Arvalbrüder

Arvalbrüder (lat. fratres arvales), römisches Zwölferkolleg von Priestern der römischen Fruchtbarkeitsgöttin > Dea Dia, wurden ursprünglich „Brüder des Ackers“ (arvum, Feld, Acker) genannt. Sie verehrten die Göttin in ihrem heiligen Hain, dem lucus, der am fünften Meilenstein der Via Campana am rechtsseitigen Tiberufer gelegen war. Ihr zu Ehren begingen sie jeden Mai ein Fest mit ländlichen Riten, Opfern, Wagenrennen und Gesängen und einem altertümlichen rituellen Flurumgang. In dem inschriftlich bekannten und völlig unverständlichen Kultlied „carmen arvale“, dem ältesten erhaltenen römischen Literaturdenkmal, riefen sie die > Laren und > Mars an:

enos Lases iuvate
enos Lases iuvate
enos Lases iuvate
neve lue rue Marmar sins incurrere in pleoris
neve lue rue Marmar sins incurrere in pleoris
neve lue rue Marmar sins incurrere in pleoris
satur fu, fere Mars, limen sali, sta berber
satur fu, fere Mars, limen sali, sta berber
satur fu, fere Mars, limen sali, sta berber
semunis alterni advocapit conctos
semunis alterni advocapit conctos
semunis alterni advocapit conctos
enos Marmor iuvato
enos Marmor iuvato
enos Marmor iuvato
triumpe triumpe triumpe triumpe triumpe

Bei den Kulthandlungen trug man Togen mit Purpursaum. Die Verwendung von Eisen war verboten. Der Kult ist sehr alt und war schon in den Zeiten der römischen Republik (nach 500 v. Chr.) kaum mehr verständlich.
Ursprünglich sollen die zwölf Priester Söhne der > Acca Larentia gewesen sein, der Geliebten des Herkules, Gemahlin des Faustulus und angeblichen Amme des Romulus. Nachdem die kultische Vereinigung in den republikanischen Zeiten immer mehr an Bedeutung verloren hatte, wurde sie durch Augustus wiederbelebt. Die Arvalbrüder legten ihr Gelübde nunmehr vor der kaiserlichen Familie ab. Das Kollegium bestand aus Patriziern, die sich einen magister (Lehrmeister) zum Sprecher wählten. Neben ihm wirkte der > Flamen (plur. flamines), ein besonders hervorgehobener Priester.
Die Kaiser und einzelne Angehörige ihrer Familien waren Mitglieder des Kollegiums, so z. B. Tiberius Julius Caesar Nero, genannt Tiberius Gemellus, ein Vetter des berüchtigten Caligula. Die Aufzeichnungen der Kulthandlungen (acta) sind teilweise inschriftlich erhalten. Erst mit dem ausgehenden 3. Jh. verlor der Kult wieder an Bedeutung.

Lit.: Edelmann, Babett: Arvalbrüder und Kaiserkult. Zur Topographie des römischen Kaiserkultes. In: Hubert Cancik (Hg.): Die Praxis der Herrscherverehrung in Rom und seinen Provinzen. Tübingen: Mohr Siebeck, 2003, S. 189–205.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1