und von Kulthandlungen geprägten Einschlag.
Religion
Das gesamte Leben war im Innersten von einer breitgefächerten Religiosität getragen, was besonders in der großen Anzahl der Götter zum Ausdruck kommt.
Götter
Die Götter wurden bildlich und in anthropomorpher Gestalt dargestellt. Sie konnten sich auch in Naturerscheinungen manifestieren und durchdrangen alle Bereiche der Welt.
Als erste Schöpferkraft tritt der androgyne Gott Ameteotl (= Zweigott) auf, in seinen männlichen Aspekten mit > Feuer und > Sonne assoziiert, in den weiblichen Aspekten mit > Erde und > Fruchtbarkeit. Aus ihrer Verbindung entstanden Tezcatlipoca, Quetzalcoatl, Xiuhtecuhtli und Tlaloc, die das Schöpfungswerk fortführten.
Der wichtigste Gott aber war, wie erwähnt, der Kriegsgott Huitzilopochtli, der die A. aus ihrer mythischen und namengebenden Urhei­mat Aztlán nach Tenochtit­lan geleitet hatte. Coatlicue war die Mutter aller A., Tlaloc der Regengott. Hinzu kamen noch die Göttin des Ackerbaus, die Göttin der im Kindbett gestorbenen Mütter, die Wassergöttin, die Göttin des Herdes, die Herrscherin der Erde, der Finsternis, des Todes und der Fruchtbarkeit, die Mondgöttin, der Windgott, der Feuergott, der Mondgott, der Gott der Heilkunst, die Göttin der Liebe.
Eine eigenartige Gestalt unter den Göttern war Quetzalcoatl (die grüne gefiederte Schlange), auch Herr der Winde, der Medizin und der Künste. Er verabscheute nämlich die blutigen Menschenopfer der Azteken. Als er später als vergöttlichter Kultheros die toltekische Stadt Tula verlassen musste, soll er auf dem Weg nach Osten dem Volk der > Maya Religion und Kultur beigebracht haben. Jedenfalls trägt der Mayagott Kukulkan, dessen Name ebenfalls „Federschlange“ bedeutet und der von den Maya als Gesetzgeber und Begründer des Kalenders verehrt wurde, sehr verwandte Züge. Bei den A. herrschte der Glaube vor, dass Quetzalcoatl einst aus dem Osten zurückkehren werde.
Jenseitsglaube
Neben den vielen Göttern war das Leben der A. auch von einem Jenseitsglauben geprägt. Es gab drei verschiedene > Totenreiche. Im himmlischen Reich, Tonatiuh, befanden sich Fürsten, Vornehme, gefallene und geopferte Krieger sowie die im Kindbett gestorbenen Frauen. Diese Frauen begleiteten die Sonne auf der zweiten Hälfte ihres Weges und spukten nachts an den Kreuzwegen. Die Krieger begleiteten die Sonne hingegen bis zur Mitte des Tages, schwirrten dann als Kolibris und Schmetterlinge um Blumen und Blüten auf Erden und schwebten nachts als Sterne am Himmel. Ertrunkene, vom Blitzschlag Getroffene, Aussätzige, Geschlechtskranke, an Fieber Verstorbene usw. gingen in das irdische Paradies, Tlalocan  (Ort des Regengottes Tlaloc), ein, wo angeblich alles grünte und blühte. Die große Masse kam in die Unterwelt, Mictlan, in das Reich des Totengottes, das dem griechischen > Hades glich. Bei der Bestattungsfeier pflegte man einen Hund zu opfern, der den Toten über den Strom begleiten sollte, welcher die Lebenden vom Totenreich trennte. Die Reise in dieses karge > Jenseits, aus dem es kein Entrinnen gab, dauerte oft Jahre.
Rituale
Den Göttern wurde in zahlreichen kalendarischen Ritualen kultische Verehrung zuteil.
Die an Tempeln durchge­führten Rituale waren sorgfältig inszeniert und wurden von Priesterschaften (teopixque) geleitet. Ihnen ob­lag die Verkörperung der Gottheiten und die Zuständigkeit für die zu Menschenopfern auser­sehenen kriegsgefangenen Sklaven. Diese ge­nossen das Jahr hindurch bevorzugte Behand­lung, da ihr Tod das mythische Selbstopfer der Götter darstellte. Das Menschenopfer der Sklaven selbst  konnte durch Aufschneiden der Brust, Tötung durch Pfeile und zeremoniellen Zweikampf durchgeführt werden. Das noch schlagende Herz des Geopferten wurde den Gottheiten in einem Gefäß zur Spei­se dargeboten, die  geschundene Haut und der Schädel wurden auf einem Gerüst aufbewahrt. Weit verbreitet wa­ren auch Formen des Selbstopfers, bei denen z. B. Ohrläppchen und andere Körperteile mit Agaven­stacheln durchbohrt wurden. Das Opfern kleiner Kinder beschränkte sich fast nur auf den Regengott Tlaloc und andere Regengötter.
Die Priester, welche die Riten vollzogen, lebten in der Nähe der Heiligtümer. Die ranghöchsten waren der Oberpriester des Huitzilopochtli und des Tlaloc. Beide Priester trugen den Titel Quetzalcoatl. Sie betreuten auch die hochentwickelte Kalenderwissenschaft und das Orakelwesen.
Neben den kalendarischen Ritualen spielten Übergangsriten des Lebenszyklus und der Kriegsführung sowie das häusliche Ritual eine wichtige Rolle.
Der Präriewolf
Eine Ausnahmeerscheinung in der aztekischen Religion bildete der im 15. Jh. (1418–1472) herrschende Fürst von Tezcocco, Netzalhualcoyotl („der fastende Präriewolf“), dem sein christlicher Urenkel, Don Fernando Alva de Ixtilxochitl ein literarisches Denkmal setzte, weil er sich – gleich dem ägyptischen König > Echnaton – gegen den Polytheismus und die blutigen Opferriten einsetzte.

