© Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch (Redemptorist)                                                  Index   A - Z
Band 1

As (Mehrzahl: Aesir) in der nordischen Mythologie die Bezeichnung der nach deus, divus an zweiter Stelle mächtig gewordenen Reihe.

Lit.: Grimm, Jakob: Deutsche Mythologie. Überarb. Reprint d. Orig.ausg. v. 1943 nach d. Exemplar d. Verlagsarchives. Coburg: K. W. Schütz-Verlag, o. J.

Asa-foetida (ferula asa-foetida), Doldengewächs, heimisch in den Trockengebieten des Iran, Afghanistans und in Salzsteppen, dessen Wurzel das Gummiharz „Teufelsdreck“ oder „Stinkasant“ liefert, ein Räuchermittel mit üblem Geruch, das als krampflösendes Mittel, aber auch zum Vertreiben etwaiger nach schwarzmagischen Beschwörungen in der Umgebung verbliebener Dämonen dient.
Die Pflanze bildet zunächst nur eine Rosette großer, gestielter Blätter, entwickelt dann aber im fünften Jahr 1–3 m hohe und 10 cm dicke Stengel mit gefiederten Blättern und doppeldoldigen Blüten.
In neuerer Zeit nimmt man an, dass die im Altertum berühmte Heilpflanze > Silphion, die offenbar psychoaktiv wirkte, Ferula asa-foetida oder auch Ferula moschata gewesen sein könnte, falls die Pflanze überhaupt bis heute überlebt haben sollte (Rätsch 1998, 615). In der modernen deutschen Volksheilkunst wird A.-f. wegen seiner krampfstillenden Wirkung geschätzt, vor allem bei Unterleibsbeschwerden. Ferner wird sie als Gewürz für kräftig-pikante Gerichte verwendet.
A.-f. findet zudem Anwendung bei psychischen Störungen (beruhigend), Magen-, Leber- und Gallenleiden, Blähungen, Darmträgheit oder sexueller Unausgeglichenheit (erhöht die Potenz); ebenso bei der Erzeugung von Parfüms, um diesen einen unverwechselbaren, eigenartigen Geruch zu verleihen. Wegen seiner stimulierenden Wirkung auf das Nerven- und Geschlechtssystem gilt der Teufelsdreck seit dem Altertum als > Aphrodisiakum und wird in der > Liebesmagie eingesetzt. Teufelsdreck ist der Hauptteil von „Dr.-Faust-Räucherungen“. In der > Homöopathie verwendet man die (Tinktur-)Verdünnung D3 bei chronischer Magenschleimhaut-Entzündung und Verdauungsstörungen mit Appetitlosigkeit.

Lit.: Pundt, Johann: Dissertatio inauguralis medica De asa foetida / Quam ... publice defendet Iohannes Pundt. Gottingae: Dieterich, 1778; Polásek, Josef: Über Asa Foetida: Inaugural-Dissertation. Bern: Michel & Büchler, 1897; Naef, Heinz: Inhaltsstoffe von Asa foetida. Zürich: Juris-Verl, 1958; Marzell, Heinrich: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Bd. 2. Leipzig: Hirzel, 1972; Drury, Nevill: Lexikon des esoterischen Wissens. München: Droemer Knaur, 1988; Rätsch, Christian: Lexikon der Zauberpflanzen aus ethnologischer Sicht. Graz: ADEVA, 1988; Rätsch, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Aarau / CH: AT, 1998; Müller-Ebeling, Claudia u. a.: Hexenmedizin. Aarau / CH: AT, ²1999.

Asag, ein Dämon in der sumerischen Mythologie, der die Brunnen austrocknet, die Erde mit Wunden bedeckt und sein Gift darüberspritzt. Ursprünglich galt er als Verursacher von Krankheit. Im Akkadischen lautet sein Name Asakku und bedeutet als Krankheitsbezeichnung so viel wie Auszehrung.

Lit.: Haas, Volkert: Magie und Mythen in Babylonien: von Dämonen, Hexen u. Beschwörungspriestern. Gifkendorf: Merlin Verl, 1986.

Asakku (akkad.) > Asag.

Asakrit-Samadhi (sanskr.), ein bestimmter Grad der ekstatischen Kontemplation in der Bewusstseinsformung des > Samadhi.

Lit.: Hannemann, Holger (Hg.): Samadhi: Yoga und Meditation: menschliche Dynamik in Harmonie; die heilende Kraft zur Entspannung. Stuttgart: Frech, 1984.

Asal, in der irisch-keltischen Mythologie der „König der Goldenen Säulen“. Er ist Besitzer der sieben Schweine, die jede Nacht geschlachtet und gegessen, am Morgen aber wieder lebendig vorgefunden werden.

Lit.: Shepard, Leslie (Hg.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. Detroit, Michigan: Gale Research Company; Book Tower, 21984, 1. Bd.

Asalluhi (Asalluchi, Asariluchi), sumerischer Gott, hilft bei Beschwörungen; Sohn des > Enki, dem er über die Untaten der Dämonen berichtet. Nach dem > Necronomicon ist er der Herr der Magie.

Lit.: Alhazred, Abdul: Das Necronomicon. Nach d. Aufzeichn. von Gregor A. Gregorius. Die Goetia oder der kleinere Schlüssel Salomonis / bearb. u. mit e. Nachw. vers. von Friedrich Meyer. Berlin: Schikowski, 1980.

Asana, Asanas (sanskr. as, "ruhig sitzen"), die verschiedenen Körperhaltungen bei den Yogaübungen zur besseren Meditation oder zur introspektiven Erfahrung der psychosomatischen Verfassung. A. bezeichnet aber auch den Platz oder die Matte, auf der ein spirituell Strebender sitzt. Nach der Bhagavad-Gita soll der Platz fest, nicht zu hoch und nicht zu tief sowie still und sauber sein. Im Hatha-Yoga wie im Pantanjali ist A. die dritte Stufe der rechten Sitzhaltung. Man nennt für gewöhnlich fünf dieser Körperhaltungen. Sie soll Gott > Shiva selbst erfunden haben und zwar genau 8.400.000. Ihre Zahl entspreche derjenigen der Lebewesen auf der Erde. Tatsächlich wurden bis zu 90 festgestellt, wovon sich 84 als die geeignetsten herausgestellt haben.
Die bekannteste A. ist der Lotussitz, die klassische Sitzhaltung Buddhas, bei dem der Yogin den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel legt und den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel, wobei die Sohlen nach oben gerichtet sind und die Hände zwischen den Schenkeln mit den Handflächen nach oben gerichtet ruhen. Die Augen sind auf die Nasenspitze gerichtet und die Zunge auf die Wurzel der Vorderzähne.
Die A. sollen die Meditation dadurch vertiefen, dass sie den psychischen Energiestrom anregen, etwa die > Kundalini-Kraft wachrufen und im > Sushumma-Kanal, der sich an der Wirbelsäule entlangzieht, emporsteigen lassen. Weitere A. sind der Löwensitz, der Schildkrötensitz und die Stellung der Schlange.

Lit.: Asanas und Selbstverwirklichung / [A'nanda Ma'rga]. Mainz: Dharma-Verl., (1990); Grill, Heinz: Das Hohelied der Asanas: fortgeschrittene Asanas, ihre geistige Bedeutung und praktische Ausführung. Niefern-Öschelbronn: Lammers-Koll, 2001.

Asana, Jehangir Jamasij (1890–1954), indischer Biologe, der sich ab 1940 bis zu seinem Tod mit Parapsychologie befasste und eine Reihe von Experimenten durchführte. Er pflegte auch eine rege Korrespondenz mit den Parapsychologen in den USA, etwa mit J. B. > Rhine, C. J. > Ducasse, Mrs. Eileen > Garrett und anderen. A. interessierte sich ferner für Mystik sowie christliche und indische Philosophie und Religion und veröffentliche in indischen, englischen, amerikanischen und japanischen Zeitschriften.

Lit.: Pleasants, Helene (Hg.): Biographical Dictionary of Parapsychology: with Directory and Glossary 1964–1966. New York: Helix Press, 1964.

Asanga > Maitreya.

Asannasatta (Pali., "unbewusstes Wesen"), eine Klasse himmlischer Wesen im Buddhismus, die durch Meditationspraxis den erhabenen Zustand einer Existenz erreicht haben, in dem die geistige Tätigkeit für längere Zeit aufgehoben ist. Am Ende dieses Zustandes, der irrtümlich oft mit dem > Nirwana gleichgesetzt wird, beginnt erneut der Bewusstseinsprozess von Begrifflichkeit und Vorstellung, wodurch diese Wesen unmittelbar auf eine tiefere Ebene fallen. Die traditionelle buddhistische himmlische Hierarchie erstreckt sich über 31 Ebenen, von denen die Asannasattas die 21. bewohnen.

Lit.: Bowker, John (Hg.): Das Oxford-Lexikon der Weltreligionen. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1999.

Asant > Asa-foetida.

Asase, Erdgöttin bei den westafrikanischen Akan-Stämmen. Asase ist die Verdoppelung von ase (Unterseite) und bedeutet „Erde“. Bei einigen Akan-Stämmen heißt sie Asase Afua oder Asase YaaAfua, die Freitaggeborene, Yaa, die Donnerstaggeborene. Dabei handelt es sich wohl nicht um zwei Göttinnen, sondern um zwei Aspekte ein und derselben Göttin. A. ist Gebärerin und nimmt die Toten auf. Als Asase Afua regiert sie den fruchtbaren Boden und hat die Acht (Fruchtbarkeit) als heilige Zahl, die Venus als heiligen Stern und die Ziege als heiliges Tier. Als Asase Yaa gehört ihr der unfruchtbare Boden und hat sie die Sechs als Zahl, den Jupiter als Stern sowie Schlange und Skorpion als heilige Tiere.
Unbestritten ist, dass für die Akan die Erde göttlich und die A. unerschaffen ist. Bei den Baule findet sich A. unter dem Namen „Asyse“.

Lit.: Bonin, Werner F.:  Die Götter Schwarzafrikas / M. e. Liste afrikanischer Gottesnamen von John S. Mbiti u. e. Erzählung v. Niitse Akufo Awuku. Graz: Verlag für Sammler, 1979.

Asasel, auch Azazel (hebr.), Name eines im Alten Testament erwähnten Wüstendämons (Lev.16, 8–12. 20–28), zu dem im Rahmen des Rituals zum Großen Versöhnungstag ein mit den Sünden des Volkes Israel belasteter Sündenbock hinausgeschickt wurde. Die Septuaginta deutet A. als den „Bock, der entweicht“.
Auch in der jüdisch-apokryphen Literatur wird der Name A. mehrfach genannt. Im Ersten Buch Henoch ist er ein Botschafter > Satans. Im Buch der Jubiläen (10.1–11) wird er mit Satan identifiziert und in der Apokalypse Abrahams der Schlange gleichgesetzt, die Adam und Eva verführte.
Später fand diese Bedeutung von A. Eingang in die islamische Gnosis. Nach dem Umm al-kitab war A. unter dem Namen Azaz’il der Engel, der die göttliche Schöpfung imitierte und wegen seiner Stellung gegen Gott am Ende den Fall aus dem Paradies verursachte.

Lit.: Kaupel, Heinrich: Die Dämonen im Alten Testament. Augsburg: Dr. B. Filser, 1930.

Asat (sanskr., „nicht ewig“), das Nichtsein im Gegensatz zum Sein, dem sat. In der indischen Philosophie ist A. die Bezeichnung für die Eigenschaft der grob- bzw. feinstofflichen Materie, vergänglich und dem ständigen Verfall unterworfen zu sein.

Lit.: Roberts, Marc: Das neue Lexikon der Esoterik. München: Goldmann, 1995.

Asatru (altnord. áss, Gott; trú, Glaube bzw. Treue), Asenglaube, Asentreue, Glaube an die germanischen Götter, die > Asen und > Vanen. Zu den Hauptgottheiten der Asen zählen > Odin, Thor, Frigg und Thyr, zu jenen der Vanen > Freyr, Freyja und Njörd. 
Das Wort A. ist an sich eine Lehnübersetzung des dänischen Begriffes asetro („Asenglaube“), der 1870 von Edvard Grieg in seiner unvollendeten Oper „Olaf Tryggvason“ zur Bezeichnung des heidnischen Glaubens der Nordländer verwendet wurde. Die isländische
Schreibweise Ásatrú wird 1945 von Ólafur Briem in seinem Werk„Heiðinn siður á Íslandi“ („Heidnische Sitten auf Island“) erstmals verwendet. In der jüngeren Edda kommt die Bezeichnung getrennt geschrieben vor.
Die wichtigsten Hochfeste sind Jul (Mittwinter, Wintersonnenwende) um den 21. Dezember, Ostara um den 21. März, Mittsommer (Sommersonnenwende) um den 21. Juni und das Herbstfest (Mabon) um den 21. September.
Das Wiederaufleben dieses alten Glaubens ist seit Anfang des 20. Jhs. zu beobachten. Als älteste heidnische Glaubensgemeinschaft galt die 1907 von Ludwig Fahrenkrog gegründete Germanische Glaubens-Gemeinschaft (GGG), deren Vereinsregistrierung jedoch 1964 gelöscht wurde. Nach anderen Angaben fand die Gründung 1912/13 statt. 1991 wurde die GGG in Berlin neu eingetragen.
In Island ist A. seit 1972 als Religion anerkannt, mittlerweile auch in Dänemark, Norwegen und Australien. Durch das Verständnis von A. als Naturreligion herrscht der Technik gegenüber eine ablehnende Haltung. Außerdem wird zwischen universalistischem und ethnischem A. unterschieden. Für das universalistische A. ist die ethnische Abstammung keine Bedingung, um die Religion anzunehmen.
 
Lit.: Briem, Ólafur: Heiðinn siður á Íslandi. Reykjavík: Bókaútg. Menningarsjóðs, 1945; Hundingbani, Heigi: The Religon of Odin – A Handbook. Red Wing, Min.: Viking House, 1978; McNallen, Stephen A.: Rituals of Asatru. Breckenridge, Tex.: Asatru Free Assembly, 1985; Schnurbein, Stefanie von: Göttertrost in Wendezeiten: neugermanisches Heidentum zwischen New Age und Rechtsradikalismus. München: Claudius-Verl, 1993; GardenStone: Germanischer Götterglaube: Asatru – eine moderne Religion aus alten Zeiten. Engerda: Arun, 2003; Neményi, Géza von: Götter, Mythen, Jahresfeste: heidnische Naturreligion. Holdenstedt: Kersken-Canbaz, 2004; Steinbock, Fritz: Das heilige Fest: Rituale des traditionellen germanischen Heidentums in heutiger Zeit. Hamburg: Junker, 2004.

Asava > Asrava.

Asbest (griech. asbestos, "unauslöschbar") ist ein natürlich vorkommendes Silikat, also ein Mineral mit dem Bestandteil Silizium (Si), das auf natürliche Weise, und zwar durch Verfestigung flüssiger Gesteinslava, auf der Erde entstanden ist. Asbest ist chemisch sehr stabil, hitzebeständig und besitzt eine hohe elektrische und thermische Isolierfähigkeit. Es ist sehr elastisch, zugfest und lässt sich gut in Bindemittel einbinden. Als schwer verbrennbarer Faserstoff war Asbest ein wichtiger Bestandteil vieler Produkte der Bauindustrie, fand aber auch Anwendung in Feuerschutzanzügen und Haartrocknern, obwohl man bereits seit über 100 Jahren von seiner gesundheitsschädlichen Wirkung weiß. Diese Schäden werden meist erst Jahre nach der Aufnahme deutlich. Mit widerhaken-ähnlichen Endformen spießen sich die Asbestfasern im Gewebe fest und können so langfristig zu Vernarbungen bzw. zu Krebs führen.
Wegen seiner Faserung wurde er auch „Salamander“ genannt, zumal man die Ansicht vertrat, dass der Salamander wie der A. unverbrennbar und feuerfest sei (Plin. n. h. 10 § 188). Diese Feuerfestigkeit führte schon im Altertum zu dem Glauben, A. schütze nicht nur gegen Feuer, sondern auch vor Zauberei und allen Giften, besonders den magischen.

Lit.: Porta, Jean Baptiste: La Magie naturelle, qui est, Les secrets & miracles de nature, miss en 4 livres. Nouvell. trad. a Roven: Amiot, 1680; Büttner, Jan Ulrich: Asbest in der Vormoderne: vom Mythos zur Wissenschaft. Münster u. a.: Waxmann, 2004.

ASC (altered states of consciousness) > Veränderte Bewusstseinszustände.

Asch, ägyptischer Gott, vornehmlich als „Herr von Libyen“ bezeichnet, der in menschlicher Gestalt oder mit einem Falkenkopf erscheint. Später wurde er noch in den Oasen der lybischen Wüste verehrt, zeigt Züge des > Seth und trägt manchmal auch den Kopf des > Seth-Tieres.

Lit.: Hornung, Erik: Der Eine und die Vielen. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1971.

Aschar, altarabischer Reitergott, bezeugt auf Inschriften aus Palmyra und auf einigen wenigen Reliefs.

Lit. Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen: Namen, Funktionen, Symbole / Attribute. 2., erw. Aufl. Stuttgart: Kröner, 1989.

Asche, der Verbrennungsrückstand von organischem Material, enthält nach den Vorstellungen in vielen Kulturen besonders wirksame Kräfte. Dies wohl deshalb, weil A. einerseits als Überrest des läuternden Feuers frei von dämonischen Stoffen ist, andererseits weil sie an die vernichtende Kraft des Dämonen verscheuchenden Feuers erinnert. Zudem hat sie als Aschenlauge etwas Reinigendes.
So wird A. in der Bibel bei der Brotbereitung (Kön 19, 6) verwendet. Die von einem reinen Mann gesammelte A. einer verbrannten, fehlerlosen roten Kuh, vermischt mit verbranntem Zedernholz, Ysop und Karmesin, diente als Grundlage für die Herstellung des „Reinigungswassers“ (Num 19, 9f.). Der Büßer sitzt in Staub und Asche (Ijob 30, 19), streut sich Asche auf sein Haupt (2 Sam 13, 19) und kleidet sich in Sack und Asche (Mt 11, 21).
Der vedische Feuergott > Agni reinigte seinen Körper mit Asche, um so die Spuren seiner vergangen Fehler zu entfernen. Ferner gilt in Indien der verbrannte Kuhmist als Reinigungs- und Schutzmittel weshalb sich auch der altindische König einer Reinigung mittels A. unterzog. Die indischen Yogis bedecken zum Zeichen ihres Weltverzichts ihren Körper mit Asche. In den indischen Religionen und besonders bei den Hindus stellt die Asche die reine Substanz dar, die übrig bleibt, wenn die unreinen Eigenschaften des Körpers beseitigt sind.
Das Haupt mit Asche zu bestreuen oder sich darin zu wälzen galt bei Ägyptern, Griechen, Juden und Arabern als Ausdruck der Trauer, aber auch der Reinigung. Die Römer badeten sich an ihrem Neujahrstag, der im März stattfand, in Asche, um gereinigt das neue Jahr zu beginnen.. Als besonders wirksam galt die A. von Opfertieren, die z. B. in Griechenland auf dem Opferplatz zu Altären (Zeus-Altar in Olympia) angehäuft wurde.
Hingegen wurde die Asche von > Hexen oft in fließendes Wasser gestreut, um jede Erdenspur konsequent auszutilgen und ein gespenstisches Wiedererscheinen zu verhindern.
Im Christentum fand Asche in Bußgottesdiensten Verwendung, und seit dem 10. Jh. wird sie beim > Aschenkreuz am > Aschermittwoch – vielleicht wegen der Koinzidenz des Datums eine Fortsetzung des römischen Neujahrsbrauches – auf das Haupt gestreut.
Auch in der Volksmedizin wird A. vielfach verwendet.
Schließlich entsteht der > Phönix, Symbol der Reinigung, Reinheit und Wiedergeburt, jährlich aus seiner eigenen Asche neu.
Asche ist somit ein Symbol der Demut, der Vergänglichkeit und der Reinheit, umgangssprachlich auch ein Symbol für Geld.

Lit.: Aufrecht, Theodor: Die Sanskrit-Handschriften der K. Hof- und Staatsbibliothek in München. München: Palm, 1909; Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Bd. 1. Berlin: W. de Gruyter 1987; Biedermann, Hans: Knaurs Lexikon der Symbole. Augsburg: Weltbild-Verl., 2000.

Aschenkreuz, das am Aschermittwoch mit Asche gemachte Kreuzeichen auf Stirn oder Haupt mit den Worten: „Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst!“
In der frühen Kirche begannen am Aschermittwoch die Büßer ihre öffentliche Buße, wobei sie ein Bußgewand anlegten und mit Asche bestreut wurden. Die Symbolik der > Asche als Reinigung von den begangenen Sünden darf wohl auch als Fortsetzung des römischen Neujahrsbrauches, sich zur Reinigung in Asche zu baden, verstanden werden. Als die öffentliche Buße im 10. Jh. außer Gebrauch kam, wurde der Ritus des Aschenkreuzes auf der Synode von Benevent 1091 auf alle Gläubigen ausgedehnt. Seit dem 12. Jh. gewinnt man die Asche aus den Palmzweigen des Vorjahres.

Lit.: Adam, Adolf: Das Kirchenjahr mitfeiern: seine Geschichte und seine Bedeutung nach der Liturgieerneuerung. Freiburg i. Br. u. a.: Herder, 1991.

Ascheorakel, Weissagung aus der Asche. Diese kann in verschiedenen Formen erfolgen. Der römische Grammatiker Maurus Servius Honoratius (um 400) berichtet in seinen Kommentaren zu den ursprünglich Bucolica bzw. dann Eclogae genannten Hirtengedichten des Vergil (70–19 v. Chr.), dass die Gemahlin des > Cicero nach einem Opfer eine Trankspende auf die Asche gegossen habe, worauf plötzlich eine kleine Flamme aufzüngelte. Dies deutete sie als > Omen, dass ihr Mann Konsul werde, was auch geschah.
Im Volksbrauch schrieb man Fragen mit dem Finger oder einem Stock in die Asche und setzte diese dann der freien Luft aus. In der sich durch den Windhauch bewegenden Asche wurden neue Buchstaben sichtbar. Diese bzw. jene, die dem Lufthauch widerstanden, wurden in der Folge kreativ gedeutet.

Lit.: Servius, Grammaticus: Servii Grammatici qui feruntur in Vergilii Bucolica et Georgica commentarii / rec. Georg Thilo. Hildesheim [u. a.]: Olms, 1986.

Aschera(t) (hebr.), ursprünglich Göttin der Amurriter, eines antiken Volkes semitischer Sprache aus Vorderasien, die in ihren Funktionen als Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin der > Astarte und > Ischtar ähnlich oder gar mit ihr identisch ist. In einer Weiheinschrift für Hammurapi (ca. 1750 v. Chr.) wird sie „Braut des Himmelskönigs“ genannt. In den Zentren Nordisraels sind über Jahrhunderte A.- Kultbilder auszumachen (1 Kön 15, 13; 2 Chr 33, 7). Althebräische Inschriften des 9./8. Jh.s v. Chr. aus dem Süden Palästinas erwähnen Jahwe und seine A. in feststehenden Segensformeln. Ob A. in Israel als Göttin-Partnerin Jahwes galt oder als ein diesem unterworfenes Numen, ist Gegenstand der Fachdiskussion. Tonplastiken, die bei Ausgrabungen in Palästina gefunden wurden, zeigen die weibliche Göttin meist nackt mit starker Hervorhebung ihrer Geschlechtsmerkmale. Der Versuch, A. als weibliche Segensmacht in den Jahwekult einzuführen, war umstritten, wie die Polemik der alttestamentlichen Verfasser zeigt. Die ebenfalls „Aschera“ genannten heiligen Pfähle (1 Kön 14, 23) dürften ihr Kultbild gewesen sein.

Lit.: Dietrich, Manfried: Jahwe und seine Aschera: anthropomorphes Kultbild in Mesopotamien, Ugarit und Israel; das biblische Bilderverbot. Münster: UGARIT-Verlag, 1992; Frevel, Christian: Aschera und der Ausschließlichkeitsanspruch YHWHs: Beiträge zu literarischen, religionsgeschichtlichen und ikonographischen Aspekten der Ascheradiskussion. Weinheim: Beltz-Athenäum-Verl., 1995.

Aschermittwoch, Anfangstag der Fastenzeit. Er hat seinen Namen vom Bestreuen mit Asche, was zu den Übungen der Kirchenbuße gehörte. Ursprünglich markierte der 6. Sonntag vor Ostern den Beginn der Fastenzeit. Seit dem 6. Jh. ist es der Mittwoch davor, um unter Einbezug von Karfreitag und Karsamstag 40 Fasttage zu erreichen. Die Gläubigen holen sich in der Kirche das > Aschenkreuz. Die geweihte > Asche ist ein Symbol der Reinigung, gilt als Mittel gegen Kopfweh und wird auf die Äcker und die junge Saat gestreut, um ihr Gedeihen zu fördern.

Lit.: Jahn, Ulrich: Die deutschen Opferbräuche bei Ackerbau und Viehzucht. Hildesheim: Olms, 1977; Hohmann, Hubert: Advent bis Aschermittwoch. Würzburg: Echter, 1998.

Aschertu, nordwestsemitische Göttin, in hethitischer Form Ascherdusch, identisch mit der syrisch-ugaritischen > Atirat. Nach einem kanaanäischen Mythos wird A. ihrem Gatten > Elkunirscha untreu, indem sie den Wettergott verführen will.

Lit.: Otten, H.: Ein kananäischer Mythos aus Boghazköi. Mitteilungen des Instituts für Orientforschung 1/1953.

Aschmodai (hebr., aramaisiert-pers. oder ägyptischen Ursprungs), Name des Dämons, der sich nach Tob 3, 8.17; 6, 14f.; 8, 3) im Leben der Sara verheerend auswirkt. Er bringt ihr sieben Männer in der Hochzeitsnacht um und treibt sie durch Ehe- und Kinderlosigkeit in die Isolation. Tobias gelingt es mit Hilfe des Engels Rafael, Aschmodai durch Verbrennung von Fischherz und -leber unschädlich zu machen und in die Wüste zu verbannen. Sara kann daraufhin Tobias (Tob 4, 16f.) heiraten.

Lit.: Das Buch Tobit / Von Friedrich Stummer. Würzburg: Echter-Verl., 1950.

Aschnan (sumerisch „Emmer“), altmesopotamische Getreidegöttin, Tochter des > Enki, die mit > Lahar für die Ernährung der Menschen sorgt.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen. Stuttgart: Kröner, 21989.

Aschner-Methode, benannt nach dem Arzt Bernhard Aschner (1883–1960), ist ein Synonym für > Humoraltherapie, die 13 konstitutions- bzw. humoralpathologisch orientierte Verfahren umfasst. Diese Methoden sind vorwiegend der > Humoralmedizin der antiken hippokratischen Schule entnommen. Sie fußen auf dem Modell der > Säftelehre, die Krankheit als fehlerhafte Zusammensetzung (Dyskrasie) der vier Kardinalsäfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle interpretiert. Die Verfahren sollen eine Verstärkung der Ausscheidungs- und Entgiftungsorgane, eine Stoffwechselentlastung, eine vegetative und immunologische Umstimmung, die Reinigung von Blut, Lymphe und Extrazellulärflüssigkeit sowie eine reflexiv bedingte Schmerzlinderung hervorrufen.
Folgende Verfahren werden als A.-M. eingesetzt:
Ausscheidung über die Haut : Schröpfen, Cantharidinpflaster, Baunscheidt-Verfahren, hautrötende Mittel.
Ausleitung über den Darm : Einläufe, Colon-Hydrotherapie, Glauber-Salz, Rizinusöl.
Diruresesteigerung durch vermehrtes Trinken, Phytotherapeutika und Diätetik.
Diaphoretische Verfahren : Hautatmung, Sauna, schweißtreibende Tees, Schwitzpackungen.
Blutentziehende Verfahren : durch Aderlass, Blutegel, Menstruationssteigerung usw.
Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen sowie bei gleichzeitiger Kortikoid- und Zytostatikatherapie sind diese Verfahren nicht angezeigt.

W.: Lehrbuch der Konstitutionstherapie: Technik der Allgemeinbehandlungsmethoden; mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis. Stuttgart: Hippokrates, 2000.

Aschram, auch Ashram oder Asrama (sanskr. śram, „sich bemühen“), Ort der Anstrengung, Zentrum für religiöse Studien und Meditation. Ursprünglich indisches Kloster oder Einsiedelei, später dann Haus eines Guru, in dem auch die Anhänger wohnen können. Seit dem 19. Jh. nannten neohinduistische Gruppierungen, meist mit einem Guru, ihre religiösen Zentren ebenfalls A.s. Exemplarische Bedeutung gewannen R. Tagores Waldakademie Shantiniketan (1901) in Bengalen, > Aurobindos A. (1910) in Pondicherry, Gandhis Satyagraha-A. (1915) in Ahmedabad und > Ramana Maharshis A. (1922) in Tiruvannamalai. Seit 1921 kam es unter dem Leitmotiv der Inkulturation auch zur Gründung christlicher A.s. Neben den zölibatären Männer- und Frauengemeinschaften bildeten sich auch A.s mit Familien. Behausung und Kleidung sind elementar, die Nahrung ist meist vegetarisch.
Im Hinduismus bezeichnet A. ein Kloster oder eine geistige Schule, wo Schüler mit einem Guru zusammenleben, denn nach dem Gesetzbuch des > Manu teilt sich das Leben eines Brahmanen (Angehöriger der obersten oder Priesterkaste in Indien) in vier Abschnitte: 1. Brahmachari (Schüler): Studium der > Veden unter Leitung eines Lehrers. 2. Grishastha (Ehemann): Sorge für Nachkommenschaft. Dieser Lebensabschnitt ist die „Wurzel“ der drei anderen. 3. Vanaprashta (Einsiedler): Wenn der Brahmane seine Lebenspflichten erfüllt hat, kann er sich allein oder zusammen mit seiner Gattin als Einsiedler in den Wald zurückziehen, um dort ein einfaches Leben zu führen und schrittweise die Askese zu steigern, damit die Seele von der Bürde des Fleisches befreit werde. 4. Sannyasin (Heiliger): Er lebt von nun an als Bettler oder Mönch. Die „dreifache Schuld“ hat er beglichen, indem er die Veden in sich aufnahm, Kinder zeugte und die seinem Vermögen entsprechenden Opfer darbrachte. Er weilt nun nur noch physisch in der Welt, ohne ihr anzugehören, denn sein Geist ist im > Brahman versenkt.
Heute werden auch große Gebäudekomplexe neuer religiöser Bewegungen Indiens A.s genannt, zu denen Hunderte und Tausende von Jüngern pilgern, um den Lehren eines Gurus zu lauschen. So ist der A. auch für viele nicht-indische bzw. westliche Sinnsucher zu einem Ort persönlicher spiritueller Schulung und Erfahrung geworden. Die immer noch übliche > seva (Verrichtung anfallender Dienste) und die zunehmenden Kosten verkürzen zusehends den Aufenthalt. Auch Dependancen indischer religiöser Bewegungen im Westen werden A. genannt.

Lit.: Sivananda [Svami]: Der Meister aus dem Himalaya gibt Praktische Anweisungen zur Meditation: Aufgenommen in seinem Ashram in Rishikesh. München-Planegg: O. W. Barth, 1959; Aus dem Ashram des Ramana Maharshi: Gesänge aus d. Veda Parayana. Aufgenommen in seinem Ashram in Tiruvannamalai. München-Planegg: O. W. Barth, 1959; Leben im christlichen Ashram / Bede Griffiths. Mit Fotos von Andreas Hoffmann und einem Vorw. von Michael von Brück. Hg. von Bogdan Snela. München: Kösel, 1990.

Aschtar > Attar.

Aschtaroth, Göttin der Kanaaniter und Phönizier, entspricht der babylonischen Göttin > Ischtar. Ihr zu Ehren feierte man Sexualriten, die von den Propheten des Alten Testaments wiederholt angeprangert wurden. Später mutierte A. zu einem männlichen Dämon, der als schöner Engel auftritt, aber einen übelriechenden Atem hat. Er unterrichtet den, der ihn beschworen hat, in den Wissenschaften und enthüllt ihm Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges.
A. befand sich unter den vielen Teufeln, von denen Anfang des 17. Jhs. die Ursulinerin Madeleine de > Demandolx de la Palud im Kloster Aix-en-Provence besessen war.

Lit.: Cavendish, Richard: Die schwarze Magie. Berlin: Schikowski, 1980, S. 301.

Aschur, Stammesgott der Assyrer, den diese, kaum waren sie politisch an die Macht gekommen, an die Spitze des babylonisch-assyrischen Pantheons zu bringen versuchten. Es gelang ihnen aber nicht, > Marduk A. unterzuordnen. A. blieb daher vorwiegend Kriegsgott.

Lit: Bertholet, Alfred: Wörterbuch der Religionen. 4. Aufl. / neu bearb., erg. u. hg. von Kurt Goldammer. Stuttgart: Kröner, 1985.

