© Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch (Redemptorist)                                                  Index   A - Z
Band 1

Avacara (sanskr.), Sphäre. Der Buddhismus teilt die gesamte Welt in drei Sphären oder Gebiete ein: 1) die Sinnensphäre (kámávacara): zu ihr gehören alle Dinge, die sich in dem unten durch die > Avichi-Hölle und oben durch die > Paranimmita-vasavatti-Devas begrenzten Zwischenraum befinden – d. h. die Daseinsgruppen, Elemente, Grundlagen, Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Geistesformationen und Bewusstsein; 2) die feinkörperliche Sphäre (rúpávacara): sie umfasst alle Dinge in dem unten durch die > Brahmawelt und oben durch die > Akanittha-Devas begrenzten Zwischenraum – also das Bewusstsein und die Geistesfaktoren der in die feinkörperliche Vertiefung Eingetretenen oder der dort in der feinkörperlichen Welt Wiedergeborenen oder schon zu Lebzeiten im Besitz des Glückes (der Vertiefung) Verweilenden; 3) die unkörperliche Sphäre (arúpávacara) – sie beinhaltet das Bewusstsein und die Geistesfaktoren, die in dem unten durch die im Raumunendlichkeitsgebiet wiedergeborenen Himmelswesen und oben durch die im Weder-Wahrnehmungs-Noch-Nichtwahrnehmungsgebiet wiedergeborenen Himmelswesen begrenzten Zwischenraum aufsteigen.

Lit.: Eckel, Malcolm David: Buddhismus. Köln: Fleurus Idee, 2005.

Avaddon (Talmud), die Wohnung im untersten Raum der Hölle, in den alles Unreine hinunterfällt. Dort liegt auch das Gift der Schlange, die sich mit Eva vermischt hat. Und dorthin sind die unreinen Seelen verbannt. A. ist jedoch niemals voll (Talmud Tamid 32b).

Lit.: Der babylonische Talmud / Ausgewählt, übers. u. erklärt von Reinhold Mayer. 4., überarb. Aufl. München: Goldmann, 1963.

Avadoutos, indische > Fakire, die, fast nackt, besonders an Flüssen liegen, weil diese als heilig gelten.So bringt man ihnen reichlich Nahrung, denn was man ihnen gibt, wird als den Göttern geopfert angesehen. Fehlt ihnen etwas, gehen sie in das nächste Haus, strecken die Hand aus und ihre Wünsche werden gern erfüllt.

Lit.: Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Erftstadt: area verlag gmbh, 2004.

Avaiki, in der polynesischen Mythologie eine > Unterwelt, ein Ort des Grauens, wo Dämonen die Seelen verfolgen und quälen. Beherrscherin dieses schrecklichen Reiches ist die Göttin > Miru, welche die Seelen betäubt und frisst.

Lit.: Nevermann, Hans: Die Stadt der tausend Drachen: Götter- u. Dämonengeschichten, Sagen u. Volkserzählungen aus Kambodscha. Eisenach; Kassel: Röth, [19]55.

Avalokiteshvara auch Avalokiteśvara, Alokita oder Lokeshvara (sanskr., vollkommene Erleuchtung; der Herr, der herabschaut; der Klang, der die Welt erleuchtet, usw.), einer der bedeutendsten > Bodhisavattas im > Mahayana. Wenngleich A. verschiedene Interpretationen erfährt, so verkörpert er letztlich doch einen der beiden wesentlichsten Aspekte der Buddhaschaft, nämlich das Erbarmen (> Karuna), weshalb man ihm oft auch den Beinamen „Mahakaruna“, das Große Erbarmen, gibt. Der Ausdruck wird gewöhnlich im Buddhismus verwendet. A. ist ein Wesen, das die vollkommene Erleuchtung erreichte, gleichwohl aber den Schwur getan hat, nicht eher in das > Nirwana einzugehen, als bis alle Wesen erlöst sind. So geht er aus Mitleid in die Hölle, um die leidenden Wesen zu erlösen. Im Volksglauben schützt er zudem vor Naturkatastrophen und gewährt Kindersegen. Auf ihn bezieht sich das berühmte Mantra: Aum mani padme hum (O du Kleinod im Lotos). Die > Lotosblume ist Symbol des Absoluten.
In China hat A. sich zur weiblichen Göttin > Kuan Yin und in Japan zu > Kwannon, auch Kannon, entwickelt. In Tibet gilt der Großlama von Lhasa als seine Verkörperung und in Nepal ist A. der Schöpfer der jetzigen Welt.
Die theosophische Erklärung sieht in A. den dritten Logos der abendländischen Philosophie, der sowohl göttlich als auch menschlich ist.
Ikonographisch kann A. in verschiedenen Formen auftreten, meistens zweiarmig, im Tantrismus vier- oder sechsarmig, häufig mit einem Rosenkranz. In der Flechtenkrone trägt er das Bild > Amitabhas. Wenn A. mit zehn oder elf Gesichtern dargestellt wird, deutet dies auf seine Allseitigkeit.