Lit.: Heitler, Friedrich: Die Religionen der Menschheit in Vergangenheit und Gegenwart. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 21962; Disselhoff, Hans Dietrich: Geschichte der altamerikanischen Kulturen. Wiesbaden: Löwit, 1979; Altamerikanistik: eine Einführung in die Hochkulturen Mittel- und Südamerikas / hrsg. von Ulrich Köhler. Berlin: Reimer, 1990; Eliade, Mircea: Geschichte der religiösen Ideen. III / 2. Vom Zeitalter der Entdeckungen bis zur Gegenwart. Freiburg i. Br.: Herder, 1991; Fagan, Brian M. (Hg.): Die siebzig großen Geheimnisse der alten Kulturen. Frankfurt a. M.: Zweitausendeins, 2001; Prem, Hanns J.: Die Azteken: Geschichte – Kultur – Religion. München: Beck, 2003; Inka, Maya und Azteken / Peter Ackroyd. Starnberg: Dorling Kindersley, 2005.

Aztekisches Traumgras (Calea zacatechichi Schlechtendal) oder Zacatechichi, Pflanze aus der Familie der Korbblütler, Unterfamilie Sonnenblumenartige, syn. Aschenbornia hetropoda Schauer, Calea rugosa Hemsley, Calea ternifolia Kunth var. ternifolia und Calydermosrugosus DC. Das A.T. hat viele volkstümliche Namen wie Thle-pela-kano, „Blatt Gottes“, Tepetlachichixihuitl, „bitteres Kraut“, Dream herb, „Traumkraut“, Hoja madre, „Blatt der Mutter“ u. v. a. mehr. Das im Extremfall bis zu 3 Metern hochwachsende Heilkraut ist hauptsächlich in den Bergen Zentralmexikos zu Hause.
Medizinische Schriften aus der Kolonialzeit weisen auf einen Gebrauch der Pflanze als Kräuterpflaster bei geschwollener Kopfhaut hin. Heute wird die gelegentlich auf mexikanischen Märkten angebotene getrocknete Pflanze in der Volksmedizin etwa zur Behandlung von Malaria benutzt. Dafür werden 10g des getrockneten Krautes dreimal täglich als Tee getrunken. Die Heiler der Chontal, die > Curanderos, versetzen sich mit dem A.T. in traumähnliche Zustände, in denen sie außersinnliche Erlebnisse haben. Sie trinken dafür einen aus den frischen Blättern gekochten kräftigen Sud, legen sich in einen dunklen oder halbdunklen Raum und rauchen außerdem einen Joint aus einer Handvoll, d. h. etwa 60g, der getrockneten Blätter. In diesem Zustand nehmen sie Stimmen von Geistern und Göttern wahr, erkennen die Ursachen von Krankheiten oder machen den Ort von vermissten Gegenständen ausfindig. Auch Zukunftseinblicke sind ihnen somit möglich. Diese Art von Erfahrungen gehört in den Bereich der > Oneiromantik, des Wahrsagens durch Träume (> Traum).
Aus experimenteller Sicht ist ein Doppelblindversuch erwähnenswert, bei dem die eine Gruppe der Versuchspersonen eine Zubereitung des Krautes zu sich nahm, während die andere ein Placebo erhielt. Nur in der ersten Gruppe wurde eine statistisch signifikante Zahl an bedeutungsvollen Träumen registriert (Mayagoitia u. a., vgl. Rätsch, 118).