Asclepius > Asklepios.

Ascus (griech.), ein zu den > Giganten gehörender Riese, der seinen Handel mit dem Weingott > Dionysos (röm. > Bacchus) führte. Nachdem er mit Lykurgos den Weingott gefesselt in einen Fluss geworfen hatte, befreite > Hermes diesen aus seiner misslichen Lage. Aus Rache zog Dionysos dem A. die Haut ab und fertigte daraus einen Weinschlauch.

Lit. Ranke-Graves, Robert von: Griechische Mythologie: Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005.

Asdente, Rosa Colomba (1781–1847), lebte als Dominikanerin im Konvent der hl. Katharina von Siena in Taggia bei Ventimiglia in Italien. Ihre Prophezeiungen über zeitgenössische und spätere Ereignisse, wie die Flucht Karl Alberts von Savoyen oder den Sturz Napoleons III., verschafften ihr große Beachtung, nachdem man sich anfangs über sie lustig gemacht hatte. Ihre Aussagen wurden erst aufgezeichnet, als einige davon eingetreten waren. So prophezeite sie das Pontifikat Pius’ IX. Die Dokumente ruhen angeblich im bischöflichen Archiv von Ventimiglia. Viele ihrer Äußerungen klingen jedoch phantastisch, z. B. wenn sie davon spricht, dass England, Russland und selbst die Türkei katholisch würden.

Lit.: Ferrari, Giuseppe: La monaca di Taggia o suor Rosa Colomba Asdente dei Conti di Luceramo, domenicana claustrale nel convento di s. Caterina da Siena in Taggia: Vita e predizioni. Torino, 1933.

ASE > Außersinnliche Erfahrung.

Asen (altnord.), das größte germanische Göttergeschlecht des Nordens, von dem die Sagas erzählen. Der Wohnsitz der A. is > Asgard, die Himmelsburg Odins, auf dem nordischen Olymp. Der Name wird von altnord. ass (Pfahl, Balken) abgeleitet, was darauf verweisen könnte, dass die ältesten Darstellungen dieser Götter geschnitzte Pfähle waren. Anderen Forschern zufolge stammt das Wort aus dem Persischen.
Die A. herrschen über die Welt und die Menschen, allerdings beschränkt durch das Schicksal, das nur die > Nornen in vollem Umfang kennen. Den weitgehend vermenschlichten A. werden Stärke und Macht zugeschrieben, wie die folgende Auflistung der bekannteren unter ihnen zeigt:

> Odin (Wotan), das Oberhaupt, Gott des Todes in der Schlacht, der Weisheit, der Ekstase, des Krieges, der Dichtkunst;
> Thor (Donar), Gott des Donners, Gewitters und des Wetters, der Arbeit und des Kampfes; Fruchtbarkeitsgott und Schutzgott;
> Tyr, Kriegsgott, Gott des Fürstenamtes, des Himmels, des Sieges, Gott der Versammlung;
> Balder, Gott der Sonne, des reinen Lichts, des Frühlings, Gott der Schönheit und Gerechtigkeit;
> Heimdall, Gott des Lichtes, des morgendlichen Sonnen- u. Tageslichts, Wächter der Brücke > Bifröst;
> Hoedur, Gott der Dunkelheit, der blinde Gott;
> Ullr, Gott des Winters, Gott des Ackers und der Weide, Gott der Eide, Jäger und Bogenschütze;
> Forsete, Gott der Gerechtigkeit und des Rechts, „Vorsitzender“, Richter über Götter und Menschen;
> Vidar, Gott der Natur und des Waldes, Gott der Rache und des Schweigens;
> Braga, Gott der Dichtkunst.

Bei den weiblichen A. heißen sind u. a. zu nennen:
> Frigga, Odins Gemahlin;
> Iduna, Göttin der Unsterblichkeit;
> Freija, Göttin der Liebe;
> Gefiona, Göttin der Jungfrauen;
> Eira, Göttin der Arzneikunde;
> Snotra, Göttin der Klugheit;
> Syn, Göttin der Gerechtigkeit.

Hinzu kommen, wie schon genannt, noch die > Nornen, die Göttinnen der Zeit und des Schicksals, und die > Walküren, die Göttinnen der Schlacht.
Die kriegerischen Asen hatten ihren Widerpart in der bäuerlich-mutterrechtlich orientierten Welt der > Vanen, den Fruchtbarkeitsgöttern, mit > Njörd und > Freyr an deren Spitze.
Allerdings ist die Grenzziehung zwischen den beiden Göttergeschlechtern nicht einheitlich.
Beim Weltuntergang werden die Asen von den dämonischen Riesen getötet. Nur Odins Söhne, > Vali und > Vidar überleben.

Lit.: Herder-Lexikon germanische und keltische Mythologie: mit rund 1400 Stichwörtern sowie ... Tabellen. Neuausg. Freiburg i. Br. u. a.: Herder, 1993; Asen, Wanen und Riesen: germanische Göttersagen nach Gustav Schalk / neu bearb. und hg. von Thor Keller. Stuttgart: Mellinger, 1994.

Asenbrücke > Bifröst.

Asenpferde. Nach der nordischen Mythologie bestand der Zeitvertreib der > Asen hauptsächlich aus ritterlichen Spielen mit Pferden. So hatte > Odin ein besonders schönes Pferd, Sleipner, mit acht Füßen, das nie ermüdete, weil vier Füße immer ausruhen konnten. Insgesamt sind zwölf Pferde bekannt, doch welchen der Götter sie gehörten, weiß man nicht. Auch die Sonne, der Tag, die Nacht, die Walküren usw. hatten Götterpferde mit besonderen Namen wie Skinfax, Rhimfax usw.

Lit.: Holzapfel, Otto: Lexikon der abendländischen Mythologie. Sonderausg. Freiburg: Herder, 2002.

Asen-Vanen-Krieg. Nach der nordischen Mythologie kam es zum ersten Krieg zwischen den > Asen und > Vanen, als sich das Göttergeschlecht der Asen an der goldreichen Vanin > Gullveig vergriff, nachdem sie zuvor nach einem Besuch dreier Riesentöchter der Gier nach Gold erlegen waren. Da die Asen von Gullveig keine Antwort auf den Ursprung des Reichtums erhielten, versuchten sie Gullveig dreimal zu foltern und zu verbrennen. Diesem Frevel folgte der erste Krieg zwischen den Asen und Vanen, den > Odin mit dem Wurf seines Gers eröffnete.
Beim Friedensschluss tauschte man als Garant des Friedens Geiseln aus. Die Vanen sandten den Meeresgott > Njörd, dessen Kinder, die Zwillinge > Freya und > Freyr, nach > Asgard. Von dort kamen der langbeinige Bruder Odins, > Hönir, und der weise Riese > Mimir nach Vanaheim. Bei der Versöhnung bildete sich > Kvasir.
Nach einiger Zeit ärgerten sich die Vanen über Hönir, weil er immer nur wiederholte, was zuvor schon Mimir gesprochen hatte. Schließlich schlugen sie Mimir den Kopf ab und schickten ihn Odin. Da Mimir nicht ganz tot war, kam es jedoch zu keinem neuen Krieg. Vielmehr betätigte sich Odin zu Ragnarök als Nekromant, indem er sich mit dem Kopf des weisen Riesen beriet.
Der Asen-Vanen-Krieg wird dahingehend gedeutet, dass er geschichtliche Vorgänge aus ältester Zeit beschreibe und die folgenden Kämpfe und das Ineinanderaufgehen der Völker nach Friedensschluss die Herkunft der Germanen erklären würden.

Lit.: Die Edda: Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen. Übertr. v. Felix Genzmer; eingel. v. Kurt Schier. Kreuzlingen; München: Hugendubel, 2006.

Asgard, Festungsburg und Stammsitz der germanischen Götter, der > Asen, auf der sich auch der Saal der gefallenen Helden, > Walhall, befindet. Der Weg nach A. führt über eine Regenbogenbrücke, Asenbrücke, > Bifröst. Die Wohnungen der Götter liegen über > Midgard, der Menschenwelt, und > Utgard, der Riesenwelt. Die Snorra-Edda erzählt: der Riesenbaumeister der Burg bekommt, wenn er A. in einem Winter vollendet, Freya sowie Sonne und Mond als Lohn. Durch eine List bringt ihn der Gott > Loki um den Preis und der Gott > Thor erschlägt den Riesen mit einem Hammer.

Lit.: Snorri [Sturluson]: Die Edda des Snorri Sturluson (Snorra-Edda oder erzählende Edda) / Aus dem Altnord. von Karl Konrad. Mühlhausen in Thür.: Urquell-Verlag, 1926.

Ash Manor House, auch zitiert als Ash Manor Ghost, engl. Herrenhaus aus dem 13. Jh. in Sussex, dem der Ruf eines Spukhauses anhaftet. Am 24.6.1934 zog dort die Familie Keel mit ihrer 16-jährigen Tochter ein. Bald darauf traten > Poltergeistphänomene auf: Geräusche, Schritte, Schläge gegen die Tür, unerklärliche Kälte. Bemerkenswert war vor allem die wiederholte > Erscheinung eines kleinen, ältlichen Mannes mit Schlapphut, grünem Kittel, sehr schlammigen Hosen und Gamaschen sowie einem Taschentuch um den Hals. Mr. Keel nahm ihn zuerst wahr, hielt ihn für einen Diener und sprach ihn an, bekam jedoch keine Antwort. Als er ihn daraufhin an der Schulter anfasste, fuhr seine Hand geradewegs durch die Erscheinung hindurch. Mrs. Keel sah die Gestalt wenig später ebenfalls und beschrieb das Gesicht des Mannes als rot und seine Augen als bösartig und schrecklich. Im Gegensatz zu ihrem Ehemann konnte Mrs. Keel die Erscheinung durch Berührung zum Verschwinden bringen. Der „Grüne Mann“, wie ihn die Keels nannten, erschien noch öfter, vor allem Mr. Keel. Der Fall wurde von Nandor > Fodor erforscht (detaillierte Beschreibung in seinem Buch “The Haunted Mind”, 1959) und wurde einer seiner Paradefälle, die zeigen, wie unterschwellige psychologische Faktoren eine Geistererscheinung beeinflussen können. Nachdem Fodor vergeblich eine Nacht in dem Spukzimmer verbracht hatte, wurde das Medium Eileen J. > Garrett ebenfalls in den Fall involviert. Sie nahm intuitiv einen Mann wahr, der ein Halbbruder entweder von Edward IV. oder V. war, eine Rebellion begonnen hatte, gefangen genommen, gefoltert und als Krüppel zurückgelassen worden war. Weiters kam Garrett in Kontakt mit ihrem > Kontrollgeist Uvani, der ihr erklärte, dass sich Geister nur in der Gegenwart von Menschen, die sich in einem schlechten emotionalen Zustand befinden, physisch oder geistig gestört sind, d. h. in einer Atmosphäre von Unglücklichsein, manifestieren können. Dann entziehe der Geist den Anwesenden Energie und könne dadurch seine eigene Leiden wiederbeleben. Uvani ließ dann den im Hause Keel spukenden Geist durch Garrett sprechen, der sich daraufhin als “Charles Edward” vorstellte und seine Leidensgeschichte vortrug. Als Fodor den Geist nun informierte, dass er tot sei und gehen solle, war der Spuk jedoch noch nicht beendet. In einer neuen Sitzung mit Garrett, behauptete Uvani, der Geist werde von den Keels gebraucht, um ihre Spannungen untereinander auszutragen, und könne daher nicht verschwinden. Anschließend gestand das Ehepaar Keel, unter großen sexuellen Spannungen zu stehen – Mr. Keel war homosexuell. Als Mr. Keel zugab, dass er an dem Geist hing, verschwand das Phantom und ward nie mehr gesehen.
Fodor schließt aus dem Spukfall, dass jemand, der sich in einer unsicheren psychischen Situation befindet und sich an einem historisch bedeutsamen Ort, angefüllt mit Erinnerungen und Traditionen, aufhält, mit einer Kraft oder Intelligenz außerhalb seiner selbst in Kontakt kommen kann.

Lit.: Fodor, Nandor: The Haunted Mind. New York: Helix Press, 1959; Guiley, Rosemary: The Encyclopedia of Ghosts and Spirits. New York: Facts On File, 1992.

Asha (awest., auch in der Form Arta), Wahrheit, personifizierter Gegensatz zur „Lüge“ (> Drug). A. gehört zu den > Amesha Spentas und wird durch das Feuer symbolisiert. Wer sich für die Lehre Zarathustras entscheidet, erwählt sich A. und wird ein „Wahrhaftiger, ein ashavan, einer, der in der Wahrheit lebt.

Lit.: Duchesne-Guillemin, Jacques: Symbolik des Parsismus. Stuttgart: Hiersemann, 1961.

Ashby, Robert Howe (1930–1975), amerikanischer Parapsychologe, Direktor für Erziehung und Forschung von > Spiritual Frontiers Fellowship. Sein Hauptinteresse galt der Frage des Fortlebens nach dem Tode. 1972 erstellte er mit The Guidebook for the Study of Psychical Research einen Überblick über die parapsychologische Literatur.

W.: Personhood. Spiritual Frontiers 14 (1982) 1, 7.
Lit.: Ebon, Martin: In Memoriam – Ashby Remembered. Spiritual Frontiers 14 (1982) 1, 3.

Ashi Vanuhi, iranische Glücksgöttin sowie Göttin des Reichtums, der Fruchtbarkeit und der jungen Unverheirateten, weshalb Kinder und alte Menschen von ihrer Verehrung ausgeschlossen waren. Sie zählte zu den guten Geistern der > Yazatas und entspricht der griechischen Glücksgöttin > Tyche.

Lit.: Darmesteter, James:  Ormazd et Ahriman: leurs origines et leur histoire, suivi de; Haurvatât et Ameretât: essai sur la mythologie de l’Avesta. Amsterdam: Oriental Press, 1971.

Ashima (hebr.), Gott, der im nordsyrischen Hamath verehrt wurde (2 Kön 17, 30). Nach der Vertreibung der Bevölkerung aus Hamath nach Samaria durch den assyrischen König setzte diese die Verehrung in der neuen Heimat fort. Die Herkunft des Namens ist umstritten.

Lit.: Dictionary of Deities and Demons in the Bible (DDD) / Karel van der Toorn; Becking, Bob; Horst, Pieter W. van der (Hg.). - Second extensively revised edition. Leiden, 1999.

Ashipu, Priester im alten Babylonien, die magische Zeremonien durchführten. So waren sie für die Austreibung böser Geister zuständig, konnten einen Zauberbann brechen und stellten die Gesundheit der Kranken wieder her.

Lit.: Drury, Nevill: Lexikon esoterischen Wissens. München: Droemersche Verlagsanst. Th. Knaur Nachf., 1988.

Ashmole, Elias (1617–1692), einer der bedeutendsten und vielseitigsten englischen Gelehrten seiner Zeit: Offizier, Physiker, Astrologe, Rechtsanwalt, Mediziner, Alchimist (von daher die Bezeichnung „Mercuriophilus anglicus“ = „Liebhaber des Merkur", d. h. im alchemistischen Sinn: des Quecksilbers), Botaniker, Historiker in Oxford, Mitglied der Royal Society, Verfasser bedeutender Werke. 1644 wurde er durch William Backhouse > Rosenkreuzer und am 16.10.1646 trat er in Warrington (Lancashire) in die > Freimaurerei ein, noch lange vor dem offiziellen Gründungsdatum der Freimaurerei, 1717. Er gehört zu jenen Forschern unter den Freimaurern, die den Ursprung der Freimaurerei im Rosenkreuzertum suchten, und ist wohl der älteste spekulative Freimaurer. 1646 gründete er gemeinsam mit dem Astrologen William > Lilly nach Bacons Buch Nova Atlantis das Sanktuarium „Haus Salomonis“ für die Suche nach den tiefsten Mysterien der Natur. A. ist auch Gründer des Ashmole-Museums in Oxford, wo sich seine wertvolle Bibliothek befindet.

W.: The history of the most noble Order of the Garter: Wherein is set forth an account of the town, castle, chappel, and college of Windsor; ... To which is prefix'd, a discourse of knighthood in general, ... Collected by Elias Ashmole, ... The whole illustrated with proper sculptures. London: printed for A. Bell, W. Taylor, and J. Baker, and A. Collins, 1715;
The Diary and Will of Elias Ashmole, ed. and extended from the Original Manuscripts by R. T. Gunther. Oxford, 1927; Elias Ashmole: (1617–1692); his autobiographical and historical notes, his correspondence, and other contemporary sources relating to his life and work / ed. with a biogr. introd. by C. H. Josten. Oxford: Clarendon, 1966; Theatrum chemicum Britannicum. With a preface by C. H. Josten. Hildesheim (u. a.): Olms, 2002.

Ashtabula-Poltergeist, angebliche paranormale Phänomene, die um die Mitte des 19. Jhs. in Gegenwart einer jungen Frau aus Ashtabula County, Ohio, USA, auftraten. Beim Tod ihres Mannes wurde die Frau zum Medium. Es kam zu „Geister-Erscheinungen“ und anderen Phänomenen. Als sie dann von ihrem Studium der Anatomie in Marlborough in ihren Heimatort Austinburg zurückkehrte, traten neuerlich verstärkt Poltergeist-Phänomene auf: leichte Gegenstände flogen über das Haus, unbekannte Klänge wurden vernommen. Als sie das Anatomiestudium in Marlborough wieder fortsetzte, nahmen auch dort die Störungen zu. Eine ihrer Zimmerkameradinnen nahm den Geist des Leichnams wahr, den sie tagsüber seziert hatte.

Lit.: Podmore, Frank: Modern Spiritualism: a History and a Criticism. London: Methuen & Co., 1902.

Ashtamangala (sanskr., acht Glückszeichen), acht Glück versprechende kultische Gegenstände und Symbole, im Buddhismus auch „Kostbarkeiten“ genannt, wie Schirm, zwei Fische, Muschelhorn, Lotosblüte, Wasserkrug, Fahne, Knoten und Rad.

Lit.: Steenberg, Carla: Der süße Reis der acht Kostbarkeiten. Pfullingen: Neske, 1975; Wörterbuch der Religionen/ Christoph Auffahrt; Kippenberg, Hans G.; Michaels, Axel [Hrsg.]. Stuttgart: Kröner, 2006.

Ashtangika-Marga (sanskr.) > Achtfacher Pfad.

Ashtar, eine der ursprünglichsten extraterrestrischen Wesenheiten, die in den 1950er Jahren bei angeblichen Untertassenbegegnungen in Erscheinung trat. George Van Tassell (1910–1978) berichtet in seiner Broschüre I Rode a Flying Saucer!, er habe 1952 von der Wesenheit Portla die Botschaft erhalten, dass sich unserem Sonnensystem eine Fliegende Untertasse nähern würde. Bald darauf habe sich der Kommandant des UFOs als A. vorgestellt.

Lit.: Van Tassell, George W.: The Council of Seven Lights. Los Angeles: De Vorss, 1958.

Ashvaghosha (sanskr.), indischer Buddhist, pantheistischer Philosoph und einer der größten Dichter in der Geschichte Indiens, lebte zwischen 80 und 150 n. Chr. Er ist der Hauptgestalter der Mahayana-Schule und vertrat von den beiden Richtungen dieser Schule den Vijnavada oder Yogachara. Nach dieser Richtung ist das „Bewusstseinsreservoir“ (Alayavijnana) die Quelle der geistigen Aktivität, aus der durch Projektionen alle Objekte entstehen; es ist aber keine letzte Realität. Zur höchsten Weisheit, der Soheit (Bhuta-tathata), könne man nämlich nur durch die Erkenntnis gelangen, wie sie die Buddhas besitzen. Das Sanskrit-Original seines Werkes Shraddhotpada („Das Entstehen des Glaubens“), welches 557 n. Chr. ins Chinesische übersetzt wurde, ging verloren.

Lit.: Sacred Books of the East / ed. by F. Max Müller. Vol. 49: Ashvaghosha: Buddhist Mahayana Texts. Reprint. Delhi: Motilal Banarsidass, 1894; 1972.

Ashvattha (sanskr.): 1. der als heilig verehrte Feigenbaum Indiens; 2. der > Lebensbaum, dargestellt mit seinen Wurzeln im Himmel und mit den Zweigen und Blättern auf der Erde. Die Wurzeln symbolisieren das im Transzendenten verwurzelte kosmische Sein, die Zweige das sichtbare Universum. > Brahman, das Eine, hat als kosmisches Sein zwei Aspekte: die Wurzeln des Ashvattha als das unmanifestierte Absolute, Stamm und Zweige als manifestierte Wesen.

Lit.: Lexikon der östlichen Weisheitslehren: Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Zen / Ingrid Fischer-Schreiber; Ehrhard, Franz-Karl ; Friedrichs, Kurt ; Diener, Michael S. (Hg.). Bern u. a.: Scherz, 1986.

Ashvin(s) (sanskr., „Pferdelenker“), Arztgötterpaar namens Nasatya und Dasra, Symbole für die Nervenkräfte und Vitalkräfte, ähnlich den > Dioskuren Castor und Pollux in Griechenland. Sie erscheinen im Morgengrauen am Himmel auf einem goldenen Wagen, der von Pferden oder Vögeln gezogen wird und den sie auf einem goldenen Weg hinunter zur Erde lenken, um die Menschen vor Leid und Unglück zu bewahren und sie zur Erleuchtung zu führen. Die A. sind mit den Töchtern des Lichts vermählt. In den > Veden werden sie häufig erwähnt. Man spendete ihnen heiße Milch als Opfertrank.

Lit.: Hoffmann, Paul Th.:  Die Weisheit der Veden. München: Kunstwartverlag Georg D. W. Callwey, 1925.

Asia oder Klymene. Tochter des Okeanos und der Tethys. Sie gehört nach der griechischen Mythologie zu den > Okeaninen – Nymphen, die über die Meere, mit Ausnahme des Mittelmeeres, herrschten. Sie war die Frau des Titanen Iapetos und Mutter von > Prometheus, Atlas, Epimetheus und Menoitios. Nach dem griechischen Historiker Herodot (500–424 v. Chr.), der als erster Völkerkundler gilt, fungierte sie als Namensgeberin des Erdteils > Asien. A. war auch der Name der 129 v. Chr. errichteten römischen Provinz, die den Westteil von Kleinasien und die damit verbunden Inseln umfasste.

Lit.: Preller, Ludwig: Griechische Mythologie. Berlin: Weidmann, 1854; Magie, David: Roman Rule in Asia Minor to the End of the Third Century After Christ. Vol. 1. 2. Princeton: Princeton Univ. Pr., 1950; Der Kleine Pauly: Lexikon der Antike. Bd. 1. Stuttgart: J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandl.; Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH, 1979.

Asiatische Kampfkünste. Zu ihnen gehören Tae Kwon Do, Thai Boxen, Ju Jitsu, Judo, Aikido, Wushu, Tijiquan, Akido, Karate, Ninjutso, Sambo, Sumo, Kendo, Kyudo u. a.
Diese Techniken entstanden zuerst in Indien und China auf der Grundlage sehr komplexer vedischer, taoistischer und buddhistischer Lehren über die Zusammenhänge und das Zusammenspiel von Körper und Bewusstsein.
Durch > Bodhidharma (ca. 448–527) gelangten die Techniken nach China und wurden dort mit alten taoistischen und neuen buddhistischen Einsichten in die menschliche Konstitution in Einklang gebracht. So entstand in den chinesischen Klöstern das > Chuan Fa, d. h. das Gesetz (dharma) der Faust, das im Westen unter dem falschen Namen „Kung Fu“ bekannt wurde; die japanische Übersetzung heißt „Kempo“. Es handelt sich dabei um eine bestimmte Disziplin von Meditationen und sie unterstützende Bewegungsübungen, die auch eine medizinische Funktion hatten. Ein Teil dieser Übungen, „Hsing“ genannt, wurde mit dem Element Feuer verbunden und diente der gewaltlosen Selbstverteidigung. Dies entspricht den Lehren der Chinesischen Medizin, die zwischen inneren, d. h. emotionalen, und äußeren, d. h. klimatischen und anderen Krankheitsursachen unterscheidet. Zu Letzteren zählen auch Angriffe durch feindliche Tiere oder Menschen, weshalb die Selbstverteidigung im Rahmen der Gesundheitsvorsorge verstanden wird, die für die nach Unsterblichkeit strebenden Taoisten sehr wichtig war. Die Hsing sind, wie die > Mudras, besonders dazu geeignet, > Energie auf eine gewünschte Weise zu lenken. Die ursprüngliche Bedeutung der A. besteht darin, die Energie eines Angreifers gegen diesen selbst zu richten und ihn dadurch unschädlich zu machen.

Lit.: Schlag nach, asiatische Kampfkünste: [Wushu, Tijiquan, Akido, Karate, Judo, Ninjutso, Taekwon-do, Sambo, Thai-Boxen, Sumo, Kendo, Kyudo]. Berlin: Verl. Junge Welt, 1990; Goodman, Fay: Kampfsport : asiatische Kampfkünste im Überblick. Limassol: Lechner, 2000; Paetzold, Frank: Wu Shu: Faszination China & asiatische Kampfkünste; mit Ausführungen über: Die Rebellion der Yihetuan (Boxeraufstand); das Erbe einer Nonne – wing chun. Plauen / V.: fpublisher-Verl., 2003.

Asien (assyr. assu, Sonnenaufgang, Osten) entspricht dem lateinischen Wort Orient bzw. dem deutschen Morgenland und liegt mit seiner kontinentalen Landmasse bis auf die Tschuktschen-Halbinsel in Ostsibirien ganz in der östlichen Hemisphäre, nördlich des Äquators. Nur die südöstlichen Inseln (Teile Indonesiens) befinden sich auf der Südhalbkugel der Erde. Ganz im Osten bildet die Beringstraße mit einer Breite von etwas mehr als 80 km eine Grenze zu Amerika und im Südosten stellt die Inselwelt des indonesischen Archipels eine Verbindung zu Australien her. Asien ist mit mehr als 44 Mio. km2 der flächenmäßig größte Erdteil, der von mehr als der Hälfte der Erdbevölkerung bewohnt wird.
Nach dem griechischen Historiker Herodot (500–424 v. Chr.), der als erster Völkerkundler gilt, fungierte als Namensgeberin des Erdteils > Asia, die Gattin des lichtbringenden > Prometheus.
Asien gilt als die Wiege der Hochkulturen (Babylon-Assyrien, Persien, Palästina-Syrien, > Indien und > China), der Weltreligionen (> Hinduismus, > Buddhismus, > Taoismus, > Konfuzianismus, > Parsismus, > Judentum, > Christentum, > Islam), des Menschengeschlechts und Ausgangspunkt der großen Völkerwanderungen nach Amerika (> Indianer), in die Südsee (> Melanesier, > Mikronesier, > Polynesier) und nach Westen (> Hunnen, Mongolen, > Tartaren, > Türken).
Die Hauptrassen sind gelbhäutige Mongolen, hellhäutige Europäide und dunkelhäutige Negride.
Zu den wichtigsten Sprachen gehören das Indogermanische (Slawen, Armenier, Perser, Inder), Uralische (Samojeden), Kaukasische (Georgier, Tscherkessen), Semitische (Juden, Araber), Altaische mit den Türksprachen wie Türkisch, Jakutisch, Tatarisch und Kirgisisch sowie Mongolisch und Tungusisch, ferner das Drawidische (Sprache der indischen Ureinwohner) und das Indochinesische mit dem Chinesischen, Siamesischen, Tibetischen und Birmanesischen. Das Japanische nimmt eine Sonderstellung ein; es ist stark mit austro-asiatischen, malaio-polynesischen Elementen und Resten der Ainu-Sprache gemischt. Zu den Ainu-Sprachen gehören auch die paläoasiatischen Sprachen der sibirischen Ureinwohner. Für Südasien nennt die Sprachwissenschaft die als austro-asiatische Gruppe bezeichnete Malakka-Sprache, die Mon-Khmer-Sprache und die Munda-Sprache, die von den nichtdrawidischen Ureinwohnern Indiens gesprochen wird. Isoliert von allen Sprachgruppen Asiens steht das Koreanische.
Neben den Trägern der Hochkulturen gibt es in den Randzonen sowie in den Rückzugsgebieten eine Fülle von Altvölkern, wie Jenissejer, Tschuktschen, Jukagiren, Giljaken, Korjaken, Samojeden, auch Altasiaten genannt; sie werden teilweise von tungusischen, Turk­(Jakuten) und mongolischen Stämmen überlagert, die aus dem Süden kamen. Auch für die Tungusen Sibiriens sind die > Schamanen, die eine Verbindung zum Geisterreich herstellen und Techniken des Geisterverkehrs, der Ekstase, der Trance und Besessenheit beherrschen, kennzeichnend.
In den weiten Steppenländern Mittelasiens leben islamische Turkvölker (Kirgisen, Usbeken, Turkmenen, Tataren) in streng vaterrechtlicher Ordnung.
Die Völker Südwestasiens, zumeist Araber oder arabisierte Stämme, sind Kamel-, Pferde- und Ziegenhirten (Beduinen) oder Ackerbauern (Fellachen). Zu den versprengten Gruppen der altindischen Urbevölkerung gehören die Wedda auf Ceylon, die Bhil, die Chenchu und die Kadar sowie die Toda, die schon zu den Drawiden gerechnet werden. Die verschiedenen Stämme mit drawidischen und mundaischen Sprachen kennen Geister, Dorf-, Berg- und Astralgottheiten. In Hinterindien finden sich Pflugbauern und Büffelzüchter, wie die Birmanen, Thai, Khmer und Annamiten.
Zu den Altstämmen Malakkas (Malaysia) zählen die kleinwüchsigen, dunkelhäutigen und kraushaarigen Semang.
Die einst zahlreichen Naturvölker des weiten asiatischen Kontinen ts, wie die Hunsa, die eine indogermanische Sprache sprechen, die Tibeter, die Ainu auf den nordjapanischen Inseln und die Negritos auf den Andamanen und Philippinen, erlebten in den letzten Jahrzehnten durch die gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen eine starke Inkulturation und bewegen sich heute im Spannungsfeld zwischen Tradition und globaler Marktwirtschaft, sodass in der Bewältigung des konkreten Lebens sowohl magische Praktiken als auch wirtschaftliche Kalkulation zum Einsatz kommen.
Über die vielschichtigen paranormologischen Aspekte in Geschichte und Leben der asiatischen Völker wird im Rahmen der Darstellung der einzelnen Völker und Volksgruppen berichtet.

Lit.: Nölle, Wilfried: Völkerkundliches Lexikon: Sitten, Gebräuche und Kulturbesitz der Naturvölker. München: Goldmann, 1959; Bernatzik, Hugo A. (Hg.): Neue große Völkerkunde: Völker und Kulturen der Erde in Wort und Bild. Köln: Buch und Zeit Verlagsgesellschaft mbH, 1968; Parker, Derek: Das Übernatürliche: Atlas des Paranormalen. s.l.: RVG Interbook Verlagsgesellschaft, 1993; Golowin, Sergius: Die großen Mythen der Menschheit. Freiburg i. Br. u. a.: Herder, 1998; Werner, Roland: Trans-Kulturelle Heilkunde: der ganze Mensch; Heilsysteme unter dem Einfluss von Abrahamischen Religionen, Östlichen Religionen und Glaubensbekenntnissen, Paganismus, Neuen Religionen und religiösen Mischformen. Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang, 2001; Quack, Anton: Heiler, Hexer und Schamanen; die Religion der Stammeskulturen. Darmstadt: Primus Verlag; Wiss. Buchges., 2004.

As-Iga, wohlwollender Geist bei den sibirischen Ostjaken. Sein Name bedeutet „Alter Mann des Ob“, eines großen Flusses, der Sibirien durchquert.

Lit.: Storm, Rachel: Die Enzyklopädie der östlichen Mythologie: Legenden des Ostens. Reichelsheim: Edition XXL GmbH, 2000.

Asijjah (hebr., „die Materielle Welt“), Bezeichnung der vierten und letzten der kabbalistischen Welten: Die > Sephiroth bilden zusammen die Welt > Aziluth (Azilah), die auch als der Körper des > Adam Kadmon bezeichnet wird, > Beriah, die Welt der als Geister gedachten Ideen, > Jezirah, die Welt der Seelen, und Asijjah, die Welt der Körperlichkeit. Diese vierte Welt entspricht dem letzten He (5. hebräischer Buchstabe) im > Tetragrammaton, dem Gottesnamen, der aus 72 Buchstaben besteht. Sie enthält die Dämonen, alle materiellen Dinge und Wesen. Der geheime Name von A. in der > Kabbala ist > Ben.
Der Mensch gehört den drei letzten Welten zugleich an, der zweiten durch die Vernunftseele (neschama), welche unsterblich ist, der dritten durch den Geist (ruach), der vierten durch die Körperlichkeit (nephesch).

Lit.: Maier, Johann: Die Kabbalah. München: Beck, 1995; Roberts, Marc: Das neue Lexikon der Esoterik. München: Goldmann, 1995.

