Augenamulett

Augenamulett, Schutz vor dem > bösen Blick und vor bösen Taten. Das A. ist vielfältig und wurde schon früh eingesetzt. So galt sowohl der schwarze als auch der braunrötliche > Sardonyx in Mesopotamien, vor allem aber bei den antiken Griechen und Römern als Augenamulett schlechthin. Die Kraft wurde durch magische Gravuren noch verstärkt. Die Hochschätzung des > Onyx im Abendland beruht auf den bekannten Zitaten in der Bibel (Ex 28, 20; Sir 24, 15; Ez 28, 13, Offb 21, 20). Onyx hilft bei der Abwehr des „bösen Blicks“. > Steine mit einer ungewöhnlichen Zeichnung, wie das Belusauge (Bel oculus), verschaffen – in der Hand getragen – helle, klare Augen. Andere Steine, wie der Augenachat, das Katzenauge oder der Malachit, schützen gleich dem Sardonyx vor bösem Blick, Bezauberung und jedem Unfall. Neben den Steinen dienten auch > Tieraugen, meistens gedörrt, als Schutzamulette. Ein Bärenauge schützt die Kinder vor nächtlicher Furcht und Krämpfen, ein Fledermausauge macht unsichtbar usw.
Auch im > Islam finden sich Augenamulette in Form eines Auges und eines Spitzpantoffels gegen den bösen Blick des Neiders. Die Farbe des Augenamuletts ist stets blau, da der Farbe Blau selbst eine schützende Wirkung nachgesagt wird. So soll durch das Augenamulett der böse Blick des Neiders widergespiegelt werden und auf diesen selbst zurückfallen. Häufig werden auch Mischformen verwendet. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die Kombination der „Hand der Fatima“, der Tochter Mohammeds, mit dem blauen Auge. Es gibt sogar Hand- und Augenamulette mit Koranversen, insbesondere mit Schutzsuren.

Lit.: Köhler, Heinrich Karl Ernst von: Untersuchung über den Sard, den Onyx und den Sardonyx der Alten. Göttingen: Dieterich, 1801; ders.: Antwort auf die Einwürfe gegen die Untersuchung über den Sard, den Onyx u. den Sardonyx der Alten. Leipzig: Baumgärtner, 1802; Vergleichende Volksmedizin: eine Darstellung volksmedizinischer Sitten und Gebräuche, Anschauungen und Heilfaktoren, des Aberglaubens und der Zaubermedizin / unter Mitw. von Fachgelehrten hrsg. von O. v. Hovorka und A. Kronfeld. Stuttgart: Strecker & Schröder, 1908; Seligmann, Siegfried: Der böse Blick und Verwandtes: e. Beitr. zur Geschichte d. Aberglaubens aller Zeiten u. Völker; 2 Bde. in e. Bd. Hildesheim u. a.: Olms, 1985; Rakoczy, Thomas: Böser Blick, Macht des Auges und Neid der Götter: eine Untersuchung zur Kraft des Blickes in der griechischen Literatur. Tübingen: Narr, 1996.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1