Attich

Attich (Sambucus ebulus L., Zwergholunder), eine dem > Holunder nah verwandte, etwa 1 m hohe Staude mit weißen und manchmal ins Rosarote übergehenden Blüten und glänzend schwarzen Beeren. Er ist in Europa, im Iran und in Nordafrika verbreitet. Die unangenehm riechende Pflanze wird schon von > Dioskurides (Dioskurides, IV, 173) und Plinius (Plinius, XXVI, 120) erwähnt und stand in hohem Ansehen als Heilpflanze.
A. wurde sehr häufig als harn- und schweißtreibendes Mittel verwendet. Doch wer größere Mengen Attichtee trinkt, bekommt Durchfall und erbricht. Zudem sinkt der Blutdruck. Als Rattekrut sollte er Ratten abhalten. Er stand zudem im Ruf, das Mittel der Wahl bei allen Arten von Vergiftungen durch Tiere zu sein, so vorzugsweise bei Schlangenbissen. Das Kraut sollte für diese Anwendung in besonderer Weise gesammelt werden: Der Kräutersammler sollte es dicht über der Erde schneiden und dabei nicht hinsehen, sondern vielmehr an den Patienten denken (Schöpf). Da der Samen schleimhautreizend ist und die Blätter ein giftiges Glykosid enthalten, das Blausäure freisetzen kann, wird der Zwergholunder heute nicht mehr als Heilmittel verwendet.
Nach einer englischen Sage wuchs der Attich aus dem Blut der Dänen, die im 11. Jh. bei den Kämpfen zwischen Knud dem Großen und Edmund Ironside fielen. Er heißt in England deshalb „Dänenblut“.

Lit.: Plinius, C. Secundus: Naturalis historiae libri XXXVII. Hg. v. Lud. Jan und Carol. Mayhoff. Lipsiae, 1892 bis 1898; Dioskurides: Pedanii Dioscuridis Anazarbei de materia medica libri V ed. M Wellmann. 3 voll. Berolini 1907–1914. Dt. Übersetzung von J. Berendes. Stuttgart, 1902; Marzell, Heinrich: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Bd. 4. Stuttgart: Hirzel; Wiesbaden: Steiner, 1979; Schöpf, Hans: Zauberkräuter. Graz: ADEVA, 1986.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1