Asitie (griech., Fasten; lat. inedia, Nahrungslosigkeit), > Nahrungslosigkeit.

Asiza, Waldgeister im westafrikanischen Benin, die Menschen magische Kräfte verleihen.

Lit.: Randi, James: Lexikon der übersinnlichen Phänomene: die Wahrheit über die paranormale Welt. München: Heyne, 2001.

Ask und > Embla, auch Askr und Embla (nord. für „Esche“ und „Ulme“), waren nach der nordischen Mythologie die ersten Menschen. Als die drei Brüder und Götter Odin, Vili (anderer Name Hoenir) und Ve (anderer Name Lodur) am Meeresstrand wandelten, fanden sie zwei Bäumstämme, die aus dem Meer angespült worden waren und schufen aus ihnen den Ask und die Frau Embla, die ersten Menschen. > Odin gab ihnen als Luftgott Atem, Leben und Geist, > Vili als Wassergott klaren Verstand und Gefühl, > Ve als Feuergott das warme Blut, das blühende Aussehen, die Sprache und das Gehör. Von ihnen stammt das Menschengeschlecht ab, dem in > Midgard eine Wohnung gebaut wurde.

Lit.: Ebermann, Oskar: Sagen der Technik: Nach alten Quellen. Leipzig: Hegel & Schade, 1943; Herrmann, Paul: Nordische Mythologie. Neu hg. von Thomas Jung. Gekürzte Fassung der Erstausg. Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl, 31995.

Askalaphos (griech.), Dämon der Unterwelt, Sohn des > Acheron und einer Nymphe, der Orphne vom Averner See (Ovid, Metamorphosen 5, 537ff.) oder der Gorgyra (Apollodoros, Bibliothek I/33, II/124, 126). Er verrät dem > Hades, dass Persephone die Kerne eines Granatapfels gegessen und damit ihre Chance auf eine Rückkehr an die Oberwelt verspielt hat, da diese aufgrund des Spruchs der > Moiren an die Bedingung geknüpft war, dass sie in der Unterwelt keine Speise zu sich genommen haben darf. > Demeter bestraft ihn, indem sie einen schweren Stein auf seine Brust wälzt. Als > Herakles in die Unterwelt kommt, hebt er den Stein weg, doch Demeter verwandelt A. daraufhin in eine Eule.

Lit.: Apollodor: Götter- und Heldensagen, hg. v. Paul Dräger. Düsseldorf: Artemis & Winkler, 2005; Ovid: Metamorphosen / übers. von Gerhard Fink. Düsseldorf: Patmos, 2005.

Askese (griech., Übung, Verzicht), Übung in der Beherrschung des Körpers mit seinen Sinnen und seinem Begehren und Übung in der Entfaltung von Seele und Geist zur Erreichung des Ideals der Weisheit, der Tugend und Frömmigkeit. A. ist somit eine Grundhaltung persönlicher Lebensgestaltung, die sich bereits in sehr alten Kulturen, in Hochreligionen, Naturreligionen, philosophischen Strömungen und seit Neuestem in zahlreichen Gesundheitsbewegungen findet.
Im Alten Testament wird A. unter „Beten, Fasten und Almosen geben“ zusammengefasst (Tob 12, 8). Die Griechen verstehen A. als Übung zum Erreichen einer Kunstfertigkeit (Homer, Herodot), als körperliches (Thukidides, Xenophon, Plato) und militärisches Training (Sophisten), als Enthaltung (Stoiker, Epiktet, Ältere Sophistik) und als religiöse Übung (Isokrates, Philo von Alexandrien). Im Neuen Testament bedeutet A., das Kreuz auf sich zu nehmen und Christus nachzufolgen (Mt 16, 24).
Während in lebensbejahenden Religionen mit positiver Auffassung von Welt und Körper (vorderorientalische Schriftkulturen, Naturreligionen, Konfuzianismus, Judentum) eher eine negative Einstellung zur Askese vorherrscht, gewinnt sie in lebensverneinenden Religionen und hier vor allem in dualistischen Anschauungen (> Gnostizismus, > Manichäismus) und in Mönchskreisen des Hinduismus, Buddhismus sowie des chinesischen Taoismus ein vielgestaltiges Gesicht. Verzicht, Enthaltsamkeit, Gottesfurcht und Frömmigkeit bilden auch die Grundhaltung der gesamten islamischen Pflichtenlehre.
Das Verhaltensspektrum des Asketen reicht, je nach Weltanschauung, von der einfachsten Selbstkontrolle über Fasten, Schlafverzicht, Einschränkung der Bewegungsfreiheit, Einmauern in Reklusen oder Ausharren auf einer Säule bis zur täglichen Kasteiung.
„Petrus von Alcantara (1499–1562) hat nach den Zeugnissen der hl. Teresa, die mit ihm in vielfacher Verbindung stand, 40 Jahre hindurch, bei Tag und Nacht nie mehr als anderthalb Stunden, und zwar sitzend, das Haupt an einen Pfahl gelehnt, geschlafen, meist nur über den dritten, oft erst über den achten Tag Brot und Wasser gegessen und durch jegliche Abtötung das organische Leben in seiner leiblichen Entwicklung in so enge Schranken zurückverwiesen, dass er aussah wie aus Baumwurzeln zusammengeflochten“ (Benz, S. 49).
Bei der Bevölkerung genießt der Asket nicht nur wegen seiner strengen Lebenshaltung eine besondere Verehrung, sondern vor allem auch, weil die A. die intellektuellen und visionären Fähigkeiten steigert und in besonderen Fällen zu Visionen und Verzückungen führen kann. So wird von der hl. > Margareta von Ungarn, die äußerst asketisch lebte, berichtet, dass sie die Gabe der > Weissagung besaß, sich über den Boden erheben, Heilwunder bewirken und das Wetter beeinflussen konnte.
Diese Wertschätzung der Askese hat allerdings auch zu scheinasketischem Verhalten geführt, indem man vorgab, auf Nahrung zu verzichten, während man sich heimlich reichlich sättigte, weshalb allzu asketisches Verhalten in den Ruf der Betrügerei geriet. So wurde > Therese von Konnersreuth wegen ihrer > Nahrungslosigkeit der heimlichen Nahrungsaufnahme beschuldigt.
Während die religiöse Askese der persönlichen Vergeistigung und der Gottesbegegnung dient, konzentriert sich die rein immanent ausgerichtete Askese auf das Wohlergehen des eigenen Körpers. Neben den tausend Rezepten der gesunden Ernährung des offiziellen Gesundheitswesens wartet die > Esoterik mit Alternativvorschlägen auf, die vom Mondkochbuch bis zur reinen Lichtnahrung reichen.
Sicher ist, dass jede körperliche, seelische und geistige Entfaltung eine entsprechende Askese erfordert, die jedoch Leib, Seele und Geist bereichern und nicht mindern soll.
Schließlich ist noch zu bemerken, dass Askese auch pathologische Züge aufweisen kann, damit ein therapeutisches Problem darstellt und nichts mehr mit Persönlichkeitsentfaltung zu tun hat.

Lit.: Auer, Albert: Die philosophischen Grundlagen der Askese. Salzburg: Jgonta, 1946; Benz, Ernst: Die Vision. Erfahrungsformen und Bilderwelt. Stuttgart: Klett, 1969; Nikolau, Theodoros: Askese, Mönchtum und Mystik in der orthodoxen Kirche. St. Ottilien: EOS-Verl., 1996; Gramlich, Richard: Weltverzicht: Grundlagen und Weisen islamischer Askese. Wiesbaden: Harrassowitz, 1997; Krön, Martin: Das Mönchtum und die kulturelle Tradition des lateinischen Westens: Formen der Askese, Autorität und Organisation im frühen westlichen Zönobitentum. München: tuduv-Verl.-Ges., 1997; Stahlmann, Ines: Der gefesselte Sexus: weibliche Keuschheit und Askese im Westen des Römischen Reiches. Berlin: Akad.-Verl., 1997; Fürst, Alfons: Hieronymus: Askese und Wissenschaft in der Spätantike. Freiburg i. Br. u. a.: Herder, 2003; Hartmann, Götz: Askese und Heiligkeit: Voraussetzungen und Wirkmöglichkeiten charismatischer Autorität bei lebenden christlichen Heiligen der Spätantike. Jena, Univ., Diss., 2005.

Asket (griech.), Mensch der sich durch > Askese körperlich, seelisch und geistig um Höchstleistungen und um Vollkommenheit bemüht. Zur Zeit > Buddhas gab es in Indien teilweise in Orden organisierte Asketen, die entweder als Waldeinsiedler oder wandernde Bettelmönche lebten. Sie trugen ein einfaches Gewand, geschorenes Haar, Stab, Wasserkrug und Bettelnapf und ernährten sich von Pflanzen. Ihr Lebensideal waren Lebensschonung, Wahrheitsliebe, Respekt vor fremden Eigentum, Keuschheit, Freigebigkeit, Begierdelosigkeit.
In die christliche Literatur führte Klemens von Alexandrien den Begriff des Asketen ein. Mit dem Aufkommen des Mönchtums wurde die asketische Lebensform institutionalisiert.
Das Leben der Asketen ist von zahlreichen paranormalen Phänomenen umrankt.

Lit.: Mystische und ascetische Bibliothek oder Sammlung der Hauptwerke der Mystiker und Asceten vorzüglich des Mittelalters. Köln u. a.: J. M. Heberle (H. Lempertz), 1849; Münzel, Robert: Zum Paedagogus des Clemens Alexandrinus. Sonderabdruck aus: Beiträge zur Bücherkunde und Philologie. Leipzig: Harrassowitz, 1903; Mircea Eliade: Yoga: Unsterblichkeit und Freiheit. Zürich; Stuttgart: Rascher Verlag, 1960; Jenal, Georg: Italia ascetica atque monastica: das Asketen- und Mönchtum in Italien von den Anfängen bis zur Zeit der Langobarden (ca. 150/250–604). Stuttgart: Hiersemann, 1995.

Asklepiaden (griech.), die Nachkommen des > Asklepios oder Aesculapus, die zum Teil den Peloponnes, zum Teil die Insel Kos bewohnten und ihre Kenntnisse in den medizinischen Wissenschaften als heiliges Geheimnis vom Vater auf den Sohn weitergaben. Sie verbanden sich in ihren Mysterien durch einen von Hippokrates aufbewahrten Schwur. Als sich der Orden später über die ganze bekannte Welt ausbreitete, wurden auch nicht zu ihrem Geschlecht Gehörige in die Geheimnisse eingeweiht, sofern man überhaupt von Nachkommen sprechen kann, zumal die historische Gestalt von Asklepios fraglich bleibt..

Lit.: Panofka, Theodor: Asklepios und die Asklepiaden. Berlin, 1847; Droste, Meike: Die Asklepiaden: Untersuchungen zur Ikonographie und Bedeutung. Aachen: Shaker, 2001.

Asklepieen (griech.) wurden die dem > Asklepios zu Ehren alle fünf Jahre in Epidaurus gefeierten Feste genannt, die vier Tage nach den isthmischen Kampfspielen stattfanden und hauptssächlich aus prächtigen Prozessionen mit der Bildsäule des Gottes Asklepios bestanden. Die Bildsäule wurde von > Centauren gezogen und von jubelnden, Fackel schwingenden Priestern begleitet. Im Tempel wurde an einem der ersten Tage als Symbol des Gottes eine um den bekannten > Asklepiosstab sich windende Schlange gezeigt.

Lit.: Riethmüller, Jürgen: Asklepios: Heiligtümer und Kulte. Hg. Tonio Hölscher. Heidelberg, Neckar: Archäologie u. Geschichte, 2005.

Asklepieion (griech.) wird das Verfahren der > Transaktionsanalyse genannt, bei dem nicht nur Gefühl, Denken, Körper und Verhalten, sondern auch das Gesellschaftssystem und der Bereich des Übernatürlichen thematisiert werden.
Der Name geht wahrscheinlich auf das Heiligtum des griechischen Gottes der Heilkunde, > Asklepios, auf der Insel Kos zurück.

Lit.: Rüttinger, Rolf: Transaktions-Analyse. Frankfurt / M.: Verl. Recht und Wirtschaft, 2005.

Asklepios (griech.; lat. Aesculapius, Äskulap), aus der griechischen Mythologie bekannter Heilgott, der ursprünglich eine chthonische, d. h. im Innern der Erde hausende Gottheit, ein thessalischer Ortsdämon, war. So stand das älteste Heiligtum von A. in Trikka (heute: Trikala) in Thessalien. Die Priester von A. bildeten eine Zunft, in deren Kreis das medizinische Wissen als Geheimnis gehütet und unter dem Siegel der Verschwiegenheit weitergegeben wurde. Fastengebote, Träume und Visionen spielten in den Therapien der > Asklepiaden, wie sich die antiken Ärzte nach ihm benannten, eine wichtige Rolle.
Später wurde A. teilweise auch als Heros verehrt, wobei die Grenzen zwischen unsterblichem Gott und sterblichem Heros fließend sind. Nach einer der verschiedenen Geburtssagen ist A. der Sohn von Ischys und Koronis. Nach einer anderen, späteren, Sage soll > Apollon sein Vater sein. Als Koronis, die bereits mit A. schwanger war, auf Wunsch ihres Vaters Ischys heiratet, erfährt Apollon von dem Unglück durch einen Raben, dessen weißes Federkleid seitdem schwarz ist. Er tötet seinen Konkurrenten, reißt seinen Sprössling aus dem Mutterschoß heraus und bringt ihn auf den Pelion. Hier wird der kleine A. von > Cheiron in die > Kräuterheilkunde eingeweiht und zum Arzt ausgebildet. Nach anderen Überlieferungen sei er von > Hermes Trismegistos, dem ägyptischen Gott > Thoth, in die Geheimnisse der Heilkunde eingeführt worden. So wurde im hellenistisch-römischen Ägypten sein Name auf > Imhotep übertragen.
Auch sein wichtigstes Attribut, die > Schlange – uraltes Symbol des Erdgeistes – hat sich A. auf dem Pelion herangezogen. Sie begleitet ihn und später auch seine Tochter > Hygieia fast ununterbrochen. Andere Attribute, die auf seine wissenschaftliche Heilkunst verweisen, sind Bücherrolle und Tafel, während dem > Asklepiosstab (Äskulapstab) wohl ursprünglich eine heute nicht mehr erkennbare religiöse Bedeutung zugrunde gelegen haben muss. Der Schlangenstab des A., für den es ein erstes Zeugnis im 2. Jh. v. Chr. gibt, hat als Symbol für den Arztberuf die Zeiten bis heute überdauert. Weitere Kennzeichen für A. sind ein Kranz aus > Heilpflanzen, aus > Lorbeer, aus Fichtenzweigen und ein Mohnbüschel; auch > Zypresse, Pinie und > Ölbaum werden ihm zugeordnet.
Nicht nur durch eine der ihm zugeschriebenen Ehefrauen, Lampetie, der Tochter des Sonnengottes > Helios, wird A. immer wieder mit dem Licht in Zusammenhang gebracht. Auch der apollinische Einfluss spielt hier eine Rolle.
Die reiche Kinderschar des A., um die sich eine ebenso reiche Mythologie rankt, spaltet sich in zwei Gruppen, die seine beiden Seiten, die hygienische und die ärztliche, widerspiegeln. Panakeia und Iaso repräsentieren z. B. die heilerische Ader des A., während Hygieia und Aigle für den zusammengehörigen Bereich von Gesundheit, Licht und Glanz stehen.
Die Bedeutung des A. war nicht immer nur auf den heilerischen Bereich beschränkt, er war anfangs vielmehr ein orakelnder > Erdgeist mit unbegrenztem Wirkungskreis, nicht wie andere Erdgeister auf einen bestimmten Ort beschränkt. Erst später wurde dem allmächtigen Gott A. von dem Orakelgott schlechthin, Apollon, seinem Vater, das Spezialgebiet der Heilorakel zugewiesen.
Die Erfahrung der Heilkunst des A. wurde u. a. in der Einrichtung des > Tempelschlafs (griech. enkoímesis), der > Inkubation, gemacht, und zwar nicht nur von ungebildeten Leuten, sondern auch von bedeutenden Persönlichkeiten, wie den Schriftstellern Aristarch und Theopomp sowie dem Philosophen Krantor: der Kranke fällt im Heiligtum in einen tiefen Schlaf, begegnet im Traum dem helfenden Gott und erwacht schließlich geheilt und genesen. Neben der spontanen Heilung im Tempelschlaf wird aber auch von einer Heilung durch die dem Schlaf anschließende Interpretation der Träume berichtet, zu der bisweilen ein Traumdeuter benötigt wurde. Es galt, die im Traum gegebenen Anweisungen des Gottes zu verstehen. Solche Inkubationsstätten befanden sich immer an gesunden Orten, so etwa auf Aigina und Kos, in Athen, Epidauros, Haleis und auch in Rom.
Mit seiner ärztlichen Kunstfertigkeit schießt A. jedoch über das Ziel hinaus: er erweckt Tote wieder zum Leben. Diesen Fehler, den er nach Pindar aus Goldgier begangen hat, muss er mit seinem Leben bezahlen und wird vom Blitz des wütenden > Zeus aus Angst, dass A. die ganze Menschheit unsterblich mache, in den > Hades geschleudert. Doch A. ist nicht wirklich tot, er wird vielmehr aus der sichtbaren Welt auf eine höhere Daseinsebene entrückt (Rohde 1903, Bd. 1, 142).
Die Verehrung des A. verbreitete sich ab dem 6./5. Jahrhundert über ganz Griechenland. Vielerorts entstanden vor allem auf dem griechischen Festland, den ägäischen Inseln, hier besonders Kos, an der kleinasiatischen Westküste, an der thrakisch-makedonischen Küste und in den griechischen Kolonien im Westen sog. > Asklepieien. Bei jeder Neugründung wurde die Schlange als Symbol des Gottes in feierlicher Prozession an den neuen Platz der Verehrung gebracht. A. verdrängte als Gott immer mehr den alten Heilgott Apollon. Das Hauptzentrum war Epidauros. Dort stand der Tempel in einem weiten Hain, wo keine Frau gebären und kein Mensch sterben durfte.
Als Rom 293 v. Chr. von einer furchtbaren Pest heimgesucht wurde, befahl das Orakel, den A. aus Epidauros zu holen. Man schickte eine Gesandtschaft von zehn vornehmen Männern dorthin. Als sie, dort angelangt, die prachtvolle Statue des Gottes bewunderten, kroch unter dem Altar eine große Schlange hervor, die sich an den erstaunten Gesandten vorbei zum Tempel hinaus und geradewegs zum Hafen und auf das Schiff der Römer zubewegte, wo sie sich in jenem Raum, den die Gesandten der Römer bewohnten, zusammenrollte. Diese beurteilten das Phänomen als höchst günstig. Sie hielten die Schlange für den Gott, reisten ab und kamen unversehrt in Italien an. Die Schlange, die bis dahin ganz ruhig liegen geblieben war, besuchte nun den Tempel des A. zu Antium. In Rom verließ sie das Schiff, kroch auf eine Tiberinsel und dort in das Schilf. Von dem Augenblick an hörte die Pest auf. Die Römer erbauten dem A. an der Stelle einen Tempel und brachten Kranke zur Heilung herbei. In der frühen Kaiserzeit wurde A. als Allheiler zu einem der meistverehrten Götter. Marc Aurel ließ sich sogar selbst als Asklepios mit einem Schlangenstab als Szepter darstellen.
Es gibt ferner Hinweise, dass an manchen Orten, so etwa auf dem Peloponnes, in A. nicht nur der Arzt der Kranken, sondern auch der Beschützer der Gesunden verehrt wurde.
Die bildlichen Darstellungen zeigen A. gewöhnlich mit Schlange und Stab (Asklepiosstab), umgeben von seinen der Heilkunst ebenfalls mächtigen Familienmitgliedern, unter denen seine Tochter > Hygieia (vgl. dt. Hygiene), welche die Gesundheit verkörperte, eine besondere Rolle spielte. Römische Münzen zeigen ihn zusammen mit > Salus, die der griechischen Hygieia entspricht.

Lit.: Paulys Real-Encyclopädie. Hg. v. G. Wissowa u. a. Stuttgart, 1894ff., Bd. 2 1896; Rohde, Erwin: Psyche: Seelenkult und Unsterblichkeitsglaube. Ausgew. u. eingel. von Hans Eckstein. Leipzig: Kröner, 31929; Kerényi, Karl: Der göttliche Arzt. Studien über Asklepios und seine Kultstätten. Darmstadt: Wiss. Buchges., 21956; DKP = Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike. Auf der Grundlage von Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Hg. Von Konrad Ziegler u. Walther Sontheimer, 5 Bde. Stuttgart: Alfred Druckenmüller 1964–1975; Papadakes, Theodoros: Epidauros: d. Heiligtum d. Asklepios. München; Zürich: Schnell und Steiner, 1978; Forstner, Dorothea: Neues Lexikon christlicher Symbole. Innsbruck: Tyrolia, 1991; Schott, Heinz: Die Chronik der Medizin. Gütersloh: Chronik Verlag im Bertelsmann-Lexikon Verlag, 1993; Edelstein, Emma J. u. L.: Asclepius: collection and interpretation of the testimonies. Baltimore, Md.: John Hopkins University Press, 1998; Riethmüller, Jürgen: Asklepios: Heiligtümer und Kulte; Hg. Tonio Hölscher. Heidelberg, Neckar: Archäologie u. Geschichte, 2005.

Asklepiosstab. Ein Stab, um den sich eine Schlange windet, Attribut des griechischen Heilgottes > Asklepios (lat. Aesculapius). Diese Darstellung ist heute noch Symbol des Arztberufes und verbunden mit einer Schale ist sie Zeichen der Apotheker. Die > Schlange als Symbol der Wandlung und Erneuerung galt im Altertum als heiliges Tier des Asklepios, verschiedentlich sogar als seine Inkarnation. Auch die Äskulapnattern in den antiken Heilstätten, die besonders an Heilquellen angelegt wurden, hielt man für heilige Tiere. Der A. erscheint erstmals im 2. Jh. v. Chr. zu Pergamon als eigenes Motiv. In der Neuzeit taucht er als isoliert dargestelltes Symbol 1571 wieder auf und wird dann zum bekannten Arztsymbol. Er wird u. a. mit dem Zauberstab des Moses (Ex 7, 9–13) in Verbindung gebracht, der sich in eine Schlange verwandelte, und mit dessen Hilfe Moses die „ägyptischen Plagen“ über das Land des Pharaos herabrief. Zudem heilte er mit einer auf einem Pfahl in der Wüste aufgerichteten „ehernen Schlange“ die von Giftschlangen gebissenen Menschen (Num 21, 8).
Der A. ist vom > Caduceus, dem von zwei Schlangen umringelten Heroldsstab des Gottes > Hermes (> Merkur), zu unterscheiden.

Lit.: Schouten, Jan: The Rod and Serpent of Asklepios. Amsterdam: Elsevier, 1967; Hunger, Karl-Heinz: Der Äskulapstab: zur Funktion präsentativer Symbole in der Kommunikation. Berlin: Spiess, 1978; Biedermann, Hans: Knaurs Lexikon der Symbole. Augsburg: Weltbild-Verl., 2000.

Asmodeus, talmudisch Ashmedai, hebr. Hasmed (die Ableitung ist unsicher), ein Dämon der Wollust und Unzüchtigkeit, der wahrscheinlich mit dem altiranischen > Aeshma Daeva, dem persischen Gott des Zorns, verwandt ist und die Menschen zu Rachegedanken anstiftet. Er wurde von den Juden übernommen und zuerst in dem jüdischen apokryphen Buch Tobit 3, 8.17 als Asmodaios to poneron daimonion (Asmodaios, der böse Dämon) bezeichnet. Im Talmud, Gitt. 68, Pesach. 110a und Targ. Koh. I, II, ist er der König der Dämonen.
A. wird häufig als Zankverursacher zwischen den Eheleuten beschrieben, indem er den Geschlechtsverkehr verhindert und den Ehebruch fördert. Von hier aus war es nur ein kleiner Schritt zu seinem späteren Status als Gott der Wollust. So soll er Salomo eine seiner Frauen geraubt haben, wobei dieser die Herrschaft über A. erst wiedererlangte, als ihm der Erzengel Michael einen Zauberring mit einem sechszackigen Stern, dem > Siegel Salomonis, schenkte, woraufhin Salomo A. zur Mitarbeit beim Tempelbau verpflichtete.
Rief man A. durch Hexerei herbei, zeigte er sich dreiköpfig (mit dem Kopf eines Stieres, eines Menschen und eines Widders) und mit einer Lanze auf dem Rücken eines Drachen. Behandelte man ihn jedoch mit Respekt und beschwor ihn barhäuptig, konnte er einem die Macht der Unsichtbarkeit verleihen und verborgene Schätze verraten.
Der Name wurde frühzeitig als Bezeichnung für den > Teufel benutzt, so im Pseudo-Cyprianischen Gebet. Ebenso findet man ihn in den Verzeichnissen der Stundenengel und -dämonen der mittelalterlichen > Astrologie. Im > Hexenhammer (Malleus maleficarum) wird er als Dämon der Hurerei und als Fürst jeglicher Unflätigkeit bezeichnet.
Seit dem Mittelalter hat er auch seinen Platz im Volksglauben. In der magischen Dämonologie symbolisiert er die Intelligenz des Mondes. Für den Dämonologen Peter Binsfeld (1540–1603) ist er einer der sieben Hauptteufel, dem die Unkeuschheit zugeordnet ist. Anleitungen zur Anrufung des A. finden sich in The Magus von Francis Barrett.

Lit.: Barrett, Francis: The Magus or Celestial Intelligencer: Beeing a Complete System of Occult Philosophy; In three books. London, 1801; Koch, Hugo: Cyprianische Untersuchungen. Berlin: Marcus & Weber, 1926; Kleiner Teufel Asmodeus / Ulf Stark; Anna Höglund. Aus dem Schwed. von Birgitta Kicherer. Hamburg: Carlsen, 2000; Binsfeld, Peter: Tractat von Bekanntnuß der Zauberer unnd Hexen: [ob und wie viel denselben zu glauben] / Hrsg. und eingeleitet von Hiram Kümper. Wien: Mille-Tre-Verl. Schächter, 2004; Marc-Roberts-Team: Lexikon des Satanismus und des Hexenwesens. Graz: Verlag f. Sammler, 2004; Sprenger, Jakob: Der Hexenhammer/ Zum ersten Mal ins Dt. übertr. und eingeleitet von J. W. R. Schmidt. Erftstadt: Area, 2004.

Asomata, dritte Substanzklasse der frühen Alchemisten, neben > Somata und > Pneumata. Diese dritte Klasse enthält jedoch weder Grundkörper noch kann man sie im strengen Sinn als Klasse bezeichnen, weil sie sämtliche Nichtkörper oder Noch-nicht-Körper umfasst und daher unüberschaubar groß ist. So gehören alle irgendwie eigenständigen, diskreten Substanzen zu ihr, vorausgesetzt, sie sind weder Somata noch Pneumata. Zu den A. zählen daher sämtliche Salze, Erdarten, Minerale und alle Substanzen, die man heute als organisch bezeichnen würde.

Lit.: Hans-Werner Schütt: Auf der Suche nach dem Stein der Weisen: die Geschichte der Alchemie. München: C. H. Beck, 2000.

Asopós (griech), nach dem gleichnamigen Fluss in Mittelgriechenland benannter böotischer Flussgott, Sohn des > Poseidon. Als Zeus eine der Töchter des Asopós raubt, wird der Vater vom Blitz getroffen.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen: Namen, Funktionen, Symbole / Attribute. 2., erw. Aufl. Stuttgart: Kröner, 1989; Tetzner, Reiner: Griechische Götter- und Heldensagen: mit Stammtafeln der Götter und Helden, Anmerkungen und Register / nach den Quellen neu erzählt von Reiner Tetzner und Uwe Wittmeyer. Stuttgart: Reclam, 2003.

Aspect-Experiment, Experimente, die der französische Physiker Alain Aspect von der Universität Paris 1982 zur Deutung des Einstein-Podolsky-Rosen-(EPR-)Paradoxons durchführte, das eine „Welt“ der Synchronizität, Nicht-Lokalität und Akausalität ausweist.

Lit.: Aspect, Alain: Trois tests expérimentaux des inégalités de Bell par une mesure de corrélation entre photons. Paris, 1983.

Aspekte (lat. aspectus, „Anblick“, „Ansicht“) werden in der > Astrologie bestimmte Winkelabstände genannt, die von > Sonne, > Mond und den > Planeten sowie > Aszendent, > Imum coeli, > Deszendent und > Medium coeli, von der Erde aus betrachtet, zueinander gebildet werden. Es heißt, die Planeten „blicken sich an“, freundlich oder feindlich. So sind die klassischen Winkelbeziehungen mit > Konjunktion (0 Grad), > Sextil (60 Grad), > Quadrat (90 Grad), > Trigon (120 Grad) und > Opposition (180 Grad) jeweils mit einem Grad-Spielraum, dem sog. Orbis, der bei den verschiedenen Schulen und Astrologen variiert, gegeben. Ferner werden noch Nebenaspekte, vor allem wenn sie exakt, also gradgenau sind, wie das > Halbsextil (30 Grad), das > Halbquadrat (45 Grad) und die > Quincunx (150 Grad) zur Auslegung des > Horoskops herangezogen. Den A. wird eine zentrale Bedeutung in der Horoskop-Interpretation beigemessen, wobei als Grundregel gilt: je genauer der Aspekt, desto bedeutsamer.
Die wichtigste Rolle wird der Konjunktion von Planeten, was eigentlich „Verheiratung“ bedeutet, zuerkannt. Dabei können sich die Kräfte der Planeten in unterschiedlichster Weise konzentrieren und verstärken, während als Gegenstück dazu die Opposition, der Gegenschein, gilt, wobei sich die Planeten in Kampfstellung gegenüberstehen. Das Sextil gilt als leicht harmonischer und besonders stabiler Aspekt, das Trigon als sehr harmonischer, völlig problemloser Winkel und Quadrat wie Quincunx zählen wie die Opposition zu den Spannungswinkeln, wobei das Quadrat im Gegensatz zur Opposition, die den fairen, offenen Kampf vertritt, seinerseits eine hinterhältige Kampfstellung, das In-den-Rücken-Fallen symbolisiert. Die Quincunx gilt als leicht disharmonischer Aspekt.
Die Zeitspanne zwischen zwei gleichartigen, auf die Erde bezogenen Konstellationen, also von einer Opposition zur nächsten oder von einen Konjunktion zur nächsten, ist die periodische Umlaufzeit des Planeten.
Die Lehre von den Aspekten florierte vor allem in der arabischen Astrologie des MA, in der Schule von Toledo.
Kepler fasste das Wesen der A. als relatio auf, als Bezüglichkeit, Bedingung oder „Gedankending“, wie Thomas Ring sich ausdrückt, und die A. oder Konfigurationen sind für ihn Figuren der Kreisgeometrie und repräsentieren die „Urmuster göttlicher Ordnung“. Sie sind dabei jedoch nicht nur „Urbild der Außenwelt“, sondern auch „Ur-Beziehbarkeit der Seele selbst“. Das bedeutet nach Kepler: „Die Wirkung der Konfigurationen beruht nicht auf einer eigenen Kraft, sondern auf der Kraft der Seele, von der man zwar sagt, sie erleide etwas, die aber in Wirklichkeit vielmehr tätig ist, indem sie selber auf sich wirkt“ (Ring, 247).

Lit.: Ring, Thomas: Astrologische Menschenkunde, Bd. 1: Kräfte und Kräftebeziehungen. Tübingen: Chiron-Verlag, o. J.; Henseling, Robert: Umstrittenes Weltbild: Astrologie, Welteislehre, um Erdgestalt u. Weltmitte. Leipzig: Reclam, 1939; Biedermann, Hans: Handlexikon der magischen Künste. Graz: ADEVA, 1968; Löhlein, Herbert A.: Handbuch der Astrologie. München: Lichtenberg Verlag 1977; Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens. München: Goldmann, 1993; Felber, Frank W.: 640 x 3 Aspekte – Alle 12 Winkel. Selbstverlag, 2002.

Aspersion (lat., „Besprengung“), Aspergie, reinigende Besprengung. Bereits im Altertum vollzog man reinigende Besprengungen mit Wasser, Opferblut (Ez. 24, 8; Hebr 9, 19–22) oder Wein als Vorbereitung für den Kult und als Entsühnung von begangener Schuld. Für Christen ist das reinigende Besprengen mit gesegnetem Wasser seit dem 2. Jh. belegt (ActPetr 11). Hinkmar von Reims bezeugt zum ersten Mal Wasserweihe und A. vor dem sonntäglichen (Haupt-)Gottesdienst für die fränkische Kirche des 9. Jhs. Seit dieser Zeit sind auch A.-Prozessionen in der Kirche bekannt. Das Asperges me („besprenge mich“) wurde auch von namhaften Musikern aufgegriffen, so zweimal von Anton Bruckner. Durch die liturgische Erneuerung im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils trat dieser Brauch in den Hintergrund, wird aber allmählich wieder aufgegriffen und hat in verschiedenen Religionen einen besonderen Stand.

