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LEXIKON DER PARANORMOLOGIE                                                  Index   A - Z
Band 1

Astrologie

Astrologie (griech. astrologia, Sternkunde), Lehre von den Einflüssen der Sternenwelt und ihren Veränderungen auf die Menschen, die Tier- und Pflanzenwelt, die bei allen Hochkulturen in irgendeiner Form bis heute bekannt ist. Eine zwischen 10. und 14. Mai 2001 durchgeführte Umfrage der Gallup Organization, Princeton / USA, ergab, dass 28% der Bevölkerung an A. glauben, während 18% unsicher sind und 52% nicht daran glauben. Diese Entsprechung findet ihren Ausdruck im hermetischen Diktum des „Wie oben, so unten.“
Geschichte
Die abendländische Tradition der A. geht auf sumerisch-babylonische Kulturen Mesopotamiens im 3. und 2. vorchristlichen Jahrtausend zurück. Die im Britischen Museum verwahrte Bibliothek König Assurbanipals (ca. 669–626 v. Chr.) enthält etwa 4000 Keilschriften und Bruchstücke von Tafeln, die nach einem Wort mit der Bedeutung „Pflug-Stern“ als Mul.Apin-Keilschriftserie bezeichnet werden. Man glaubt heute, dass es sich um Abschriften von babylonischen Texten aus der Zeit um etwa 1300 v. Chr. handelt. Die Tafeln listen 18 Sterne und Sternbilder im Tierkreisgürtel innerhalb eines schematischen Jahres von 12 Monaten auf.  Die Texte zeigen eine enge Verbindung zwischen astronomischer Beobachtung und der  Deutung von Vorzeichen. So besagt ein Text: „Wenn am 14. Monatstag Mond und Sonne in Opposition sind, wird der Landeskönig ein weites Ohr haben“ (Bezold, S. 2). Als besonders wichtiges Merkmal der astrologischen Praxis tritt bereits das Prinzip der Gestirnvertretung auf, wonach unter bestimmten Umständen für die Prophezeiung ein Himmelskörper den anderen ersetzen kann. Vor allem kann die Sonne, wenn sie untergegangen ist, ersetzt werden – hauptsächlich durch Planeten und Fixsterne.
Die Unterscheidung von Fixsternen und > Planeten ist uralt. Dabei dürfte die vom Fixsternhimmel unabhängige Bewegung der Planeten sogar der Grund für die Erhebung der Planeten zu Himmelsgöttern sein. Eine genaue Beobachtung des Sternenhimmels sowie die erste Registrierung der Sternenläufe fanden in der Zeitspanne zwischen 25.000 bis 10.000 statt, wovon Rentierknochen und Mammutzähne mit eingeritzten Darstellungen der Mondphasen zeugen.
Im 6. Jahrtausend stellten dann die Sumerer erste Himmelsbeobachtungen an, im 3. Jahrtausend wurden astrologische Prognosen von Sargon aus Akkad abgegeben und im Jahr 2073 reichte der erste Kaiser von China, Shun, den Planeten als den „sieben Lenkern“ Opfer dar. Um 2000 v. Chr. wurden an vielen Orten in Europa Megalith-Steine in bestimmten, astronomisch orientierten Positionen errichtet, etwa das berühmte > Stonehenge im Süden Englands, und im 14. Jh. v. Chr. verehrten die Sumerer Shin als Mondgott und Schamasch als Sonnengott, bis die Babylonier schließlich zwischen 700 und 400 v. Chr. den > Tierkreis definierten (Übersichtstabelle s. Gauquelin, 1973, 203–207).
Ihre eigentliche Ausprägung erfuhr die A. dann bei den Griechen. Allerdings hatte sie vor der Zeit Alexanders des Großen (356–323) auf das Leben des griechischen Volkes keinen Einfluss, wenngleich sich die Schule des Pythagoras philosophisch mit dem Zusammenspiel des Kosmos befasste. Hier tauchte nämlich erstmals der Begriff Naturgesetz auf, was zu einer zweifachen Bewunderung der kosmischen Gesetzmäßigkeiten führte: der Ergründung der unveränderlichen Bewegungsgesetze durch die Astronomie und der Andacht zu den sichtbaren Göttern, wie die Sterne nun hießen, durch die astrologische Mystik. Diese Beseeltheit und Göttlichkeit der Gestirne, die in wunderbarem Gleichmaß Nacht für Nacht ihre stille Bahn ziehen, vertrat Platon mit so tiefer Überzeugung, dass selbst der nüchterne Aristoteles, der die Welt unter dem Mond scharf von der Region der Gestirne trennt, an der Annahme festhält, dass alle Bewegung vom ersten Bewegten, der Fixsternsphäre, ausgehen müsse und somit jede Veränderung der Erde durch die obere Welt bewirkt werde.
