Atiyoga

Atiyoga oder Mahasandhi (skrt., „außergewöhnlicher Yoga“; tibet. dzogchen, „Vollendung“), bezeichnet Lehren, die traditionell in der Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus (> Vajrayana) als Quintessenz der Lehren Buddhas betrachtet werden. Das > Dzogchen-Kloster in Tibet gehört zu den sechs Hauptsitzen der Nyingma.
A. ist der Weg der Selbstbefreiung durch nicht-dualistische Kontemplation, die jenseits des Geistes liegt und den Menschen wieder in die uranfängliche Energie eingliedert. Der A. besteht in der Praxis aus einem ununterbrochenen Zyklus von Kontemplationen. Jene bei Tag sind gegliedert in Verstehen (experimenteller Zugang), Festigung (Einübung des Verstandenen) und Fortschreiten in der Entwicklung kontemplativer Fähigkeiten. Die Nachtübungen werden vor dem Einschlafen und nach dem Erwachen durchgeführt. Ständige Übung führt zur vollkommenen Erkenntnis der natürlichen Urweisheit, jenseits von Anfang und Ende.

Lit.: Rinpoche, Dudjom: Die Klausur auf dem Berge – Dzogchen Lehren und Kommentare. Berlin: Theseus, 1994; Dalai Lama: Dzogchen – Die Herz-Essenz der Großen Vollkommenheit. Berlin: Theseus, 2001.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1