Auferstehungsknöchelchen

Auferstehungsknöchelchen. Nach > Agrippa von Nettesheim gibt es im menschlichen Körper ein sehr kleines Bein, „von den Hebräern LUS genannt, das erbsengroß, unverweslich, selbst durch Feuer nicht zu zerstören, sondern unverletzbar ist. Aus ihm wird – nach der Juden Vorgeben – bei der Auferstehung der Toten unser neuer Körper hervorsprossen, wie die Pflanze aus dem Samen. Derartige Kräfte lassen sich jedoch nicht rational ergründen, sondern werden durch die Empirik erwiesen“ (Agrippa, 49–50). Darauf beruht auch das heute noch gültige Gesetz im Judentum, dass jüdische Friedhöfe nicht umgebrochen und für profane Zwecke verwendet werden dürfen.
Von diesem „Auferstehungsknöchelchen LUS“ ist von der althebräischen Literatur bis zu den anatomischen Büchern der Renaissance die Rede. Caspar Bauhinus versetzte es ins Rückgrat zwischen den 18. Wirbel und den Schenkelknochen, Hieronoydus Magus in die Hirnschale. Man identifizierte das Knöchelchen auch mit dem Steißbein (al ajib), das Muhammad (570–632) als unzerstörbar bezeichnet hatte, sowie mit dem Rabenschnabelfortsatz (Processus caracoideus), der am vorderen, mittleren Rand des Schulterblattes (scapula) sitzt.

Lit.: Bauhinus, Casparus: De corporis humani partibus externis: tractatus. Basileae: Episcopius, 1588; Bauhin, Caspar: Anatomica corporis virilis et muliebris historia. [S. l.], 1697; Agrippa von Nettesheim: De occulta philosophia / Auswahl, Einführung und Kommentar von Willy Schrödter. Remagen: Otto Reichl Verlag, 1967.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1