Asphodeloswiese

Asphodeloswiese (von griech. asphodelos, Goldwurz), Wiese mit Liliengewächsen bestehend aus weißen, gelblichen oder zartvioletten Blütenrispen und fleischiger, zuckerhaltiger Wurzel, im Mittelmeer heimisch. Der mythologischen Tradition nach schmückte Asphodelos oder > Affodil(l) die blumenreichen Auen des Jenseitslandes, des Hades, mit bleichen Blüten. Auf diese Wiese strömen nach > Platon die Seelen aus dem Jenseits zur > Wiedergeburt zusammen, um ihr weiteres Los zu wählen. Ein Herold verkündet ihnen feierlich:
„Eintägige Seelen! Dies ist der Beginn eines neuen, todbringenden Umlaufes für euer sterbliches Geschlecht. Euer Los wird nicht durch den Dämon bestimmt, ihr selbst seid es, die sich den Dämon erwählen. Wer aber zuerst gelost hat, der wähle zuerst die Lebensbahn, bei der er unwiderruflich verharren wird. Die Tugend ist herrenlos. Je nachdem ihr sie ehrt oder missachtet, wird ein jeder mehr oder weniger davon empfangen. Die Schuld liegt bei den Wählenden. Gott ist schuldlos“ (Staat, 617 d).
Auch der deutsche Volksglaube kennt in den Sagen und Märchen eine schöne, blumenreiche Toten- oder Seelenwiese der Abgeschiedenen. Sie liegt in den Bergen oder auf dem Grund von Gewässern oder auch ganz allgemein bei den Unterirdischen; oder aber man gelangt zu ihr auf der Erde durch einen traumhaften Übergang. Sie befindet sich auch im Besitz der weißen Jungfrau oder Frau, hinter der sich meist ein > Totengeist verbirgt. Ob diesem Volksglauben antike Vorstellungen zugrunde liegen, muss offen bleiben. Dass Laurins Rosengarten hierher gehört, kann angesichts der bezaubernden Elfengärten und blumigen Heiden des Bergkönigs nicht bezweifelt werden. Schon Gervasius und Geraldus bezeugen den Glauben an die Wunderwiese im Berg.

Lit.: Gervasius von Tilbury: Des Gervasius von Tilbury Otia imperialia / in einer Auswahl neu hg. und mit Anm. begleitet von Felix Liebrecht. Hannover: Rümpler, 1856; Mannhardt, Wilhelm: Germanische Mythen: Forschungen. Berlin: F. Schnuder, 1858; Rohde, Erwin: Psyche. Leipzig: Kröner, 1929; Platon: Sämtliche Werke II. M. e. bio-bibliograph. Bericht v. Bernd Henninger u. e. editor. Nachw. v. Michael Assmann. 8., durchges. Aufl. d. Berliner Ausg. von 1940. Heidelberg: Lambert Schneider, 1982; Holzapfel, Otto: Lexikon der abendländischen Mythologie. Sonderausg. Freiburg u. a.: Herder, 2002.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1