Lit.: Franz, Adolph: Die kirchlichen Benediktionen im Mittelalter. Sonderausg. Graz: ADEVA, 1960; Opitz, Peter: Asperges me Domine hyssopo, et mundabor: Beobachtungen zu Sadolets und Calvins Exegesen von Psalm 51 als Frage nach dem „proprium“ reformierter Schriftauslegung. In: Zwingliana, Bd. 19, 2, 1993.

Asphalt (griech. asphaltos, lat. bitumen), Erdpech, Bergpech, ist eine dunkelbraune bis schwarze pechartige Masse, wahrscheinlich entstanden durch Oxidation von Petroleum. Große Naturasphaltvorkommen gibt es in Venezuela (Lago de Guanaco), Travers (Schweiz), Trinidad, im Elsass und im Toten Meer. Im Altertum gewann man den Asphalt vor allem aus dem Toten Meer. Der Großteil wurde zum Einbalsamieren der Mumien nach Ägypten verkauft. Aus dem Altertum stammt auch die Auffassung, dass der Geruch des A. die bösen Geister vertreibe. Besessene versuchte man daher mittels A. zu heilen, indem man ihnen A.- (und Schwefel-)Dampf in die Nase, den Weg zum Gehirn, blies.
Der Gebrauch von A. zu Heilkuren verbreitete sich über die Griechen und Römer in den Westen. Zu Conrad Gesners Zeiten (1516–1565) verordnete man zum Beispiel Bitumen bei Kolikanfällen und Uterusschmerzen. Da man der Ansicht war, dass für die Einbalsamierung der Leichen ein besonders guter A. verwendet werde, bediente man sich des Mumienasphalts und schließlich der Mumien selbst zu Heilzwecken. > Paracelsus kennt diese Verwendung, bestreitet aber, dass der einbalsamierte Menschenleib die echte Mumie und heilkräftig sei. Trotzdem herrschte diese Auffassung bis ins 19. Jh. vor. In Zedlers Universallexikon wird der A. als reinigendes und schließendes Mittel bei Wunden erwähnt.
Heute wird Asphalt zur Herstellung von Lacken und im Straßenbau verwendet.

Lit.: Paracelsus und Fludd: Die beiden großen Okkultisten und Ärzte des 15. und 16. Jhs; mit e. Ausw. aus ihren Schriften; nebst ausführl. Reg. / Von F. Freudenberg. Berlin: Barsdorf, 1918; Gesner, Conrad: Von allerhand kunstlichen [künstlichen] und bewerten Oelen, Wasseren und heimlichen Artzneyen [Arzneien]. Lindau: Antiqua-Verlag, 1979; Grosses vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, ... / nebst e. Vorrede ... verlegt v. Johann Heinrich Zedler. 2., vollst. photomechan. Nachdr. d. Ausg. Halle 1732–1754. Graz: ADEVA, 1993.

Asphodelos > Affodil(l).

Asphodeloswiese (von griech. asphodelos, Goldwurz), Wiese mit Liliengewächsen bestehend aus weißen, gelblichen oder zartvioletten Blütenrispen und fleischiger, zuckerhaltiger Wurzel, im Mittelmeer heimisch. Der mythologischen Tradition nach schmückte Asphodelos oder > Affodil(l) die blumenreichen Auen des Jenseitslandes, des Hades, mit bleichen Blüten. Auf diese Wiese strömen nach > Platon die Seelen aus dem Jenseits zur > Wiedergeburt zusammen, um ihr weiteres Los zu wählen. Ein Herold verkündet ihnen feierlich:
„Eintägige Seelen! Dies ist der Beginn eines neuen, todbringenden Umlaufes für euer sterbliches Geschlecht. Euer Los wird nicht durch den Dämon bestimmt, ihr selbst seid es, die sich den Dämon erwählen. Wer aber zuerst gelost hat, der wähle zuerst die Lebensbahn, bei der er unwiderruflich verharren wird. Die Tugend ist herrenlos. Je nachdem ihr sie ehrt oder missachtet, wird ein jeder mehr oder weniger davon empfangen. Die Schuld liegt bei den Wählenden. Gott ist schuldlos“ (Staat, 617 d).
Auch der deutsche Volksglaube kennt in den Sagen und Märchen eine schöne, blumenreiche Toten- oder Seelenwiese der Abgeschiedenen. Sie liegt in den Bergen oder auf dem Grund von Gewässern oder auch ganz allgemein bei den Unterirdischen; oder aber man gelangt zu ihr auf der Erde durch einen traumhaften Übergang. Sie befindet sich auch im Besitz der weißen Jungfrau oder Frau, hinter der sich meist ein > Totengeist verbirgt. Ob diesem Volksglauben antike Vorstellungen zugrunde liegen, muss offen bleiben. Dass Laurins Rosengarten hierher gehört, kann angesichts der bezaubernden Elfengärten und blumigen Heiden des Bergkönigs nicht bezweifelt werden. Schon Gervasius und Geraldus bezeugen den Glauben an die Wunderwiese im Berg.

Lit.: Gervasius von Tilbury: Des Gervasius von Tilbury Otia imperialia / in einer Auswahl neu hg. und mit Anm. begleitet von Felix Liebrecht. Hannover: Rümpler, 1856; Mannhardt, Wilhelm: Germanische Mythen: Forschungen. Berlin: F. Schnuder, 1858; Rohde, Erwin: Psyche. Leipzig: Kröner, 1929; Platon: Sämtliche Werke II. M. e. bio-bibliograph. Bericht v. Bernd Henninger u. e. editor. Nachw. v. Michael Assmann. 8., durchges. Aufl. d. Berliner Ausg. von 1940. Heidelberg: Lambert Schneider, 1982; Holzapfel, Otto: Lexikon der abendländischen Mythologie. Sonderausg. Freiburg u. a.: Herder, 2002.

Aspidomantie (griech. aspis , Schild; engl. aspidomancy), Schildweissagung. Es handelt sich hierbei um einen im 16. Jh. bekannten Brauch der Indianer von Florida zum Auskundschaften des Feindes. Ein alter Zauberer lässt sich den Schild eines französischen Leutnants geben, legt ihn auf die Erde, umschreibt ihn durch einen Kreis mit magischen Zeichen, kniet sich auf den Schild, gerät in einen ekstatischen Zustand und macht seine prophetischen Aussagen.

Lit.: Le Moyne, Jacob: Warhafftige Abconterfaytung der Wilden in America, so daselbst erstlichen lebendiger weise abgerissen. Jetzt aber in Kupffer gestochen und an Tag gegeben durch Dieterich von Bryh. Franckfort am Mayn: Feyerabendt, 1591, Abb. XII; Boulenger, Jules César: Ivlii Cäsaris Bulengeri ... Opusculorum Systema duobus tomis digestim. Lyon: Pillehotte, 1621, S. 199, 223; Fabricius, Johann Albert: Jo. Alberti Fabricii Bibliographia antiquaria sive Introductio in notitiam scriptorum qui antiquitates Hebraicas Graecas Romanas et Christianas scriptis illustrarunt. Ed. 3. Hamburgi: Bohn, 1760, S. 595.

Aspirant (lat. a(d)spirare, nach etwas trachten), ein Bewerber, der etwas ernsthaft anstrebt: Eintritt in eine Gemeinschaft, Erlangung eines Amtes, einer Fachausbildung, einer höherer Bewusstseinsstufe, einer höheren Selbsterkenntnis, einer höheren Handlungsfähigkeit oder auch der Zulassung zu einer > Initiation.

Lit.: Dilthey, Albert: Der Einjährig-Freiwillige, der Reserveoffizier-Aspirant und der Offizier des Beurlaubtenstandes der Infanterie. Mit e. Sammlung von Prüfungsaufgaben nebst Anleitung zu ihrer Lösung. Berlin: Mittler, 1916; Narayanananda <Svami>: Ein Wort an Menschen, die geistig weiterkommen wollen. Freiburg i. Br.: N.U. Yoga Centre, 1977.

Aspis (Vipera aspis), bis zu 94 cm lange Giftschlange mit gedrungenem Körper, kurzem, dünnem Schwanz und dreieckig abgesetztem Kopf, die ihres Vorkommens wegen (Nordspanien, Frankreich, Schweiz, Italien, Schwarzwald) auch als die „eigentliche“ europäische Giftschlange bezeichnet wird.
Die vielfach negativ gedeutete A. ist in zum Teil erheblich variierter Gestalt abgebildet, so z. B. auch als kleiner, vierfüßiger Drache, dem eine seltsame Verbindung mit scharfem Gehör und Musikalität nachgesagt wurde. Alte Buchillustrationen zeigen die Viper, wie sie ein Ohr an den Boden presst und das andere mit ihrer Schwanzspitze verstopft, um so scheinbar die Vibrationen des Erdreichs zu vernehmen – was jedoch dahin gedeutet wurde, dass A. sich gegen das Hören der heiligen Beschwörungsriten zu schützen versucht, die sie töten würden (Ps 58, 5–7). In der Zeit der Kirchenväter wurde die Aspis-Viper als Verkörperung der Sünde gedeutet.

Lit.: Biedermann, Hans: Dämonen, Geister, dunkle Götter: Lexikon der furchterregenden mythischen Gestalten. Graz; Stuttgart: Leopold Stocker, 1989; Beasts and Birds of the Middle Ages: The Bestiary and Its Legacy / By Willene B. Clark and Meradith T. McMunn. Philadelphia: University of Pennsylvania Press, 1989.

Asport (lat.), das paranormale Verschwinden eines Gegenstandes, der verschwunden bleibt oder an einem anderen Ort wiedergefunden wird. So wird aus Séancen von Gegenständen berichtet, die angeblich durch feste Wände hindurch verschwanden. Ähnliche Begebenheiten werden auch im Zusammenhang mit Besessenheitsphänomenen genannt. Ein eindeutiger Beweis des Phänomens steht noch aus. A. ist der Gegenbegriff zu > Apport.

Lit.: Guiley, Rosemary: The Encyclopedia of Ghosts and Spirits. New York: Facts On File, 1992.

ASPR > American Society for Psychical Research.

Asrai, kleine weibliche Wasser-Feen (water-fairies) aus der englischen Folklore, die sich in eine Wasserpfütze verwandeln, sobald sie direktem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Berichte aus den Grafschaften Cheshire und Shropshire erzählen von A., die von Fischern mit Netzen gefangen und auf den Boden des Bootes gelegt wurden. Offenbar wollten sie wieder freigelassen werden, doch war ihre Sprache unverständlich. Die Berührung ihrer kalten, nassen Hände hinterließ Brandspuren für immer. In den Erzählungen wurden die A. jeweils mit nassem Tang bedeckt, doch als die Boote an Land anlegten, war nur noch ein bisschen Wasser auf dem Boden des Bootes zu sehen.

Lit.: Briggs, Katharine Mary: A Dictionary of Fairies, Hobgoblins, Brownies, Bogies and Other Supernatural Creatures. London: Allen Lane, Penguin Books Ltd., 1976.

Asrama > Aschram.

Asrava (sanskr., Pali: asava , „Befleckungen“, „Einströmungen“), Bezeichnung der vier zerstörerischen Triebe, die das Wesen an die Wiedergeburt (> samsara) fesseln. Es sind dies: 1. Sinnlichkeitstrieb, 2. Daseinstrieb, 3. Unwissenheitstrieb. 4. Spekulationstrieb. Durch Erleuchtung können die A. allerdings vollständig überwunden werden.

Lit.: Notz, Klaus-Josef (Hg.): Das Lexikon des Buddhismus: Grundbegriffe, Traditionen, Praxis; Bd. 1: A–M, Bd. 2: N–Z. Orig.ausg. Freiburg i. Br. u. a.: Herder, 1998.

Assagioli, Roberto, Psychiater und Psychotherapeut, Begründer der Psychosynthese; wurde am 27. Februar 1888 in Venedig geboren und promovierte 1910 zum Dr. med. an der Universität Florenz mit einer Arbeit über die Psychoanalyse, die er weitgehend an der Psychiatrischen Klinik in Burghölzli, Zürich, ausarbeitete. Nach der Spezialisierung in Neurologie und Psychiatrie widmete er sich dem Studium der Psychologie und Philosophie und gründete die Zeitschrift Psiche (1911–1915). Von 1914–1918 war er als psychiatrischer Berater tätig. 1922 heiratete er Nella Ciapetti. Nach Anwendung verschiedener psychotherapeutischer Methoden wurde ihm bewusst, dass vor allem die Psychoanalyse wesentliche Teile des Menschen weder berücksichtigt noch anspricht. So entwickelte er eine neue Methode, die auf die Entfaltung der ganzen Person angelegt ist, und nannte sie „Psychosynthese“. 1926 veröffentliche er die Arbeit Psychosynthesis, A New Method of Healing. Seine Vorstellungen über Geist und Bewusstsein decken sich weitgehend mit den Theorien von C. G. Jung, dem Gedankengut von Gurdjieff und Abraham Maslow. Sie finden in seinem Handbuch Psychosynthese ihren Niederschlag. Im selben Jahr gründete er in Rom das Institut für Psychosynthese, das er 1939 unter faschistischem Druck schließen musste und das erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges wiedereröffnet werden konnte. Eine reiche Vortragstätigkeit führte ihn durch ganz Europa und nach Amerika.
In seiner umfassenden Sicht des Menschen interessierte sich A. auch für Mediumismus, Telepathie, Hellsehen und Vorahnungen; er wirkte bei der Ausbildung von Sensitiven mit und hielt Vorträge über verschiedene Aspekte der Parapsychologie. 1958 veröffentlichte die Medical Society for the Study of Radiesthesia seine Arbeit Parapsychological Faculties and Psychological Disturbances.
Zahlreiche Mitgliedschaften, Auszeichnungen und Gründungen neuer Institute in verschiedenen Ländern krönten seine Arbeit, die weiterhin großen Anklang findet.
Seiner ganzheitlichen Betrachtung des Menschen liegt die Ansicht zugrunde, dass jeder Mensch aus der Tiefe seines Wesens nach Vollständigkeit, Ganzheit, Selbstverwirklichung, Einheit, Liebe, Freude und Lebenssinn sucht. Die Psychosynthese verdeutlicht, dass die Sehnsucht nach Sinn, nach höheren Werten, nach einem geistigen Leben ebenso real ist wie es die biologischen und gesellschaftlichen Bedürfnisse sind. A. starb 1974.

W.: Principi e metodi della psicosintesi terapeutica. Rom: Astrolabio, 1973; Handbuch der Psychosynthese: Grundlagen, Methoden und Techniken. Rümlang / Zürich: Nawo, 2004.

Assailly, Alain Jean Joseph, geb. am 17. Oktober 1909 in Pontchâteau, Frankreich, promovierte 1936 in Medizin, spezialisierte sich in Neuroendokrinologie und befasste sich insbesondere mit der Psychophysiologie der Medien und dem parapsychologischen Einfluss des Erwachsenen auf die jungen Sensitiven sowie mit dem Thema, wie der heutige Mensch mit dem Problem des Übernatürlichen fertig wird.

W.: Contribution à l’étude de mediumitè, La Science e le Paranormal, Paris, 1955, S. 191–203; Psychophysiological correlates of mediumistic faculties. In: International Journal of Parapsychology 5 (1963), 357–373.

ASSAP > Association for the Scientific Study of Anomalous Phenomena.

Assaput („die prophetische Stimme“), Inschriften aus dem alten Babylon sprechen von Bab Assaput oder dem „Tor (Haus) zum Orakel“. Nach der Bibel waren diese Wahrsager jedoch Zauberer: „Da rief auch der Pharao Weise und Beschwörungspriester, und sie, die Wahrsager der Ägypter, taten mit Hilfe ihrer Zauberkunst das Gleiche: Jeder warf seinen Stab hin, und die Stäbe wurden zu Schlangen. Doch Aarons Stab verschlang die Stäbe der Wahrsager“ (Ex 7, 11–12; vgl. Deut 18, 10). Diese Art von Orakel war besonders den Chaldäern bekannt.

Lit.: Corti, Cesira:  Dizionario di scienze occulte e lessico ultrafanico. Mailand: Casa Editrice Ceschina, 1962.

Assassinen, auch Heissessin oder Haschischinen (arab. hashishiyin, Haschischesser), extreme islamische Sekte, die 1090 aus den Ismaeliten hervorgegangen ist und nach dem Haschischrausch benannt wird. Sie vertraten die Ansichten Nizars, des ältesten Sohnes des Kalifen Al-Mustansir, aus der in Ägypten herrschenden ismaelitischen Dynastie der Fatimiden (909–1171) gegenüber seinem Bruder Mustali, der die Nachfolge des Vaters angetreten hatte. Daher bezeichneten sie sich selbst Nizari. Ihr Gründer ist der Perser Hasan-i Sabbah, der 1080 in Ägypten Parteigänger Nizars geworden war und sich 1090 in der Bergfestung Alamut in Nord-Iran niederließ. Unter ihm und seinen Nachfolgern setzten sich die Assassinen in Persien sowie im syrischen Bergland an unzugänglichen Stellen fest.
In ihrer für ismaelitische Bewegungen typischen gnostischen und esoterischen Lehre von der Aufeinanderfolge der Prophetenzyklen verkündeten sie den baldigen Anbruch des Jüngsten Tages, was breiten Anklang fand. Durch ihre Schlagkraft, ihren Opfermut und ihre antisunnitische Propaganda wurden sie zu den meistgehassten Feinden des Kalifats.
1164 wurde dann der Jüngste Tag ausgerufen. Die fanatisierten Aktivisten, die „Selbstaufopferer“ der Assassinen, waren wegen ihrer tollkühnen Terroranschläge weithin gefürchtet. Marco Polo berichtet, dass den „Selbstaufopferern“ im Haschischrausch das irdische Paradies versprochen worden sei, weshalb sie sich zur Aufopferung bereitfanden. Neue Mitglieder wurden zu bedingungslosem Gehorsam verpflichtet und mussten die Morde ausführen. Die eigentliche Einweihung des Refik (Gesellen) erfolgte gemäss den 7 Kapiteln des Gesetzbuches Hassans in sieben Stufen. Nach Erreichen der 7. Stufe hießen sie Dai (Meister) und durften missionieren.
Historiker vermuten, dass der 1118 gegründete > Templerorden in der Organisation den A. nachgebildet wurde und einige ihre Symbole übernommen hat. Die beiden Orden begegneten sich in Syrien. Mitte des 12. Jhs. machten sich die Templer die syrischen A. tributpflichtig.
Mitte des 13. Jhs. fielen die Assassinen in Persien den Mongolen und in Syrien den ägyptischen Mamelucken zum Opfer und wurden fast vollständig ausgerottet.

Lit.: Retcliffe, John: Die Assassinen. Berlin: Retcliffe-Verl, 1926; Lewis, Bernard: Die Assassinen: zur Tradition des religiösen Mordes im radikalen Islam. Reprint. Frankfurt a. M.: Eichborn, 2001; Hobb, Robin: Die Magie des Assassinen. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 22002.

Assiah, nach der Kabbala die „dichteste“ der vier Welten der Manifestation. Von den Okkultisten wird A. mit den vier Buchstaben des > Tetragramms, JHWH, in Verbindung gebracht.

Lit.: Drury, Nevill: Lexikon esoterischen Wissens. München: Droemersche Verlagsanst. Th. Knaur Nachf., 1988.

Assimilation (lat. as(ad)similis, annähernd), Verähnlichung, Aneignung. Als biologischer Begriff der Vorgang der Aufnahme von Stoffen bei Pflanzen und Tieren und deren Umsetzung in körpereigene Bestandteile; in der Sinnespsychologie die Verschmelzung früher wahrgenommener Elemente mit einem neu hinzugetretenen; nach C. G. Jung: Ereignisse und Erfahrungen für die Bedürfnisse passend machen; paranormologisch das sinnliche, fühlende und gedankliche Einheitserlebnis mit der Umwelt, mit einer oder mehreren Personen, mit den Gestalten der Wachträume wie auch mit der vorgestellten oder erlebten Geisterwelt. Dabei kann die Assimilation bis zur völligen Aufgabe des eigenen Ichs oder aber zur Weitung des eigenen Ichs durch die Einverleibung von Umwelt, Personen und Geistern führen.

Lit.: Wundt, Wilhelm:  Einführung in die Psychologie. Leipzig: R. Voigtländers Verlag, 1911; Resch, Andreas: Aspekte der Paranormologie: die Welt des Außergewöhnlichen. Innsbruck: Resch, 1992.

Association for Research and Enlightenment (ARE), eine Bewegung, die 1931 in Virginia Beach, Virginia, USA, vom sog. „schlafenden Propheten“, Edgar > Cayce, gegründet und von seinem Sohn Hugh Lynn Cayce fortgesetzt wurde. Sie zeichnet sich durch religiöse Toleranz, ganzheitliche Heilmethoden und metaphysische Lehren aus.

Lit.: Stearn, Jess: Der schlafende Prophet: Edgar Cayces Prophezeiungen in Trance. Kreuzlingen; München: Hugendubel, 1999; Reilly, Harold J.: Das grosse Edgar-Cayce-Gesundheitsbuch: die verblüffend wirksamen Heilweisen des berühmten amerikanischen Mediums Edgar Cayce. Darmstadt: Schirner, 2005.

Association for the Scientific Study of Anomalous Phenomena (ASSAP), britische Organisation zur Erforschung anomaler Phänomene, gegründet am 10. Juni 1981. Unter anomalen Phänomenen versteht die A. das weite Feld von Phänomenen und Erfahrungen, welche als irregulär bezeichnet werden, weil sie von den allgemeinen bzw. natürlichen Gesetzen abweichen. Dazu gehören veränderte Bewusstseinzustände, Erscheinungen, elektronische Stimmenphänomene, außersinnliche Wahrnehmung, Feuerschreiten, Heilen, Hypnose, Levitation, Metallbiegen, außerkörperliche Erfahrungen, Poltergeist, Telepathie, UFOs usw.
Die A. gibt den ASSAP Newsletter und die Quartalzeitschrift Common Ground heraus.

Lit.: Shepard, Leslie (Hg.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. Detroit, Michigan: Gale Research Company; Book Tower, 21984. 1. Bd.

Association of Progressive Spiritualists of Great Britain, die erste repräsentative spiritistische Organisation in England, gegründet 1865.

Lit.: Fodor, Nandor: Encyclopaedia of Psychic Science. N. Y.: University Books, Inc., 1966.

Associazione Italiana Scientifica di Metapsichica (A.I.S.M.), Italienische Gesellschaft für Metapsychik, ist eine traditionsreiche Gesellschaft für Grenzgebiete der Psychologie. Sie wurde im Mai 1937 unter der Bezeichnung Società Italiana di Metapsichica auf Initiative  von Ferdinando Cazzamalli, Arzt und Professor für Neuropsychiatrie an der Universität Rom, Giovanni Schepis, Professor für Statistik, ebenfalls Universität Rom, und Emilio Servadio, Präsident der Psychoanalytischen Gesellschaft Italiens und Honorarprofessor, sowie Luigi Sanguineti, Arzt und Neuropsychiater, ins Leben gerufen. Es war dies die erste italienische Gesellschaft, die speziell für das wissenschaftliche und systematische Studium der sog. paranormalen Phänomene gegründet wurde. Mit dem Dekret vom 23. Mai 1941 und der Bestätigung von 1949 wurde sie vom Staat offiziell anerkannt. In der Folge übersiedelte die Gesellschaft nach Mailand und gab sich den heutigen Namen.
Die A.I.S.M. betrachtet die Parapsychologie als eine interdisziplinäre Wissenschaft. Sie fußt auf dem Boden der wissenschaftlichen Methode und schließt philosophische, religiöse und spiritualistische Ziele aus.                     
Organ der A.I.S.M. ist die 1946 von Cazzamalli gegründete Zeitschrift Metapsichica – The Italian Journal of Parapsychology.

Asson, Samenkörner enthaltende Ritualrassel, die zusammen mit einer kleinen Glocke bei Voodoo-Ritualen verwendet wird. Der A. symbolisiert den obersten > Loa (Gottheit) und der Klang der Rassel den Laut des Schlangengottes > Damballa zur rituellen Anrufung der Loas.
Es wird davon ausgegangen, dass Krankheit, materielle Not und andere Widrigkeiten auf gestörte spirituelle Beziehungen zurückgehen. Diese Einflüsse werden von den Priestern (Houngans) und Priesterinnen (Mambos) interpretiert. Durch entsprechende Rituale soll das Gleichgewicht wiederhergestellt werden.

Lit.: Owusu, Heike: VooDoo-Rituale. Darmstadt: Schirner, 2000; Gößling, Andreas: Voodoo: Götter, Zauber, Rituale. München: Knaur-Taschenbuch-Verl., 2004.

Assoziation (neulat.), Verknüpfung, z. B. von Bewegungen, Reflexen, Einzelmolekülen, Chromosomen usw., insbesondere aber von seelischen Inhalten, die sich darin zeigt, dass das Bewusstwerden des einen das Bewusstwerden des anderen hervorruft. Dabei können sich Vorstellungen mit Gefühlen, körperliche Vorgänge mit seelischen Vorgängen verbinden. Nach den Assoziationstheoretikern ist A. die Grundlage jeder Gedächtnisleistung.
Die A. kann ohne bewusste Absicht als unwillkürlich einfallender Gedanke erfolgen, was der Psychoanalyse als Grundlage und der Kriminalpsychologie als freie Information dient.
Die freie A. ist nach der Psychoanalyse der unmittelbare Zugang zum Unbewussten. Nach C. G. Jung sind A. unwillkürliche Gedankeneinfälle, die von einer Traumsituation ausgehen und immer damit verbunden bleiben.
Im Gegensatz zur freien A. ist die gerichtete A. der Versuch, durch Worte, Bilder und Handlungen gezielt psychische Inhalte anzusprechen und vergessene Inhalte in Erinnerung zu rufen. Paranormologisch kommt diese Form der A. bei Suggestionen in Hypnose, Trance und anderen Bewusstseinzuständen, bei Traumtelepathie, Besessenheitsfällen, beim Exorzismus und bei medialen Befragungen zum Tragen.

Lit.: C. G. Jung: Psychogenese der Geisteskrankheiten. Zürich; Stuttgart: Rascher, 1968 (C. G. Jung Gesammelte Werke; 3); Amin, Ismail: Assoziationspsychologie und Gestaltpsychologie: eine problemgeschichtliche Studie mit besonderer Berücksichtigung d. Berliner Schule. Bern: Lang, 1973; Strube, Gerhard: Assoziation: der Prozess des Erinnerns und die Struktur des Gedächtnisses. Berlin u. a.: Springer, 1984.

Assur (sumer.), zunächst Gott der gleichnamigen Stadt, bis er dann zum assyrischen Reichsgott aufstieg. Ursprung und Etymologie des Namens sind ungewiss. Der Aufstieg erfolgte stufenweise. Ab dem 13. Jh. v. Chr. beginnt er > Enlil, den Hauptgott des sumerischen Pantheon, zurückzudrängen, und übernimmt dessen Beiwörter „Großer Berg“ und „Vater der Götter“. Ab dem 9. Jh. wird er mit > Anschar, dem babylonischen Himmelsgott, gleichgesetzt, zu dessen Funktionen das Richteramt und die Kriegführung gehören. Ab dem 8. Jh., als Assyrien den gesamten vorderen Orient beherrscht, übernimmt er sogar die Attribute > Marduks. König Sanherib (704–681) versucht ihm die Rolle Marduks im Neujahrsfest zuzuordnen. So wurde auch das Göttersymbol Marduks, der Schlangendrache, zum Symbol Assurs. Mit seinem Siegel wurden die wichtigsten Staatsverträge gesiegelt. Auf Kunstdenkmälern erscheint A. als bogenspannender Gott in einer geflügelten Sonnenscheibe.

Lit.: Ebelin, Erich: Assur. In: Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie / begr. von Erich Ebeling ... Fortgef. von Ernst Weidner ... Hg. von Dietz Otto Edzard. Berlin u. a.: de Gruyter, 1928; Unger, Eckard: Die Symbole des Gottes Assur. Ankara: Türk Tarih Kurumu Basimevi, 1965; Van Driel, G.: The Cult of Assur. Assen: van Gorcum, 1969.

Assyrische Prophetien, Offenbarungen mit Heils- und Beistandsverheißungen an den assyrischen König (8.–7. Jh. v. Chr.), häufig von der Stadtgöttin Ischtar von Arbela und meist als Antwort auf > Orakelbefragungen.

Lit.: Parpola, Simo: Assyrian Prophecies. Helsinki: Helsinki Univ. Pr., 1997.

Ast, Zweig, der vom Baum abzweigende Ast symbolisiert Kinder, der vom Ast kommende Zweig die weiteren Nachkommen und der beiden gemeinsame Stamm den Zusammenhalt einer Familie, einer Sippe oder eines Volksstammes.
Die Redewendung „auf keinen grünen Zweig kommen“ soll auf einen deutschen Rechtsbrauch verweisen, dem zufolge bei der Übertragung eines Grundeigentums dem Erwerber ein Rasenstück mit einem eingesteckten grünenden Zweig überreicht wurde. Wer also auf keinen grünen Zweig kommt, ist unfähig zum Grundeigentum. Im grünenden Zweig ist wohl auch der Segenswunsch enthalten, dass das Gut gedeihe.

Lit.: Krüger-Lorenzen, Kurt: Deutsche Redensarten und was dahinter steckt. Genehmigte, ungekürzte Taschenbuchausg., 11. Aufl., 6. Aufl. dieser Ausg. München: Heyne, 1998.

Astanga-Yoga (sanskr. asta, acht; anga, Glied), achtgliedriger Yogapfad. > Pantanjali (lebte zwischen 400 v. Chr. und 200 n. Chr.), der Begründer des klassischen Yoga, führte einen achtstufigen Pfad des Yoga ein: 1. > Yama (nicht töten, lügen, stehlen, unkeusch leben und keine Geschenke annehmen), 2. > Niyama (Läuterung, Kräftigung, Festigung, Härtung, Leichtmachung, Wahrnehmung – mit Hilfe der Meditation – und Isolation = Versenkung), 3. > Asana (Stellungen und Posituren. Dazu gehören auch die > Mudras, die ein wichtiges Hilfsmittel bei der Atemgymnastik sind), 4. > Pranayama (Anhalten des Atems), 5. > Pratyahara (Zurückziehen der Sinne von den Sinnesobjekten), 6.> Dharana (Festlegung des Denkorgans oder Konzentration), 7. > Dhyana (Meditation), 8. > Samadhi (Versenkung oder Trance).
Die ersten vier Stufen werden auch als > Hatha-Yoga bezeichnet.
In neuerer Deutung spricht man von den acht Gliedern des Yogaweges und bezieht diese auf den Körper und das Bewusstsein. Wie das Verhalten eines Teils des Körpers sich auf den ganzen Körper auswirkt, so erstreckt sich das Bewusstsein von einem Yogaglied auf den ganzen Kreis der Yogaglieder.

Lit.: Handbuch Religiöse Gemeinschaften. 4., völlig überarb. u. erw. Aufl. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 1978; Die Wege des Yoga : die Grundgedanken der großen Schulen der Yoga-Tradition; eine Einführung durch westliche Yoga-Lehrer / mit Beitr. von Jacques Blache ... [Einzig berecht. Übers. aus dem Franz. von Anna und Manuel Trökes]. München: Barth, 1990.

Astar (äthiop., „Himmel“). Himmelsgott nach Inschriften aus der Zeit des aksumitischen Reiches (Äthiopien, erste Hälfte des 1. Jahrtausends). Der Name ist verwandt mit dem südarabischen > Attar.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen. Stuttgart: Kröner, 21989.

Astaroth, > Aschtaroth, > Astarte.

