Autoskopie

Autoskopie (griech. autós, selbst; skopein , schauen) Selbstschau, Selbstsehen, engl. autoscopic hallucination. Der Begriff, reicht bis in F. A. > Mesmers Zeit zurück. Präziser noch wäre der Begriff > Heautoskopie, der wörtl. aus dem Griech. übersetzt „Sich-selbst-sehen“ bedeutet und von Menninger von Lerchenthal für A. vorschlagen wird. Charles Féré benutzte den Begriff für Doppelgänger-Erscheinungen (vor allem bei Sterbenden). Die Terminologie von Phänomenen wie > Doppelgänger und A. ist allerdings recht unscharf. Brugger, Regard und Landis weisen auf die Notwendigkeit einer exakten Terminologie im Bereich der autoskopischen Phänomene hin und schlagen eine Spezifizierung der Begriffe für den weiten Bereich des Sich-Selbst-Sehens vor, auf deren Basis später einmal eine Theorie der autoskopischen Phänomene entwickelt werden könne (Brugger, Regard & Landis 1997, S. 32). Sie unterscheiden sechs charakteristische Typen von autoskopischen Phänomenen: “autoscopic hallucination, heautoscopy proper, feeling of a presence, out-of-body experience, negative heautoscopyund inner heautoscopy”, von denen jedoch das Fühlen einer Gegenwart (> Anwesenheitsempfinden) die einzige nicht-visuelle Rubrik ist, also rein begrifflich eigentlich nichts mit Autoskopie zu tun hat, da es ja kein Sehen ist (Brugger, Regard & Landis 1997, S. 21).
Bei A. handelt es sich um das Sehen der eigenen Person von einer anderen Perspektive aus, während ein Doppelgänger auch von einer zweiten Person wahrgenommen werden kann. Die begriffliche Unschärfe des Wortes „A.“ liegt in der Frage, ob der Betroffene, der sich selbst sieht, bei sich bzw. in sich bleibt und dieses andere „Selbst“ außerhalb seiner vertrauten Person sieht, oder ob das „Ich“ dabei seine Perspektive wandelt und aus seinem physischen Körper herausfährt und diesen dann, wie häufig berichtet wird, im Krankenbett oder an einer Unfallstelle liegen sieht. Letzteres ist der Fall bei > außerkörperlichen Erfahrungen (AKE) und > Nahtoderfahrungen (NTE), die beide vom Phänomen her dasselbe bedeuten, doch lediglich an unterschiedliche Situationen gebunden sind. Zur inhaltlichen Abgrenzung gegenüber den AKE und NTE wird daher unter A. derjenige Zustand verstanden, in dem das Ichbewusstsein im physischen Körper bleibt, während es bei den anderen beiden Phänomenen nach außerhalb des Körpers verlagert wird. Zum bekanntesten Beispiel für eine A. wurde wohl das Erlebnis > Goethes (Dichtung und Wahrheit III, 11), das sog. > Drusenheimer Gesicht. Goethe ritt nach dem Abschied von seiner geliebten Friederike schweren Herzens davon und sah sich selbst auf dem Weg zu Pferde entgegenreiten, nur in einer ihm völlig unbekannten Kleidung. Viele Jahre später ergab es sich, dass er tatsächlich diese Kleidung, den „hechtgrauen Anzug“, auf einer Reise zu Friederike trug, als er sie noch einmal wiedersehen konnte.

Lit.: Lukianowicz, N.: Autoscopic phenomena, in: AMA Archives of Neurology and Psychiatry, 1958 (Aug.), 80 (2), 199–220; Bakker, Cornelius / Murphy, Solbritt E.: An unusual case of autoscopic halluzinations. In: Journal of Abnormal and Social Psychology, 1964 (Dec)), 69 (6), 646–649; Fodor, Nandor: Encyclopaedia of Psychic Science, U.S.: University Books Inc.,1966; Zahlner, Ferdinand: Kleines - Lexikon der Paranormologie. Hg. v. A. Resch. Abensberg: Josef Kral, 1972; Bonin, Werner F.: Lexikon der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete. Frankfurt a. M.: Fischer, 1981; Shepard, Leslie A. (Ed.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. In Two Volumes. Detroit: Gale Research Inc., ³1991; Brugger, Peter / Regard, Marianne / Landis, Theodor: Illusory Reduplication of One’s Own Body: Phenomenology and Classification of Autoscopic Phenomena. In: Cognitive Neuropsychiatry 2 (1), 1997, 19–38.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1