Ayahuasca

Ayahuasca, Bezeichnung eines berauschenden Getränks im Amazonasgebiet, das den Indianern heilig ist, weil es für sie ein „Trunk der wahren Wirklichkeit“ ist. A. wird aus verschiedenen Banisteriopsis-Arten hergestellt, u. a. aus Lianenarten, vor allem der Liane Banisteriopsiscaapi, aber auch aus anderen Pflanzen, der Psychotriaviridis, der Engelstrompete oder der Manakawurzel.
Um das von Schamanen, Zauberern und Heilern benutzte A. kreist eine reichhaltige, oft dunkle Mythologie. Die Stellen, an denen die Pflanzen für das > Zaubergetränk wuchsen, sind streng geheim, denn Vorübergehenden könne dort Schlimmes widerfahren: Die Pflanze wickle sich dann hartnäckig um den ahnungslosen Passanten und könne ihn zu Tode würgen.
Zu den Wirkungen des Trunkes, der, bei Nacht genossen, noch effektvoller sein und die Träume anregen soll, gehört vor allem – wie bei so vielen > Zauberpflanzen – das Provozieren oder Intensivieren von > Außersinnlicher Wahrnehmung. So wollten die Indios mit Hilfe des A.-Getränks beispielsweise herausfinden, wie es jemandem aus ihrem Kreis, der gerade auf Reisen ist, geht. Ebenso war es unter allen Indianern des Amazonasgebietes verbreitet, die Krankheit eines Menschen hellseherisch zu bestimmen, wofür ein Schluck A. gut tat. Rätsch beschreibt eine bei den Muinane, nach deren Ansicht Krankheiten meistens das Ergebnis eines bösen > Zaubers sind, verbreitete Diagnosetechnik, die der Heiler im A.-Rausch vornimmt: „Zuerst muss der Heiler die Welt verlassen und an einen Ort weit über der Erde reisen. Vom Himmel aus sieht er die Erde als einen großen Ball. Außerdem kann er jeden Menschen auf der Erde sehen und erkennen. Alle Personen stehen aufrecht außer dem bösen Zauberer. Den sieht der Heiler geduckt sitzen und sich in die hohlen Hände blasen“ (Rätsch, 43).
Als Ursache für die psychedelischen Wirkungen des A. wird von pharmakologischer Seite die Kombination der Inhaltstoffe Harmin, Harmalin und DMT angesehen.

Lit.: Rätsch, Christian: Lexikon der Zauberpflanzen aus ethnologischer Sicht. Graz: ADEVA, 1988;  Schupp, Johanna M.: Alternative Medizin in Lima / Peru. Münster; Hamburg: Lit, 1991; Müller-Ebeling, Claudia: Hexenmedizin: die Wiederentdeckung einer verbotenen Heilkunst – schamanische Traditionen in Europa. Aarau, CH: AT Verlag, 21999.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1