Astarte (phöniz. Asthoret, babylon. Ischtar, hebr. Astaroth), kanaanitische Göttin, die allgemein mit Liebe und Fruchtbarkeit assoziiert wird, was jedoch – abgesehen von Assoziationen mit > Ischtar und > Aphrodite – durch die alten Quellen nicht sicher belegt ist. Sie scheint eher eine Göttin der Tieraufzucht gewesen zu sein (Eliade). Für die Griechen war sie auch eine Mondgöttin und wurde mit > Selene identifiziert, worauf noch Abbildungen der Göttin mit halbmondförmigen Hörnern verweisen.
Die frühesten Erwähnungen ihres Namens finden sich auf der Götterliste von Ebla in der Mitte des 3. vorchristlichen Jahrtausends, auf Opfer- und Rituallisten aus Ugarit rund tausend Jahre später, in verschiedenen phönizischen Inschriften in der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. sowie in der hebräischen Bibel unter der gleichbedeutenden Bezeichung Asterah, Astaroth, Astoreth (Ri 10, 6; Sam 7, 3.12, 10, 31 usw.). Die Nachricht von einem frühen A.-Tempel in Bet Schean (1 Sam 31, 10) dürfte echt sein. A. wurde auch in maritimen Gesellschaften hoch verehrt, so in Tyros und Sidon, in Citium auf Cypern und in Pyrgi in Etrurien. In hellenistischer Zeit wurde sie von den Griechen mit Aphrodite gleichgesetzt, während sie in Syrien mit der Gottheit Anat zu Atagati verschmolz, die man in Rom unter dem Namen Dea Syria kannte. Schon in der 18. Dynastie wurde A. in das ägyptische Pantheon aufgenommen, und aus Ägypten stammen auch die meisten ikonographischen Darstellungen dieser Gottheit.
Im Martyrium Bartholomaei bezeichnet Astaroth einen Dämon, der die Menschen mit Krankheiten plagt und dann als höllischer Geist in den Volksglauben einging. So ist er in der mittelalterlichen Dämonologie als gefallener Engel einer der sieben Höllenfürsten. Er sitzt auf einem Drachen und hält eine Schlange in der Kralle, erkennt Vergangenheit und Zukunft und offenbart Geheimnisse. Sein Atem ist jedoch so widerwärtig, dass er jeden vertreibt, der in seine Nähe kommt. Der Magier, der ihn anruft, schützt sich mit seinem magischen Ring. Nach Johannes > Wierus (1515–1588) ist er Schutzherr der freien Künste. Andere Quellen machen ihn zu einem > Seraph. A. gehörte auch zu den Dämonen, den Madame de Montespan bei ihrem Versuch, magischen Einfluss über Ludwig XIV. von Frankreich zu gewinnen, anrief.

Lit.: Couard, Ludwig: Altchristliche Sagen über das Leben Jesu und der Apostel. Mit einem Anhang: Jüdische Sagen über das Leben Jesu auf Grund der apokryphischen Evangelien und Apostelgeschichten sowie des Talmud u. a. dargestellt. Gütersloh: Bertelsmann, 1909; Ludovicus, Frankreich, König, XIV: Streit der Lieb und Ehre, das ist, König Ludwigs in Frankreich Valet-Briefe an Madame de Montespan. – 1676. Mongrédien, Georges: Madame de Montespan et l'affaire des poisons. – [Paris]: Hachette, 1953; Perlman, Alice Lenore: Asherah and Astarte in the Old Testament and Ugaritic Literatures. Ph.D. Diss., University of California and Graduate Theological Union, 1978 (erhältlich durch University Microfilms, Ann Arbor); Hunger, Herbert: Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Wien: Verlag Brüder Hollinek, 81988; Biedermann, Hans: Dämonen, Geister, dunkle Götter: Lexikon der furchterregenden mythischen Gestalten. Graz: Leopold Stocker, 1989; Millard, Alan R.: Schätze aus biblischer Zeit: ihre Entdeckungsgeschichte – ihre Bedeutung. Gießen: Brunnen-Verl., 1994; Eliade, Mircea: The Encyclopedia of Religion. New York u. a.: Simon & Schuster Macmillan 1995; Bonnet, Hans: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. 3. unveränd. Aufl. Berlin: Walter de Gruyter, 2000.

Asteria (griech., „Sternwesen“), nach der griechischen Mythologie die Sternengöttin und durch > Perses Mutter der > Hekate, die der Kronossohn > Zeus vor allen anderen ehrte (Hesiod: Theogonie, 404–410)
A. ist die Tocher der > Titanen > Koios und > Phoibe, die beide Kinder des > Uranos und der > Gaia sind. (ebd., 133–135). Ihre Schwester ist > Letó.
A. floh vor Zeus in der Gestalt einer Wachtel, als dieser sie, nach Schwängerung der Leto, in Form eines Adlers verfolgte. Um der Verfolgung zu entkommen, verwandelte sie sich in einen Felsen, der ins Meer stürzte. Von dort tauchte sie später auf und wurde zur Insel Ortygia (ortyx, Wachtel), auf welcher die Letó gebären konnte. Später wurde die Insel Delos als Ortygia erkannt.

Lit.: Doerig, José: Der Kampf der Götter und Titanen / Olof Gigon. Olten u. a.: Graf, 1961; Hesiod: Theogonie: griechisch-deutsch. Hrsg. und übers. von Albert von Schirnding. Mit einer Einf. und einem Reg. von Ernst Günther Schmidt. Düsseldorf u. a.: Artemis & Winkler, 32002.

Asterismus (griech. aster, Stern). Einlagerungen bei Edelsteinen (Saphir, Tumalin, Granat) rufen durch Reflexion, Brechung und Beugung des einfallenden Lichts sog. Lichtfiguren hervor. Sind diese sternförmig, spricht man von A. Im Einzelnen ist die Rede von Sternsaphir (Saphirasterie) und Sternrubin (Sternasterie). Ist der Stern nicht vollständig ausgebildet, spricht man von Katzen- oder Falkenaugen. Den höchsten Wert hat das Chrysoberyll-Katzenauge, zumal wenn es honigfarben ist (indisches Katzenauge).
In der Magie gilt der Sternsaphir als mächtiger Schutz für Liebende. Der Sternrubin soll die Marseigenschaften Kraft und Unternehmungslust verstärken. Katzenaugen bringen Spielern angeblich Glück und heilen Brust- und Halsleiden.

Lit.: Postel, Guillaume: Signorum coelestium vera configuratio aut asterismus, stellarumve per suas imagines aut configurationes dispositio, ... sive coelum repurgatum, et apotelesmate summo determinatum. Parisiis: Gourmontius, 1553; Volger, G. H. Otto: Aragonit und Kalzit: eine Lösung des ältesten Widerspruches in der Krystallographie. Nebst Untersuchungen über den Asterismus der Krystalle. Zürich: Zürcher und Furrer, 1855; Haushofer, Karl: Ueber den Asterismus und die Brewsterschen Lichtfiguren am Calcit: ein Beitrag zur Physik der Krystalle. München: Rieger, 1865.

Astlik (armen. astl, Stern), armenische Göttin astralen Charakters, der altmesopotamischen > Ischtar und der griechischen > Aphrodite gleichgesetzt, wobei der Aspekt der Liebesgöttin hervortritt. Mit der Christianisierung des Landes wechselte A. in die Rolle einer Stammmutter der Feen und Nymphen.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen. Stuttgart: Kröner,2 1989.

Asto Vidatu (awest. ast, Knochen, der „Leibauflöser“), persischer Todesgott. A. war zunächst nur ein niederer Dämon, wurde dann zum Gott des Todes, dem kein Mensch entfliehen kann, denn bereits im Augenblick der Zeugung legt er seine Todesschlinge um den Hals. Deshalb trägt er auch den Beinamen Marg, d. h. „Tod“. Gemeinsam mit > Aeshma Daeva jagt er die Seelen der Toten bei ihrer Auffahrt zum Himmel. In mittelpersischen Texten tritt er unter dem Namen Astwidat als Oberhaupt der dämonischen Geister auf. Im Zurvanimus wird A. zur Schicksalsgottheit.

Lit.: Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen. Stuttgart: Kröner, 21989.

Astolpho, italienischer Romanheld, Sohn von Otho, dem König von England. Er ist der Held des bekanntesten Werkes von Ludovico Ariosto (1474–1533), Orlando furioso. A. wird von Alcina, einer Zauberin, in eine Myrte verwandelt, doch erlangt er später durch Melissa seine menschliche Gestalt wieder. Er nimmt an vielen Abenteuern teil und heilt Orlando von seinem Wahnsinn. A. ist der allegorische Repräsentant eines echten Mannes, der an seiner Sinnlichkeit zerschellt.

Lit.: Shepard, Leslie (Hg.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. Detroit, Michigan: Gale Research Company; Book Tower, 21984, 1. Bd.

Astorch, Angela Maria (*1.9.1592 Barcelona, †2.12.1665 Murcia, Spanien), selig (23.5.1982, Fest: 2. Dezember), Kapuzinernonne vom Orden der hl. Klara.Kapuzinernonne vom Orden der hl. Klara. Als Äbtissin in Saragossa musste sie im Auftrag des Beichtvaters ihre mystischen Erfahrungen niederschreiben. So bemerkt sie 1636: „Beim Singen der Psalmen im Chor dringen die Worte, die von der inneren Anmut künden, tief in meine Seele und rauben mir diese im Flug. Das Gleiche widerfährt mir bei Versen, die von den Feinheiten der Liebe, der Dankbarkeit und dem ehrfurchtsvollen Respekt gegenüber Gott handeln.“ 1645 ging A. nach Murcia, wo sie im Lauf der Jahre zunehmend den Wunsch nach vollkommener „Leere“ im Sinne einer echten geistigen Armut verspürte. Fünf Jahre vor ihrem Tod bat sie, ihr Leben in völliger „Seelenentleerung“ beenden zu dürfen. Sie schien nach außen auf einen infantilen Zustand reduziert, im Inneren aber genoss ihr Geist die Versenkung in Gott. Beim Empfang der Sterbesakramente fiel sie in eine lange Ekstase.

Lit.: Mi camino interior / Maria Angela Astorch, 1592–1665; edición preparada por Lázaro Iriarte. Burlada, Narra: Hermanos Menores Capuzchinos de la Provincia de Navarra-Cantabria-Aragón, 1985; Resch, Andreas: Die Seligen Johannes Pauls II. 1979–1985. Innsbruck: Resch, 2000.

Astra (lat., Gestirne) sind, nach > Paracelsus, die den Körpern innewohnenden gesetzlichen Notwendigkeiten (> Ens astrale), welche ihnen die jeweilige Form und Wirkung verleihen. So sagt der Paracelsist Oswald Croll in seiner Basilica chymica (Frankfurt, 1622): „Wenn wir sagen, jede Form aller Dinge entstehe aus den Astris, so ist solches nicht von den Himmelssternen, sondern von eines jeden Dings eigenem und besonderem Astro zu verstehen“... „Alle Dinge sind in der Natur von einem siderischen Geist begabt, welcher das Firmament oder Astrum genannt wird.“... „Die Anfänge der Körper sind Kleider und Hütlin, mit welchen sie verwahrt werden, ehe sie sich in die Welt hinaus begeben, zumal die Semina und Astra als der Dinge vincula und Bande von Anbeginn in den unsichtbaren Schätzen der Elemente als in einem tiefen Abgrund verborgen liegen.“(Paracelsus) Hier klingt die Lehre Wilhelm Ostwalds von der Energieverkoppelung und der spezifischen Konstanz an.

Lit.: Ostwald, Wilhelm: Energetische Grundlagen der Kulturwissenschaft. Leipzig: Klinkhardt, 1909; Schriften Theophrasts von Hohenheim genannt Paracelsus. Ausgewählt und herausg. von Hans Kayser. Leipzig: Insel-Verlag, 1921, S. 493; Croll, Oswald: Basilica chymica: continens philosophicam propria laborum experientia confirmatam descriptionem et usum remediorum chymicorum. Hildesheim u. a.: Olms, 1996.

Astra inclinant sed non necessitant ("Die Sterne machen geneigt, zwingen aber nicht") ist eine Beurteilung des Einflusses der Sterne, die man schon bei Ptolemäern und Arabern (> Albumasar) findet und die dann von mittelalterlichen Astrologen und von Theologen wie > Albertus Magnus (1193–1280), > Thomas von Aquin (1225–1274) und Roger > Bacon (ca. 1214–1292) vertreten wurde. Die Aussage bejaht den Einfluss der Sterne als Motivationsfaktor, der jedoch die freie Willenentscheidung des Menschen nicht aufhebt. Ebenso bleibt Gottes Allmacht davon unberührt. Die Aussage stellt sich gegen jedwede Form eines kosmischen Determinismus sowie diesbezüglicher astrologischer Äußerungen.

Lit.: Litt, Thomas: Les Corps célestes dans l'univers de Saint Thomas d'Aquin. Louvain u. a.: Publ. Universitaires u. a., 1963; Albertus Magnus and the Sciences: Commemorative Essays 1980 / ed. by James A. Weisheipl. Toronto: Pontifical Inst. of Mediaeval Studies, 1980 (Studies and texts / Pontifical Institute of Mediaeval Studies; 49); Roger Bacon and the Sciences: Commemorative Essays / ed. by Jeremiah Hackett. Leiden u. a.: Brill, 1997.

Astraea (griech.), Tochter des > Zeus und der > Thémis, Göttin der Gerechtigkeit. Im Goldenen Zeitalter, als die Götter unter den Menschen weilten, lebte sie auf der Erde und mischte sich unter die Leute, die sie aufgrund ihrer zunehmenden Niedrigkeit jedoch immer mehr verachtete, sodass sie sich schließlich in den Himmel zurückzog, wo sie in das Sternbild Jungfrau verwandelt wurde.

Lit.: Green, Liz: Schicksal und Astrologie: die Familie im Spiegel des Horoskops. München: Hugendubel, 1990.

Astragalomantie (engl. astragalomancy) > Astragalorakel.

Astragalorakel, Würfelspiel mit Fußwurzelknochen von Ziegen, Schafen oder Schweinen, die als Astragale bezeichnet werden. Ein Astragal ähnelt somit nicht einem Würfel, sondern einem langgezogenen Quader. Ferner sind aufgrund der Wölbung der Knöchelchen die Chancen der einzelnen Zahlenwerte nicht gleichmäßig verteilt. Die Knöchelchen haben vier Flächen, und jede hat ihren Wert: die konvexe Seite zählt 3, die konkave 4, die instabilste 6 und die letzte 1 Punkt.
Die Astragale werden mit einer Hand hochgeworfen und auf dem Handrücken wieder gefangen, um erneut vom Handrücken in die Luft geworfen und mit einer Greifbewegung gefangen zu werden. (Hierbei ist zu beachten, das der Handrücken nach oben zeigt!) Zudem haben verschiedene Wurfkombinationen eigene Namen und Werte. Ein Wurf, bei dem alle Astragale eine andere Seite zeigen, heißt „Venus“ und bedeutet Sieg. Zeigen die Knöchelchen hingegen  4 x 1, so bedeutet dies „Hund“ – Der Spieler hat alles verloren!
Die einzelnen Quader sind über und über mit Buchstaben oder Symbolen versehen und tragen oft eine Statue des > Hermes, des Schutzgottes dieser Orakel, die besonders bei den Römern beliebt waren und schon in der großen Orakelstätte von Didyma (Türkei) verwendet wurden. Als die Perser 494 v. Chr. das Heiligtum plünderten, nahmen sie auch die bronzenen Astragale mit, die als Weihegeschenke gestiftet worden waren.
Das Spiel ist sehr vielfältig. Bei 5 Würfeln sind insgesamt 56 verschiedene Zahlenkombinationen möglich. Die Eintragung folgt in etwa diesem Schema: Zuerst werden die gewürfelten Zahlen angeführt, dann ihre Summe, danach wird die Gottheit genannt, wobei für jede der 56 Kombinationen eine andere Gottheit gilt, meist eine Gottheit mit Beinamen, etwa Zeus Soter (Retter). So lautet ein Beispiel:
Zahl: 6,6,6,1,1; Summe = 20; Gott: > Hephaistos. Sind drei Würfel Sechser, zwei aber Einser, dann höre und wisse: Es ist nicht möglich, ein Geschäft zu verrichten: Mühe dich nicht vergebens! Und wende nicht jeden Stein um, damit du nicht auf einen Skorpion triffst. Ohne Glück wird das Geschäft, nimm dich vor allem Unheil in Acht!

Lit.: Nolle, Johannes: Medien , Sprüche, Astragale. Zum Orakelwesen im kaiserzeitlichen Kleinasien. In: Nürnberger Blätter zur Archäologie 13 (1996 / 97), 173ff., HI / 14; Rosenberger, Veit: Griechische Orakel: eine Kulturgeschichte. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2001.

Astral (griech., lat. astralis, „von den Sternen herkommend“, „sich auf die Sterne beziehend“), ein Begriff, der häufig in der okkulten wie esoterischen Literatur benutzt wird und „eine Modalität zwischen der physischen und der geistigen Sphäre“ bezeichnet (Zahlner). Miers nennt das Astrale „die Bildungsebene alles dessen, was materiell ist“. Danach hat jedes irdisch-physische Wesen oder Ding eine Entsprechung im Astralbereich. So gibt es ein > Astrallicht, einen > Astralleib und eine > Astralwelt, in die man eine > Astralreise unternehmen kann.
Im Okkultismus und in der Theosophie wird „astral“ zur Bezeichnung der Eigenschaften von Phänomenen verwendet, die weder dem geistigen noch dem körperlichen Bereich angehören. A. ist jedoch von „ätherisch“ (> Äther) zu unterscheiden, das zwar auch als feinstofflich bezeichnet wird, sich aber auf die universelle Lebenskraft (> Prana, > Azoth) bezieht.
In der > Anthroposophie wird „astral“ die Beziehung des Seelischen des Menschen zur Welt der Planeten genannt. In der modernen Esoterik werden beide Begriffe oft mit der gleichen Bedeutung verwendet.

Lit.: Zahlner, Ferdinand: Kleines © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch (Redemptorist). Hg. v. A. Resch. Abensberg: Josef Kral, 1972; Baumann, Adolf: ABC der Anthroposophie: ein Wörterbuch für jedermann. Bern; Stuttgart: Hallwag, 1986; Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens. München: Goldmann, 1993.

Astralaustritt > Astralprojektion.

Astralbiologie > Kosmobiologie.

Astraldouble > Astralleib.

Astrale Organe > Chakra.

Astralebene > Astralwelt.

Astralexkursion > Astralprojektion.

Astralfatalismus, auch astrologischer Fatalismus, Glaube an den Determinismus des Lebens durch die Sterne, im Gegensatz zu > astra inclinant sed non necessitant. Der A. wurde schon in babylonischer Zeit zur Grundlage der Geburtsastrologie mit der bis heute vertretenen Auffassung der dauerhaften Prägung der Persönlichkeit und des individuellen Lebensvollzugs vom Zeitpunkt der Empfängnis oder Geburt an. Derartige Auffassungen untergraben die Eigeninitiative und fördern die leichtfertige Beurteilung von Menschen anhand des Horoskops ohne Beweisgrundlage.

Lit.: Lexikon der Astrologie: präzise Informationen über Begriffe d. Astrologie, Astronomie (Astrophysik), Magie, Kosmologie / Im Auftrag der Lexikonredaktion des Verlages Herder erarbeitet von Udo Becker. München: Goldmann, 1981.

Astralgeist, auch Sternenleib, > Astralleib oder siderischer Leib, von > Paracelsus benutzte Bezeichnung für den nicht intelligenten Geist der Materie. Jakob > Böhme spricht von „Tinkturgeist“, die > Seherin von Prevorst von „Nervengeist“, und in der Antike sprach man von „Lebensgeist“. Nach Paracelus durchwohnt der Astralgeist Mineral, Pflanze und Tier. Als solcher auch „Nachtgeist“ genannt, unterscheidet er sich vom göttlichen Geist ebenso wie vom > Evestrum, der von Paracelus mit > Trarames, dem finsteren oder Krankheitsgeist, in Verbindung gebracht wird. Die Philosophie dieses Astralgeistes ist die > Astronomia Magna oder die > Philosophia Sagax.
Der A. löst sich nach dem Tod eines Menschen in einem langsam fortschreitenden Prozess wieder in Luft auf, d. h. er geht wieder in das Element ein, aus dem er selbst entstanden ist.

Lit.: Eckartshausen, Karl von: Über die Zauberkräfte der Natur: über die wichtigsten Mysterien der Religion / Mit einer Einführung von Antoine Faivre. 2., überarb. u. erw. Aufl. Müllheim/Baden: Edition Ambra, 1997; Paracelsus: Astronomia magna oder die ganze Philosophia sagax der großen und kleinen Welt / Philippus Theophrastus Paracelsus. Hg., bearb. und mit einem Nachw. vers. von Norbert Winkler. Frankfurt/M. u. a.: Lang, 1999.

Astralgeister, Sammelbegriff für > Geister, > Engel, > Dämonen und ähnliche Wesen, die nach menschlicher Vorstellung den Himmel und die Himmelskörper bewohnen. Der Ursprung dieser Vorstellung geht auf die Überzeugung zurück, dass 1. die Gestirne sichtbare Götter und dass 2. gewisse Heroen an den Himmel versetzt worden seien. Nach Alkmaion bewegen die Geister die Gestirne, während nach Aristoteles die Sphären von rein metaphysischen Wesen gesteuert werden. Auch die arabischen Philosophen waren vom Einfluss himmlischer Intelligenzen auf die Körperwelt überzeugt. Bis zum Mittelalter werden die Sterne auch als Aufenthaltsort der Seelen der Toten betrachtet, während man im Zodiakus die 12 Engel des Paradieses erblickt. Die sieben Planeten werden mit den sieben Erzengeln in Beziehung gesetzt. Nach anderer Version sind den sieben Planeten sieben gute und sieben böse Astralgeister zugeordnet, die unter der Herrschaft der sieben Thronengel stehen, welche die Einflüsse der höheren Sphären lenken und beherrschen.
Ab dem 13. Jh. setzt sich dann immer mehr der Gedanke einer Bewegung der Sphären durch die Kräfte der Natur durch, die Himmelskörpern von Gott im Anfang gegeben wurden. Mit Kepler begann schließlich die rein physikalisch-mathematische Erklärung der Gestirnbewegung, wenngleich die Vorstellung eines Astralgeistes nicht gänzlich verloren ging. So heißt es in Schellings Fragment „Clara“: „überhaupt seyen die Einwohner der verschiedenen Welten als verschiedene Glieder eines größten Menschen anzusehen, unter denen der Mensch unserer Erde den natürlichen und äußerlichen Sinn vorstelle“ (Schelling, 109). Auch > Baader vertritt im Anschluss an > Paracelsus und > Böhme die Ansicht, dass der A. das innere Wirken in der Natur sei und Gustav Theodor > Fechner spricht am Ende des 19. Jhs. direkt von der Beseelung der Sterne (Fechner, 29, 32).
Nach > Agrippa von Nettesheim dürfe man jedoch Astralgeist und Seele nicht miteinander verwechseln.

Lit.: Clemens von Alexandrien: Protrepticos 66 (150, 204), 24a 12; Schelling, Werke, hg. von K. F. A. Schelling (1856–1861) 9; Ritter, Joachim (Hg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 1. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1971; Sahihi, Arman: Das neue Lexikon der Astrologie. 1400 Begriffe der Kosmologie, Astronomie, Astrophysik und Astrologie. Genf; München: Ariston, 1991; Fechner, Gustav Theodor: Die Tagesansicht gegenüber der Nachtansicht. Eschborn: Klotz, 1994.

Astralhülle, der Leib des Menschengeistes, in dem dieser beim Verlassen des physischen Körpers durch den Eintritt in die Astralwelt weiterlebt.

Lit.: Baumann, Adolf: ABC der Anthroposophie: ein Wörterbuch für jedermann. Bern; Stuttgart: Hallwag, 1986; Drury, Nevill: Lexikon des esoterischen Wissens. München: Droemer Knaur, 1988.

Astralkörper > Astralleib.

Astralkörperaustritt > Astralprojektion.

Astralkult (Gestirnkult), religiöse Verehrung der Himmelskörper, wobei diese selbst als Götter (> Aton) verehrt werden oder nur Symbole für unsichtbare dahinterstehende Gottheiten sind, so etwa die Sonnenscheibe als Erscheinungsform für den Gott > Re. Die Himmelskörper können auch als Geheimschrift der Götter (Babylonien) aufgefasst und durch andere Symbole – die Sonne durch den Kreis oder den Adler usw. – wiedergegeben werden. Man bemühte sich daher durch sorgfältige Beobachtung der himmlischen Vorgänge, diese Schriften zu entziffern (> Astrologie) und damit die Zukunft vorherzusagen.
Ferner führten die positiven wie negativen Auswirkungen bestimmter Himmelserscheinungen auf den Menschen im Wechsel der Jahreszeiten zu Vergöttlichungen dieser Kräfte. Hierbei fällt vor allem > Sonne und > Mond eine besondere Bedeutung zu.
Der Kult des römischen > sol invictus wurde unter Kaiser Aurelian zu einem Staatskult, der jedoch so offen war, dass sich Anhänger der Kulte von > Attis, > Serapis und > Mithras an ihn anschließen konnten.

Lit.: Gressmann, Hugo: Die hellenistische Gestirnreligion. Leipzig: Hinrichs, 1925; Gundel, Wilhelm: Sternglaube, Sternreligion und Sternorakel: aus der Geschichte der Astrologie. Heidelberg: Quelle & Meyer, 21959; Boll, Franz: Sternglaube und Sterndeutung: d. Geschichte u. d. Wesen d. Astrologie / Mit e. bibliographischen Anhang von Hans Georg Gundel. 5., durchges. Aufl. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1966; Halsberghe, Gaston H.: The cult of Sol Invictus. Leiden: Brill, 1972.

Astralleib oder Astralkörper, engl. astralbody oder astraldouble, wörtl. „Sternenleib“, feinstofflicher, mit dem physischen Körper verbundener Körper, entspricht dem Namen nach dem > siderischen Leib des > Paracelsus, der ebenfalls „Sternenleib“ bedeutet. Der A. wurde und wird in der Literatur oft undifferenziert auch > Ätherleib genannt, so etwa bei > Du Prel. Daraus folgt eine weitere Ungenauigkeit bzw. Synonymität bei Begriffen wie > Äther, > Äther-Region, > Astralwelt usw., doch sind grundsätzlich in der heutigen Literatur Begriffsbildungen mit „astral“, die generell im Gegensatz zu „physisch“ gebraucht werden, geläufiger. Die > Anthroposophie differenziert die Begriffe und unterscheidet einen > Ätherleib und einen A., der für sie der „Seelenleib“ ist. Dieser bildet eine Hülle um den physischen Körper und schließt alles Seelische in sich ein.
Der wichtigste Grund zur Annahme eines A. sind die > Außerkörperlichen Erfahrungen (AKE), die von einem relativ großen Teil der Bevölkerung gemacht werden.
Zur historischen Bedeutung des A. sei Zedlers Universallexikon (1732) zitiert, wo es unter dem Stichwort „Astral-Geist“ heißt: „Nach einiger Meynung ist dieses der dritte Theil des Menschen. Es soll der Mensch aus dem Leibe, der Seele und dem Astral-Geiste bestehen. Dieser letztere wäre sowohl ein Cörper, doch weit dünner als der Leib. Er käme von den Gestirnen her; mit dem Leibe habe er die Empfindung, Grösse und andere Eigenschaften, mit den Seelen aber die Gedancken und Begierden gemein. Er wäre nicht wie die Seele unsterblich, sondern er vergienge.“ Als Zeugen dieser Ansicht werden Paracelsus, > van Helmont, Jakob > Böhme, Valentin Weichel, Willisius und > Webster genannt.
Nach Paracelsus besteht der Mensch demnach aus drei wesentlichen Teilen, den sog. „großen Substanzen“ Körper, Seele und > Astralgeist bzw. > Sternenleib. Letzterer, den er wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Firmament so nennt, besteht aus Luft und Feuer und ist der Träger des seelischen Vermögens sowie die Grundlage der paranormalen Manifestationen, was später auch Du Prel annimmt. Alle drei Teile gehen laut Paracelsus nach dem Tod eines Menschen wieder in ihren Ursprung zurück, d. h. der Körper in die Erde, die Seele zu Gott, und der A. verwandelt sich allmählich wieder in Luft, was sich jedoch über einen wesentlich längeren Zeitraum hinzieht als der Zerfall des physischen Körpers. Ähnlich wie Paracelsus schreibt auch Rüdiger dem Menschen drei Wesensteile zu, den Körper und einen doppelten Geist, mens und anima (phys. divina lib.1 cap.4 Sect 4). Während der Mensch die Kraft zu denken und zu urteilen hat und sich gleich nach dem Tod vom Körper loslöst, um in die Ewigkeit einzugehen, ist die Anima auf lange Sicht zum Tod verurteilt, doch so, dass sie „nicht alsbald von dem Cörper scheide, sondern bisweilen um denselben herumschweiffe und mit einem zarten Leib umgeben, noch unterschiedene Verrichtungen nach den in dem Leben geistlichen und cörperlichen eingedruckten Ideen herfür bringe“ (Zedler, Bd. 20 1739, 721). Auch der Arzt > Jung-Stilling sieht eine Dreiheit von physischem Körper, A. und Geist.
Nach der zeitgenössischen Definition von Miers ist der A., der nur wenig feinstofflicher als der physische Körper ist, „das ätherische Gegenstück oder der Schatten des Menschen“ und zu unterscheiden von der Astralseele. Er ist Träger der Lebenskraft und kann, ja muss trainiert werden. Im Schlaf wandert der A. mit dem Ich in höhere Sphären, während er sich beim Tod mit dem Ich und Ätherkörper vom physischen Körper loslöst, wobei der Ätherkörper mit dem A. noch drei Tage verbunden bleibt (Miers). Der bulgarisch-französische Philosoph und Pädagoge Omraam Mikhaël > Aivanhov unterscheidet neben dem physischen Körper 5 weitere, subtile Körper: den astralen, mentalen, kausalen, buddhischen und atmischen (Frenette, 35). Aus neuerer Sicht beschreibt Amit Goswami in seinem Buch “Physics of the Soul” 5 “bodies of consciousness”: physical, vital, mental, supramental intellect, unlimited blissbody (Goswami 104).
Die Sichtbarkeit dieses feinstofflichen Astralkörpers ist umstritten. Nach neueren Definitionen ist der A. die „unsichtbare, den menschlichen Körper erfüllende und umschließende ,Seelenhülle‘ (= Perisprit)“ (Zahlner), „im Gegensatz zur Seele der physische Träger des Lebenskörpers“ (Sahihi), und Mattiesen (III, 155) nennt den A. die „feinere“ Leiblichkeit des Menschen, die nur unter bestimmten Bedingungen sichtbar werden kann (Zahlner). Du Prel hielt den A. dagegen für generell unsichtbar. Sensitive berichten jedoch immer wieder, den A. sehen zu können, was mit einem großen Teil der Berichte von Außerkörperlichen Erfahrungen übereinstimmt. So wird ganz im Einklang mit den modernen AKE schon im > Tibetanischen Totenbuch von einem strahlenden > Bardo-Körper berichtet, der nach dem Tod bei der „übernormalen Geburt“ „aus Wunsch geboren“ wird und dem physischen Körper ähnelt (Evans-Wentz, 234f.).
Anfang des 20. Jhs. stellte der Berliner Ingenieur Fritz Grunewald bei seinen Forschungen außerhalb des menschlichen Körpers, und zwar mehrere cm über dem Kopf, Polbildungen magnetischer Felder fest, die er mit der Vorstellung eines Ätherleibs in Verbindung brachte (Bonin). Auf der Suche nach einem Meta-Organismus experimentierte in den 70er Jahren der Biologe Viktor Injuschin in Alma Ata, Kasachstan, mit einem hypothetischen Bioplasma-Körper, einem Elektronen-Protonen-Feld, dessen Verwandtschaft zum A. er für möglich hielt (Injuschin 1972). > Seelenexkursion, > Astralwallen.

Lit.: Zimmermann, Werner: Das Leben nach dem Tode im Lichte der parapsychologischen Forschung. Erlebnisse, Beweise, Erklärungen. München: Drei Eichen Verlag, 1948; Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal-Lexikon. Halle und Leipzig: Johann Heinrich Zedler, 1732ff.; Nd. Graz, Austria: ADEVA, 1961–62; Hart, Hornell: Towards a New Philosophical Basis for Parapsychological Phenomena. New York: Parapsychology Foundation (Parapsychological Monographs No.6), 1965; Fodor, Nandor: Encyclopaedia of Psychic Science, U.S.: University Books, Inc., 1966; Zahlner, Ferdinand: Kleines © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch (Redemptorist). Hg. v. A. Resch. Abensberg: Josef Kral, 1972; Injuschin, Viktor M.: Report from Alma-Ata, in: B. Herbert / M. Cassirer: Parapsychology in USSR. In: Journal of Parapsychology (1972); Bonin, Werner F.: Lexikon der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete. Frankfurt a. M.: Fischer, 1981; Frei, Gebhard: Probleme der Parapsychologie. Innsbruck: Resch, 1985 (Imago Mundi; 2); Drury, Nevill: Lexikon des esoterischen Wissens. München: Droemer Knaur, 1988; Shepard, Leslie A. (Ed.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. In Two Volumes. Detroit: Gale Research Inc., ³1991; Sahihi, Arman: Das neue Lexikon der Astrologie. 1400 Begriffe der Kosmologie, Astronomie, Astrophysik und Astrologie. Genf; München: Ariston, 1991; Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens. München: Goldmann, 1993; Frenette, Louise Marie: Omraam Mikhaël Aïvanhov. A Biography. Liverpool / U.K.: Suryoma, 1999; Goswami, Amit: Physics of the Soul. The Quantum Book of Living, Dying, Reincarnation, and Immortality. Charlottsville: Hampton Roads Publishing Company, Inc., 2001.