Nach dem Feldzug Alexanders des Großen nach Persien und Indien gelangte dann auch die wahrsagende Sternkunde nach Griechenland und verbreitete sich rasch im gesamten Mittelmeerraum, obwohl noch kurz zuvor Platons Freund Eudoxos, der große Astronom, den „Chaldäern“, d. h. den Sterndeutern vom Euphrat, jeden Glauben verweigert hatte, wenngleich er die Astronomie und Meteorologie der Babylonier kannte. Doch schon früher hatte man die Planeten den Göttern zugeordnet (Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn). Auch Heroen wurden in den Sternhimmel entrückt. Hinzu kam die Vorstellung, dass gute Menschen nach dem Tod zu Sternen würden. Unter den Ptolemäern glaubte man, dass die verstorbenen Regenten und ihre Gemahlinnen unter die Sterne versetzt würden – ein auch in der römischen Kaiserzeit verbreiteter Glaube. Der letzte zu den Sternen erhobene Mensch war Antinous, der Liebling Hadrians.
Die Sternbilder, die alle mythologische Bedeutung hatten und den Seefahrern und Kalendermachern schon früh zur Orientierung dienten, waren zum Teil auch für die wahragende Sternkunde von Bedeutung.
Auch die alten Ägypter besaßen eine eigene astrologische Tradition, die in der griechisch-römischen Zeit weithin Anerkennung fand. Es gibt Belege dafür, dass die Ägypter bereits um 1300 v. Chr. die vier Fixsterne des Tierkreises – Wassermann, Löwe, Stier und Skorpion – kannten.
Doch so beliebt die Astrologie in der Antike auch war, wurde sie immer auch abgelehnt. > Horaz hielt sie für etwas Gottloses, nefas. Die christliche Kirche bekämpfte sie theoretisch. In der Praxis beschäftigten auch Päpste und andere Kirchenfürsten Astrologen. Klöster und Kirchen wurden nach astrologischen Berechnungen gegründet und gebaut. Schließlich verknüpft das Evangelium selbst - in der Sonnenfinsternis beim Tod Christi, bei der Erzählung vom Stern und den Weisen aus dem Morgenland und an vielen anderen Stellen - irdisches Geschehen mit kosmischen Ereignissen. Ebenso blieb an Fürstenhöfen der gute Ruf der A. und der Person des Astronomus erhalten.
Zudem hatten die Araber Astrologie und Astronomie erheblich weiterentwickelt. Durch die Aspektlehre ihrer Schule von Toledo und die jüdischen Kabbalisten war sie zu einem System ausgebildet worden. An den ältesten Universitäten Europas in Bologna und Padua wurden Lehrstühle für Astrologie errichtet.
Schließlich besagt die Zuordnung der Begriffe Astrologie und Astronomie auf den > Astronomus, auch „Astrologus“ und „Mathematicus“ genannt (Bodin, 1580), dass die Beobachtung der naturgesetzlichen Zusammenhänge, des räumlich und zeitlich Messbaren der Astronomie, bis in die Neuzeit hinein mit Fragen der Astrologie nach der Bedeutung für die Menschen verbunden wurde.
Heute lehnen Astronomie und akademische Wissenschaft die A. grundsätzlich ab, obwohl sie im allgemeinen Volksglauben mehr denn je hoch im Kurs ist und sogar in wirtschaftlichen Bereichen, insbesondere im Personalwesen, nicht selten zur Anwendung kommt. Die Tageszeitungen können auf das Horoskop schon aus Absatzgründen nicht verzichten.
Lehre
Die A. lehrt die Entsprechungen zwischen der Gestirnwelt und der irdischen Welt und entwirft von der Sicht der Erde aus ein Bild des Sternenhimmels, das einen sich ständig wiederholenden Kreislauf von 12 am Horizont auf- und untergehenden > Sternzeichen zeigt, den sog. > Tierkreis. Dieser setzt sich also aus der in 12 gleiche Abschnitte von je 30° unterteilten Umlaufbahn dieser Himmelskörper zusammen. Ferner werden 12 > Häuser oder Felder durch die Aufteilung des Himmelsraumes nach unterschiedlichen Methoden berechnet.
Das Kernstück der astrologischen Lehre ist das > Horoskop, in dem im Wesentlichen der Stand von > Sonne, > Mond und Planeten zu einem bestimmten Augenblick in den 12 > Tierkreiszeichen und 12 Häusern festgehalten wird.
Zu den Planeten > Merkur, > Venus, > Mars, > Jupiter und > Saturn wurden noch die erst in jüngerer Zeit entdeckten > Neptun, > Uranus und > Pluto zur Horoskopierung hinzugezogen, während > Chiron und > Lilith erst zur A. des 20. Jhs. gehören.
