Aurum Solis

Aurum Solis (lat., „Gold der Sonne“), Order of the Sacred World (Orden der Heiligen Welt), magische Gesellschaft, die 1897 von den Okkultisten Charles Kingold und George Stanton als praktische Schule der magischen Riten in der westlichen Esoterik-Tradition gegründet wurde. Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges unterbrach der Orden seine Tätigkeit, um sie 1949 wieder aufzunehmen. Nach den Aussagen des Ordens fuße er nicht auf Rosenkreuzer- oder Freimaurertum, sondern auf der Gnosis sowie auf keltischer und alchemistischer Philosophie und Praxis. Er folge der „Ogdoadischen Tradition“ der Häresie des > Basilides (Leisegang, S. 223-228) im 2. Jh. (einer von Basilides gegründeten gnostischen Sekte, benannt nach dem großen Archonten, dem Ogdoas, König und Herrn des Alls), die ihre Grundlage in den religiösen Mysterien des Alten Ägypten habe. Zudem betont man den Einfluss des sog. Vierten Buches des Cornelius > Agrippa. Der Einfluss ogdoadischer Tradition manifestiert sich in den Initiationsriten der Zünfte, in den Kreuzritterorden (Templer, Johanniter, Deutschordensritter) des 12. Jhs., im Careggi Kreis des 15. Jhs. usw. Um 1689 begann die Gesellschaft Societas Rotae Fulgentis (Gesellschaft vom strahlenden Rad) eine Sammlung der „Ogdoatischen Lehren und Praktiken“. Kingold und Stanton waren angeblich Mitglieder dieser Gesellschaft. Der A. S. ist stark von der Kabbala beeinflusst. Ein prominenter Schüler C. G Jungs soll mit dem Orden engen Kontakt gehabt und auf das fünfbändige Werk des Ordens eingewirkt haben. Die Philosophie des A. S. wurde von Melita Denning und Osborne Philipps beschrieben.

Lit.: Melita Denning: The Magical Philosophy. Saint Paul, Minn.: Llewelly Publ., 1974; Leisegang, Hans: Die Gnosis. Stuttgart: Kröner, 51985, S. 223-228.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1