Aufklärung

Aufklärung, Bezeichnung für das Streben nach Beseitigung überkommener, nur auf Autorität angenommener Lehren und deren Ersatz durch eine pragmatische Lebensgestaltung mittels Vernunft, die zur obersten Autorität wird. Kant gibt hierfür in seinem Aufsatz vom 30. September 1784, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Berlinische Monatschrift 1784, S. 516), folgende Definition: „A u f k l ä r u n g   i s t   d e r   A u s g a n g   d e s   M e n s c h e n   a u s   s e i n e r   s e l b s t v e r s c h u l d e t e n   U n m ü n d i g k e i t. U n m ü n d i g k e i t  ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. S e l b s t v e r s c h u l d e t  ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude ! Habe Mut, dich deines  e i g e n e n  Verstandes zu bedienen ! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ Er bezeichnet das 18. Jh. als das Zeitalter der A., weshalb der Ausdruck A. für jene geistige Bewegung gebraucht wird, die im 17. Jh. in England begann, sich im 18. Jh. in Frankreich (Enzyklopädisten) und Deutschland ausbreitete und zusehends die gesamte europäische Kultur erfasste.
Diese rein pragmatische und vernunftbetonte Bewegung verkennt jedoch, bei allem Erfolg in Wirtschaft und Wissenschaft, bis heute nicht nur die Bedeutung des Gefühls und des ganzheitlichen Erkennens, sondern auch alle nicht rational begründbaren Erlebnisse und Erlebnisformen. Davon ist auch der gesamte Bereich des Paranormalen betroffen.
Dem entzog sich die experimentelle Parapsychologie durch Beschränkung ihres Arbeitsfeldes auf messbare oder statistisch auswertbare Forschungsbereiche unter Verzicht auf das Spontanereignis und individuelle Einzelerlebnis. Dies hat zu einer Verarmung der Parapsychologie und als Gegenreaktion zu einer enormen Ausweitung der Esoterik geführt. Demgegenüber steht die von Andreas > Resch ins Leben gerufene > Paranormologie allen Untersuchungsmethoden, persönlichen Erfahrungsformen und geschichtlichen Beschreibungen offen, zumal auch das mit Vernunft Nicht-Erklärbare von Lebensbedeutung sein kann.

Lit.: Resch, Andreas: Aspekte der Paranormologie: die Welt des Außergewöhnlichen. Innsbruck: Resch, 1992 (Imago Mundi; 13); ders.: Paranormologie und Religion. Innsbruck: Resch, 1997 (Imago Mundi; 15); Schaare, Jochen: Von der Illusion zur Realität: Beiträge zu einer Philosophie der Aufklärung, des Realismus und der Lebenskunst. Neustadt am Rübenberge: Lenz, 2003; Schulz, Eberhard G.: Durch Selbstdenken zur Freiheit: Beiträge zur Geschichte der Philosophie im Zeitalter der Aufklärung. Hildesheim: Olms, 2005.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1