Auferstehung

Auferstehung, das Hervorgehen zum Leben nach dem Tod durch natürliche Wandlung, durch Auferweckung oder durch Wiedergeburt.
Eine natürliche Wandlung vom Tod zum Leben finden wir im Orient bei den sterbenden und auferstandenen Gottheiten > Osiris, > Tamuz, > Adonis und > Attis, die als Vegetationsgottheiten das Sterben und Erwachen der Natur darstellen.
Die Auferweckung vom Tod kommt insbesondere im Judentum, Christentum und Islam zum Ausdruck.
Im Alten Testament bezieht sich die Auferstehung als Auferweckung zunächst mehr auf das ganze Volk. „Hauch diese Erschlagenen an, damit sie lebendig werden. Da sprach ich als Prophet, wie er mir befohlen hatte, und es kam Geist in sie. Sie wurden lebendig und standen auf – ein großes, gewaltiges Heer. ... Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf“ (Ez 37, 9–10.12). Weiter ausgebildet wird die Lehre von der Auferstehung der Toten erst in der jüdischen Apokalyptik unter persischem Einfluss. Dabei zeichnen sich drei Richtungen ab. Die eine nimmt an, dass die Seele nach dem Tod unabhängig vom Körper weiterlebt (Spr 12, 28). Die andere ist der Ansicht, dass der Mensch an Leib und Seele stirbt, in der messianischen Zeit aber wiederbelebt wird und leiblich aufersteht zum ewigen Leben oder zur ewigen Abscheu ( Dan 12, 2). Nach einer dritten Lehrmeinung überlebt die Seele des Menschen den Tod, verbindet sich in messianischer Zeit mit dem Körper und steht leibhaftig auf. Im modernen Judentum spielt der Auferstehungsglaube nur mehr eine geringe Rolle.
Im Christentum ist die leibliche Auferstehung Christi das Grundfundament des Glaubens an die Auferstehung des Leibes am Jüngsten Tag und dessen Wiedervereinigung mit der Seele. Bis zum Jüngsten Tag lebt der Verstorbene als Seele fort. Nur Maria, die Mutter Jesu, entschlief in die Auferstehung an Leib und Seele bei ihrem Abschied von dieser Welt.
Im Islam schließt sich mit dem Tag der Auferstehung der Kreislauf des Lebens, der von seiner Erschaffung im Diesseits über den Tod hinaus zur Auferstehung ins Jenseits führt, die als neue Schöpfung durch Gott verstanden wird. Alle Autoren sind einhellig der Meinung, dass bei der Auferstehung der Körper des Menschen wiederhergestellt und mit der Seele vereinigt wird.
Die Reinkarnation oder Wiedergeburt ist nur indirekt als Auferstehung vom Tode zu bezeichnen, weil die Seele nicht in eine endgültige Vollendung mit dem einstigen Körper eingeht, sondern eine neue grobstoffliche Hülle annimmt, von der sie sich zu befreien sucht. Insofern kann nur von einer Auferstehung in Form einer Transmigration in einen neuen Körper gesprochen werden, der jedoch nichts mit „Person“ zu tun hat, sondern nur ein vorübergehendes Vehikel bildet.
In der Esoterik spielt die Auferstehung keine Rolle, weil die Frage des Fortlebens höchstens als Wiedergeburt zur Sprache kommt.

Lit.: Resch, Andreas: Fortleben. Innsbruck: Resch, 2004.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1