Astralmythologie

Astralmythologie ist jene Form der > Mythologie, die mythische Gestalten, Vorgänge und Wirkkräfte aus der Gestirnwelt deutet. Einzelne Sterne, Sonne Mond, Arktur, Polarstern werden wie menschliche, göttliche oder dämonische Wesen angesehen bzw. als mächtige Wirkkräfte bezeichnet, die Mensch und Natur entscheidend beeinflussen können. Die Gleichsetzung der Astralmythologie mit Religionswissenschaft (Depuis) ist ebenso unzutreffend wie mit > Astralmystik, zumal nur ein Teil der Sternmythen religiösen Charakter hat. Eine reine Astralreligion gab es nirgends. Die Astralmythologie ist umfassender als der > Astralkult.
Die Bedeutung der Gestirne wird in der A. außer in der Wirkursächlichkeit vor allem in ihrer Symbolhaftigkeit gesehen, so der Mensch als Mikrokosmos: „wie oben, so unten“. In diesem Zusammenhang steht auch die Beachtung der Stationen des Weges der Planeten entlang der Ekliptik, die zwölf „Zodia“ (Lebewesen) des „Tierkreises“. Ihre Namen sind bildhafte Charakterisierungen der unterschiedlichen Erfahrungen, insbesondere der Wirkung der Sonne im Laufe des Jahres. Neben der Sonne sind es der Mond und die Planeten, unter Letzteren vor allem die > Venus, die bei den Babyloniern durch die Göttin der Liebe, Mutterschaft und Fruchtbarkeit, > Ischtar, im Reigen der Götter vertreten war. Ihr Verschwinden im Osten oder Westen, ihr Unsichtbarbleiben für einen oder zwei Monate und ihr erneutes Wiedererscheinen werden mit dem Mythos von den Schicksalen der Ischtar beschrieben: Ihre Fahrt zur Totengöttin > Erischkigal usw. bildet den bedeutendsten Teil der altorientalischen A. Die vielfältigen Vorstellungen der A. sind schließlich für die Herausbildung der > Astrologie von besonderer Wichtigkeit. So versucht man seit dem 18. Jh. verstärkt die Bedeutung von Mythenbildungen aus der A. zu erklären.

Lit.: Dupuis, Charles François: Ueber den Ursprung des Kultus: geschichtlich erwisener Parallelismus zwischen der Glaubenslehre und den Religionsgebräuchen der Heiden und der Christen / nach dem Franz. des Dupuis von C. G. Rhé. Stuttgart: Literatur-Comptoir, 1839; Dupuis, Ch. F.: Ursprung der Gottesverehrung: die Glaubenslehren und Religionsgebräuche aller Zeiten und Völker und die damit verbundene Herrschaft des Priestertums und Aberglaubens in ihrer Entstehung und Entwicklung. Dt. hrsg. von Friedrich Streißler. Leipzig: Eckardt, 1910; Boll, Franz: Sternglaube und Sterndeutung: Die Geschichte und das Wesen der Astrologie. Mit einem bibliograph. Anh. von Hans Georg Gundel. 6., durchges. Aufl., Sonderausg. Nachdr. der 5. durchges. Aufl. Stuttgart, 1966; Darmstadt: Wiss. Buchges, 1974.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1