Attila

Attila, in der deutschen Heldensage auch als Etzel bekannt († 453), war ab 434 König des Turkstammes der Hunnen. Diese kamen im 4. Jh. bei der großen Völkerwanderung innerasiatischer Stämme, die vom Tien-Schan-Gebirge ihren Ausgang nahm, nach Westen. Ihr Name, mit dem die Westeuropäer Begriffe wie „grausam“ und „barbarisch“ verbinden, blieb wegen ihrer Kriegstaten bis heute unvergessen. Attila – sein eigentlicher Name ist nicht bekannt – ist die Verkleinerung von gotisch „Attar“, Vater, also „Väterchen“ (nordisch Atli, im Nibelungenlied). Er regierte seit 434 mit seinem Bruder und nach dessen Tod (445) allein sein heterogen zusammengesetztes Großreich, das von den Grenzen Chinas bis an die Wolga, die Donau, den Rhein, ja bis an den Tiber reichte. A. verhandelte mit dem Papst in Rom, mit Basileus von Byzanz und mit den Kaisern von China. Bei seinem Einfall in Gallien trat ihm ein vom römischen Feldherrn Aëtius geleitetes Heer aus Franken, Burgundern und Westgoten entgegen und besiegte ihn 451 auf den Katalaunischen Feldern bei Troyes. 452 marschierte er bis vor die Tore Roms, zog sich dann aber wieder nach Pannonien (Ungarn) in sein Hauptquartier zurück, wo er in der Hochzeitsnacht mit der Germanin Ildiko („Hildchen“) eines überraschenden Todes starb. Nach seinem Tod löste sich sein Großreich bald auf. In den Epen und Sagen lebt sein Andenken jedoch weiter, insbesondere in der Gestalt Etzels im > Nibelungenlied oder des Atli in der > Völsunga Saga sowie des Attilius in der >Thidrekssaga.

Lit.: Homeyer, Helene: Attila: der Hunnenkönig von seinen Zeitgenossen dargestellt; ein Beitrag zur Wertung geschichtlicher Größe. Berlin: de Gruyter, 1951; Altheim, Franz: Reich gegen Mitternacht: Asiens Weg nach Europa. Hamburg: Rowohlt, 1955; Howarth, Patrick: Attila – der Hunnenkönig: Mann und Mythos. Freiburg i. Br.: Herder, 2001.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1