Lit.: Mallmann, Marie Thérèse de: Introduction à l’étude d’Avalokitecvara / Préf. de Paul Mus. Dessins de Jeannine Auboyer. Paris: Pr. universit. de France, 1967; Chün-fang, Yü: Kuan-yin: the Chinese transformation at avalokitesvara. New York: Columbia Univ. Pr., 2001; Die Meditation und Rezitation des großen Mitgefühls: „zum Wohle der Lebewesen den Himmelsraum erfüllend“; tibetische Umschrift und deutsche Übersetzung (leicht bearbeitet); [ein Praxistext zu Avalokiteshvara] = (Chenresig-Puja) / Klaus Beutler (Hrsg.). Fürth: Chödzong, 2003.

Avalon, auch Avillion oder Insula Avallonis (kelt.), sagenhaftes Paradies aus der keltischen Mythologie, über das vor allem in der Literatur um den legendären König > Artus berichtet wird. Aus der walisischen Mythologie ist A. bekannt als „Ynys yr Afallon“, die „Apfelinsel“. Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang zwischen dem Namen A. und Avalloc bzw. Avallo oder Afallach, dem keltischen König der Toten (Shepard). Die Ähnlichkeit zwischen A. und dem irischen Elysium ist offensichtlich (Gray, 194).
Galfred bzw. Geoffrey von Monmouth berichtet in seinem Werk Vita Merlini, wie der Zauberer Merlin gemeinsam mit seinen Kollegen unter der Leitung von Berinthus König Artus nach A., auf die geheimnisvolle Apfelinsel (lat. insula pomorum) bringt, die auch die „glückliche“ genannt wird (lat. quae fortunata vocatur) und auf der alle Pflanzen und Früchte ohne menschliches Zutun blühen und gedeihen. Auf der Insel regieren dreimal drei Schwestern, > Feen, von denen > Morgan die Kunst zu fliegen, der Verwandlung, die Kräuterkunde, die Heilkunst, die magische Zahlenkunst und die Kunst der Weissagung beherrscht. In Letztere hat sie auch ihre jüngeren Schwestern eingeweiht. So gilt A. nicht zuletzt als ein Land der Frauen, wo es keine harte Arbeit gibt und in dem alles in Hülle und Fülle vorhanden ist. Es existieren dort weder Krankheit noch Tod, und für alle, die Artus hier besuchen, ist A. ein Ort des reinen Vergnügens, heißt es im 12. Jh. bei Geoffrey von Monmouth.
Nach einer anderen Beschreibung fehlt es in A. an nichts Gutem, und die Insel bleibt unsichtbar für alle Feinde. Es herrschen dort Frieden, Eintracht und ewiger Frühling, und ihre Bewohner sind jugendlich. Es gibt kein Alter und keine Trauer, alles ist eingehüllt in Glückseligkeit (Gray, 193f.; Rhys, 355).
Häufig wird A., zuerst 1191 von Giraldus Cambrensis, mit > Glastonbury identifiziert, das wie eine Insel von Marschland umgeben ist (Gray, 194f.; Faral). Es gibt historische Berichte von ähnlichen Inseln, die von neun Frauen, Priesterinnen und ihren weiblichen Anhängerinnen, regiert worden seien, so etwa die Ile de Sein und Lundy Island im Bristolkanal. Männern war der Zutritt nicht möglich (Lück, 175).
In der keltischen Religion galt A. als das Land der ewigen Jugend, das man auch durch „inneres Reisen“, durch Entrückung, erreichen konnte (Bertholet). In diesem Licht schimmert A. auch heute noch (Bolen).

Lit.: Rhys, Sir J.: Studies in the Arthurian Legend. Oxford, 1891; Faral, E.: La légende arthurienne. Études et documents. 3 Bde. (Bibl. Éc. Htes. Etudes, fasc. 255–57), 1929; Gray, Louis Herbert / Moore, George Foot (Eds.): The Mythology of All Races. In thirteen volumes. New York, 1964. Vol. 3 Celtic, by John Arnott Macculloch, and Slavic, by Jan Máchal; Geoffrey von Monmouth: Historia Regum Britanniae, ed. E. Farai, 1929, ed. A. Griscom, 1929, ed. J. Hammer, 1951, ed. N. Wright, 1985, engl. Übers. L. Thorpe, 1966; Geoffrey von Monmouth: Vita Merlini, ed. B. Clarke, 1973; Bertholet, Alfred: Wörterbuch der Religionen. 4. Aufl./neu bearb., erg. u. hg. v. Kurt Goldammer. Stuttgart: Kröner, 1985; Shepard, Leslie A. (Ed.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. In Two Volumes. Detroit: Gale Research Inc., ³1991; Bolen, Jean Shinoda: Crossing to Avalon: A Woman’s Midlife Pilgrimage. New York: Harper Collins, 1994; Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. Bd. 1–6. München; Zürich: Artemis, 1980ff.; Bd. 7–9, München: LexMA, 1995ff.; Registerbd. Weimar, Stuttgart: J. B. Metzler, 1999; Lück, Marita: Im Zauberkreis der Feen. Die keltischen Kinder der Natur. Zürich; Düsseldorf: Walter, 1997.

