Augenbraue

Augenbraue, die parallel stehenden Haare in der Höhe des oberen Augenhöhlenrandes als Blend-, Schweiß- und Staubschutz. Diese eminente Stellung der A. hat zu zahlreichen Deutungen geführt. Nach der eddischen Überlieferung der altnordischen Grímnismál wurde aus > Ymirs A. die Erde > Midgard erschaffen.
Haare aus der rechten A. und Krähenblut wurden zur Krankheitsbehandlung verwendet. Bleibt die A. eines Menschen am Kleid des anderen hängen, so ist dieser angeblich verhext und kann nur durch Verbrennen der A. davon befreit werden. Menschen mit starken und borstigen A. sollen viel denken und zur Traurigkeit neigen. Hingegen seien dünngesäte A. Zeichen eines schwachen Charakters. Geschwungene A. seien ein Zeichen von Ehrgeiz und Stolz. Zusammengewachsene A. waren für > Aristoteles und die alten Physiognomiker Anzeichen von Melancholie, im alten Indien hingegen Zeichen der Zauberei.

Lit.: Seligmann, Siegfried: Die Zauberkraft des Auges und das Berufen: ein Kapitel aus d. Geschichte d. Aberglaubens. Hamburg: L. Friederichsen & Co., 1922; Blom, Dorothea: Tyding efter en Grunntake av Grimnismêal et Edda-Kvede. Starvanger, 1937; Hertz, Wilhelm: Der Werwolf: Beitr. zur Sagengeschichte. Unveränd. Neudr. d. Ausg. von 1862. Walluf (bei Wiesbaden): Sändig, 1973.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1