Avesta

Avesta (pers. avasta, das Gesetz), das heilige Buch des > Parsismus, das mit goldener Tinte auf 12.000 Ochsenhäuten geschrieben worden sein soll. Das Werk wurde 330 v. Chr. von Alexander d. Gr. vernichtet, doch wussten die Priester ein Drittel des Textes auswendig und schrieben ihn später wieder nieder. In seiner heutigen Gestalt umfasst das Werk vielleicht nur mehr ein Viertel der unter dem Sassanidenkönig Shapur II. (309–379) kodifizierten Sammlung, über deren 21 Bücher (Nasks) uns noch der Dinkard, eine Kompilation aus dem 9. Jh. (> Pehlevi-Literatur), orientiert. Die Bücher enthielten u. a. eine Sammlung von Lobpreisungen, die Gathas, die angeblich > Zarathustra im 6. Jh. v. Chr. selbst verfasst hat. In den Araber- und Tartarenstürmen ging mit dem Parsismus auch der größte Teil der Schriften verloren.
Das A. in seiner heutigen Fassung haben Parsen, die nach Indien auswanderten, gerettet. Es umfasst: 1) den Yasna, das liturgische Textbuch zur Begleitung der Opferhandlungen mit den Gathas; 2) den Vispered („Alle Herren“), eine litaneiartige Liturgie; 3) den Vendidad („gegen die Teufel gegeben“), priesterliches Gesetzbuch mit vielerlei Reinigungsvorschriften; 4) die Yashts, Opferlieder; 5) das Khorda (kleine), Gebetbuch für die Privatandacht. Die Sprache des A. ist eine altertümliche iranische Mundart.

Lit.: Avesta, die heiligen Bücher der Parsen. Stuttgart: W. Kohlhammer, 1885; Avesta: die heiligen Bücher der Parsen; übers. auf d. Grundlage von Chr. Bartholomae's Altiranischem Wörterbuch / von Fritz Wolff. Berlin: de Gruyter, 1960; Geldner, Karl: Avesta: The Sacred Books of the Parsis, Bd. 3: Vendidad. Second reprint. Delhi, 1991; The Gathas of Zarathushtra: Hymns in Praise of Wisdom / transl. and comment. by Piloo Nanavutty. Ahmedabad: Mapin Publ., 1999; Cantera, Alberto: Studien zur Pahlavi-Übersetzung des Avesta. Wiesbaden: Harrassowitz, 2004; Panaino, Antonio: Rite, parole et pensée dans l'Avesta ancien et récent: quatre leçons au Collège de France (Paris, 7, 14, 21 28 mai 2001). Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2004.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1