Artus, König

Artus, König (engl. King Arthur), sagenhafter König von England, auf den möglicherweise schon der hl. Gildas, ein britischer Autor des 6. Jhs., in seinem Werk De excidio et conquestu Britanniae (§ 26), das 540 oder früher entstanden ist, verweist. Namentlich wird A. zuerst bei Nennius erwähnt, der in seiner Historia Britonum, die auf 800 datiert wird, von einem “dux bellorum Arthur”, von einem Führer der christlichen Briten in zwölf siegreichen Schlachten gegen die heidnischen Sachsen spricht (§ 50). Aus den Annales Cambriae im 10. Jh. geht hervor, dass A., nachdem er seinen Gegner Mordred getötet hatte, in einer Schlacht bei Camlan im Jahr 537 fiel. Der walisische Geschichtsschreiber, Magister, Priester und Bischof Galfred (engl. Geoffrey, walis. Sieffre) von Monmouth (ca. 1090/1100–1155) berichtet im 12 Jh. die A.-Sage, wie sie in Wales bekannt war, und entwirft das glanzvolle Bild um König A., seinen Hof in Camelot und seine berühmte Tafelrunde. In seinem historischen Roman Historia regum Britanniae ist A. der Sohn des Königs Uther Pendragon und seiner Frau Igraine bzw. Igerna. Der berühmte Zauberer > Merlin hatte ihm zu dieser Ehe verholfen, denn Igraine war eigentlich die Ehefrau des cornischen Dukes Gorlois. A.s’ Eroberungen erstreckten sich auf Irland, Island, Gotland, die Orkney Inseln, Norwegen, Gallien und Rom; er kämpfte gegen Riesen und Monster, wurde jedoch schließlich tödlich verwundet und von dem Zauberer Thelgesin und einigen seiner Kollegen unter der Führung von Berinthus auf die Insel > Avalon bzw. Avillion entführt, die in der keltischen Mythologie das Jenseits, das hinter dem Meer liegt, darstellt. Dort lebt und herrscht die heilkundige > Morgan mit ihren acht jüngeren Schwestern. Sie verspricht, A. zu heilen und öffnet damit dem Glauben an eine Rückkehr des Königs die Tür. „Wie die Sonne am Morgen wird er zurückkehren, um das keltische Reich Britanniens erneut zu errichten“ (Lück, 39).
Berühmt wurden A.s’ Schwert > Excalibur, lat. caliburnus, made in Avalon, das ihn unverwundbar machen sollte, sowie sein Hund Cavall. Ebenfalls kursieren zahlreiche Geschichten um die Ritter der Artusrunde, wie z. B. um Gauvain, so auch in Verbindung mit dem Heiligen > Gral.
Die Literatur um König A. wirft viele Fragen um einen zugrunde liegenden historischen Kern der heldenhaften Führerpersönlichkeit auf. Möglicherweise lebte im 6. Jh. tatsächlich eine entsprechende historische Persönlichkeit, deren Leben sich im Laufe der Zeit mit romantisch-okkulten Legenden vermischte (Shepard).
In der englischen Vorstellungswelt spielt König A. vielleicht die größte Rolle (Shepard) und hat im Laufe der Jahrhunderte viele bedeutende Geister, so etwa Sir Thomas Malory (um 1420?–1471) und Lord Alfred Tennyson (1809–1892), bis hin zu den zeitgenössischen Autoren inspiriert. Doch auch in Frankreich, wo Chrétien de Troyes (ca. 1140–1190) den Anfang des europäischen Artusromans setzte, in Deutschland, Italien, Portugal und Spanien, in Holland, Wales, Irland und Skandinavien sowie in der hebräischen und jiddischen Literaturwelt ist der sagenhafte Bericht von König A. auf fruchtbaren Boden gefallen.

Lit.: De Troyes, Chrétien: Arthurian Romances. London, 1914; Faral, E.: La légende arthurienne. Études et documents, 3 Bde. (Bibl. Éc. Htes. Etudes, fasc. 255–57), 1929; Gray, Louis Herbert / Moore, George Foot (Eds.): The Mythology of All Races. In thirteen volumes. New York, 1964. Vol. 3 Celtic, by John Arnott Macculloch, and Slavic, by Jan Máchal; Geoffrey von Monmouth: Vita Merlini, ed. B. Clarke, 1973; Briggs, Katharine Mary: A Dictionary of Fairies, Hobgoblins, Brownies, Bogies and Other Supernatural Creatures. London: Allen Lane, Penguin Books Ltd., 1976; Shepard, Leslie A. (Ed.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. In Two Volumes. Detroit: Gale Research Inc., ³1991; Geoffrey von Monmouth: Historia regum Britanniae, ed. E. Faral, 1929, ed. A. Griscom, 1929, ed. J. Hammer, 1951, ed. N. Wright, 1985, engl. Übers. L. Thorpe, 1966; Lück, Marita: Im Zauberkreis der Feen. Die keltischen Kinder der Natur. Zürich; Düsseldorf: Walter Verlag, 1997; Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters, Bd. 1–6. München; Zürich: Artemis, 1980 ff., Bd. 7–9, München: LexMA 1995ff., Registerbd. Weimar, Stuttgart: J. B. Metzler 1999.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1