Ursprünglich diente die Deutung des Sternenhimmels globalen Themen wie Kriegen und politischen Ereignissen oder Entscheidungen. Erst später wurde die astrologische Deutungskunst auf das Leben und den Charakter eines individuellen Menschen angewandt. Zur Deutung der individuellen Persönlichkeit wird das Geburtshoroskop, das sog. > Radixhoroskop, benötigt, während für die Prognose eines Jahresverlaufs im Leben eines Menschen das > Solarhoroskop, das man zum Zeitpunkt des Übergangs der Sonne über ihre Position im Radixhoroskop berechnet, verwendet wird. Zur Berechnung künftiger Ereignisse werden ferner noch die > Progressionen, die > Transite sowie die Berechnung des > Sonnenbogens herangezogen. Über die Deutung von Horoskopen ist seit über zwei Jahrtausenden eine nicht mehr zählbare und keineswegs abgeschlossene Reihe von Schriften verfasst worden.
Jeder Moment am gestirnten Himmel korreliert also mit einem Moment des irdischen Lebens, d. h., jede Planetenkonstellation entspricht sowohl einer geschichtlich einmaligen als auch einer individuellen, menschlichen Situation. Dies stimmt mit dem hermetischen Grundsatz „Wie oben, so unten“ überein. Die Frage ist nun, wie diese Entsprechung zu verstehen ist. Hier stehen sich die Modelle der kausalen Beeinflussung und des analogen Geschehens gegenüber.
Das Makro-Mikrokosmos-Denken impliziert für viele Menschen auf den ersten Blick die schicksalhafte Beeinflussung der Mikrosphäre von Seiten der Makrosphäre. Dem gegenüber steht die Interpretation der astrologischen Entsprechung zwischen Sternenlauf und irdischen Ereignissen als einem parallelen, analogen Geschehen. Hier, auf der Seite des Analogie-Modells, vertritt etwa C. G. > Jung die Auffassung, dass die Sterne das mikrokosmische Geschehen „synchronistisch“ widerspiegeln.
Anlass zur Kritik an der A. bot neben der geozentrischen Sichtweise derselben vor allem das Entsprechungsmodell nach dem Prinzip der Kausalität im Sinne einer völligen Abhängigkeit und Bestimmung. Dieser Idee vom direkten Einfluss der Sterne wurde jedoch durch den bekannt gewordenen astrologischen Grundsatz > astra inclinant, sed non necessitant („die Sterne machen geneigt, zwingen aber nicht“) die Schärfe genommen.
Der Physiker Michel Gauquelin unternahm in jüngster Zeit den Versuch, eine statistische Signifikanz für die Deutung bestimmter Planetenkonstellationen im Geburtshoroskop zu erstellen, d. h. für die Position der Planeten Mars, Jupiter und Saturn sowie des Mondes an der Himmelsmitte, dem > Medium coeli (MC), dem sog. Berufspunkt. Dabei sprach der Mars am MC im Geburtshoroskop eines Menschen für Spitzensportler; Jupiter am MC wies auf Offiziere, Saturn auf Wissenschaftler und Mediziner, während sich der Mond am MC als Schriftsteller-Aspekt entpuppte (Gauquelin, 1973, 200f.; Gauquelin, 1960). Gauquelins Untersuchungen erbrachten jedoch bisher keine allgemein akzeptierten Ergebnisse. Zum schlechten Ruf der A. trugen in neuerer Zeit sicher die Zeitungshoroskope entscheidend bei, weshalb Rudolf Haase für die ernst zu nehmende A. den Begriff > Kosmobiologie vorschlägt (Haase, 105).
Arten
Innerhalb der A. wird unterschieden zwischen medizinischer, meteorologischer, mundaner, operativer, prognostischer, praktischer, psychoanalytischer, revidierter, esoterischer, symbolistischer, individueller, magischer A. und der A. des günstigen Augenblicks. Ferner gibt es die chaldäische, chinesische, indische, islamische, präkolumbianische, jüdische, kabbalistische und sassanidische A. (vgl. Sahihi).
Alltagsleben
Viele Spuren führen im Alltagleben zurück zur A., wie etwa der Stern *, der für „geboren“ steht, die Namen der Wochentage (Sonntag, Montag usw.), Begriffe wie „jovial“ oder „martialisch“, die auf Jupiter und Mars verweisen, und auch engl. disaster gehört hierher. Jeder kennt ferner die Redewendung „etwas steht unter (k)einem guten Stern“.
Neuere Astrologen
Stellvertretend für die bedeutendsten Astrologen des 20. und 21. Jhs. sind zu nennen: Frh. v. > Klöckler, > Reinhold > Ebertin, Thomas > Ring, Fritz > Riemann, Herbert A. > Löhlein, Howard > Sasportas, Stephen > Arroyo und Liz > Greene.
Fundiertheit
Sosehr außer Zweifel steht, dass Kosmos und Sterne auf Pflanze, Tier und Mensch wie auch auf geschichtliche Verläufe einen Einfluss haben, lassen sich diese Einflüsse aufgrund der Komplexität der äußeren und inneren Wirkkräfte in Mensch und Natur nur in Wahrscheinlichkeiten, ähnlich den Wettervorhersagen, angeben. Die mittels Horoskop erstellten Lebens- und Charakterdeutungen des Menschen sind aufgrund der gänzlich unüberschaubaren Einflussfaktoren hingegen als reines Unterhaltungsspiel zu betrachten.

