Asche

Asche, der Verbrennungsrückstand von organischem Material, enthält nach den Vorstellungen in vielen Kulturen besonders wirksame Kräfte. Dies wohl deshalb, weil A. einerseits als Überrest des läuternden Feuers frei von dämonischen Stoffen ist, andererseits weil sie an die vernichtende Kraft des Dämonen verscheuchenden Feuers erinnert. Zudem hat sie als Aschenlauge etwas Reinigendes.
So wird A. in der Bibel bei der Brotbereitung (Kön 19, 6) verwendet. Die von einem reinen Mann gesammelte A. einer verbrannten, fehlerlosen roten Kuh, vermischt mit verbranntem Zedernholz, Ysop und Karmesin, diente als Grundlage für die Herstellung des „Reinigungswassers“ (Num 19, 9f.). Der Büßer sitzt in Staub und Asche (Ijob 30, 19), streut sich Asche auf sein Haupt (2 Sam 13, 19) und kleidet sich in Sack und Asche (Mt 11, 21).
Der vedische Feuergott > Agni reinigte seinen Körper mit Asche, um so die Spuren seiner vergangen Fehler zu entfernen. Ferner gilt in Indien der verbrannte Kuhmist als Reinigungs- und Schutzmittel weshalb sich auch der altindische König einer Reinigung mittels A. unterzog. Die indischen Yogis bedecken zum Zeichen ihres Weltverzichts ihren Körper mit Asche. In den indischen Religionen und besonders bei den Hindus stellt die Asche die reine Substanz dar, die übrig bleibt, wenn die unreinen Eigenschaften des Körpers beseitigt sind.
Das Haupt mit Asche zu bestreuen oder sich darin zu wälzen galt bei Ägyptern, Griechen, Juden und Arabern als Ausdruck der Trauer, aber auch der Reinigung. Die Römer badeten sich an ihrem Neujahrstag, der im März stattfand, in Asche, um gereinigt das neue Jahr zu beginnen.. Als besonders wirksam galt die A. von Opfertieren, die z. B. in Griechenland auf dem Opferplatz zu Altären (Zeus-Altar in Olympia) angehäuft wurde.
Hingegen wurde die Asche von > Hexen oft in fließendes Wasser gestreut, um jede Erdenspur konsequent auszutilgen und ein gespenstisches Wiedererscheinen zu verhindern.
Im Christentum fand Asche in Bußgottesdiensten Verwendung, und seit dem 10. Jh. wird sie beim > Aschenkreuz am > Aschermittwoch – vielleicht wegen der Koinzidenz des Datums eine Fortsetzung des römischen Neujahrsbrauches – auf das Haupt gestreut.
Auch in der Volksmedizin wird A. vielfach verwendet.
Schließlich entsteht der > Phönix, Symbol der Reinigung, Reinheit und Wiedergeburt, jährlich aus seiner eigenen Asche neu.
Asche ist somit ein Symbol der Demut, der Vergänglichkeit und der Reinheit, umgangssprachlich auch ein Symbol für Geld.

Lit.: Aufrecht, Theodor: Die Sanskrit-Handschriften der K. Hof- und Staatsbibliothek in München. München: Palm, 1909; Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Bd. 1. Berlin: W. de Gruyter 1987; Biedermann, Hans: Knaurs Lexikon der Symbole. Augsburg: Weltbild-Verl., 2000.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1