Astrallicht, vielschichtiger Begriff, dessen sechs Bedeutungen Zahlner zusammenfasst: 1. eine die Erde umgebende unsichtbare Region, 2. eine subtile Essenz, die von Hellsichtigen gesehen werden kann, 3. der Träger der kosmischen Lebenskraft (Jiva), 4. eine kosmische Bildergalerie mit allen Ereignissen der physischen wie astralen Ebene (nach v. Purucker), 5. andere Bezeichnung für das siderische Licht des > Paracelsus und 6. die > Astralebene sowie die > Akasha-Chronik. Miers fügt dem noch hinzu, dass das A. dem Äther der modernen Wissenschaft entspreche. Im Grunde geht es um jene feinstoffliche Ausstrahlung aller Köper, in der ihre geistige Struktur erkennbar wird. So lässt nach okkulten Anschauungen die Fähigkeit, die Dinge in ihrem Astrallicht zu schauen, deren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erkennen.

Lit.: Zahlner, Ferdinand: Kleines © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch (Redemptorist). Hg. v. A. Resch. Abensberg: Josef Kral, 1972; Bonin, Werner F.: Lexikon der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete. Frankfurt a. M.: Fischer, 1981; Parfitt, Willi: Die persönliche Qabalah: ein praktisches Lehrbuch zum Verständnis des (eigenen) Lebensbaumes. St. Gallen; Chur: M & T Verlag, Edition Astroterra, 1990; Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens. München: Goldmann, 1993.

Astralmagie, Form der Magie, die sich mit der Nutzbarmachung der Kräfte der Gestirne sowie mit der Beschwörung der Geister von Planeten und Sternen befasst, um sich vor ihnen zu schützen bzw. ihre Eigenschaften und Fähigkeiten einzufangen. Dieses magische Handeln beruht einerseits auf dem Glauben, dass die Gestirne nur Werkzeuge dämonischer Mächte seien, andererseits auf der Überzeugung, dass die Sterne besondere Fähigkeiten und Weisheiten besitzen. Dementsprechend sind auch die magischen Praktiken. So empfiehlt Thabit ibn Qurra (ca. 836–901) zur Säuberung des Hauses von Skorpionen das Bild eines Skorpions anzufertigen, wenn das Sternbild des Skorpions im Aszendenten steht, und es mit astrologischen Informationen zu versehen. Dann soll das Bild im Haus vergraben werden, das man vom Ungeziefer befreien möchte, und zwar mit folgenden Worten: „Hiermit begrabe ich ihn und seine ganze Art, sodass er nicht mehr kommen kann an diesen Ort“ (Thorndike).
Andererseits können auf Bilder auch astrologische Zeichen geschrieben werden, um mit deren Hilfe die Kraft von Gestirnen „herabzuziehen“ und zu bündeln, um sich ihrer zu magischen Zwecken zu bedienen. Mit ihrer Hilfe könne man die Liebe des Ehepartners zurückgewinnen, gestohlenes Eigentum zurückholen, aber auch ein Haus oder eine Stadt in Schutt und Asche legen.
Das bekannteste Werk mit astralmagischen Anweisungen stammt aus dem Vorderen Orient und ist im Westen unter dem Namen > Picatrix geläufig. 1240 wurde es von Alfons X. dem Weisen (1221–1284) ins Lateinische übersetzt. Das wichtigste Anliegen der Arbeit ist es zu zeigen, wie man den Geist, der den Dingen völlig entrückt ist und in seiner reinsten Form in den Sternen das Zuhause hat, dazu bringen kann, auf die Erde niederzusteigen und auf die Materie zu wirken. Neben der Beschwörung könne man auch durch Gebet die Macht der Gestirne nutzen.

Lit.: Thorndike, Lynn: Traditional Medieval Tracts Concerning Engraved Astrological Images. In: Mélanges Auguste Pelzer. Louvain: Bibliothèque de l’Université, 1947, S. 217–273; Picatrix: The Latin Version of the Ghayat Al-Hakim; Text, Introduction, Appendices, Indices / ed. by David Pingree. London: The Warburg Inst., 1986; Habiger-Tuczay, Christa: Magie und Magier im Mittelalter. München: Eugen Diederichs, 1992; Kieckhefer, Richard: Magie im Mittelalter. München: C. H. Beck, 1992.

Astralmystik, Symboldeutung der Sterne und ihrer Bewegungen als Sinndeutung des menschlichen Leben aus der Erfahrung des Universums als Makrokosmos und des Menschen als Mikrokosmos.
Die A. ist daher so alt wie die menschliche Bewunderung und Deutung der Sterne und ihrer Bahnen als Lebenssinn und Lebensführung. Einen besonderen Impuls erhielt die A. durch die Vorstellung Platons, dass jede Seele einen Stern als ihre ewige Heimat hat, in die sie nach erfolgreicher Beendigung der Erdenleben einkehrt. Auch Dante sieht die Seele jeweils in jener Planetensphäre weilen, die der Tugend entspricht, welche ihr Leben nach dem Willen Gottes besonders geprägt hat.
Die A. findet sich auch im antiken Judentum, soweit sie – geleitet von der wahren Weisheit beim Anblick der Sterne – den Meister und nicht die „weltbeherrschenden Götter“ verehrt (Weish 13, 2; Ijob 31, 26). In den zwölf Stämmen Israels erkannte man eine Entsprechung zur himmlischen Ordnung, was zu Tierkreisdarstellungen in den Synagogen und später dann auch in den christlichen Kirchen führte, da in dem auf die zwölf Apostel gegründeten Neuen Jerusalem diese Ordnung zur Vollendung kommt (Offb 21). Ferner zeigt die Übertragung der vier Lebewesen des Tierkreises aus Ez 1 (vgl. Offb 4. 7) auf die vier Evangelisten die kosmische Bedeutung ihrer Botschaft mit dem Pantokrator in der Mitte. So konzentriert sich im christlichen Verständnis die astrale Symbolik vor allem auf die Sonne (Mk 16, 2; Lk 1, 78).
Dem entspricht auch der solare römische Kalender, den das Christentum übernommen hat. Die Festtage sind in den kosmischen Rhythmus des Jahreskreises eingebettet. Zur Zeit der Wintersonnenwende wird Weihnachten gefeiert. Das Datum für das Osterfest richtet sich nach dem Vollmond, wenn die Sonne im Tierkreiszeichen Widder steht. Zudem muss Sonntag sein. Am Samstag vorher, dem Tag des Saturn, lag Jesus im Grab. Saturn symbolisiert als der letzte der sichtbaren Planeten das „Ende“ allen geschaffenen Lebens, zugleich aber auch die Grenzüberschreitung zum Jenseitigen.

Lit.: Bühler, Walther: Das bewegliche Osterfest: Kalenderreform und Osterdatum als Problem des Rhythmus. Tübingen: Katzmann, 1965; Weinreb, Friedrich: Die Astrologie in der jüdischen Mystik; Textfassung Christian Schneider. München: Thauros-Verlag, 1982; Voss, Gerhard:  Astrologie – christlich. 2., überarb. u. erw. Aufl. Regensburg: Pustet, 1990.

Astralmythologie ist jene Form der > Mythologie, die mythische Gestalten, Vorgänge und Wirkkräfte aus der Gestirnwelt deutet. Einzelne Sterne, Sonne Mond, Arktur, Polarstern werden wie menschliche, göttliche oder dämonische Wesen angesehen bzw. als mächtige Wirkkräfte bezeichnet, die Mensch und Natur entscheidend beeinflussen können. Die Gleichsetzung der Astralmythologie mit Religionswissenschaft (Depuis) ist ebenso unzutreffend wie mit > Astralmystik, zumal nur ein Teil der Sternmythen religiösen Charakter hat. Eine reine Astralreligion gab es nirgends. Die Astralmythologie ist umfassender als der > Astralkult.
Die Bedeutung der Gestirne wird in der A. außer in der Wirkursächlichkeit vor allem in ihrer Symbolhaftigkeit gesehen, so der Mensch als Mikrokosmos: „wie oben, so unten“. In diesem Zusammenhang steht auch die Beachtung der Stationen des Weges der Planeten entlang der Ekliptik, die zwölf „Zodia“ (Lebewesen) des „Tierkreises“. Ihre Namen sind bildhafte Charakterisierungen der unterschiedlichen Erfahrungen, insbesondere der Wirkung der Sonne im Laufe des Jahres. Neben der Sonne sind es der Mond und die Planeten, unter Letzteren vor allem die > Venus, die bei den Babyloniern durch die Göttin der Liebe, Mutterschaft und Fruchtbarkeit, > Ischtar, im Reigen der Götter vertreten war. Ihr Verschwinden im Osten oder Westen, ihr Unsichtbarbleiben für einen oder zwei Monate und ihr erneutes Wiedererscheinen werden mit dem Mythos von den Schicksalen der Ischtar beschrieben: Ihre Fahrt zur Totengöttin > Erischkigal usw. bildet den bedeutendsten Teil der altorientalischen A. Die vielfältigen Vorstellungen der A. sind schließlich für die Herausbildung der > Astrologie von besonderer Wichtigkeit. So versucht man seit dem 18. Jh. verstärkt die Bedeutung von Mythenbildungen aus der A. zu erklären.

Lit.: Dupuis, Charles François: Ueber den Ursprung des Kultus: geschichtlich erwisener Parallelismus zwischen der Glaubenslehre und den Religionsgebräuchen der Heiden und der Christen / nach dem Franz. des Dupuis von C. G. Rhé. Stuttgart: Literatur-Comptoir, 1839; Dupuis, Ch. F.: Ursprung der Gottesverehrung: die Glaubenslehren und Religionsgebräuche aller Zeiten und Völker und die damit verbundene Herrschaft des Priestertums und Aberglaubens in ihrer Entstehung und Entwicklung. Dt. hrsg. von Friedrich Streißler. Leipzig: Eckardt, 1910; Boll, Franz: Sternglaube und Sterndeutung: Die Geschichte und das Wesen der Astrologie. Mit einem bibliograph. Anh. von Hans Georg Gundel. 6., durchges. Aufl., Sonderausg. Nachdr. der 5. durchges. Aufl. Stuttgart, 1966; Darmstadt: Wiss. Buchges, 1974.

Astralplan > Astralwelt.

Astralprojektion, engl. astral projection, ESP projection, astral travel, exteriorization oder travelling clairvoyance, franz. sortie en astral, die heute gebräuchlichste Bezeichnung unter vielen anderen für die Fähigkeit des Reisens außerhalb des physischen Körpers. Begriffe wie Astralaustritt, Astralexkursion, Astralreise, Astralwandern, Astralwallen, > Ätherprojektion, Austritt, Austritt des Ichs, Ichaustritt, Exteriorisation, Außersichsein, Außerkörperliche Erfahrung bzw. Außerkörperliches Erlebnis (AKE), Seelenreise, > Schamanenreise, Verdoppelung, > Bilokation werden häufig synonym mit A. verwendet.
Einerseits wird unter A. das bewusste Aussenden des > Astralleibes (Miers) verstanden, „die willentliche Lösung des Astralkörpers vom Körper“ (Drury) häufig zu dem Zweck, ihn anderen Personen erscheinen zu lassen. Andererseits ist mit A. auch das unbewusste Reisen des > Astralkörpers im > Schlaf oder in > Trance gemeint; es kann also sowohl spontan auftreten als auch induziert werden.
Schon aus der Antike werden Astralreisen berichtet. So wird etwa dem Dichter > Aristeas von Prokonnesos aus dem 7. vorchristlichen Jh. unter anderen paranormalen Phänomenen auch die Fähigkeit zugeschrieben, seinen Körper verlassen und mit neuem Körper umherreisen zu können. Aus dem 1. nachchristlichen Jh. wird von dem neupythagoreischen Philosophen und Wundermann > Apollonios von Tyana ebenfalls die Gabe der A. bezeugt.
In neuerer Zeit wurde der italienische Kapuziner Francesco Forgione, bekannt als > Padre Pio (1887–1968), ein vielgenanntes Beispiel für die Fähigkeit der Bilokation, d. i. die Möglichkeit, an zwei Orten gleichzeitig sichtbar zu sein. Der britische Geologe Robert > Crookall sammelte über 500 Fälle, die für die Evidenz der Realität der A. sprechen, und ebenso hat Hornell N. > Hart ganz entscheidende Dokumentationsarbeit auf diesem Gebiet geleistet. Von Sylvan > Muldoon, der 1971 verstarb, gibt es ausführliche Beschreibungen seiner eigenen Erlebnisse, die er schon als Zwölfjähriger hatte. Zunächst waren es spontane außerkörperliche Erlebnisse (> Außerkörperliche Erfahrung), später konnte er dann gezielt und beabsichtigt seinen Körper verlassen, vor allem, wenn er krank war – wobei diese Fähigkeit jedoch mit zunehmender Gesundung jeweils nachließ (Muldoon 1929, 1964, 1966, 1970). Bekannt wurden auch die Astralreiseerlebnisse von Robert A. > Monroe, die er in seinem Buch Der Mann mit den zwei Leben, Reisen außerhalb des Körpers (Monroe, 1981) festgehalten hat.
Der Austritt aus dem physischen Körper kann zu einer kürzeren oder weiteren Reise führen, und je nach der Entfernung wird von > Exteriorisation, wörtl. „Nach-außen-Verlegung“, oder > Exkursion, wörtl. „Auslauf“, gesprochen. Bei der Exteriorisation hält sich der als neu erlebte, herausgetretene Körper in unmittelbarer Nähe seines materiellen Körpers auf. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der > Silberschnur (feinstoffliche „Nabelschnur“) als Verbindung zwischen dem ausgetretenen und dem physischen Körper. Im Falle der Exkursion begibt sich das Ich bewusst auf eine längere Reise und kann eventuell auch an dem betreffenden Reiseort als > Geist bzw. > Doppelgänger gesehen werden. Zur Erklärung des Phänomens der A. kann die Existenz eines zweiten Körpers, eines > Astralleibes oder eines Doppelgängers angenommen werden.
Das Phänomen des Austritts aus dem gewöhnlichen Körper wird auch bei den sog. > Todesnäheerfahrungen erlebt, nur ist hier im Gegensatz zur A. das erlebte Phänomen an die Grenzsituation der Todesnähe gebunden.

Lit.: Rohde, Erwin: Psyche. Seelenkult und Unsterblichkeitsglaube der Griechen. Hg., ausgew. u. eingel. von Hans Eckstein. Leipzig: Alfred Kröner, 1929; Muldoon, Sylvan / Carrington, Hereward: The Projection of the Astral Body. London, 1929, N.Y. 1970; dt.: Die Aussendung des Astralkörpers. Freiburg, 1964, 21966; Crookall, Robert J.: The Study of Practice of Astral Projection. Hackensack, N.J.: Wehmann, 1961; Sculthorp, Frederick C.: Meine Wanderungen in der Geisterwelt: Ein Bericht über persönliche Erfahrungen während bewusster Astralprojektionen. Freiburg i. Br.: Hermann Bauer, 1962; Crookall, Robert J.: More Astral Projections. Hackensack, N.J.: Wehmann, 1964; Crookall, Robert J.: Out-of-Body Experiences. New Hyde Park, N.Y.: University Books, 1970; Monroe, Robert A.: Journeys Out of the Body. Garden City: N.Y.: Doubleday, 1971; Monroe, Robert A.: Der Mann mit den zwei Leben. Reisen außerhalb des Körpers. Düsseldorf; Wien, 1972; Zahlner, Ferdinand: Kleines © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch (Redemptorist). Hg. v. A. Resch. Abensberg: Josef Kral, 1972; Crookall, Robert J.: What Happens When You Die? Gerrards Cross: Colin Smith, 1978; Bonin, Werner F.: Lexikon der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete. Frankfurt a. M.: Fischer, 1981; Tart, Charles: A Psychophysiological Study of Out-of-the-Body Experiences in a Selected Subject. In: Journal of the American Society of Psychical Research 62, 1 January 1986; Drury, Nevill: Lexikon des esoterischen Wissens. München: Droemer Knaur, 1988; Shepard, Leslie A. (Ed.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. In Two Volumes, Detroit: Gale Research Inc., ³1991; Hart, Hornell / Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens. München: Goldmann, 1993.

Astralreigen > Astraltänze.

Astralreisen > Astralprojektion.

Astralreligion, kultische Verehrung und religiöse Bewertung der Gestirne, die durch ihren Einfluss auf irdisches Geschehen den Menschen in Erstaunen und Furcht versetzten. Dieses Ergriffensein und Fürchten hat dazu geführt, dass man die Sterne als Götter, als Werkzeuge der Dämonen oder als mächtige kosmische Wirkkräfte verstand, hinter denen ein allmächtiger Schöpfergott steht, und ihnen daher die gebührende Verehrung oder den entsprechenden Respekt zollte.
So war die babylonische Astrologie so etwas wie eine Astralreligion, da man die Ansicht vertrat, dass die Sterne und Planeten mit den Göttern zusammenhingen oder selbst Götter waren. Ähnliche Vorstellungen hatten viele antike Völker. Die Ägypter identifizierten die Konstellation des Orion mit > Osiris, dem Gott der Unterwelt. Bei den Griechen war es für die Stoiker, die ein großes Interesse an astronomischen Zyklen hatten, üblich, ein göttliches Wesen als die Quelle aller Naturkräfte anzusehen.
Auch bei anderen frühen Kulturen finden sich Ansätze zum Gestirnkult. So ist die mexikanische Religion astral durchsetzt; das vorislamische Arabien kennt ein Pantheon astraler Gottheiten mit > Attar an der Spitze; in der ältesten chinesischen Volksreligion wächst aus einem Himmels- und Gestirndienst das kosmische Prinzip vom Zusammenwirken des > Yang und > Yin. Der indogermanische Kulturkreis, das Juden- und Christentum haben hingegen keine A., wenngleich astrale Symbole im Kultbereich ihren Stellenwert finden, doch werden sie nicht vergöttlicht.
So sehr auch das Astrale in das Religiöse hineinwirkt, lassen sich doch nicht alle religionsgeschichtlichen Erscheinungen astral erklären, wie man dies immer wieder versucht (> Sabäismus-Hypothese).

Lit.: Gressmann, Hugo: Die hellenistische Gestirnreligion. Leipzig: J. C. Hinrichs, 1925; Gundel, Wilhelm: Sternglaube, Sternreligion und Sternorakel: aus der Geschichte der Astrologie. Heidelberg: Quelle & Meyer, 21959; Boll, Franz: Sternglaube und Sterndeutung: d. Geschichte u. d. Wesen d. Astrologie / Mit e. bibliogr. Anhang von Hans Georg Gundel. 5., durchges. Aufl. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1966.

Astralseele > Astralleib.

Astraltänze oder Astralreigen, in den meisten Gestirnkulten verbreitete Kulttänze zur Versinnbildlichung der Bewegung der Gestirne, meist als Ausdruck der Beschwörung kosmischer Mächte.

Lit.: Forster, Dorothea: Neues Lexikon christlicher Symbole. Innsbruck; Wien: Tyrolia, 1991.

Astralvorstellungen, Bezeichnung für das gesamte Denken über Sonne, Mond, Planeten, Sternbilder, einzelne Fixsterne, aber auch über Eklipsen, Kometen, Meteore oder Supernova. In den mannigfaltigen Interpretationen des nächtlichen Himmels zeigt sich auch eindrucksvoll die kulturelle Vielfalt der A. bei den einzelnen Völkern, angefangen von der Verehrung der Gestirne (> Astralkult) bis zur sakralen Architektur und dem Einfluss auf Boden und Mensch.

Lit.: Mensch und Kosmos: vom Verständnis d. Zusammenhänge / hrsg. von Maja Svilar. Bern u. a.: Lang, 1980; Resch, Andreas: Kosmopathie. Innsbruck: Resch, 21986 (Imago mundi; 8).

Astralwallen > Astralprojektion.

Astralwanderung > Astralprojektion.

Astralwelt, auch Astralebene oder Astralplan, engl. astral world, Begriff aus dem Vorstellungsbereich, dass die physische Welt von verschiedenen anderen Seinssphären umgeben ist. Die A. stellt darin die erste Sphäre dar, in die der > Astralleib während des Schlafes, in Trance oder auch durch bewusste > Astralprojektion reisen kann. Nach dem Tod des physischen Körpers geht der Astralleib zunächst in diese Sphäre ein und führt dort ein neues Leben. Diese Welt besteht aus subtiler Materie und ist der gewöhnlichen Sinneswahrnehmung nicht zugänglich. Sie ist die Welt der > Naturgeister, der > Elemente (Naturgeister der vier Elemente: Gnome, Sylphen, Undinen und Salamander), der > Elementare (Geister in Form von Menschen) und der niederen Engel.
Mit ihren seltsamen Landschaften und unnatürlichen geometrischen Verhältnissen und Bauten wird die A. vor allem in den Arbeiten von > Swedenborg, > Blake, > Crowley und > Castaneda beschrieben.
An die Ebene der A. schließt sich die > Kausalebene oder Mentalebene, die Welt des > Kausalkörpers an. Die Ursachen, Ideen und Prinzipien aller Dinge gehören dieser 3. Ebene an und werden von dort aus auf die A. projiziert. Die astralen Formen wirken ihrerseits auf die unterste Ebene ein, wo sie auf die physischen Formen Einfluss nehmen oder diese sogar erschaffen. Die A. stellt also eine Art Bindeglied zwischen den zwei Welten der Kausalität und der Materialität dar.
Da der Astralleib in der Literatur oft auch > Ätherleib genannt wird und nur gelegentlich als feiner von ihm unterschieden wird, ergibt sich notwendigerweise auch eine entsprechende Unschärfe bzw. Überschneidung bei Begriffen wie > Äther, > Äther-Region und Astralwelt. Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass in der heutigen esoterischen Literatur die verschiedensten Begriffsbildungen mit „astral“ geläufiger sind.

Lit.: Fodor, Nandor: Encyclopaedia of Psychic Science, U.S.: University Books Inc., 1966; Bonin, Werner F.: Lexikon der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete. Frankfurt a. M.: Fischer, 1981; Drury, Nevill: Lexikon des esoterischen Wissens. München: Droemer Knaur, 1988; Shepard, Leslie A. (Ed.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. In Two Volumes. Detroit: Gale Research Inc., ³1991; Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens. München: Goldmann, 1993.

Astranthium, eine Pflanze aus der Familie der Doldengewächse, die mit der Meisterwurz (Imperatoria ostruthium syn. Peucedanum ostruthium) identisch ist. Sie trägt ihren Namen deshalb, weil ihr meisterliche Heilkräfte zugesprochen wurden. So zog man sie in der > Magie zu verschiedenen Prozeduren heran. A. galt als Sympathiemittel, das, in einem hundsledernen Beutelchen um den Hals getragen, Kraft verleihen und Schutz gegen Ansteckung gewähren sollte. Dabei wurden alle Teile der Pflanze verwendet. Ihr Absud in Wein galt als vorzügliches Mittel gegen eingenommenes Gift, gegen Hundebiss, aber auch gegen Husten, Schnupfen, Halsentzündung und Zahnschmerzen.
Heute werden der Meisterwurz folgende Wirkungen zugesprochen: Die aromatische Wurzel der Pflanze wärmt das Körperinnere und wirkt tonisierend auf den Magen-Darmtrakt. Sie wird bei Verdauungsstörungen, Blähungen und bei Atemwegserkrankungen wie Asthma und Bronchitis angewendet. Des weiteren findet die Meisterwurz Anwendung bei Gicht und Rheuma. Die in der Pflanze enthaltenen Cumarinderivate können jedoch unter Sonnenlicht auf der Haut eine Wiesendermatitis auslösen.

Lit.: Lange, Fritz: Das atherische Öl der Meisterwurz. Erlangen: Junge, 1910; Marten, August: Über die Inhaltsstoffe der Imperatoria ostruthium. Berlin: Verl. Chemie, 1932; Machatschek, Michael: Mädesüß, Austernpilz, Bärlauch, Gundelrebe, Meisterwurz, Schneerose, Walnuss, Zirbe und andere wiederentdeckte Nutz- und Heilpflanzen. Wien u. a.: Böhlau, 2004.

Astroalchemie, Aspekte der Einbindung der Astrologie in die Praxis der > Alchemie. Diese Aspekte zeigen sich am deutlichsten beim Gebrauch der sieben Planetensymbole zur Bezeichnung der Metalle, die in der Antike mit den Planeten in enge Beziehung gestellt wurden. Der > Stern (astrum) bedeutet Tugend und Kraft, kann aber auch in Verbindung mit der > Quintessenz stehen. Die Vereinigung von Sonne und Mond wird in der > Tabula Smaragdina des > Hermes Trismegistos als Mysterium der Alchemie beschrieben. Eine besondere Bedeutung hatten astrologische Kenntnisse bei der Beschreibung des günstigsten Zeitpunktes für die Durchführung alchemischer Operationen. Diese Anwendung wurde als „catarchische“ oder „horarische“ Astrologie bezeichnet. So sollte bei der Arbeit mit Gold die Stellung der Sonne beachtet werden. Je nach Konstellation und Metall sprach man auch von „guten“ und „schlechten“ Tagen.
Die tiefere Grundlage der Beziehung von Alchemie und Astrologie liegt in der gemeinsamen Überzeugung der beiden Disziplinen von einer Wechselwirkung Mikrokosmos – Makrokosmos. Doch während sich die Astrologie mit dem günstigen Zeitpunkt und der Zukunft des Geschehens befasst, sucht die Alchemie die Natur erst zu verstehen, um sie dann im > Opus magnum nachzuahmen oder das in der Natur so Nicht-Vorhandene, den > Lapis philosophorum (Stein der Weisen), zu schaffen.

Lit.: Biedermann, Hans: Handlexikon der magischen Künste. Graz: ADEVA, 1986; Priesner, Claus; Figala, Karin (Hg): Alchemie. München: Beck, 1998; Horchler, Michael: Die Alchemie in der deutschen Literatur des Mittelalters: ein Forschungsbericht über die deutsche alchemistische Fachliteratur des ausgehenden Mittelalters. Baden-Baden: Dt. Wiss.-Verl., 2005.

Astroarchäologie, Deutung archäologischer Bestände und Strukturen nach astrologischen oder astronomischen Zusammenhängen. Solche Zusammenhänge sind bei den Pyramiden in Ägypten, den Tempeln in Mittel- und Südamerika, den kreisförmig angeordneten Steinblöcken von Stonehenge oder den 300 Steinkreisen von Carnac (Frankreich) gegeben. Diese Denkmäler sollen dazu gedient haben, Mond- und Sonnenfinsternis, Frühlings- und Herbst-Äquinoktium (Tag- und Nachtgleiche) oder die Sonnenwende vorauszusagen. Die A. wir neuerdings in der > Prä-Astronautik, im Zusammenhang mit extraterrestrischen Intelligenzen und bei der Klärung mysteriöser Bodenmuster (z. B. Kornkreise) herangezogen. > Archäoastronomie.

Lit.: Meck, Barbara: Über die Stelen von Axum, Äthiopien: e. Beitr. zur Astro-Archäologie. Frankfurt a. M. u. a.: Lang, 1979; Harvey, David (Hg.): Handbuch Esoterik: A–Z der alternativen Ideen, Lebensweisen und Heilkünste. München: Wilhelm Heyne, 1987; Sonne, Mond & Steine: ein kleiner geschichtlicher Abriss der Astro-Archäologie. Löhrbach: Pieper's Medienexperimente, 1993.

Astrobiologie > Kosmobiologie.

Astroenergetik, Wechselwirkung zwischen den Energien der Natur und den Planeten. Dieser Wirkung liegt die Auffassung zugrunde, dass eine subtile (feinstoffliche Energie) im Menschen und spezifische Formen der feinstofflichen Energie in der Natur (> Äther, > Prana) zusammenwirken. Der Begriff wurde 1983 von Hans Hinrich Taeger eingeführt und versucht, westliche Astrologie mit östlichen Weisheitslehren (Buddhismus) zu verbinden. So sollen in der A. die verschiedensten Ebenen – das Wissen der klassischen und modernen westlichen Astrologie, altes hermetisches Wissen, östliche religiöse und philosophische Erkenntnisse, das moderne naturwissenschaftliche Denken – zusammengeführt werden. Nach Taeger ist die A. der Überbegriff von Astrologie, Tantra, Esoterik und Naturwissenschaften, weil sich alle diese Gebiete mit energetischen Prozessen des Kosmos befassen. Über das Geburtshoroskop könne die persönliche energetische Struktur beleuchtet werden. Die Begründung dieser ganzheitlichen Zusammenschau beruht auf esoterischen Vorstellungen.

Lit.: Taeger, Hans H: Astroenergetik: d. 12 kosm. Energien. Hamburg: Papyrus-Verl, 1983; Taeger, Hans Hinrich: Astroenergetik: die 12 kosmischen Energien. München: Droemer Knaur, 1989.

Astrogeographie, Zuordnung der Tierkreiszeichen an einzelne Länder und Städte. Dabei werden die Tierkreiszeichen als selbstständige Herrscher verstanden, die unabhängig von der Position von Sonne und Mond dauernd auf das Einflussgebiet wirken. Entstanden ist die Tierkreisgeographie im Zusammenhang mit der politischen Prognose: Um eine auffällige Himmelserscheinung richtig zu deuten, musste der Astrologe wissen, welche Gegend der Erde von dem durch die Sterne angekündigten Ereignis betroffen wird. Da sich die Schicksal anzeigenden Planeten im Tierkreis bewegen, wies man die Teile der Erde seinen zwölf Zeichen zu. Die Anfänge gehen auf Babylon zurück. Ein sehr altes System in griechischer Sprache findet sich bei Paulos Alexandrinos (um 380), das jedem Tierkreiszeichen nur ein bis zwei Länder zuweist (Bouché-Leclercq):

Widder: Persien
Stier: Babylon
Zwillinge: Kappadokien
Krebs: Armenien
Löwe: Kleinasien
Jungfrau: Hellas, Jonien
Waage: Libyen, Kyrene
Skorpion: Italien
Schütze: Sizilien, Kreta
Steinbock: Syrien
Wassermann: Ägypten
Fische: Rotes Meer, Indien

Wahrscheinlich war es Hipparchos aus Nikaia (190–120), der die Liste dem erweiterten Horizont des Hellenismus anpasste. Ptolomäus (um 100–160) teilt in seinem Buch Tetrabiblos die Erde in vier große Dreiecke und verbindet diese mit den vier himmlischen Trigona (Dreigruppen von Tierkreiszeichen).
Über die Araber gelangte die Tierkreisgeographie in das abendländische Mittelalter. Eine ausführliche Liste, auch von Städten, findet sich im Speculum astrologiae des Junctinus, das kanonische Geltung erhielt und Eingang in Grimmelshausens „Des abenteuerlichen Simplicissimi ewig-währender Calender“ von 1571 fand. Neben der Tierkreisgeographie gibt es auch eine planetarische Geographie und auch die Planeten haben eine Stellung zum Raum.

Lit.: Iunctinus, Franciscus: Speculum astrologiae: universam Mathematicam Scientiam in certas classes digestam complectens / autore Francisco Iunctino, Florentino. Accesserunt etiam commentaria absolutissima in duos posteriores Quadripartiti Ptolemaei libros. Lugduni, 1583; Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von: Des abenteurlichen Simplicissimi ewig-währender Calender. Konstanz: Rosgarten Verl., 1967; Boll, Franz: Sternglaube und Sterndeutung: die Geschichte und das Wesen der Astrologie. Mit einem bibliograph. Anh. von Hans Georg Gundel. 6., durchges. Aufl., Sonderausg. Nachdr. der 5. durchges. Aufl. Stuttgart 1966. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1974; Bouché-Leclercq, Auguste: L'astrologie grecque. Réimpr. de l'éd. de Paris 1899. Aalen: Scientia-Verlag, 1979, 185ff.; Derendinger, Erika: Die Beziehung des Menschen zum Übernatürlichen in bernischen Kalendern des 16. bis 20. Jahrhunderts. Bern u. a.: Haupt, 1985, S. 151–154; Ptolemaeus, Claudius: Tetrabiblos: nach der von Philipp Melanchthon besorgten seltenen Ausgabe aus dem Jahre 1553. Mössingen: Chiron-Verl, 22000.

Astrognosie, die Kenntnis der Himmelskörper und ihrer Zusammenhänge bzw. die Beschäftigung mit den Sternbildern und ihren Sternen.

Lit.: Sahihi, Arman: Das neue Lexikon der Astrologie: 1400 Begriffe der Kosmologie, Astronomie, Astrophysik und Astrologie. Genf; München: Ariston, 1991.

Astrographologie, Auslegung der Bedeutungszusammenhänge von Handschrift und Planetenkonstellation, wobei den Planeten einzelne Schriftzüge zugewiesen werden. So sollen dem Merkurgeborenen kurze, scharfe Linien und zarte, feine Krümmungen eigen sein; dem Venusgeborenen rhythmische Schnörkel und Kurven; dem Mondgeborenen unregelmäßige, krumme Linien usw.