Avalon, Arthur, Pseudonym von Sir George Woodroffe (1865–1936), bedeutender englischer Rechtsanwalt und Schriftsteller sowie Tantra-Spezialist; Studium in Oxford, ab 1890 Tätigkeit als Advokat, Professor, von 1904–1922 Vorsitzender des Obersten Gerichthofes von Bengalen. Nach seiner Rückkehr in die Heimat lehrte er von 1923–1930 an der Universität von Oxford indisches Recht. Weltgeltung erhielt A. als Orientalist aufgrund seiner tiefschürfenden Studien über > Yoga, > Chakras, > Tantrismus und > Skatismus. Zudem verbrachte er viel Zeit mit dem Studium und dem Übersetzen von Texten über den Kundalini-Yoga. Durch seine Schriften Die Schlangenkraft, Shakti und Shakta sowie DasTantra der großen Befreiung machte er in der westlichen Welt die Chakralehre populär.

Lit.: Tantra of the Great Liberation: Mahanirvana Tantra / a translation from the Sanskrit, with an introduction and commentary by Arthur Avalon. New York: Dover Publ., 1972; Woodroffe, Sir John: Shakti und Shakta: Lehre u. Ritual d. Tantra-Shastras. Bern u. a.: Barth, 1987; Avalon, Arthur: Die Schlangenkraft. Beckingen: Barth, 41988; Woodroffe, John: Introduction to Tantra & Sacute astra. Madras: Ganesh, 81990; Tantraraja tantra. Ed. by Mahamahopadhyaya Lakshmana Shastri. Introduction by Arthur Avalon. Delhi: Motilal Banarsidass Publ., 1997; Woodroffe, John George: The World as Power. Madras: Ganesh, 2001.

Avaritia (lat., Geiz), Habsucht, Geiz. A. betrifft nicht allein die Sucht nach Geld und materiellem Gewinn in jeder Form, sondern auch die Lenkung der Gedanken ausschließlich auf weltliche Ziele. Ihr werden Raub und Ungerechtigkeit vorgeworfen. Als weibliche Personifikation einer der 7 Todsünden, des Geizes, wird A. als eine magere, hässliche Frau mit einem Geldbeutel in der rechten Hand dargestellt. Sie reitet u. a. auf einer Kröte, einem Dachs oder einem Wolf.

Lit.: Kubin, Alfred: Die 7 [sieben] Todsünden: Hoffart, Geiz, Fraß u. Völlerei, Wollust, Zorn, Trägheit, Neid. Schärding: Heindl, 1987; Nitsche, Rainer: Der Geiz: Annäherung an eine gemeine Leidenschaft. Berlin: Transit, 1990; Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. 5., durchges. u. erw. Aufl. Stuttgart: Kröner, 1991; Lindgren, Henry Clay: Psychologie des Geldes: Unabhängigkeit, Anerkennung, Schuldgefühle, Geiz, Verschwendungssucht, normaler Umgang mit Geld. Zürich: Conzett-Verl. bei Oesch, 1999.

Avatanshaka Sutra (sanskr.), ein Lehrtext (Sutra) des > Mahayana-Buddhismus, der die Grundlage der chinesischen > Huayen (japanisch „Kegon“)-Schule bildet. Der wichtigste Textabschnitt trägt den Titel Gandavyuha und beschreibt den gesetzmäßigen Charakter des Universums. Alle Dinge und Erscheinungen sind voneinander abhängig und durch das Gesetz der Kausalität miteinander verbunden. Es gibt keine Vielfalt oder Zahl, denn das grundlegende Prinzip ist Einheit, die alles miteinander verbindet.

Lit.: Roberts, Marc: Das neue Lexikon der Esoterik. München: Goldmann, 1995.

