Auerhahn

Auerhahn (lat. tetrao urogallus), gehört zur Familie der Raufußhühner (Tetraonidae) und zur Ordnung der Hühnervögel (galliformes). Er ist von Skandinavien über Mitteleuropa und vom Balkan durch die Nadel-, Laub- und Mischwaldzonen sowie die russischen Waldsteppen und die Kiefernwälder Südwestsibiriens ostwärts bis zum Baikalsee verbreitet. Kleine Verbreitungsinseln gibt es auch noch in den Pyrenäen und in Schottland. Der A. ist der größte europäische Waldhahn, der bis zu 6 kg schwer werden kann. Seine Grundfärbung ist dunkelgrau bis schwarz. Die Schwingen und die Befiederung seiner Ständer sind braun. Er hat einen weißen Achselfleck und seine Brust weist ein metallisch blaugrün schillerndes Brustschild auf. Oberhalb seiner Augen besitzt er nackte, rote Rosen, die zur Balzzeit stark anschwellen.
Von Hildegard von Bingen wird der A. im Abschnitt „De Urhun“ in ihrer Naturkunde als heilkräftig erwähnt: „Der Auerhahn ist warm und etwas feucht und deshalb für Gesunde und Kranke bekömmlich. Wenn ,Maden‘ oder andere Würmer den Menschen fressen, soll man die Blase des Auerhahns pulverisieren und das Pulver auf die Geschwürstellen streuen. Wenn die Maden davon fressen, sterben sie“ (Hildegard von Bingen, 109). Eine im Schatten getrocknete und als Amulett getragene Auerhahn-Zunge solle gegen Epilepsie helfen (Hovorka, I, 43). In Norwegen wurde das Herz des Auerhahns zum Schutz vor Schlangen und Bezauberung als Amulett am Arm getragen (Höfler, 251).

Lit.: Vergleichende Volksmedizin: eine Darstellung volksmedizinischer Sitten und Gebräuche, Anschauungen und Heilfaktoren, des Aberglaubens und der Zaubermedizin / unter Mitw. von Fachgelehrten hrsg. von O. v. Hovorka und A. Kronfeld. Stuttgart: Strecker & Schröder, 1908; Hildegard von Bingen: Naturkunde. Das Buch von dem innern Wesen der verschiedenen Naturen in der Schöpfung. Nach den Quellen übersetzt und erläutert von Peter Riethe. Salzburg: Otto Müller Verlag, 41989; Höfler, Max: Die volksmedizinische Organotherapie und ihr Verhältnis zum Kultopfer. Stuttgart; Berlin; Leipzig, 1908; 1994.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1