Lit.: Dietrich, Eva: Astrographologie: neue Wege zu Charakterdeutung u. Selbsterkenntnis. Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl., 1988.

Astrokartographie, Berechnung eines bestehenden Horoskops auf einen anderen Bezugsort, als hätte die Geburt zur gleichen Zeit dort stattgefunden. Das neue Horoskopbild soll dann Auskunft geben, inwieweit sich aufgrund eines Ortswechsels die Lebensbedingungen wandeln. Der Begriff geht auf Jim Lewis (1941–1995) zurück, der Anfang der 1970er Jahre auf die Idee kam, die Positionen der Achsen und Planeten im Horoskop auf eine Weltkarte zu projizieren und so astrologische Weltkarten zu erstellen, die er Astrokartographien (Astro*Carto*Graphy, ACG) nannte. Mit dieser Idee gab er der bis dahin unsystematisch arbeitenden > Relokationsastrologie einen Rahmen und ein Fundament.

Lit.: Lewis, Jim: The Astro-Carto-Graphy Book of Maps: The Astrology of Relocation: How 136 Famous People Found Their Places. St. Paul, Minn., USA: Llewellyn Publications, 1989; Mayen, Harald: Astro-Landkarten: Orte der Kraft im globalen Geburtsbild. Zollikon: Astrodienst, 1994; Lewis, Jim: Astro-Carto-Graphy: die Magie des Ortes: welche Erfahrungen erwarten uns an verschiedenen Orten? Wettswil: Ed. Astrodata, 1999; Sullivan, Erin: Angewandte Astro-Carto-Graphy: Planetenlinien und Ortswechsel astrologisch deuten. Tübingen: Chiron-Verl., 2002.

Astrolabium, astronomisches Winkelmessgerät zur Berechnung sphärischer Raumverhältnisse. Es handelt sich dabei um die Anwendung jenes Prinzips, mit dessen Hilfe schon der griechische Astronom Eudoxos um 360 v. Chr. astronomische Ekliptik-Uhren konstruierte und um 150 v. Chr. der berühmte Hipparchos eben das A. erfand. Dieses wurde dann von den Arabern zu einem scheibenförmigen Gerät ausgebaut, mit dem man, versehen mit einer Visiereinrichtung, astronomische Daten an gegeneinander beweglichen Scheiben ablesen und die meisten astrologischen Aufgaben rechnerisch sowie durch Beobachtung lösen konnte. Es war daher jahrhundertlang neben der Armillarsphäre das bevorzugte Arbeitsutensil der Astrologen. Über die Araber kam das A. nach Europa, wo es dann seit Kepler und Galilei durch neue technische Methoden verdrängt wurde. Heute verwendet man an seiner Stelle die > Ephemeriden.
Johannes Regiomontanus (1436–1476) – sein eigentlicher Name war Johannes Müller (den heute gebräuchlichen Namen prägte Melanchthon in lateinischer Übersetzung seines Geburtsortes) –, der bedeutendste Astronom und Mathematiker des Spätmittelalters, konstruierte ein A., das sich heute als eine der schönsten und ältesten „Reliquien der Wissenschaft“ im „National Maritime Museum“ in Greenwich befindet. Es handelt sich dabei um ein kleines Gerät aus Messing, auf dem eine kreisförmige Himmelskarte angebracht ist, die sich drehen lässt, so dass man mit Hilfe von genau eingetragenen Messzahlen für jede Jahres- und Tageszeit die Stellung von Sonne, Mond, Sternen und Tierkreis berechnen kann. Gelehrte, Forscher und Seefahrer benützten das A. und die Ephemeriden des Regiomontanus bei ihren Reisen und Fahrten, so auch Kolumbus bei seiner Entdeckungsreise nach Amerika. Die Astrologen des Altertums und Mittelalters verwendeten es zur Berechnung des aufgehenden und des kulminierenden Punktes. Die Gelehrten kannten das A., weil es von Ptolemäus in seinem astronomischen Hauptwerk Megale Syntaxis beschrieben wird, das von den Arabern > Almagest genannt wurde.

Lit.: Angelus, Johannes: Astrolabium planum in tabulis ascendens continens qualibet hora atque minuto equationes domorum celi. Venedig: Johann Emerich für Lucantonio Giunta, 1494; Copp, Johann: Erklärung unnd grüntliche underweysung, alles nutzes, so in dem edlen Instrument, Astrolabium genannt, begriffen, und erfunden würt. Augspurg: Otmar, 1525; Regiomontanus, Joannes: Joannis Regiomontani opera collectanea: Faksimiledrucke von neun Schriften Regiomontans und einer von ihm gedruckten Schrift seines Lehrers Purbach / zsgest. und mit einer Einl. hrsg. von Felix Schmeidler. Osnabrück: Zeller, 1972.

Astrolatrie (griech. latreia, Götzendienst), Sternenkult. Der Sternenkult gehört zu den vornehmsten archaischen Kulten. Er bezog sich auf Sonne, Mond, Sterne, Planeten und Sternbilder. In frühester Zeit verehrten die Semiten die Sonne, und die Babylonier verehrten neben Sonne und Mond eine Reihe von Sternbildern. In > Ägypten identifizierte sich > Horus mit der Sonne und > Isis mit Sirius. Bei den Griechen finden sich die ersten astralen Vorstellungen des Universums bei den > Pythagoräern, bei > Platon und > Aristoteles, die den Sternen göttliche Eigenschaften zusprachen und die Ansicht vertraten, dass die Seele des Menschen stellaren Einflüssen ausgesetzt sei. Im Orient, in Indien und Japan wurde die Sonne verehrt. Das Christentum ersetzte den sol invictus (die unbesiegbare Sonne) durch Christus. In neuester Zeit nahm der Sonnenkult esoterische Züge an.

Lit.: Ruppert, Hans-Jürgen: Vom Sternenkult zum Computerhoroskop: weltanschauliche Deutungsansätze der Astrologie. Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Berlin: EZW, 1999; Schäfer, Thomas: Sternenkult und Astrologie: von den frühen Kulturen bis zum Mittelalter. Düsseldorf: Patmos, 2004.

Astrologenschwamm (ital. fungo degli astrologici), ein kleiner Pilz, identisch mit agaricus hariolorum, der im Sommer auf abgestorbenen Blättern zu wachsen pflegt und sogar genossen werden kann. In Italien wurde er auch als Zaubermittel in Salben und Amuletten verwendet.

Lit.: Roberts, Marc: Das neue Lexikon der Esoterik. München: Goldmann, 1995.

Astrologia iudiciaria, jene Form der Astrologie, die im Gegensatz zur Astrologia doctrinalis, der Astronomie, aus dem Geburtshoroskop das unausweichliche Schicksal des Menschen berechnen will.

Lit. Garin, Eugenio: Astrologie in der Renaissance. Aus dem Ital. von Eleanor Lackner. Frankfurt / M.: New York: Campus-Verl., 1997.

Astrologia terrestris > Geomantie.

Astrologie (griech. astrologia, Sternkunde), Lehre von den Einflüssen der Sternenwelt und ihren Veränderungen auf die Menschen, die Tier- und Pflanzenwelt, die bei allen Hochkulturen in irgendeiner Form bis heute bekannt ist. Eine zwischen 10. und 14. Mai 2001 durchgeführte Umfrage der Gallup Organization, Princeton / USA, ergab, dass 28% der Bevölkerung an A. glauben, während 18% unsicher sind und 52% nicht daran glauben. Diese Entsprechung findet ihren Ausdruck im hermetischen Diktum des „Wie oben, so unten.“
Geschichte
Die abendländische Tradition der A. geht auf sumerisch-babylonische Kulturen Mesopotamiens im 3. und 2. vorchristlichen Jahrtausend zurück. Die im Britischen Museum verwahrte Bibliothek König Assurbanipals (ca. 669–626 v. Chr.) enthält etwa 4000 Keilschriften und Bruchstücke von Tafeln, die nach einem Wort mit der Bedeutung „Pflug-Stern“ als Mul.Apin-Keilschriftserie bezeichnet werden. Man glaubt heute, dass es sich um Abschriften von babylonischen Texten aus der Zeit um etwa 1300 v. Chr. handelt. Die Tafeln listen 18 Sterne und Sternbilder im Tierkreisgürtel innerhalb eines schematischen Jahres von 12 Monaten auf.  Die Texte zeigen eine enge Verbindung zwischen astronomischer Beobachtung und der  Deutung von Vorzeichen. So besagt ein Text: „Wenn am 14. Monatstag Mond und Sonne in Opposition sind, wird der Landeskönig ein weites Ohr haben“ (Bezold, S. 2). Als besonders wichtiges Merkmal der astrologischen Praxis tritt bereits das Prinzip der Gestirnvertretung auf, wonach unter bestimmten Umständen für die Prophezeiung ein Himmelskörper den anderen ersetzen kann. Vor allem kann die Sonne, wenn sie untergegangen ist, ersetzt werden – hauptsächlich durch Planeten und Fixsterne.
Die Unterscheidung von Fixsternen und > Planeten ist uralt. Dabei dürfte die vom Fixsternhimmel unabhängige Bewegung der Planeten sogar der Grund für die Erhebung der Planeten zu Himmelsgöttern sein. Eine genaue Beobachtung des Sternenhimmels sowie die erste Registrierung der Sternenläufe fanden in der Zeitspanne zwischen 25.000 bis 10.000 statt, wovon Rentierknochen und Mammutzähne mit eingeritzten Darstellungen der Mondphasen zeugen.
Im 6. Jahrtausend stellten dann die Sumerer erste Himmelsbeobachtungen an, im 3. Jahrtausend wurden astrologische Prognosen von Sargon aus Akkad abgegeben und im Jahr 2073 reichte der erste Kaiser von China, Shun, den Planeten als den „sieben Lenkern“ Opfer dar. Um 2000 v. Chr. wurden an vielen Orten in Europa Megalith-Steine in bestimmten, astronomisch orientierten Positionen errichtet, etwa das berühmte > Stonehenge im Süden Englands, und im 14. Jh. v. Chr. verehrten die Sumerer Shin als Mondgott und Schamasch als Sonnengott, bis die Babylonier schließlich zwischen 700 und 400 v. Chr. den > Tierkreis definierten (Übersichtstabelle s. Gauquelin, 1973, 203–207).
Ihre eigentliche Ausprägung erfuhr die A. dann bei den Griechen. Allerdings hatte sie vor der Zeit Alexanders des Großen (356–323) auf das Leben des griechischen Volkes keinen Einfluss, wenngleich sich die Schule des Pythagoras philosophisch mit dem Zusammenspiel des Kosmos befasste. Hier tauchte nämlich erstmals der Begriff Naturgesetz auf, was zu einer zweifachen Bewunderung der kosmischen Gesetzmäßigkeiten führte: der Ergründung der unveränderlichen Bewegungsgesetze durch die Astronomie und der Andacht zu den sichtbaren Göttern, wie die Sterne nun hießen, durch die astrologische Mystik. Diese Beseeltheit und Göttlichkeit der Gestirne, die in wunderbarem Gleichmaß Nacht für Nacht ihre stille Bahn ziehen, vertrat Platon mit so tiefer Überzeugung, dass selbst der nüchterne Aristoteles, der die Welt unter dem Mond scharf von der Region der Gestirne trennt, an der Annahme festhält, dass alle Bewegung vom ersten Bewegten, der Fixsternsphäre, ausgehen müsse und somit jede Veränderung der Erde durch die obere Welt bewirkt werde.
Nach dem Feldzug Alexanders des Großen nach Persien und Indien gelangte dann auch die wahrsagende Sternkunde nach Griechenland und verbreitete sich rasch im gesamten Mittelmeerraum, obwohl noch kurz zuvor Platons Freund Eudoxos, der große Astronom, den „Chaldäern“, d. h. den Sterndeutern vom Euphrat, jeden Glauben verweigert hatte, wenngleich er die Astronomie und Meteorologie der Babylonier kannte. Doch schon früher hatte man die Planeten den Göttern zugeordnet (Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn). Auch Heroen wurden in den Sternhimmel entrückt. Hinzu kam die Vorstellung, dass gute Menschen nach dem Tod zu Sternen würden. Unter den Ptolemäern glaubte man, dass die verstorbenen Regenten und ihre Gemahlinnen unter die Sterne versetzt würden – ein auch in der römischen Kaiserzeit verbreiteter Glaube. Der letzte zu den Sternen erhobene Mensch war Antinous, der Liebling Hadrians.
Die Sternbilder, die alle mythologische Bedeutung hatten und den Seefahrern und Kalendermachern schon früh zur Orientierung dienten, waren zum Teil auch für die wahragende Sternkunde von Bedeutung.
Auch die alten Ägypter besaßen eine eigene astrologische Tradition, die in der griechisch-römischen Zeit weithin Anerkennung fand. Es gibt Belege dafür, dass die Ägypter bereits um 1300 v. Chr. die vier Fixsterne des Tierkreises – Wassermann, Löwe, Stier und Skorpion – kannten.
Doch so beliebt die Astrologie in der Antike auch war, wurde sie immer auch abgelehnt. > Horaz hielt sie für etwas Gottloses, nefas. Die christliche Kirche bekämpfte sie theoretisch. In der Praxis beschäftigten auch Päpste und andere Kirchenfürsten Astrologen. Klöster und Kirchen wurden nach astrologischen Berechnungen gegründet und gebaut. Schließlich verknüpft das Evangelium selbst - in der Sonnenfinsternis beim Tod Christi, bei der Erzählung vom Stern und den Weisen aus dem Morgenland und an vielen anderen Stellen - irdisches Geschehen mit kosmischen Ereignissen. Ebenso blieb an Fürstenhöfen der gute Ruf der A. und der Person des Astronomus erhalten.
Zudem hatten die Araber Astrologie und Astronomie erheblich weiterentwickelt. Durch die Aspektlehre ihrer Schule von Toledo und die jüdischen Kabbalisten war sie zu einem System ausgebildet worden. An den ältesten Universitäten Europas in Bologna und Padua wurden Lehrstühle für Astrologie errichtet.
Schließlich besagt die Zuordnung der Begriffe Astrologie und Astronomie auf den > Astronomus, auch „Astrologus“ und „Mathematicus“ genannt (Bodin, 1580), dass die Beobachtung der naturgesetzlichen Zusammenhänge, des räumlich und zeitlich Messbaren der Astronomie, bis in die Neuzeit hinein mit Fragen der Astrologie nach der Bedeutung für die Menschen verbunden wurde.
Heute lehnen Astronomie und akademische Wissenschaft die A. grundsätzlich ab, obwohl sie im allgemeinen Volksglauben mehr denn je hoch im Kurs ist und sogar in wirtschaftlichen Bereichen, insbesondere im Personalwesen, nicht selten zur Anwendung kommt. Die Tageszeitungen können auf das Horoskop schon aus Absatzgründen nicht verzichten.
Lehre
Die A. lehrt die Entsprechungen zwischen der Gestirnwelt und der irdischen Welt und entwirft von der Sicht der Erde aus ein Bild des Sternenhimmels, das einen sich ständig wiederholenden Kreislauf von 12 am Horizont auf- und untergehenden > Sternzeichen zeigt, den sog. > Tierkreis. Dieser setzt sich also aus der in 12 gleiche Abschnitte von je 30° unterteilten Umlaufbahn dieser Himmelskörper zusammen. Ferner werden 12 > Häuser oder Felder durch die Aufteilung des Himmelsraumes nach unterschiedlichen Methoden berechnet.
Das Kernstück der astrologischen Lehre ist das > Horoskop, in dem im Wesentlichen der Stand von > Sonne, > Mond und Planeten zu einem bestimmten Augenblick in den 12 > Tierkreiszeichen und 12 Häusern festgehalten wird.
Zu den Planeten > Merkur, > Venus, > Mars, > Jupiter und > Saturn wurden noch die erst in jüngerer Zeit entdeckten > Neptun, > Uranus und > Pluto zur Horoskopierung hinzugezogen, während > Chiron und > Lilith erst zur A. des 20. Jhs. gehören.
Ursprünglich diente die Deutung des Sternenhimmels globalen Themen wie Kriegen und politischen Ereignissen oder Entscheidungen. Erst später wurde die astrologische Deutungskunst auf das Leben und den Charakter eines individuellen Menschen angewandt. Zur Deutung der individuellen Persönlichkeit wird das Geburtshoroskop, das sog. > Radixhoroskop, benötigt, während für die Prognose eines Jahresverlaufs im Leben eines Menschen das > Solarhoroskop, das man zum Zeitpunkt des Übergangs der Sonne über ihre Position im Radixhoroskop berechnet, verwendet wird. Zur Berechnung künftiger Ereignisse werden ferner noch die > Progressionen, die > Transite sowie die Berechnung des > Sonnenbogens herangezogen. Über die Deutung von Horoskopen ist seit über zwei Jahrtausenden eine nicht mehr zählbare und keineswegs abgeschlossene Reihe von Schriften verfasst worden.
Jeder Moment am gestirnten Himmel korreliert also mit einem Moment des irdischen Lebens, d. h., jede Planetenkonstellation entspricht sowohl einer geschichtlich einmaligen als auch einer individuellen, menschlichen Situation. Dies stimmt mit dem hermetischen Grundsatz „Wie oben, so unten“ überein. Die Frage ist nun, wie diese Entsprechung zu verstehen ist. Hier stehen sich die Modelle der kausalen Beeinflussung und des analogen Geschehens gegenüber.
Das Makro-Mikrokosmos-Denken impliziert für viele Menschen auf den ersten Blick die schicksalhafte Beeinflussung der Mikrosphäre von Seiten der Makrosphäre. Dem gegenüber steht die Interpretation der astrologischen Entsprechung zwischen Sternenlauf und irdischen Ereignissen als einem parallelen, analogen Geschehen. Hier, auf der Seite des Analogie-Modells, vertritt etwa C. G. > Jung die Auffassung, dass die Sterne das mikrokosmische Geschehen „synchronistisch“ widerspiegeln.
Anlass zur Kritik an der A. bot neben der geozentrischen Sichtweise derselben vor allem das Entsprechungsmodell nach dem Prinzip der Kausalität im Sinne einer völligen Abhängigkeit und Bestimmung. Dieser Idee vom direkten Einfluss der Sterne wurde jedoch durch den bekannt gewordenen astrologischen Grundsatz > astra inclinant, sed non necessitant („die Sterne machen geneigt, zwingen aber nicht“) die Schärfe genommen.
Der Physiker Michel Gauquelin unternahm in jüngster Zeit den Versuch, eine statistische Signifikanz für die Deutung bestimmter Planetenkonstellationen im Geburtshoroskop zu erstellen, d. h. für die Position der Planeten Mars, Jupiter und Saturn sowie des Mondes an der Himmelsmitte, dem > Medium coeli (MC), dem sog. Berufspunkt. Dabei sprach der Mars am MC im Geburtshoroskop eines Menschen für Spitzensportler; Jupiter am MC wies auf Offiziere, Saturn auf Wissenschaftler und Mediziner, während sich der Mond am MC als Schriftsteller-Aspekt entpuppte (Gauquelin, 1973, 200f.; Gauquelin, 1960). Gauquelins Untersuchungen erbrachten jedoch bisher keine allgemein akzeptierten Ergebnisse. Zum schlechten Ruf der A. trugen in neuerer Zeit sicher die Zeitungshoroskope entscheidend bei, weshalb Rudolf Haase für die ernst zu nehmende A. den Begriff > Kosmobiologie vorschlägt (Haase, 105).
Arten
Innerhalb der A. wird unterschieden zwischen medizinischer, meteorologischer, mundaner, operativer, prognostischer, praktischer, psychoanalytischer, revidierter, esoterischer, symbolistischer, individueller, magischer A. und der A. des günstigen Augenblicks. Ferner gibt es die chaldäische, chinesische, indische, islamische, präkolumbianische, jüdische, kabbalistische und sassanidische A. (vgl. Sahihi).
Alltagsleben
Viele Spuren führen im Alltagleben zurück zur A., wie etwa der Stern *, der für „geboren“ steht, die Namen der Wochentage (Sonntag, Montag usw.), Begriffe wie „jovial“ oder „martialisch“, die auf Jupiter und Mars verweisen, und auch engl. disaster gehört hierher. Jeder kennt ferner die Redewendung „etwas steht unter (k)einem guten Stern“.
Neuere Astrologen
Stellvertretend für die bedeutendsten Astrologen des 20. und 21. Jhs. sind zu nennen: Frh. v. > Klöckler, > Reinhold > Ebertin, Thomas > Ring, Fritz > Riemann, Herbert A. > Löhlein, Howard > Sasportas, Stephen > Arroyo und Liz > Greene.
Fundiertheit
Sosehr außer Zweifel steht, dass Kosmos und Sterne auf Pflanze, Tier und Mensch wie auch auf geschichtliche Verläufe einen Einfluss haben, lassen sich diese Einflüsse aufgrund der Komplexität der äußeren und inneren Wirkkräfte in Mensch und Natur nur in Wahrscheinlichkeiten, ähnlich den Wettervorhersagen, angeben. Die mittels Horoskop erstellten Lebens- und Charakterdeutungen des Menschen sind aufgrund der gänzlich unüberschaubaren Einflussfaktoren hingegen als reines Unterhaltungsspiel zu betrachten.

Lit.: Bodin, J.: De la Démonomanie des sorciers. Paris: DuPuys, 1580; Heindel, Max: Die medizinische Astrologie. Warpke-Billerbeck (Hann.): Baumgartner, o. J.; Klöckler, Herbert Frh. v.: Astrologie als Erfahrungwissenschaft. Leipzig, 1927; Sterneder, Hans: Der Schlüssel zum Tierkreisgeheimnis und Menschenleben. München: Drei Eichen Verlag Kissener, 1956; Ring, Thomas: Astrologische Menschenkunde. Bd. 1: Kräfte und Kräftebeziehungen. Freiburg i. Br.: H. Bauer KG Verlag, 21956; Gauquelin, Michel: Les Hommes et le Astres. Paris, 1960; Ring, Thomas: Astrologische Menschenkunde. Bd. 3: Kombinationslehre. Zürich; Stuttgart: Rascher, 1969; Ring, Thomas: Astrologische Menschenkunde. Bd. 2: Ausdruck und Richtung der Kräfte. Freiburg i. Br.: H. Bauer KG Verlag, 21969; Gauquelin, Michel: Astrology and Science. London: P. Davies, 1970; Gauquelin, Michel: Die Uhren des Kosmos gehen anders. Bern u. a.: Scherz, 1973; Ring, Thomas: Astrologische Menschenkunde. Bd. 4: Das lebende Modell. Freiburg i. Br.: Hermann Bauer KG, 1973; Xylander, Ernst von: Lehrgang der Astrologie. Bern: Origo Verlag, 1983; Haase, Rudolf: Der harmonikale Strukturalismus. In: Andreas Resch (Hg.): Kosmopathie. Der Mensch in den Wirkungsfeldern der Natur. Innsbruck. Resch, 21986 (Imago Mundi; 8); Greene, Liz: Schicksal und Astrologie. München: Hugendubel, 1990; Ebertin, R. (Hg.): Anatomische Entsprechungen der Tierkreisgrade: nach einem hinterlassenen Manuskript von Elsbeth Ebertin. Neu bearb., erw. u. erg. von Reinhold Ebertin. Freiburg i. Br.: Ebertin, 1991; Eliade, M.: The Encyclopedia of Religion. New York u. a.: Simon & Schuster, Macmillan, 1995; Riemann, Fritz: Lebenshilfe Astrologie: Gedanken und Erfahrungen. München; Pfeiffer, 182001; Sahihi, Arman: Das neue Lexikon der Astrologie. 1400 Begriffe der Kosmologie, Astronomie, Astrophysik und Astrologie. Genf; München: Ariston, 1991; Sasportas, Howard: Uranus, Neptun, Pluto im Transit. München: Droemer Knaur, 1991; Shepard, Leslie A. (Ed.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. In Two Volumes. Detroit: Gale Research Inc., ³1991; Landscheidt, Theodor: Astrologie: Hoffnung auf eine Wissenschaft? Mit e. Vorwort v. H. J. Eysenck. Innsbruck: Resch, 1994.

Astrologische Edelsteine, Sternzeichen-Edelsteine, also Edelsteine, die bestimmten Tierkreiszeichen zugewiesen werden. Sie sollen die positiven Wesenszüge des Sternzeichens unterstützen. So soll der > Blutstein (Hämatit) seinem Träger zu ruhigem Schlaf, Entspannung und Entkrampfung verhelfen, vor Gefahren warnen und Kraft für die Arbeit geben. > Rubin ist hingegen der Stein der Liebe und des Lebens, welcher seinem Träger wahre Liebe und ehrliche Treue beschert. Die Zuteilungen schwanken je nach astrologischer Ausrichtung verschieden. So lautet eine der Zuweisungen: Widder: Diamant; Stier: Smaragd; Zwilling: Achat; Krebs: Rubin; Löwe: Sardonyx; Jungfrau: Saphir; Waage: Opal, Skorpion: Topas; Schütze: Türkis; Steinbock: Granit; Wassermann: Amethyst; Fische: Blutstein.

Lit.: Newerla, Barbara: Sterne und Steine. Mit Fotos von Wolfgang Dengler. Ludwigsburg: Im-Osterholz-Verl., 1995; Gienger, Michael: Heilsteine und Lebensrhythmen: Stress abbauen, Leistungstiefs beheben, Schlaf und Erholung verbessern, Krankheiten vorbeugen und Gesundheit bewahren. Saarbrücken: Neue Erde, 2005.

Astrologische Häuser. Neben dem > Tierkreis kennt die Astrologie eine weitere zwölffache Einteilung. Beginnend vom Aszendenten wird das Horoskop in 12 Häuser eingeteilt, denen verschiedene Bedeutungen beigemessen werden. Von Interesse ist dabei, welche Tierkreiszeichen und welche Planeten sich in welchen Häusern befinden. Bei dieser Einteilung treten allerdings zwischen den einzelnen Schulen Verschiedenheiten auf, wobei einige auf die Häuser völlig verzichten. Im Gegensatz zu den zwölf Tierkreiszeichen, die sich mit Sonne Mond und Planeten einmal täglich um uns drehen, ändern sich die Positionen der Häuser nicht. Zudem können die Häuser, je nach Jahreszeit, Tageszeit und geographischer Breite, unterschiedlich groß sein. Eine mögliche Konstellation von Haus, Tierkreiszeichen und Lebensbereich zeigt das traditionelle, seit 200 Jahren verwendete Schema der 12 Lebensfragen, welche die Hauptprobleme des Daseins ansprechen:

Haus

Zeichen

Lebensbereich

1. Haus

Widder

Das Ich. Die Grundlagen

2. Haus

Stier

Aufbau. Geld

3. Haus

Zwillinge

Die nahe Welt. Der Weg

4. Haus

Krebs

Heim. Innenleben

5. Haus

Löwe

Liebe. Wünsche

6. Haus

Jungfrau

Arbeit. Gesundheit

7. Haus

Waage

Das Du. Ämter

8. Haus

Skorpion

Das Verborgene. Der Abschluss

9. Haus

Schütze

Die weite Welt. Das Ziel

10. Haus

Steinbock

Umwelt. Leistung

11. Haus

Wassermann

Freundliches. Förderung

12. Haus

Fische

Feindliches. Hemmung

Die angeführten Lebensbereiche stellen einen erweiterungsfähigen Rahmen dar, der einen großen Interpretationsspielraum gibt. Die Kenntnis dieser Möglichkeiten gehört zum Studium der > Astrologie.

Lit.: Egenolf, I.: Kartomantie: Psychotest und Prophetie durch symbolische Karten; Einführung in das „Astromantische Schicksalsspiel“. Geislingen: Bücherei Eugen Grupp, 1951; Mertz, Bernd A.: Das Handbuch der Astromedizin: Gesundheit im Horoskop. Erstaufl. Genf; München: Ariston, 1991; Oppenheimer, Wolfgang: Die Macht der Sterne: Astrologie und Geschichte. München: F. A. Herbig Verlagsbuchhandl., 1994.

Astrologische Kalender, Einteilung der Zeit in Jahre, Monate und Wochen nach dem Stand der Sterne und nicht nach dem arithmetisch-astronomischen Prinzip. Der älteste astrologische Kalender etablierte sich in Ägypten ab 2778 v. Chr. Man erkannte im Aufgang des Sirius den Zusammenhang mit dem bevorstehenden Nilhochwasser. Die vier > Pyramiden basieren auf den vier Himmelsrichtungen, die der Seele des Pharao als Rampe beim Aufstieg zum Himmel dienen sollten, wo er als heller Stern am Nordpol des Himmels zu beobachten sei.
Auf die Babylonier geht die Einteilung in zwölf Tierkreise zurück. In Europa, so wird vermutet, spielte das Heiligtum von > Stonehenge (um 2200 v. Chr.) als oberirdisches astrologisches Zentrum eine wichtige Rolle. Auch die unlängst aufgefundene Himmelsscheibe von Nebra aus etwa 1600 v. Chr., die älteste Sternkarte Europas, zeigt kalendarische Darstellungen, die jedoch noch der Deutung bedürfen.
Je nach Ansatzpunkt, etwa 1. Januar oder 21. März als erstem Tag des Jahres, gibt es verschiedene kalendarische Einteilungen, beispielsweise den solaren und den lunaren Kalender. Als die wichtigsten Kalender im astrologischen Sinne gelten daher der ägyptische (solar), der altgriechische (lunar, später lunisolar), der altrömische (lunar), der altpersische (lunar, später lunisolar), der jüdische (lunisolar), der islamische (lunar), der chinesische (lunisolar), der japanische (lunisolar), jener der Maya (solar) oder der Französischen Revolution (solar).
In diesem Zusammenhang ist auch auf den > Hundertjährigen Kalender zu verweisen.
Das Interesse an astrologischen Kalendern hat im deutschen Sprachraum zu einer Reihe von Veröffentlichungen geführt, von denen Folgende genannt seien: Deutscher Kalender für 1475 bis 1530; Heidelberger Schicksalsbuch Regensburg nach 1491; Discurs Von dem Grossen Stern (1631); Neu zu iedermanns Gebrauch eingerichteter astronomischer, historischer und Schreib-Calender (1746); Lorcher Astrologischer Kalender (seit 1919); Astrologischer Kalender; Huters Neuer Astrologischer Kalender; Astra-Glücks-Almanach; Huters astrologischer Gesundheitskalender; Falken astrologischer Kalender; Schweizerischer astrologischer Kalender; Der Mond weiß es; Schicksalswege; Der neue astrologische Kalender; Der astrologische Kalender vom Naturwissenschaftlichen Institut Ludwigshafen a. Rh.
Am 29. November 1939 schrieb Alfred Rosenberg an Josef Goebbels einen Brief mit dem Ersuchen, die astrologischen Kalender zu verbieten.

Lit.: Bibel der Armen. Speculum humanae salvationis. Canticum canticorum. Ars memorandi. Defensorium virginitatis Mariae. Apocalypsis. Der Endkrist und die 15 Zeichen. Ars moriendi. Regiomontanus: Deutscher Kalender für 1475 bis 1530. Farbmikrofiche-Ed. der Blockbücher der Univ.-Bibliothek München / historische Einf. von Wolfgang Müller. Katalogbeschreibungen und Verzeichnisse der Tafeln von Helga Lengenfelder. Augsburg: Wiener, 1475; 8 Mikrofiches + 1 Textbd. (96 S.); Cod. Pal. germ. 832: Heidelberger Schicksalsbuch Regensburg nach 1491. 1v-27r Kapitel: Astrologischer Kalender nach Regiomonotanus, Blatt: 1v; Kapitel: 259v-271v Traktat zur Prognostik, Blatt: 259v; Discurs Von dem Grossen Stern/ Welcher Den 6. 7. vnd 8. Septembris Newes Calend. dieses jetzo lauffenden 1631. Jahrs Am liechten hellem Tage vnd heiterem Himmel von vielen Mit Verwunderung observirt/ vnd gesehen ist: Darinnen auch andere Astrologische Geheimniß dem verständigen Leser/ zugleich mit entdeckt: Vnd ferner zubetrachten an die Hand gegeben werden / Von einem besonderen Liebhaber der Mathematischen Künste, ... Gestellet vnd in Druck gegeben. [S. l.], 1631; Kalender-Practica, oder Astrologische Muthmassung und General-Beschreibung des Gewitters: auff das Jahr nach der gnadenreichen Geburth unseres Heylandes Jesu Christi. 1712 nachgewiesen. Stolberg: Teutschern, 1712; Neu zu iedermanns Gebrauch eingerichteter astronomischer, historischer und Schreib-Calender: aufs Jahr nach Jesu Christi Geburt ... (Welches ein Gemein Jahr von 365 Tagen ist), worinnen der Planeten Aspecten, Auf- und Untergang, Erwehlungen, Gewitter, Astrologische Prophezeiungen und andere Calender-Sachen befindlich fürs Hertzogthum Schlesien und benachbarte Länder, berechnet und herausgegeben unter Genehmhaltung der Königl. Preußischen Academie der Wissenschaften. 1746 nachgewiesen. Berlin, 1746.

