Astralprojektion

Astralprojektion, engl. astral projection, ESP projection, astral travel, exteriorization oder travelling clairvoyance, franz. sortie en astral, die heute gebräuchlichste Bezeichnung unter vielen anderen für die Fähigkeit des Reisens außerhalb des physischen Körpers. Begriffe wie Astralaustritt, Astralexkursion, Astralreise, Astralwandern, Astralwallen, > Ätherprojektion, Austritt, Austritt des Ichs, Ichaustritt, Exteriorisation, Außersichsein, Außerkörperliche Erfahrung bzw. Außerkörperliches Erlebnis (AKE), Seelenreise, > Schamanenreise, Verdoppelung, > Bilokation werden häufig synonym mit A. verwendet.
Einerseits wird unter A. das bewusste Aussenden des > Astralleibes (Miers) verstanden, „die willentliche Lösung des Astralkörpers vom Körper“ (Drury) häufig zu dem Zweck, ihn anderen Personen erscheinen zu lassen. Andererseits ist mit A. auch das unbewusste Reisen des > Astralkörpers im > Schlaf oder in > Trance gemeint; es kann also sowohl spontan auftreten als auch induziert werden.
Schon aus der Antike werden Astralreisen berichtet. So wird etwa dem Dichter > Aristeas von Prokonnesos aus dem 7. vorchristlichen Jh. unter anderen paranormalen Phänomenen auch die Fähigkeit zugeschrieben, seinen Körper verlassen und mit neuem Körper umherreisen zu können. Aus dem 1. nachchristlichen Jh. wird von dem neupythagoreischen Philosophen und Wundermann > Apollonios von Tyana ebenfalls die Gabe der A. bezeugt.
In neuerer Zeit wurde der italienische Kapuziner Francesco Forgione, bekannt als > Padre Pio (1887–1968), ein vielgenanntes Beispiel für die Fähigkeit der Bilokation, d. i. die Möglichkeit, an zwei Orten gleichzeitig sichtbar zu sein. Der britische Geologe Robert > Crookall sammelte über 500 Fälle, die für die Evidenz der Realität der A. sprechen, und ebenso hat Hornell N. > Hart ganz entscheidende Dokumentationsarbeit auf diesem Gebiet geleistet. Von Sylvan > Muldoon, der 1971 verstarb, gibt es ausführliche Beschreibungen seiner eigenen Erlebnisse, die er schon als Zwölfjähriger hatte. Zunächst waren es spontane außerkörperliche Erlebnisse (> Außerkörperliche Erfahrung), später konnte er dann gezielt und beabsichtigt seinen Körper verlassen, vor allem, wenn er krank war – wobei diese Fähigkeit jedoch mit zunehmender Gesundung jeweils nachließ (Muldoon 1929, 1964, 1966, 1970). Bekannt wurden auch die Astralreiseerlebnisse von Robert A. > Monroe, die er in seinem Buch Der Mann mit den zwei Leben, Reisen außerhalb des Körpers (Monroe, 1981) festgehalten hat.
Der Austritt aus dem physischen Körper kann zu einer kürzeren oder weiteren Reise führen, und je nach der Entfernung wird von > Exteriorisation, wörtl. „Nach-außen-Verlegung“, oder > Exkursion, wörtl. „Auslauf“, gesprochen. Bei der Exteriorisation hält sich der als neu erlebte, herausgetretene Körper in unmittelbarer Nähe seines materiellen Körpers auf. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der > Silberschnur (feinstoffliche „Nabelschnur“) als Verbindung zwischen dem ausgetretenen und dem physischen Körper. Im Falle der Exkursion begibt sich das Ich bewusst auf eine längere Reise und kann eventuell auch an dem betreffenden Reiseort als > Geist bzw. > Doppelgänger gesehen werden. Zur Erklärung des Phänomens der A. kann die Existenz eines zweiten Körpers, eines Astralleibes oder eines Doppelgängers angenommen werden.
Das Phänomen des Austritts aus dem gewöhnlichen Körper wird auch bei den sog. > Todesnäheerfahrungen erlebt, nur ist hier im Gegensatz zur A. das erlebte Phänomen an die Grenzsituation der Todesnähe gebunden.

Lit.: Rohde, Erwin: Psyche. Seelenkult und Unsterblichkeitsglaube der Griechen. Hg., ausgew. u. eingel. von Hans Eckstein. Leipzig: Alfred Kröner, 1929; Muldoon, Sylvan / Carrington, Hereward: The Projection of the Astral Body. London, 1929, N.Y. 1970; dt.: Die Aussendung des Astralkörpers. Freiburg, 1964, 21966; Crookall, Robert J.: The Study of Practice of Astral Projection. Hackensack, N.J.: Wehmann, 1961; Sculthorp, Frederick C.: Meine Wanderungen in der Geisterwelt: Ein Bericht über persönliche Erfahrungen während bewusster Astralprojektionen. Freiburg i. Br.: Hermann Bauer, 1962; Crookall, Robert J.: More Astral Projections. Hackensack, N.J.: Wehmann, 1964; Crookall, Robert J.: Out-of-Body Experiences. New Hyde Park, N.Y.: University Books, 1970; Monroe, Robert A.: Journeys Out of the Body. Garden City: N.Y.: Doubleday, 1971; Monroe, Robert A.: Der Mann mit den zwei Leben. Reisen außerhalb des Körpers. Düsseldorf; Wien, 1972; Zahlner, Ferdinand: Kleines - Lexikon der Paranormologie. Hg. v. A. Resch. Abensberg: Josef Kral, 1972; Crookall, Robert J.: What Happens When You Die? Gerrards Cross: Colin Smith, 1978; Bonin, Werner F.: Lexikon der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete. Frankfurt a. M.: Fischer, 1981; Tart, Charles: A Psychophysiological Study of Out-of-the-Body Experiences in a Selected Subject. In: Journal of the American Society of Psychical Research 62, 1 January 1986; Drury, Nevill: Lexikon des esoterischen Wissens. München: Droemer Knaur, 1988; Shepard, Leslie A. (Ed.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. In Two Volumes, Detroit: Gale Research Inc., ³1991; Hart, Hornell / Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens. München: Goldmann, 1993.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1