Athanor

Athanor (hebr. nur, Feuer; arab. at-tannur, Backofen), Sandbade-Ofen der Alchemisten, auch „Fourneau cosmique“, „Piger Henricus“, „Fauler Heinz“ genannt. Es handelte sich dabei um einen gemauerten Kohle-Füllofen, bei dem das Brennmaterial dem Rost über eine schiefe Ebene gleichmäßig zufloss, ohne dass man immer wieder nachfüllen musste. Dies war für die konstante Wärme bei einigen alchemistischen Prozessen notwendig. Im 17. und 18. Jh. nannte man einen Zentralofen A., der mehreren Herden gleichzeitig Heißluft zuleitete.
In der hermetischen Symbolik versinnbildlichen der hitzespendende A. das männliche und die hitzeaufnehmenden > Cucurbiten das weibliche Element. Deshalb ist auch der „kosmische Ofen“ ein Hinweis auf die > Chymische Hochzeit. Die angeschlossenen Kondensierkolben sind die „Kinder“, die an der Mutter saugen.
Im übertragenen Sinn wird A. mit der Gebärmutter und dem Weltenei verglichen, als Fluidum oder Aura der Alchemisten und als Abbild des Kosmos bezeichnet.

Lit.: Biedermann, Hans:  Handlexikon der magischen Künste: von d. Spätantike bis zum 19. Jahrhundert; Band 1: A–K. 3., verb. u. wesentl. verm. Aufl. Graz: ADEVA, 1986; Seligmann, Kurt: Das Weltreich der Magie: 5000 Jahre geheime Kunst. Eltville a. Rhein: Bechtermünz, 1988; Geßmann, Gustav Wilhelm: Geheimsymbole der Alchemie, Arzneikunde und Astrologie; mit mehr als 4500 Geheimsymbolen auf 122 Tafeln. Holzminden: Reprint-Verl. Leipzig, 2004.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1