Die trauminduzierende bzw. oneirogenische Pflanze enthält unangenehm schmeckende Bitterstoffe sowie Flavone, außerdem wohl ein Alkaloid, dem man leichte psychoaktive und betäubende Wirkung zuschreibt. Es gibt offenbar zwei chemisch verschiedene Typen der Pflanze, und nur einer hat bewusstseinsverändernde Wirkung (Rätsch, 117). Die Curanderos sprechen vermutlich daher von „guten“ und „schlechten“ Pflanzen.

Lit.: Mayagoitia, Lilian/Díaz, José/Contreras, M. Carlos: Psychopharmacologic Analysis of an Alleged Oneirogenic Plant: Calea zacatechichi. In: Journal of Ethnopharmacology 18 (3) 1986, 229–243; Rätsch, Christian: Lexikon der Zauberpflanzen aus ethnologischer Sicht. Graz / Austria: ADEVA, 1988.

Azulai, Abraham ben Mordechai (1570–1643), aus Marokko stammender Kabbalist, Kommentator des Sohar.

Lit.: Bibliotheca Judaica / Teil 3 / N–Z: ... sowie mit Indices versehen / Julius Fürst. Nachdr. der Ausg. Leipzig, 1863. Hildesheim: Olms, 1960.

Azuma, Nagato, geb. 1956, japanischer Arzt, untersuchte unorthodoxe Heilpraktiken, u. a. philippinische Geistheiler, vor Ort.

Lit.: Difficulties Confronting Investigations of „Psychic Surgery“ in the Philippines (mit I. Stevenson). In: Parapsychology Review 1987, 18 (2), 6.

Azurit, ein oft in Gemeinschaft mit dem > Malachit vorkommender, knolliger blauer Edelstein, der schon seit dem Altertum zu Farben vermahlen wurde.
In Tibet und bei den Navajo-Indianern spricht man vor allem den aus dem A. gewonnenen Farben Zauberkraft zu.

Lit.: Rätsch, Christian / Guhr, Andreas: Lexikon der Zaubersteine aus ethnologischer Sicht. Graz: ADEVA, 1989.

Azurit-Malachit, natürliche Verwachsung der Kupfermineralien > Azurit und > Malachit. Der aus der Mineralklasse der Carbonate stammende Stein zeigt kontrastreiche grüne und azurblaue Farbschichten, die seidig schimmern. In diesem Heilstein gehen Verstand und Gefühl, assoziiert mit Azurit und Malachit, eine harmonische Verbindung ein, die bei Konfliktlösungen als hilfreich angesehen wird. Der dekorative Stein öffnet den Menschen für sein Umfeld und kann dadurch Gefühle des Leids und Unglücklichseins aufheben. Auf der physischen Ebene wirkt der Stein anregend auf die Leber und wird zur Regulierung des Zellwachstums, etwa bei Tumoren, eingesetzt.

Lit.: Gienger, Michael: Lexikon der Heilsteine: von Achat bis Zoisit. Saarbrücken: Neue Erde, 42000.



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