Avatar(a) (sanskr., „Herabkunft“), Inkarnation einer Hindu-Gottheit. Seit dem 4. Jh. n. Chr. bezeichnet A. die irdische Manifestation (Inkarnation) des Gottes Vishnu nach seiner freien Wahl, d. h., ohne an das Gesetz des Karma oder einen Fluch gebunden zu sein. Er nimmt dabei die Gestalt eines Tieres an bzw. durchlebt vollständig ein menschliches Leben von der Zeugung über die Geburt und den natürlichen Tod für eine bestimmte Aufgabe im Kosmos. Dabei ist er sich während seines ganzen Lebens seiner göttlichen Mission bewusst. Der A. kommt nämlich, um neue Wege der religiösen Verwirklichung zu finden und sie seinem > Zeitalter anzupassen. Er ist zudem in der Lage, den Mitmenschen seine göttliche Erkenntnis durch Berührung, Blick oder Schweigen zu übermitteln. Da er frei von allen Bindungen des Ichs ist, befindet er sich jenseits der Dualität.
A. bezieht sich direkt auf das zyklische Verständnis der Geschichte. Der Weltzeitenlauf wiederholt sich unendlich. Jedes Zeitalter besteht aus vier Abschnitten (Yugas). Da der Prozess vom Besseren zum Schlechteren geht, erscheint der A. am Ende jedes Zeitalters, um ein neues, gerechteres Zeitalter einzuleiten. „Immer dann, wenn der > Dharma (die rechte Ordnung) in Verfall gerät und damit ein Anstieg des > Adharma (der Unordnung) eintritt, dann erschaffe ich mich selbst. Zum Schutz des Guten und zur Vernichtung des Bösen und zur Festigung des Dharma werde ich in jedem einzelnen Weltalter geboren“ (Bhagavadgita IV, 7–8).
Nach der orthodoxen Vishnu-Theologie gibt es 10 A. des höchsten Gottes > Vishnu. Die letzten von ihnen sind > Rama, > Krishna, > Buddha, und am Ende der gegenwärtigen Weltperiode wird > Kalki erwartet. Unabhängig von dieser Tradition betrachten die Hindus auch Jesus als A.
Heute steht A. zumeist generell für eine „göttliche Inkarnation“ und bezieht sich auf eine sehr hoch entwickelte spirituelle Persönlichkeit.
In der > Theosophie bezeichnet A. allgemein die Inkarnation des Göttlichen.

Lit.: Glasenapp, Helmuth von: Der Hinduismus: Religion und Gesellschaft im heutigen Indien. Nachdr. d. Ausg. v. 1922. Hildesheim [u. a.]: Olms, 1978; Pandey, R. K.: The concept for Avatars. Delhi, 1979; Parrinder, Geoffrey: Avatar and incarnation: the divine in human form in the world's religions. Oxford: Oneworld, 1997.

Avebury, ein kleines Dorf in Wiltshire, im Südwesten Englands, ist der Fundort eines Henge-Monuments der Steinzeit. Mit 427 m Durchmesser handelt es sich dabei um den größten > Steinkreis der Welt. Er wurde um 3000–2000 v. Chr. errichtet, ungefähr zu der Zeit oder vielleicht einige Jahre früher als > Stonehenge, und bedeckt ein Fläche von 11.5 ha. Der Kreis ist umgeben von einem (damals) 17 m tiefen Wallgraben mit mehreren Steinkreisen und Steinsetzungen im Abstand von etwa 11 m zueinander. Der große Steinkreis hatte 98 Sarsen-Menhire. Innerhalb des großen Kreises befinden sich zwei weitere Kreise mit damals 30 unbearbeiteten > Menhiren, die um die 40 Tonnen schwer sind. Wie die Steine von Stonehenge stammen sie aus den Marlborough Downs. Heute stehen jedoch nur mehr 27 Menhire. Die meisten wurden schon vor Jahrhunderten zerstört, um das Dorf aufzubauen, welches jetzt im Kreis steht. Die zwei kleineren Steinkreise fungierten ziemlich sicher als die Ritual- und Zeremonieplätze von Avebury. Vom nördlichen Steinkreis sind nur noch wenige Menhire sichtbar. Die 2.5 km lange und sehr eindrucksvolle West Kennet Avenue verband das Hauptmonument mit dem (heute wenig spektakulären) „The Sanctuary“.

Lit.: Burl, Aubrey: Prehistoric Avebury. 2nd ed., new fully rev. ed. New Haven, Conn. [u. a.]: Yale Univ. Press, 2002; The Avebury Landscape: Aspects of the Field Archaeology of the Marlborough Downs / ed. by Graham Brown. Oxford: Oxbow Books, 2005.

Avenar, Astrologe aus dem 15. Jh., der u. a. den Juden die Ankunft des Messias im Jahr 1444 oder spätestens 1464 versprach.

Lit.: Shepard, Leslie A. (Ed.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. In Two Volumes. Detroit: Gale Research Inc., ³1991.

Avenarius, Wilhelm, geb am 25.1.1927 in Frankfurt a. M., studierte dort Philosophie, Geschichte und Latein. Nach Promotion und Staatsexamen war er 1957–60 als Studienreferendar, dann als Assessor des Lehramts in Frankfurt und Grünberg (Hessen) tätig. 1960–63 war A. am Rheinischen Landesmuseum Bonn und insbesondere involviert bei Ausgrabungen römischer Lager in Neuss. 1963–68 arbeitete er als Sachbearbeiter beim C.A. Starke-Verlag in Limburg an der Lahn, Fachrichtung Genealogie; 1968–92 Bibliothekar in der Burgen-Spezialbibliothek der Deutschen Burgenvereinigung e.V. auf der Marksburg bei Braubach am Rhein. Seitdem ist er, neben Führungen auf der Marksburg und Burg Lahneck (bei Lahnstein), schriftstellerisch tätig, in den Fachgebieten Burgenkunde und Parapsychologie. Mit diesen Themen beschäftigt er sich seit seiner Studienzeit.
W. A. entstammt dem gleichen Geschlecht wie der Philosoph Richard Avenarius (1843–96) und der Dichter und Schriftsteller Ferdinand Avenarius (1856–1923).