Astrologische Medaillen und Münzen. Seit der Zeit des Hellenismus erscheinen astrale Symbole und Zeichen erstmals auch im Münzbild. Jenes Tierkreiszeichen, das dabei am häufigsten auf Münzen erscheint, ist der Steinbock (lat. capricornus) in Form eines dämonisch-mythischen Wesens: Ziegenkörper mit Fischschwanz. Unter dem ersten römischen Kaiser, Augustus, taucht er plötzlich auf verschiedenen Gold- und Silbermünzen auf.
Das schönste astrologische Denkmal der Antike ist die alexandrinische Serie aller zwölf Tierkreiszeichen auf Drachmen aus der Regierungszeit des Antoninus Pius (130–161). Eine ähnliche Serie wurde nur noch in Indien unter dem Großmogul Jahangir (1568–1627) ausgegeben, wobei die Folge der Tierkreiszeichen sogar als silberne Rupien und goldene Mohure geprägt wurde. Mit dem Ende der Antike verschwanden in Europa die astrologischen Symbole vom Münzbild. Erst mit dem Erwachen eines neuen Interesses für die Astrologie in der Renaissance und im Barock wurden astrologische Symbole nicht mehr länger vorzugsweise auf Münzen, sondern auf Medaillen geprägt. Dabei ging es meist darum, das positive Horoskop von Fürsten darzustellen.
Als im 17. und 18. Jh. durch die Entdeckungen von Kopernikus, Galilei und Kepler die antiken Vorstellungen von Sternenhimmel und Erde im Verhältnis von Sonne und Planeten widerlegt wurden, behauptete die Astrologie weiterhin ihren Platz. So ließ Karl VI. (1711–1740) eine Anzahl von Medaillen mit astrologischen Bezügen schaffen, darunter die berühmte Serie seiner „Planeten-Medaillen“. Ab dem 19. Jh. finden sich kaum noch astrologische Motive auf Münzen. Das neue Aufblühen der Esoterik Ende des 20. Jhs. hat die astrologische Medaillenlandschaft zu einer neuen Marktnische gemacht, die vor allem auf Gesundheit ausgerichtet ist.

Lit.: Numismatik und Astrologie. Tierkreiszeichen im Münzbild. Das Fenster in der Halle der Kreissparkasse Köln. Thema 118 (Januar 1984); Laarß, Richard H.: Das Buch der Amulette und Talismane: [talisman. Astrologie u. Magie; d. ist d. Lehre von d. mag. Kräften d. edlen u. halbedlen Steine, Korallen, Perlen, Metalle, Zahlen, Farben u. Gerüche]. München: Diederichs, 1988.

Astrologische Meditation. Das Horoskop als magisches Hieroglyphengebilde kann erst durch die entsprechende meditative Betrachtung zum Leben gebracht werden. Jedes Element muss erst einzeln und dann synthetisch durchlebt werden, um in ein übergreifendes Verständnis der Persönlichkeit und der Lebenserwartungen des betreffenden Individuums einzumünden. Dabei ist zu bedenken, dass alles, was die heutige Astrologie über den Charakter der einzelnen Planeten, Fixsterne, kosmischen Nebel, die Aspekte, Dekanate und die übrigen Elemente weiß, der Meditationserfahrung der frühen Adepten zu verdanken ist. Es geht hierbei um das intuitive Erfassen des Wesentlichen, womit notgedrungen auch die Unschärfe solcher Meditationen angesprochen ist.

Lit.: Azepes, Maria: Die geheimen Lehren des Abendlandes: die Grundlagen; die Praxis. München: Orbis, 2001.

Astrologische Symbole. Das Bedürfnis,die kosmischen Gesetze und die Harmonisierung der Wechselwirkungen von Himmel und Erde zu kennen, führte in vielen Kulturen zu bildhaften Vorstellungen dieser Entsprechungen. Die dabei entstandenen Bildtypen sind vielfach so ansprechend, dass sie ihre Wirkung bis heute nur selten verfehlten. Jedenfalls ist es in zeichenkundlicher (semasiologischer) Hinsicht bedeutsam, dass in der gesamten „westlichen“ Kultur die astrologischen Symbole für die 7 > Planeten und die 12 > Tierkreiszeichen bereits über Jahrhunderte hinweg unverändert in Verwendung stehen.
Von dieser Einteilung unterscheidet sich die klassische Astrologie Chinas in vielerlei Ansätzen: Dort gibt es 28 Mondstationen und 12 sog. Sternstationen, denen „12 Erdenzweige“ entsprechen. Beide sind nicht mit dem Tierkreis identisch, wenngleich im Mittelalter die Zwölfergliederung auch in China bekannt wurde. Die Beobachtung von fünf Elementen in Zusammenhang mit den 12 Sternstationen führte zu einem Sechziger-Zyklus, nach dessen Verlauf die ursprünglichen Kombinationen wiederkehren. Auch im indischen und indonesischen Raum waren astrologische Systeme bekannt, die mit der Symbolik Altmexikos verglichen wurden, um eine kulturhistorische Beeinflussung der Neuen Welt aus dem asiatischen Raum in vorkolumbischer Zeit nachzuweisen.

Lit.: Bauer, Wolfgang: Lexikon der Symbole. Wiesbaden: Fourier, 121991, S. 279-319.

Astrologischer Tierkreis, Kreisgrafik, die für einen bestimmten Zeitpunkt und Ort die exakten geozentrischen Positionen von Sonne, Mond und Planeten in den „Ziffernblättern“ der Ekliptik und des Häuserkreises abbildet. Anhand dieser Konstellationen werden im Jahres- oder Zeitenverlauf Erfahrungszusammenhänge mit der Lebensgestaltung und Lebenserwartung verbunden. So wird in Indien im Bestreben, in Einklang mit der Natur zu leben, der astrologische Tierkreis auch Erd- oder Medizinrad genannt, wobei Medizin nicht Arznei bedeutet, sondern all das, was den Menschen heil und vollkommen macht.

Lit.: Rudhyar, Dane: Astrologischer Tierkreis und Bewußtsein: eine Interpretation der 360 Tierkreisgrade. Aus dem Amerikan. übers. von Karl Friedrich Hörner. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1992.

Astromantie (engl. astromancy), seherisches Deuten von Gegenwart und Zukunft nach den Sternen, das im Gegensatz zur > Astrologie, dem auf Berechnungen beruhenden Interpretieren von > Horoskopen, steht. Dieser intuitiven und oft meditativen Deutung liegt die wohl seit Menschengedenken bestehende Vorstellung zu Grunde, dass das Geschehen am Sternenhimmel in Beziehung zu den Ereignissen auf der Erde zu sehen ist. Vor allem verunsicherte die Menschen jede Abweichung vom normalen harmonischen Lauf des Himmels (z. B. Sonnen- und Mondfinsternisse), weil dies meist mit schwierigen Zeiten verbunden war. Wenngleich inzwischen die Astrologie die Geheimnisse des Kosmos mittels Berechnungen zu lüften sucht, hat die intuitive Deutung des Sternenhimmels nichts an Erfahrungsgehalt und Faszination verloren.

Lit.: Bogun, Werner: Lexikon der Esoterik: von Astrologie bis Zen. Niedernhausen / Ts.: Falken, 1999.

Astromedizin, Gesundheitspflege und Gesundheitsdiagnostik nach stellaren Konstellationen. Die A. hat eine sehr alte Tradition und fußt wie die > Astrologie auf der Annahme, dass alles miteinander in Beziehung steht und die > Sterne einen Einfluss auf die Gesundheit des Menschen haben. Dabei werden den > Tierkreiszeichen und den Planeten bestimmte Organe und Krankheitsentsprechungen zugeordnet. So wurden in der Antike Kranke, ihrem Tierkreiszeichen entsprechend, mit besonderen Kräutern, Düften und Ölen behandelt.
Die moderne Astromedizin sucht neben den Daten klinischer, psychologischer sowie anderer Diagnose- und Heilverfahren mittels der Astrologie die genetisch vorgegebenen Dispositionen und die Übergänge zwischen den körperlichen, seelischen und geistigen Ebenen aufzuzeigen. Dazu gehört die Deutung der astronomischen Positionen der Gestirne, des Kulminationspunktes (> Medium Coeli = Himmelsmitte) über dem Geburtsort, des > Aszendenten oder Aufgangspunktes, in dem die Gestirne für den Geburtsort aufsteigen.
Die Krankheitsneigungen des Geborenen werden im Tierkreiszeichen und auch bei den anderen Planeten insbesondere auf eine negative Aspektierung des jeweiligen Planeten bezogen. Des Weiteren können alle Planeten im 6. Haus (das Haus für Gesundheit) einen Bezug zu Krankheitsanfälligkeiten haben. Der Körper spiegle die zwölf Tierkreiszeichen wider, die Planeten und > Häuser sollen die Gesundheitsgefährdung erkennen lassen und die > Aspekte die Kräfteverhältnisse aufzeigen. Die Meinungen der einzelnen Autoren unterscheiden sich jedoch oft in wesentlichen Punkten, so etwa in der Beurteilung der Bedeutung der Häuser (Ebertin).
Die Entsprechungen der Tierkreiszeichen zum menschlichen Körper werden kurz folgendermaßen beschrieben: Widder: Gehirnnervensystem; Stier: Drüsen- und Schildknorpelsystem; Zwillinge: Atemsystem; Krebs: Verdauungsorgane; Löwe: Herz- und Blutkreislauf; Jungfrau: Magen, Sonnengeflecht, Bauchspeicheldrüse; Waage: Nieren, Unterbauch; Skorpion: Urogenitalsystem; Schütze: Muskelsystem; Steinbock: Haut und Schleimhautsystem; Wassermann: Blutsystem, Beine; Fische: Faser-Sehnensystem, Atmungsorgane.
Astromedizinische Aussagen sind gleich den astrologischen Deutungen nur als Hinweise zu betrachten und in diesem heiklen Bereich der Gesundheit jeweils einer medizinischen Kontrolle zu unterziehen.

Lit.: Braunger, Günther: Lehrbuch der Astromedizin. München: Hugendubel, 1984; Ebertin, Reinhold: Sterne helfen heilen: Geschichte und Praxis der Astro-Medizin. Freiburg i. Br.: Ebertin, 1995; Mertz, Bernd A.: Das Handbuch der Astromedizin: meine Gesundheit im Horoskop. München: Heyne, 1995; Sklenar, Rudolf: Astro-Medizin als Lebenshilfe: Krankheitsfrüherkennung aus dem Geburtshoroskop. Schäffern: Arcturus Verlag, 2003; Astro-Medizin in psychosomatischer Sicht: das Horoskop als Schlüssel zur Gesundheit. Tübingen: Chiron, 2005.

Astrometeorologie, Wettervorhersage mittels der > Astrologie, Voraussagen von größeren Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Erdbeben, verheerenden Stürmen und Dürreperioden. Bei den Babyloniern bestand die Ankündigung des Wetters durch die Gestirne vor allem in den Farb- und Lichterscheinungen am Himmel. Auf solchen Beobachtungen beruht auch die eine oder andere Wetterregel in unserem Kalender: „Schönes Wetter, wenn Abendrot gleichmäßig den Himmel färbt und Schäfchen hoch über dem Horizont hell gelbrot glänzen“ (Sonnen-Cirkel).
Diese Wetterregeln sind von der Vorstellung getragen, dass sich alles so entwickelt, wie es angefangen hat. Nach den Volkskalendern können die Planeten das Wetter auch als Jahresregenten beeinflussen. Der Einfluss der Sonne auf das Klima und des Mondes auf das Wetter ist gegeben, der Einfluss der Planeten bleibt noch offen.

Lit.: Schneider, Friedrich Adolph: Nachrichten über die Fortschritte der Astrometeorologie. Berlin, 1864; Hellmann, G: Aus der Blütezeit der Astrometeorologie. (J. Stöfflers Prognose für das Jahr 1524). Berlin: Behrend, 1914; Sonnen-Cirkel oder verbesserter Haus-Kalender auf das Jahr ... samt Verzeichnis d. Jahrmärkte. 1914 [1913]. Bern: Stämpfli, 1914.

Astronauten, prähistorische, > Extraterrestrische, die vor Jahrtausenden die Erde zur Vermittlung von Kenntnissen an die ersten Menschen besucht haben sollen. Diese Vorstellungen werden heute von > Ufologie und > Prä-Astronautik weiter verfolgt, denn der Gedanke, dass sich in den Tiefen des Weltalls bewohnte Welten befinden könnten, fasziniert die Menschen bis heute und wird sogar von wissenschaftlicher Seite durch Informationsübermittlungen ins Weltall und durch die Suche nach Botschaften aus dem All aufgegriffen.

Lit.: Norman, Eric: Bibel, Götter, Astronauten. München: Heyne, 1971; Waren die Götter Astronauten? Wissenschaftler diskutieren die Thesen Erich von Dänikens. Lizenzausg. Berlin u. a.: Dt. Buchgemeinschaft u. a., o. J.

Astronomia Magna oder Philosophia sagax, die > Paracelsus auch die ganz scharfsinnige Philosophie der großen und kleinen Welt nennt, beschreibt die vier Urfaktoren allen Geschehens, das auf den Menschen einwirkt, mit vier Astronomien, die von einander völlig verschieden sind: die naturalis astronomia, die natürliche Astronomie, sie kommt aus dem Firmament, ist nach dessen Wesen geschaffen und beinhaltet alles vom Kosmos her Wirkende; die supera astronomia, die obere Astronomie, hat ihre Stätte bei den Himmlischen und umfasst alles, was von Gott und von Christus her wirkt; die astronomia olympi novi, die Astronomie des neuen Olymp, entspringt aus dem Glauben und wirkt durch den Glauben; die astronomia inferorum, die Astronomie der Unterwelt, nimmt ihren Ursprung aus dem Natürlichen des Firmaments und wird allein von den Geistern der Tiefe gebraucht.
Diese Lehre von den vier Astronomien zeigt, wie sehr sich Paracelsus um eine allumfassende Schau aller Ursächlichkeiten und Faktoren eines bestimmten Geschehens in Mensch und Welt bemüht hat.

Lit.: Astronomia Magna, oder Die gantze Philosophia sagax der grossen und kleinen Welt. Hg. von Michael Toxites. Frankfurt/M.: Hieronymus Feyerabend, 1571; Schriften Theophrast von Hohenheim genannt Paracelsus. Ausgewählt und herausgegeben von Hans Kayser. Leipzig: Insel-Verlag, 1921, S. 388; Vogt, Alfred: Theophrastus Paracelsus als Arzt und Philosoph. Stuttgart: Hippokrates-Verl., 1956.

Astronomus steht in alten Quellen auch für „Astrologus“ und bei J. Bodin (1580) auch für „Mathematicus“. Hans Sachs charakterisiert den Begriff mit folgenden Versen:

„So bin ich ein Astronomus
Erkenn zukünfftig Finsternuß
An Sonn und Mond durch das Gestirn
Darauß kan ich denn practiciern
Ob künfftig komm ein fruchtbar jar
Oder Theuwrung von Kriegßgefahr
Und sonst manicherley Krankheit
Milesius des anfang geit“ (aus: Eygentliche Beschreibung, 1568)

Die Astronomie bildete also die theoretische Grundlage der Prognosen, die daher „Practica“ hießen, so auch bei > Paracelsus. Vor der Aufklärung gab es nämlich kaum Astronomen, die nicht astrologisch „praktizierten“. Ein berühmtes Beispiel ist > Kepler. Erst im Barock wurde dann zwischen Astronomie und Astrologie streng unterschieden.

Lit.: Sachs, Hans: Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden, hoher und Nidriger Geistlicher und Weltlicher. Franckfurt / M., 1568; Bodin, J.: De la Démonomanie des sorciers. Paris: DuPuys, 1580.

Astronumerologie, astrologische Bestimmung der Zahlenwerte, eine Richtung in der Astrologie, die auf den Franzosen Dom Guyon zurückgeht. Napoleon war von dessen astrologischen Ratschlägen so beeindruckt, dass er ihn als Bibliothekar in die Tuilerien berief. Dort entdeckte Paul Christian (Pseudonym für Jean-Baptist Pitois, 1811–1877) zufällig ein Manuskript Guyons, welches das gesamte System der kabbalistischen Astrologie enthielt, und wandte sich von da an ganz dem Studium der Geheimwissenschaften zu. Unterstützt von Honoré de Balzac und > Eliphas Levi baute er die Astronumerologie weiter aus. Ausgangspunkt ist der Zahlenwert des „irdischen Namens, der aus einem Sonnen- und Mondwert besteht:

Sonne 1  5   6  9   3  8   8  3  9   6  5   7

 A  B  C  D  E  F  G  H  IJ   K  L  M

 N  O  P  Q  R  S  T  U VW X  Y  Z

Mond   7  1   5  6   9  3   8  8   3  9   6  5

Der Zahlenwert, der auf diese Weise entsteht, wird mit den Zahlenwerten des Tages- und Stundenplaneten verglichen:

Planet    Zahlenwert     Zahlenwert am Nachmittag

Sonne     1                    4
Mond       7                   2
Jupiter     3                   3
Venus     6                    6
Mars       9                    9
Merkur    5                    5
Saturn    8                    8

Die Übereinstimmung der Zahlenwerte bedeutet Glück.

Lit.: Bell, Pam: Astronumerology: Your Key to Empowerment Using Stars and Numbers /Jordan Simon. New York: Avon Books, 1998.

Astrophysische Erscheinungen, angebliche Einflüsse der Gestirne auf den Bios, den Organismus des Menschen, wie etwa des > Mondes auf die Libido, die Menstruation, den Geburtszeitpunkt. Mit diesen Einflüssen befasst sich die > Kosmobiologie.

Lit.: Resch, Andreas: Kosmopathie: der Mensch in den Wirkungsfeldern der Natur. Innsbruck: Resch, 21986 (Imago mundi; 8); Lexikon der Psychologie: in fünf Bänden. Erster Band: A bis E. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag, 2000.

Astropsychische Erscheinungen, angebliche Einflüsse der Gestirne auf die Psyche und das Verhalten des Menschen, wie etwa des > Mondes auf die Libido und den > Somnambulismus sowie > ASW.

Lit.: Resch, Andreas: Kosmopathie: der Mensch in den Wirkungsfeldern der Natur. Innsbruck: Resch, 21986 (Imago mundi; 8); Lexikon der Psychologie: in fünf Bänden. Erster Band: A bis E. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag, 2000.

Astroskopie, Beobachtung der Gestirne durch das Fernrohr (veraltet), astrologisch: die Sternseherkunst.

Astrosophie, die Lehre von den kosmologischen Mysterien, welche in den Entsprechungen des Sternenhimmels und deren Bezug zu Pflanze, Tier und Mensch (> Makro-Mikro-Kosmos) ihren Niederschlag finden. Die frühen Zivilisationen fühlten sich eingebettet in das Wirknetz der Sternenkräfte und stimmten ihr Leben danach ab. Alles, was die heutige Astrologie über den Charakter der einzelnen Planeten, Fixsterne, kosmischen Nebel, die Aspekte, Dekanate und die übrigen kosmischen Elemente weiß, ist eine Frucht der meditativen Betrachtung des Kosmos der frühen Kulturen. Der Nachvollzug dieser Erkenntnisse eröffnet sich nur in der intuitiven Meditation, die das Wesentliche zu erfassen vermag, auch wenn sie ihre Ausführungen meist nicht mit logischen Argumenten untermauern kann. So ist die A. auch für das Verständnis des exakt erstellten und berechneten > Horoskops unentbehrlich, ist doch das Horoskop ein einziges magisches Hieroglyphen-Kompositum. Jedes Element muss zunächst einzeln und dann erst synthetisch durchlebt werden, um durch diese meditative Betrachtung schließlich im Endergebnis Charakter und Karma des betreffenden Individuums zu erfassen. Das gesamte Vokabular der Astrologie bedient sich der astrosophischen Sprache.

Lit.:  Falck-Ytter, H.: Kosmos und Apokalypse: Stufen der Sternenschrift in Astrologie, Astronomie und Astrosophie / Geleitwort von Heinz Herbert Schöffler. Stuttgart: Mellinger, 21994;  Szepes, Mária: Die geheimen Lehren des Abendlandes: die Grundlagen; die Praxis. München: Orbis, 2001, S. 265–278.

Astrotherapie, auch klinische Astrologie genannt, ist der Versuch, astrologische Aspekte in die klinische Psychotherapie einzubauen. Vor allem das Interesse von C. G. > Jung für die > Astrologie hat dieses Bemühen gefördert. So begann Dane Rudhyar bereits in den 1930er Jahren damit, Jungsche Psychologie in die Astrologie zu integrieren.

Lit.: Rudhyar, Dane: Astrologie der Persönlichkeit. München: Hugendubel, 1979; Szanto, Gregory:  Astrotherapy: Astrology and the Realization of the Self. London; New York: Arkana, 1987.

Astrum, kosmische Einprägung, hervorgerufen vom äußeren Himmel durch die Gestirnkonstellation der Geburtsstunde, die sich nach > Paracelsus innerkörperlich einen eigenen „Himmel“ schafft und sich seelisch als Charakterbedingtheit auswirkt.

Lit.: Jacobi, Jolande: Paracelsus: Arzt und Gottsucher an der Zeitenwende; eine Auswahl aus seinem Werk. Mit einer Einführung von Gerhard Wehr. 2., überarb. u. erw. Aufl. Olten; Freiburg i. Br.: Walter, 1991.

Astrum Argenteum > A. A.

Astvat-ereta (awest., „verkörpertes Recht“), dritter und letzter der > Saoshyant, auch selbst Saoshyant genannt, wird gegen Ende der Welt herrschen (11970-12000). Seine Mutter wird die Jungfrau Ard-bad (bzw. Vispa-taurvairi, „Allesüberwinderin“) sein. Sie wird beim Baden im See Kasaoya durch einen schwimmenden Samenfaden > Zoroasters schwanger. Zur Geburt des A. steht die Sonne 30 Tage still. Die eigentliche Geburt leitet Frasho-kereti ein und gleichzeitig das Ende der 12.000-jährigen Weltperiode. Alle, die A. dabei mit seinen sechs in alle Richtungen blickenden Augen ansieht, erlangen die Unsterblichkeit.

Lit.: Hinneells, John R.: Persian Mythology. London: Hamlyn, 1973.

Asura (sanskr.), etymologisch mit dem iranischen ahura verwandt, bezieht sich asura in den älteren Teilen des > Rigveda auf den höchsten Geist, wie bei dem zoroastrischen > Ahura Mazda, oder auf vedische Gottheiten (> Devas). In jüngeren vedischen Texten und in der Hindu-Mythologie sind Asuras > Dämonen oder > Titanen, die gegen die Devas kämpfen. A. sind nicht notwendigerweise böse oder Devas gut. Sie bilden eine Wesenseinheit und unterscheiden sich durch ihrer wechselseitige Gegnerschaft, die sich jedoch nicht in einem absoluten ethischen > Dualismus niederschlägt.
Im Sinne einer „guten“ Existenzweise bezeichnen Asuras die niederen Götter und im Sinne der „schlechten“ Existenzweise die Feinde der Götter. Sie gehören dem Bereich des sinnlichen Begehrens (> Triloka) an. In der Klassifizierung vieler südbuddhistischer Schulen fehlen sie gänzlich.

Lit.: Bradke, Peter von: Dyâus Asura, Ahura Mazdâ und die Asuras: Studien und Versuche auf dem Gebiete alt-indogermanischer Religionsgeschichte. Halle: Niemeyer, 1885; Doniger, Wendy: The Origins of Evil in Hindu Mythology. 1. Indian ed., repr. Delhi: Motilal Banarsidass, 1988; Hale, Wash Edward: Ásura in Early Vedic Religion. Delhi: Motilal Banarsidass, 1999.

Asvamedha (skrt.), rituelles Pferdeopfer. Bezeichnet das bedeutendste vedische Ritual, das von Königen als symbolische Darstellung ihrer höchsten Macht und Autorität, bisweilen auch für solche Gelegenheiten wie die Geburt eines Sohnes, durchgeführt wurde, um die Nachfolge zu sichern. Es durfte nur von einem siegreichen König vollzogen werden, der damit die Würde eines Weltenherrschers erlangte. Der A. strahlte auf das gesamte Königreich aus, denn er beseitigte alle Unreinheiten und sicherte Fruchtbarkeit und Wohlstand im ganzen Land. Das eigentliche Ritual dauerte drei Tage.

Lit.: Eliade, Mircea: Von der Steinzeit bis zu den Mysterien von Eleusis. Geschichte der religiösen Ideen . Bd. 1. Freiburg: Herder, 61990.

Asvin(s) > Ashvin(s).

ASW > Außersinnliche Wahrnehmung.

ASW, wandernde, > wanderndes Hellsehen (eng. travelling clairvoyance, distance viewing), Auffinden einer entfernten Person, eines entfernten Ereignisses, Gegenstandes oder Sachverhaltes in wandernder visionärer Schau. Berichte von wanderndem Hellsehen kommen aus dem Schamanismus, dem Leben der Heiligen, der Arbeit von Sensitiven und aus der Hypnose. So demonstrierte F. A. > Mesmer das wandernde Hellsehen, indem er der Versuchsperson in Hypnose den Auftrag gab, zu einem fernen Platz zu wandern und die aktuellen Ereignisse dort zu beschreiben. Ähnliche Erlebnisse ereignen sich auch bei der > Außerkörperlichen Erfahrung, beim > Hellsehen auf Distanz und beim > Fernheilen.

Lit.: Fodor, Nandor: Encyclopaedia of Psychic Science. U. S.: University Books, Inc., 1966; Grattan-Guinness, Ivor (Hg.): Psychical Research: A Guide to Its History, Principles and Practices. Wellingborough, Northamptonshire: The Aquarian Press, 1982; Nash, Carroll B.: Parapsychology: the Science of Psiology. Springfield, Il.: Charles C. Thomas, 1986.

Aswattha (skrt.), mystischer Baum der Erkenntnis, des kosmischen Lebens und Seins, der mit den Wurzeln nach oben und mit den Zweigen nach unten wachsend dargestellt wird. Die Wurzeln versinnbildlichen die unsichtbare Welt des Geistes und die Zweige das sichtbare kosmische Universum.

Lit.: Werner, Helmut: Lexikon der Esoterik. Wiesbaden: Fourier, 1991.

ASW-Kanal, Bezeichnung für das System der Informationsübermittlung bei der Außersinnlichen Wahrnehmung (> ASW). Die Deutungen dieses Übertragungssystems reichen von unbekannter Energie, Ausstrahlung und Exkursion bis hin zu einem Welt-Informationsnetz ähnlich dem Telefon. Im Grunde sind dies alles nur Annahmen ohne jede wissenschaftliche Verifizierung.

Lit.: Bonin, Werner F: Lexikon der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete. Bern; München: Scherz, 1976.

ASW-Karten, auch Zener-Karten genannt, spezielle Spielkarten, die vom Wahrnehmungspsychologen Karl > Zener für J. B. > Rhine zum Testen der > Außersinnlichen Wahrnehmung entwickelt wurden. Ein Paket enthält 25 Karten, wobei jede eines der fünf Symbole trägt: Kreis, Kreuz, Quadrat, Stern und Welle, die also je 5 fünfmal im Paket vertreten sind. Die Karten wurden seit den 1930er Jahren zur ASW-Forschung an der Duke University eingesetzt. Versucht jemand die Reihenfolge der Zeichen in einem vorher gemischten Spiel zu erraten, so ist nach statistischer Erwartung mit 5 Treffern zu rechnen. Die bewusst abstrakt gewählten Zeichen erwiesen sich statistisch als sehr brauchbar, für die ASW-Stimulation jedoch als zu emotionsfrei.

Lit.: Rhine, J. B.: Parapsychologie: Grenzwissenschaft der Psyche; das Forschungsgebiet der außersinnlichen Wahrnehmung und Psychokinese. Methoden und Ergebnisse. M. e. Einf. v. Hans Bender. Bern; München: Francke, 1962.

ASW-Test > ASW-Karten.

Asyl (griech. ásylon, Freistätte, als Attribut zu hierón, heilig), Zufluchtsort, an dem Bedrohte vor ihren Verfolgern Schutz und Sicherheit finden, von welchem man Lebewesen und Sachen (a ) nicht (sylon) wegbringen darf. Ein asylos topos war somit ein heiliger Ort, an dem es verboten war, Personen oder Sachen wegzuführen. Hier spiegeln sich Anschauungen von einer Teilung der Wirklichkeit in heilig und profan wider. Diese Anschauungen finden sich weltweit. So waren im klassischen Griechenland die Heiligtümer grundsätzlich Stätten, zu denen der Schutzsuchende seine Zuflucht nehmen konnte. Im Alten Testament wurden ganze Städte zu A. erklärt, insbesondere boten die „Hütte des Herrn“, der > Altar und die > Altarhörner Asyl. In Rom wurde ein Asylrecht erst in der Kaiserzeit in Ansätzen für Sklaven bekannt, die sich in Kaisertempel oder zu Kaiserstatuen flüchteten; doch wurde jemand, der zu den Kaiserstatuen floh, erst 386 durch ein Gesetz für 9 Tage geschützt.
Von Seiten der Kirche wurde auf dem Konzil von Orange 441 festgelegt, dass Asylsuchende nicht ausgeliefert werden dürften. Vom Mittelalter bis zum 18. Jh. spielte das auch heute noch von der Kirche beanspruchte Asylrecht der Kirchen, Kirchhöfe, Pfarrhöfe und Klöster eine segensreiche Rolle. Mit der Zeit nahm die Kirche immer mehr strafbare Handlungen vom Asylrecht aus.
A. war nicht nur Haus der Zuflucht vor der verfolgenden Behörde, sondern auch vor möglichen zauberischen Bedrohern, wie verfolgenden Hexen, Toten, Wilde Jagd.
In der Magie ist der „Zauberkreis“ das Asyl gegen die eindringenden Dämonen.

Lit.: Bindschedler, R. G.: Kirchliches Asylrecht (Immunitas ecclesiarum localis) und Freistätten in der Schweiz. Stuttgart: Enke, 1906; Luther, Martin: Traktat über das kirchliche Asylrecht. Aus dem Lat. ins Dt. übers. und hg. von Barbara Emme. Regensburg: Emme, 1985; Cancik, Hubert / Gladigow, Burkhard / Laubscher, Matthias (Hg.): Handbuch religionswissenschaftlicher Grundbegriffe. Band II. Apokalyptik – Geschichte. Stuttgart u. a.: Kohlhammer, 1990, S. 91–96; Herler, Georg: Kirchliches Asylrecht und Kirchenasyl im demokratischen Rechtsstaat. Würzburg, Univ., Diss., 2000.

Asyse > Asase.

Aszendent ( lat. ascendere, aufsteigen, wörtlich „der“ oder „das Aufsteigende“, kurz AC), das zur Minute der Geburt am östlichen Horizont aufsteigende > Tierkreiszeichen oder genauer: der Grad des aufgehenden Zeichens, d. h. der Schnittpunkt von Ekliptik und Horizont im Ostpunkt. In der Horoskop-Interpretation nimmt der A. eine Schlüsselstellung ein, weil er der persönlichste, individuellste, sich am schnellsten verschiebende Punkt ist – alle vier Minuten steigt ein neuer Grad auf. Dadurch symbolisiert er eine zur Zeit der Geburt „abgestoppte Weltsekunde“, von der aus „die Fahrt ins Leben“ startet (Löhlein, 122). Der A. ist die „Seele des Horoskops“ (Sahihi, 41). Bei Zwillingen ist dieser Unterschied im Geburtshoroskop der einzig relevante. Er erklärt auch, dass zwei Menschen, die am selben Tag und Ort geboren sind, nur extrem selten auch das gleiche Horoskop teilen.
Der A. hat eine ähnlich starke Bedeutung wie der Stand der Sonne und des Mondes, ja bildet mit ihnen die drei Stützpfeiler eines Horoskops. Er symbolisiert den Beginn des Lebens, den Ursprung der menschlichen Persönlichkeit. Die Deutung des A. bezieht sich jedoch nicht nur auf die Persönlichkeit, sondern auch auf die Erscheinung und Konstitution des Menschen. Ebenso zeigen sich Temperament und wesentliche, grundlegende Charakterzüge im A. Der A. als Zeichen der ursprünglichen Persönlichkeit ist der Ich-Punkt des Horoskops, dem im Tierkreis der Du-Punkt oder Partner-Punkt, der > Deszendent, im Abstand von 180° gegenübersteht.
Der A. bestimmt die Einteilung der > Häuser des Horoskops.

Lit.: Löhlein, Herbert A.: Handbuch der Astrologie. München: Lichtenberg, 1977; Sahihi, Arman: Das neue Lexikon der Astrologie. 1400 Begriffe der Kosmologie, Astronomie, Astrophysik und Astrologie. Genf; München: Ariston, 1991; Haddenbach, Georg: Der Aszendent im Horoskop: sich und andere besser verstehen. München: Goldmann, 2005.



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