Assassinen

Assassinen, auch Heissessin oder Haschischinen (arab. hashishiyin, Haschischesser), extreme islamische Sekte, die 1090 aus den Ismaeliten hervorgegangen ist und nach dem Haschischrausch benannt wird. Sie vertraten die Ansichten Nizars, des ältesten Sohnes des Kalifen Al-Mustansir, aus der in Ägypten herrschenden ismaelitischen Dynastie der Fatimiden (909–1171) gegenüber seinem Bruder Mustali, der die Nachfolge des Vaters angetreten hatte. Daher bezeichneten sie sich selbst Nizari. Ihr Gründer ist der Perser Hasan-i Sabbah, der 1080 in Ägypten Parteigänger Nizars geworden war und sich 1090 in der Bergfestung Alamut in Nord-Iran niederließ. Unter ihm und seinen Nachfolgern setzten sich die Assassinen in Persien sowie im syrischen Bergland an unzugänglichen Stellen fest.
In ihrer für ismaelitische Bewegungen typischen gnostischen und esoterischen Lehre von der Aufeinanderfolge der Prophetenzyklen verkündeten sie den baldigen Anbruch des Jüngsten Tages, was breiten Anklang fand. Durch ihre Schlagkraft, ihren Opfermut und ihre antisunnitische Propaganda wurden sie zu den meistgehassten Feinden des Kalifats.
1164 wurde dann der Jüngste Tag ausgerufen. Die fanatisierten Aktivisten, die „Selbstaufopferer“ der Assassinen, waren wegen ihrer tollkühnen Terroranschläge weithin gefürchtet. Marco Polo berichtet, dass den „Selbstaufopferern“ im Haschischrausch das irdische Paradies versprochen worden sei, weshalb sie sich zur Aufopferung bereitfanden. Neue Mitglieder wurden zu bedingungslosem Gehorsam verpflichtet und mussten die Morde ausführen. Die eigentliche Einweihung des Refik (Gesellen) erfolgte gemäss den 7 Kapiteln des Gesetzbuches Hassans in sieben Stufen. Nach Erreichen der 7. Stufe hießen sie Dai (Meister) und durften missionieren.
Historiker vermuten, dass der 1118 gegründete > Templerorden in der Organisation den A. nachgebildet wurde und einige ihre Symbole übernommen hat. Die beiden Orden begegneten sich in Syrien. Mitte des 12. Jhs. machten sich die Templer die syrischen A. tributpflichtig.
Mitte des 13. Jhs. fielen die Assassinen in Persien den Mongolen und in Syrien den ägyptischen Mamelucken zum Opfer und wurden fast vollständig ausgerottet.

Lit.: Retcliffe, John: Die Assassinen. Berlin: Retcliffe-Verl, 1926; Lewis, Bernard: Die Assassinen: zur Tradition des religiösen Mordes im radikalen Islam. Reprint. Frankfurt a. M.: Eichborn, 2001; Hobb, Robin: Die Magie des Assassinen. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 22002.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1