W.: Ritter und Burgen, Schlösser und Festungen. Koblenz: Görres, 1984; Rund um die Weiße Frau. Ein Geister-Handbuch. Übersinnliche Erscheinungen im Volksleben, auf Burgen und Schlössern. Sigmaringendorf: Regio Verlag, 1984; Glock und Lutz, 21987; Marksburg, 32001.

Aventin (lat. aventinus mons), einer der sieben Hügel Roms, auf dem der König Servius Tullius (578–535 v. Chr.) einen Dianatempel bauen ließ, der das Bundesheiligtum der Lateinischen wurde. Um 200 v. Chr. wurde die Stadtbefestigung auch auf diesen Hügel ausgedehnt. Zum eigentlichen Stadtgebiet Roms wurde der A. aber erst unter Claudius (41–54 n. Chr.).

Lit.: Cotta, J. G.: Die sieben Hügel, der Pincio, das Marsfeld und Trastevere: 1, Capitol und Forum, Palatin, Aventin und Caelius nebst ihren Umgebungen. Stuttgart; Tübingen, 1837.

Aventina (lat.), nach der römischen Mythologie Beiname der > Diana in Rom, von ihrem Tempel auf dem aventinischen Hügel, der unter Servius Tullius gebaut wurde. Am Eingang waren die Hörner einer großen, schönen Kuh befestigt, um an folgende Begebenheit zu erinnern: Das Orakel sagte von einer sehr schönen Kuh, die ein Sabiner aufgezogen hatte, dass, wer dieselbe der Diana opfern würde, dessen Nation die Oberherrschaft erlange. Der Sabiner führte das Tier auf den Hügel, um es Diana zu opfern. Doch der römische Oberpriester erinnerte ihn daran, dass es unschicklich sei, der Göttin die Kuh zu opfern, ohne sich vorher im Tiber gewaschen zu haben. Während nun der Sabiner zum Tiber ging, opferte der römische Oberpriester das Tier, in der Hoffnung so seiner Nation die Oberherrschaft zu sichern.

Lit.: Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Erftstadt: area verlag gmbh, 2004.

Aventinus (lat.), nach der römischen Mythologie Sohn des > Hercules und der Rhea, der im Kampf der Latiner gegen > Aeneas auf der Seite des Turnus stand.

Lit.: Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Erftstadt: area verlag gmbh, 2004.

Aventiure (mhd. vom lat. adventura, Zufall, Geschick, altfr. aventure) wird im Nibelungenlied noch rein sächlich für „Teil“ oder „Abschnitt einer Erzählung“ gebraucht. Die Minnesänger des 13. Jahrhunderts personifizierten A. zu einer Frau, die über das Land zur Hütte des Sängers zieht, dort anklopft, um Einlass begehrt und so zur Muse wird, die den Sänger zum Heldengesang begeistert. Ein solcher Dichter stellte eine Erscheinung der Frau A. im Wald auf blühender Wiese dar. Sie zieht als Ehrenbote zu Königen und Fürsten, steckt ihnen einen goldenen Ring an den Finger und verschwindet. Von Eschenbach lässt eine personifizierte Frau A. als Dialogpartnerin des Autors auftreten (Parzival 433, 1). Diesem selbstreflexiven Kunstgriff folgten viele Dichter bis zu Hans Sachs.
Im Spätmittelalter nimmt das Wort Formen wie affenteuer, ebenteuer, abenteuer an. Daraus entstand letztlich das Wort Abenteuer.

Lit.: Wolfram, von Eschenbach: Parzival. Studienausg / mittelhdt. Text nach der sechsten Ausg. von Karl Lachmann. Einf. zum Text von Bernd Schirok. Berlin [u. a.]: de Gruyter, 1999.

