Astralmagie

Astralmagie, Form der Magie, die sich mit der Nutzbarmachung der Kräfte der Gestirne sowie mit der Beschwörung der Geister von Planeten und Sternen befasst, um sich vor ihnen zu schützen bzw. ihre Eigenschaften und Fähigkeiten einzufangen. Dieses magische Handeln beruht einerseits auf dem Glauben, dass die Gestirne nur Werkzeuge dämonischer Mächte seien, andererseits auf der Überzeugung, dass die Sterne besondere Fähigkeiten und Weisheiten besitzen. Dementsprechend sind auch die magischen Praktiken. So empfiehlt Thabit ibn Qurra (ca. 836–901) zur Säuberung des Hauses von Skorpionen das Bild eines Skorpions anzufertigen, wenn das Sternbild des Skorpions im Aszendenten steht, und es mit astrologischen Informationen zu versehen. Dann soll das Bild im Haus vergraben werden, das man vom Ungeziefer befreien möchte, und zwar mit folgenden Worten: „Hiermit begrabe ich ihn und seine ganze Art, sodass er nicht mehr kommen kann an diesen Ort“ (Thorndike).
Andererseits können auf Bilder auch astrologische Zeichen geschrieben werden, um mit deren Hilfe die Kraft von Gestirnen „herabzuziehen“ und zu bündeln, um sich ihrer zu magischen Zwecken zu bedienen. Mit ihrer Hilfe könne man die Liebe des Ehepartners zurückgewinnen, gestohlenes Eigentum zurückholen, aber auch ein Haus oder eine Stadt in Schutt und Asche legen.
Das bekannteste Werk mit astralmagischen Anweisungen stammt aus dem Vorderen Orient und ist im Westen unter dem Namen > Picatrix geläufig. 1240 wurde es von > Alfons X. dem Weisen (1221–1284) ins Lateinische übersetzt. Das wichtigste Anliegen der Arbeit ist es zu zeigen, wie man den Geist, der den Dingen völlig entrückt ist und in seiner reinsten Form in den Sternen das Zuhause hat, dazu bringen kann, auf die Erde niederzusteigen und auf die Materie zu wirken. Neben der Beschwörung könne man auch durch Gebet die Macht der Gestirne nutzen.

Lit.: Thorndike, Lynn: Traditional Medieval Tracts Concerning Engraved Astrological Images. In: Mélanges Auguste Pelzer. Louvain: Bibliothèque de l’Université, 1947, S. 217–273; Picatrix: The Latin Version of the Ghayat Al-Hakim; Text, Introduction, Appendices, Indices / ed. by David Pingree. London: The Warburg Inst., 1986; Habiger-Tuczay, Christa: Magie und Magier im Mittelalter. München: Eugen Diederichs, 1992; Kieckhefer, Richard: Magie im Mittelalter. München: C. H. Beck, 1992.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1