Lit.: Bodin, J.: De la Démonomanie des sorciers. Paris: DuPuys, 1580; Heindel, Max: Die medizinische Astrologie. Warpke-Billerbeck (Hann.): Baumgartner, o. J.; Klöckler, Herbert Frh. v.: Astrologie als Erfahrungwissenschaft. Leipzig, 1927; Sterneder, Hans: Der Schlüssel zum Tierkreisgeheimnis und Menschenleben. München: Drei Eichen Verlag Kissener, 1956; Ring, Thomas: Astrologische Menschenkunde. Bd. 1: Kräfte und Kräftebeziehungen. Freiburg i. Br.: H. Bauer KG Verlag, 21956; Gauquelin, Michel: Les Hommes et le Astres. Paris, 1960; Ring, Thomas: Astrologische Menschenkunde. Bd. 3: Kombinationslehre. Zürich; Stuttgart: Rascher, 1969; Ring, Thomas: Astrologische Menschenkunde. Bd. 2: Ausdruck und Richtung der Kräfte. Freiburg i. Br.: H. Bauer KG Verlag, 21969; Gauquelin, Michel: Astrology and Science. London: P. Davies, 1970; Gauquelin, Michel: Die Uhren des Kosmos gehen anders. Bern u. a.: Scherz, 1973; Ring, Thomas: Astrologische Menschenkunde. Bd. 4: Das lebende Modell. Freiburg i. Br.: Hermann Bauer KG, 1973; Xylander, Ernst von: Lehrgang der Astrologie. Bern: Origo Verlag, 1983; Haase, Rudolf: Der harmonikale Strukturalismus. In: Andreas Resch (Hg.): Kosmopathie. Der Mensch in den Wirkungsfeldern der Natur. Innsbruck. Resch, 21986 (Imago Mundi; 8); Greene, Liz: Schicksal und Astrologie. München: Hugendubel, 1990; Ebertin, R. (Hg.): Anatomische Entsprechungen der Tierkreisgrade: nach einem hinterlassenen Manuskript von Elsbeth Ebertin. Neu bearb., erw. u. erg. von Reinhold Ebertin. Freiburg i. Br.: Ebertin, 1991; Eliade, M.: The Encyclopedia of Religion. New York u. a.: Simon & Schuster, Macmillan, 1995; Riemann, Fritz: Lebenshilfe Astrologie: Gedanken und Erfahrungen. München; Pfeiffer, 182001; Sahihi, Arman: Das neue Lexikon der Astrologie. 1400 Begriffe der Kosmologie, Astronomie, Astrophysik und Astrologie. Genf; München: Ariston, 1991; Sasportas, Howard: Uranus, Neptun, Pluto im Transit. München: Droemer Knaur, 1991; Shepard, Leslie A. (Ed.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. In Two Volumes. Detroit: Gale Research Inc., ³1991; Landscheidt, Theodor: Astrologie: Hoffnung auf eine Wissenschaft? Mit e. Vorwort v. H. J. Eysenck. Innsbruck: Resch, 1994.

 

 

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Resch, Andreas: Lexikon der Paranormologie Band 1: A – Azurit-Malachit.
Innsbruck: Resch, 2007, XII, 580 S., ISBN 978-3-85382-081-0, Ln, EUR 38.30 [D], 39.90 [A]

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