Aventurin (ital. a ventura, aufs Geratewohl), genauer: Aventurinquarz, synon. auch Chrysoquarz, Tibetstein und Venturin; Edelstein, Schmuck- und Dekorationsstein und ebenso Heilstein. Der Name „aufs Geratewohl”, spielt auf die scheinbar beliebig im Quarz eingelagerten Mineralschüppchen an. Hat der A. eine orange Farbe, wird er auch Goldstein oder Leonit genannt; seine dunkelgrüne Variante heißt Grünquarz, die blaue Blauquarz. Irreführend nennt man ihn Indischen Smaragd oder Indien-Jade. Der z. T. in großen Mengen vorhandene Edelstein lässt sich vor allem in Brasilien, Indien, Simbabwe und Russland finden.
In der Heilkunde ist er bekannt als „Einschlafstein“, da er entspannend wirkt und angeblich alle Sorgen vergessen lässt. Er unterstütze, so sagt man, die individuelle Entwicklung der Persönlichkeit und die Selbstverwirklichung. Auf der körperlichen Ebene wird der A. mit dem Fettstoffwechsel in Verbindung gebracht und als Vorbeugemittel gegen Herzinfarkt und Arteriosklerose benutzt. Lindernden Effekt bietet er bei Hautproblemen wie Ekzemen, Allergien, Entzündungen, Sonnenbrand und Strahlenschäden. Man trägt den A. zu diesem Zweck entweder über längere Zeitspannen am Körper, legt ihn auf die betreffenden Körperpartien auf, oder aber – im Falle von Strahlenschäden und Sonnenbrand – legt man sich selbst für eine längere Ruhezeit in die Mitte eines „Steinkreises“ (Gienger). Alle diese Wirkungen können selbstverständlich nur erreicht werden, wenn auch auf anderen Ebenen, wie etwa Ernährung und Lebensführung, Gesundheitspflege betrieben wird (> Ganzheitsmedizin).

Lit.: Ruppenthal, A. (Hg.): Mythologie der Edelsteine. Idar-Oberstein/Georg-Weierbach: Prinz Druck GmbH & Co. KG, 1988; Gienger, Michael: Lexikon der Heilsteine: von Achat bis Zoisit. Saarbrücken: Neue Erde, 42000.

Averner See (lat. Avernus lacus), heute Lago d’Averno, in Kampanien, Unteritalien. Er galt einst als einer der Eingänge zur > Unterwelt (> Hades) und war daher den Göttern der Unterwelt heilig. Von Fremden wie Einheimischen wurde er der > Orakel wegen häufig besucht. Durch ihn sollen > Aeneas und > Odysseus das Totenreich betreten haben. Seine Ehrwürdigkeit hatte er allerdings schon zur Zeit des Augustus verloren. Von den Einwohnern wurden mancherlei Legenden verbreitet. So könnten die Vögel, die über ihn hinwegfliegen wollen, aufgrund der giftigen Ausdünstungen des Kratersees mit seinem dunkeln Wasser nicht ans Ziel kommen, sondern würden tot in ihn hineinfallen. Daher wurde der Name auch vom griechischen aornos, d. h. vogellos, abgeleitet, wie dies an anderen, dem > Pluto geweihten Orten erzählt wird.

Lit.: Adinolfi, Raffaele: Cuma, der Averner See und die Solfatara von Pozzuoli. Hg. von Azienda Autonoma di Cura Soggiorno e Turismo Pozzuoli. Napoli: Pozzuoli, 1970; Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Erftstadt: area verlag gmbh, 2004.

Averroes (Mohammed ibn Ruschd), arabischer Philosoph, geb. 1126 in Cordoba, gest. 1198 in Marrakesch. Wegen seiner Aristoteles-Kommentierung, die schon bald in lateinischer Übersetzung vorlag, wurde er der „Kommentator“ genannt. Der Kosmos ist ohne Anfang, wird von Gott, dem ersten Beweger, in Gang gehalten und von Sphärengeistern, den Intelligenzen, regiert. A. verneint die persönliche Unsterblichkeit, bejaht aber die Unvergänglichkeit der allen Menschen innewohnenden Gattungsvernunft. Diese wird im einzelnen Menschen tätig und bewirkt einen Kontakt mit dem ersten Beweger. Darin liegt des Menschen Glück, der aber, wie jedes Individuum, vergänglich ist.

Lit.: Aristoteles: (Aristotelis opera latine cum commentariis Averrois). (Venetiis: Andree de asula Bartholomei Alexandrini), 1483; Eichner, Heidrun: Averroes (Abu l-Walid ibn Rusd), Mittlerer Kommentar zu Aristoteles‘ De generatione et corruptione / mit einer einleitenden Studie vers., hrsg. und kommentiert von Heidrun Eichner. [Hrsg. von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften]. Paderborn u. a.: Schöningh, 2005.

Averruncus (lat.), Gottheit der römischen Mythologie, die man zur Abwendung eines gefürchteten Unglücks anrief.

Lit.: Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Erftstadt: area verlag gmbh, 2004.

