Athena

Athena (der Name ist vorgriechisch), griechische Göttin, Olympierin. Tochter von > Zeus und > Metis, der weisesten aller Göttinnen. Zeus verschlingt die schwangere Metis und als > Hephaistos das Haupt des Zeus mit einer Axt spaltet, tritt A. in voller Rüstung daraus hervor. Diese wundersame Geburt erfolgt am Ufer des Flusses (oder des Sees) Triton, weshalb sie auch den Namen Tritogeneia erhält. Sie wird vom Flussgott > Triton aufgezogen und wächst mit dessen Tochter Pallas heran, die sie im Spiel tödlich trifft, worauf sie „Pallas“ zu ihrem Beinamen macht. Das danach benannte Götterbild Palladion soll den Bestand von Haus und Stadt vor Unheil bewahren. Solche Palladien sind für verschiedene Kultstätten der A. bezeugt.
Als Kriegsgöttin führt sie den Kampf zum Schutz der Heimat mit Überlegung und in geordneten Formen. Sie ist Polisgottheit und Stadtschützerin von Athen. Streit und Krieg sind ihr lieb (Homer Il. 5, 333), und so ist die bewaffnete Göttin die Schutzpatronin des Krieges. Als streitbare Göttin nimmt sie am Kampf gegen die > Giganten teil. Dem Giganten Pallas zieht sie die Haut ab und bezieht damit ihren Schild. A. ist aber auch Beschützerin vieler griechischer Helden und rettet das Herz des > Zagreus.
Lichte Klarheit zeichnet die strahlenäugige Göttin aus, ist sie doch die Zuflucht der Menschheit in Krieg und Frieden, die Göttin der Weisheit und des Verstandes. Die ägäische Vorgängerin der großen weiblichen Gottheit des Mittelmeerraumes ist die chthonische > Medusa, und ein Hauch ihrer Vernichtungskraft liegt auch noch im Blick der eulenäugigen A., deren Attribut, die > Eule, in der abendländischen Welt zum Symbol für Weisheit und Erfindungsgabe wurde. So lehrt A. den Gebrauch von Pferd und Wagen, hilft den > Argonauten beim Bau ihres Schiffes, bringt den Bauern den Pflug, den Frauen den Webstuhl und erfindet die Flöte, die Trompete, das Tongefäß, das Ochsenjoch und das Schiff. Die Olive gilt als weiteres Symbol der Göttin.
Ihrer herausragenden Stellung gemäß geht A. nie ein Liebesbündnis ein, sondern bleibt Parthenos, die Jungfräuliche. In dem Moment, als sie sich mit Hephaistos vereinigen soll, dem Zeus A. zum Dank für ihre Geburt als Braut zugedacht hatte, also noch bevor sie seine Gattin wurde, verschwand sie und der Samen fiel auf die Erde. Daraus wurde > Erichthonios.
Der jungfräulichen A. Parthenos errichtete man auf der Akropolis von Athen einen der prächtigsten Tempel, die in Griechenland je bestanden. Zur ihrer Ehre feiert man jährlich die kleinen und alle vier Jahre die großen Panathenäen, deren Hauptritual auf dem Parthenonfries dargestellt ist.
In Rom wurden im Jahr 217 v. Chr. sechs griechische Götterpaare eingeführt, darunter A. (röm. > Minerva) und > Poseidonios (röm. > Neptunus).

Lit.: Paulys Real-Encyclopädie. Hg. v. G. Wissowa u. a. Stuttgart, 1894ff., Bd. 2 1896; Otto, Walter F.: Theophania: der Geist der altgriechischen Religion. Hamburg: Rowohlt, 1956; DKP = Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike. Auf der Grundlage von Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Hg. Von Konrad Ziegler u. Walther Sontheimer, 5 Bde. Stuttgart: Alfred Druckenmüller 1964–1975, Bd. 2 1967; Waldenfels, Hans (Hg.): Lexikon der Religionen. Begründet von Franz König unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter. Freiburg u. a.: Herder, 1987; Hunger, Herbert: Lexikon der griechischen und römischen Mythologie: mit Hinweisen auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst, Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart. 8., erw. Aufl. Wien: Verlag Brüder Hollinek, 1988; DNP = Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Hg. v. Hubert Cancik u. Helmuth Schneider, Bd.1ff. Stuttgart; Weimar: J. B. Metzler, 1996ff.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1