Assagioli, Roberto

Assagioli, Roberto, Psychiater und Psychotherapeut, Begründer der Psychosynthese; wurde am 27. Februar 1888 in Venedig geboren und promovierte 1910 zum Dr. med. an der Universität Florenz mit einer Arbeit über die Psychoanalyse, die er weitgehend an der Psychiatrischen Klinik in Burghölzli, Zürich, ausarbeitete. Nach der Spezialisierung in Neurologie und Psychiatrie widmete er sich dem Studium der Psychologie und Philosophie und gründete die Zeitschrift Psiche (1911–1915). Von 1914–1918 war er als psychiatrischer Berater tätig. 1922 heiratete er Nella Ciapetti. Nach Anwendung verschiedener psychotherapeutischer Methoden wurde ihm bewusst, dass vor allem die Psychoanalyse wesentliche Teile des Menschen weder berücksichtigt noch anspricht. So entwickelte er eine neue Methode, die auf die Entfaltung der ganzen Person angelegt ist, und nannte sie „Psychosynthese“. 1926 veröffentliche er die Arbeit Psychosynthesis, A New Method of Healing. Seine Vorstellungen über Geist und Bewusstsein decken sich weitgehend mit den Theorien von C. G. Jung, dem Gedankengut von Gurdjieff und Abraham Maslow. Sie finden in seinem Handbuch Psychosynthese ihren Niederschlag. Im selben Jahr gründete er in Rom das Institut für Psychosynthese, das er 1939 unter faschistischem Druck schließen musste und das erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges wiedereröffnet werden konnte. Eine reiche Vortragstätigkeit führte ihn durch ganz Europa und nach Amerika.
In seiner umfassenden Sicht des Menschen interessierte sich A. auch für Mediumismus, Telepathie, Hellsehen und Vorahnungen; er wirkte bei der Ausbildung von Sensitiven mit und hielt Vorträge über verschiedene Aspekte der Parapsychologie. 1958 veröffentlichte die Medical Society for the Study of Radiesthesia seine Arbeit Parapsychological Faculties and Psychological Disturbances.
Zahlreiche Mitgliedschaften, Auszeichnungen und Gründungen neuer Institute in verschiedenen Ländern krönten seine Arbeit, die weiterhin großen Anklang findet.
Seiner ganzheitlichen Betrachtung des Menschen liegt die Ansicht zugrunde, dass jeder Mensch aus der Tiefe seines Wesens nach Vollständigkeit, Ganzheit, Selbstverwirklichung, Einheit, Liebe, Freude und Lebenssinn sucht. Die Psychosynthese verdeutlicht, dass die Sehnsucht nach Sinn, nach höheren Werten, nach einem geistigen Leben ebenso real ist wie es die biologischen und gesellschaftlichen Bedürfnisse sind. A. starb 1974.

W.: Principi e metodi della psicosintesi terapeutica. Rom: Astrolabio, 1973; Handbuch der Psychosynthese: Grundlagen, Methoden und Techniken. Rümlang / Zürich: Nawo, 2004.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1