Avesta (pers. avasta, das Gesetz), das heilige Buch des > Parsismus, das mit goldener Tinte auf 12.000 Ochsenhäuten geschrieben worden sein soll. Das Werk wurde 330 v. Chr. von Alexander d. Gr. vernichtet, doch wussten die Priester ein Drittel des Textes auswendig und schrieben ihn später wieder nieder. In seiner heutigen Gestalt umfasst das Werk vielleicht nur mehr ein Viertel der unter dem Sassanidenkönig Shapur II. (309–379) kodifizierten Sammlung, über deren 21 Bücher (Nasks) uns noch der Dinkard, eine Kompilation aus dem 9. Jh. (> Pehlevi-Literatur), orientiert. Die Bücher enthielten u. a. eine Sammlung von Lobpreisungen, die Gathas, die angeblich > Zarathustra im 6. Jh. v. Chr. selbst verfasst hat. In den Araber- und Tartarenstürmen ging mit dem Parsismus auch der größte Teil der Schriften verloren.
Das A. in seiner heutigen Fassung haben Parsen, die nach Indien auswanderten, gerettet. Es umfasst: 1) den Yasna, das liturgische Textbuch zur Begleitung der Opferhandlungen mit den Gathas; 2) den Vispered („Alle Herren“), eine litaneiartige Liturgie; 3) den Vendidad („gegen die Teufel gegeben“), priesterliches Gesetzbuch mit vielerlei Reinigungsvorschriften; 4) die Yashts, Opferlieder; 5) das Khorda (kleine), Gebetbuch für die Privatandacht. Die Sprache des A. ist eine altertümliche iranische Mundart.

Lit.: Avesta, die heiligen Bücher der Parsen. Stuttgart: W. Kohlhammer, 1885; Avesta: die heiligen Bücher der Parsen; übers. auf d. Grundlage von Chr. Bartholomae's Altiranischem Wörterbuch / von Fritz Wolff. Berlin: de Gruyter, 1960; Geldner, Karl: Avesta: The Sacred Books of the Parsis, Bd. 3: Vendidad. Second reprint. Delhi, 1991; The Gathas of Zarathushtra: Hymns in Praise of Wisdom / transl. and comment. by Piloo Nanavutty. Ahmedabad: Mapin Publ., 1999; Cantera, Alberto: Studien zur Pahlavi-Übersetzung des Avesta. Wiesbaden: Harrassowitz, 2004; Panaino, Antonio: Rite, parole et pensée dans l'Avesta ancien et récent: quatre leçons au Collège de France (Paris, 7, 14, 21 28 mai 2001). Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2004.

Avicebron (Salomo ben Jehuda Ibn Gabirol, 1020–1070), spanisch-jüdischer Dichter und Philosoph mystischer Prägung. Er wurde in Malaga geboren und beeinflusste mit seiner neuplatonisch durchsetzten Philosophie auch die europäische Scholastik. Sein Ziel war das Erfassen des Göttlichen durch die > Ekstase. Er gehört zu den berühmtesten hebräischen Dichtern des Mittelalters.

Lit.: Stoessel, David: Salomo ben Gebirol als Philosoph und Förderer der Kabbala dargestellt / eingereicht von David Stoessel, 1881; Guttmann, Jacob: Die Philosophie des Salomon ibn Gabirol. Nachdr. d. Ausg. 1889. Hildesheim [u. a.]: Olms, 1979; Ben-Gabirol, Selomo Ben-Yehûda: Fons vitae = Meqor hayyîm: edizione critica e traduzione dell'epitome ebraica dell'opera / Shelomoh ibn Gabirol. A cura di Roberto Gatti. Genova: Il Melangolo, 2001.

