Ash Manor House

Ash Manor House, auch zitiert als Ash Manor Ghost, engl. Herrenhaus aus dem 13. Jh. in Sussex, dem der Ruf eines Spukhauses anhaftet. Am 24.6.1934 zog dort die Familie Keel mit ihrer 16-jährigen Tochter ein. Bald darauf traten > Poltergeistphänomene auf: Geräusche, Schritte, Schläge gegen die Tür, unerklärliche Kälte. Bemerkenswert war vor allem die wiederholte > Erscheinung eines kleinen, ältlichen Mannes mit Schlapphut, grünem Kittel, sehr schlammigen Hosen und Gamaschen sowie einem Taschentuch um den Hals. Mr. Keel nahm ihn zuerst wahr, hielt ihn für einen Diener und sprach ihn an, bekam jedoch keine Antwort. Als er ihn daraufhin an der Schulter anfasste, fuhr seine Hand geradewegs durch die Erscheinung hindurch. Mrs. Keel sah die Gestalt wenig später ebenfalls und beschrieb das Gesicht des Mannes als rot und seine Augen als bösartig und schrecklich. Im Gegensatz zu ihrem Ehemann konnte Mrs. Keel die Erscheinung durch Berührung zum Verschwinden bringen. Der „Grüne Mann“, wie ihn die Keels nannten, erschien noch öfter, vor allem Mr. Keel. Der Fall wurde von Nandor > Fodor erforscht (detaillierte Beschreibung in seinem Buch “The Haunted Mind”, 1959) und wurde einer seiner Paradefälle, die zeigen, wie unterschwellige psychologische Faktoren eine Geistererscheinung beeinflussen können. Nachdem Fodor vergeblich eine Nacht in dem Spukzimmer verbracht hatte, wurde das Medium Eileen J. > Garrett ebenfalls in den Fall involviert. Sie nahm intuitiv einen Mann wahr, der ein Halbbruder entweder von Edward IV. oder V. war, eine Rebellion begonnen hatte, gefangen genommen, gefoltert und als Krüppel zurückgelassen worden war. Weiters kam Garrett in Kontakt mit ihrem > Kontrollgeist Uvani, der ihr erklärte, dass sich Geister nur in der Gegenwart von Menschen, die sich in einem schlechten emotionalen Zustand befinden, physisch oder geistig gestört sind, d. h. in einer Atmosphäre von Unglücklichsein, manifestieren können. Dann entziehe der Geist den Anwesenden Energie und könne dadurch seine eigene Leiden wiederbeleben. Uvani ließ dann den im Hause Keel spukenden Geist durch Garrett sprechen, der sich daraufhin als “Charles Edward” vorstellte und seine Leidensgeschichte vortrug. Als Fodor den Geist nun informierte, dass er tot sei und gehen solle, war der Spuk jedoch noch nicht beendet. In einer neuen Sitzung mit Garrett, behauptete Uvani, der Geist werde von den Keels gebraucht, um ihre Spannungen untereinander auszutragen, und könne daher nicht verschwinden. Anschließend gestand das Ehepaar Keel, unter großen sexuellen Spannungen zu stehen – Mr. Keel war homosexuell. Als Mr. Keel zugab, dass er an dem Geist hing, verschwand das Phantom und ward nie mehr gesehen.
Fodor schließt aus dem Spukfall, dass jemand, der sich in einer unsicheren psychischen Situation befindet und sich an einem historisch bedeutsamen Ort, angefüllt mit Erinnerungen und Traditionen, aufhält, mit einer Kraft oder Intelligenz außerhalb seiner selbst in Kontakt kommen kann.

Lit.: Fodor, Nandor: The Haunted Mind. New York: Helix Press, 1959; Guiley, Rosemary: The Encyclopedia of Ghosts and Spirits. New York: Facts On File, 1992.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1