Asmodeus

Asmodeus, talmudisch Ashmedai, hebr. Hasmed (die Ableitung ist unsicher), ein Dämon der Wollust und Unzüchtigkeit, der wahrscheinlich mit dem altiranischen > Aeshma Daeva, dem persischen Gott des Zorns, verwandt ist und die Menschen zu Rachegedanken anstiftet. Er wurde von den Juden übernommen und zuerst in dem jüdischen apokryphen Buch Tobit 3, 8.17 als Asmodaios to poneron daimonion (Asmodaios, der böse Dämon) bezeichnet. Im Talmud, Gitt. 68, Pesach. 110a und Targ. Koh. I, II, ist er der König der Dämonen.
A. wird häufig als Zankverursacher zwischen den Eheleuten beschrieben, indem er den Geschlechtsverkehr verhindert und den Ehebruch fördert. Von hier aus war es nur ein kleiner Schritt zu seinem späteren Status als Gott der Wollust. So soll er Salomo eine seiner Frauen geraubt haben, wobei dieser die Herrschaft über A. erst wiedererlangte, als ihm der Erzengel Michael einen Zauberring mit einem sechszackigen Stern, dem > Siegel Salomonis, schenkte, woraufhin Salomo A. zur Mitarbeit beim Tempelbau verpflichtete.
Rief man A. durch Hexerei herbei, zeigte er sich dreiköpfig (mit dem Kopf eines Stieres, eines Menschen und eines Widders) und mit einer Lanze auf dem Rücken eines Drachen. Behandelte man ihn jedoch mit Respekt und beschwor ihn barhäuptig, konnte er einem die Macht der Unsichtbarkeit verleihen und verborgene Schätze verraten.
Der Name wurde frühzeitig als Bezeichnung für den > Teufel benutzt, so im Pseudo-Cyprianischen Gebet. Ebenso findet man ihn in den Verzeichnissen der Stundenengel und -dämonen der mittelalterlichen > Astrologie. Im > Hexenhammer (Malleus maleficarum) wird er als Dämon der Hurerei und als Fürst jeglicher Unflätigkeit bezeichnet.
Seit dem Mittelalter hat er auch seinen Platz im Volksglauben. In der magischen Dämonologie symbolisiert er die Intelligenz des Mondes. Für den Dämonologen Peter Binsfeld (1540–1603) ist er einer der sieben Hauptteufel, dem die Unkeuschheit zugeordnet ist. Anleitungen zur Anrufung des A. finden sich in The Magus von Francis Barrett.

Lit.: Barrett, Francis: The Magus or Celestial Intelligencer: Beeing a Complete System of Occult Philosophy; In three books. London, 1801; Koch, Hugo: Cyprianische Untersuchungen. Berlin: Marcus & Weber, 1926; Kleiner Teufel Asmodeus / Ulf Stark; Anna Höglund. Aus dem Schwed. von Birgitta Kicherer. Hamburg: Carlsen, 2000; Binsfeld, Peter: Tractat von Bekanntnuß der Zauberer unnd Hexen: [ob und wie viel denselben zu glauben] / Hrsg. und eingeleitet von Hiram Kümper. Wien: Mille-Tre-Verl. Schächter, 2004; Marc-Roberts-Team: Lexikon des Satanismus und des Hexenwesens. Graz: Verlag f. Sammler, 2004; Sprenger, Jakob: Der Hexenhammer/ Zum ersten Mal ins Dt. übertr. und eingeleitet von J. W. R. Schmidt. Erftstadt: Area, 2004.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1