Avicenna, latinisierte Form des arabischen Namens Abu Ali al-Husain ibn’Abdallah ibn Sina, geb. um 980 bei Buchara (Usbekistan), gest. 1037 in Hamadan (Iran). Von der Familie her gehörte er zum ismailitisch-schiitischen Islam. Er war als Wunderknabe von früher reifer Begabung und studierte neben der Medizin die philosophischen Wissenschaften nach ihrer Anordnung in der aristotelischen Tradition (Logik, Mathematik, Physik und Metaphysik); mit etwa 17 Jahren trat er als Arzt in die Dienste des Samanidenherrschers Nuh-Ibn-Mansur. Der Doppelberuf als Arzt und Verwaltungsbeamter, den er an verschiedenen Höfen iranischer Fürsten ausübte, ist für sein späteres Leben kennzeichnend. Hohe Ehren und Erfolge lösten Flucht und Einkerkerungen ab. So wurde er von Sultan Magdal Doulez zum Großwesir ernannt, fiel jedoch in Ungnade und starb im Alter von 56 Jahren.
A. ist nicht nur einer der wichtigsten griechischer Tradition verpflichteten islamischen Philosophen des Mittelalters, sondern gilt zusammen mit seiner führenden Tätigkeit auf dem Gebiet der Heilkunst als der eigentliche Vermittler griechischen Denkens an den Orient. Sein System ist ein Aristotelismus mit neuplatonischem Einfluss. Sein Buch Quanum (lat. Canon), eine im Wesentlichen auf > Galen beruhende Zusammenfassung klassischer Medizin, wurde zur Bibel der Medizin des Mittelalters und der Renaissance, jedoch heftig bekämpft von > Paracelsus.
Das maßgeblichste Werk für den Einfluss von A. auf das Mittelalter ist seine 18 Bände umfassende philosophische Summa Kitab-aš-Šifa (Buch der Heilung), das die philosophischen Wissenschaften nach der aristotelischen Tradition behandelt. Es bildet eine Synthese, die alle Teile der Philosophie, einschließlich bestimmter Naturwissenschaften, umfasst (Avicennismus).
Gott fasst A. als reinen Intellekt auf, aus dem alle Existenzen emanieren. Der menschliche Geist erwirbt sich wahrhaftes Wissen durch Erfassen der intelligenten Dinge, die in den himmlischen Intelligenzen enthalten sind. Dies wird ihm durch den aktiven Intellekt, die letzten aus Gott emanierenden himmlischen Intelligenzen, vermittelt. Um mit diesem aktiven Intellekt in Verbindung zu treten, bedarf es eines geistigen Vermögens, das nicht alle Menschen in gleicher Weise besitzen. An oberster Stelle steht der Prophet, der ständig über die Verbindung mit dem aktiven Intellekt verfügt.
Im Bereich des Paranormalen betrachtete A. räumliches Hellsehen sowohl im Wach- als auch im Schlafzustand für erwiesen. Zudem vertrat er die Auffassung, dass die > Einbildungskraft (imaginatio) heilen wie schaden könne, und die > Fernwirkung (actio in distans) ein natürliches Vermögen sei. Die > Alchemie hingegen lehnte er ab, wenngleich ihm alchemistische Werke zugeschrieben wurden, wie etwa der Traktat De anima in alchimiae und die Porta Elementarum. Gerüchten zufolge dienten nämlich A. die Elementargeister > Dschinn, außerdem seien ihm machtvolle Zauber- und Beschwörungsformeln bekannt gewesen.
Sicher ist, dass sein Denken wegbereitend für eine mystisch-theosophische Richtung war, die jahrhundertlang die Geistesgeschichte des Iran wesentlich bestimmte.

W.: As-safsata / Tasdir wa-muragaat Ibrahim Madkur. Tahqiq Ahmad Fu'ad al-Ahwani. [Nachdr. d. Ausg. Kairo, 1952–80]. Qum: Maktabat Ayatallah al-Uzma al-Marasi an-Nagafi, 1984; Avicenna: Kanon vracebnoj nauki: izbrannye razdely / Abu Ali Ibn Sina. Sost.: U. I. Karimov. Taskent: Izdat. Fan Uzbek. SSR, 1985; Avicenna: Il poema della medicina. Introduzione, versione dall'arabo, note e lessici a cura di Andrea Borruso. Torino: S. Zamorani, 1996; Avicenna: Die Metaphysik Avicennas: enthaltend die Metaphysik, Theologie, Kosmologie und Ethik / übers. und erl. von Max Horten. Reprint of the ed. Halle, a. S. [u. .]. Frankfurt a. M.: Inst. for the History of Arab.-Islam. Science at the Johann-Wolfgang-Goethe-Univ., 1999.

Avichi (skrt., „wellenlos“), die tiefste und furchtbarste der acht großen Höllen des Buddhismus. Auf allen Seiten brennen Feuer, das die Verderber der buddhistischen Religion quält. Steigt jedoch > Avalokiteshvara in A. hinab, so verwandelt sich A. in einen kühlen Lotusteich.
In der > Theosophie ist A. der Begriff einer Hölle, in der die Menschen nicht bestraft werden, sondern an körperlichen Entbehrungen leiden. Die Menschen bleiben nämlich nach dem Tode dieselben Wesen wie vorher. Wenn jemand im Leben von großen Wünschen und Leidenschaften besessen war, dauern diese nach dem Tode fort, da in der > Astralwelt ein Stillen dieser Wünsche unmöglich ist. So ist A. ein Ort des Bedauerns über Getanes und Unterlassenes.

Lit.: Mallmann, Marie Thérèse de: Introduction à l'étude d'Avalokitecvara / Préf. de Paul Mus. Dessins de Jeannine Auboyer. Paris: Pr. universit. de France, 1967; Encyclopedia of Occultism & Parapsychology: A Compendium of Information on the Occult Sciences, vol. 1/ Leslie Shepard [Ed.]. Detroit, Michigan: Gale Research Company; Book Tower, 21984.

Avidya (skrt., „Nicht-Wissen“, Nicht-Erkenntnis; Pali: avijja), Unkenntnis der vier edlen Wahrheiten, der Drei Kostbarkeiten (Triratna) und des Gesetzes des > Karma. Es ist die Wurzel alles Unheilsamen in der Welt und wird definiert als das Nicht-Wissen um den leidhaften Charakter des Daseins. Dieses Unwissen verursacht die Bindung in den Kreislauf der Wiedergeburten, im Gegensatz zum Wissen (> vidya), das die Befreiung aus dem Kreislauf bedingt.

Lit.: Solomon, Esther Abraham: Avidya: A Problem of Truth and Reality. Ahmedabad: Gujarat University, 1969.



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