Aronstab

Aronstab (Arum maculatum L.), eine laut Volksetymologie namentlich an den Hohepriester > Aaron anknüpfende Heilpflanze mit pfeilförmigen, bräunlich gefleckten Blättern und kolbenförmigem, violettem Blütenstand. Der A. soll an der Stelle entstanden sein, wo Aaron seinen Wanderstab in den Boden steckte. Die wegen ihres unangenehmen Geruchs auch Stinkblume und wegen ihrer korallenroten Beeren auch Korallenwurz genannte Pflanze hat nicht zuletzt wegen ihrer markanten Form Anlass zu äußerst vielfältigen Bezeichnungen gegeben, die von Kerzenleuchter, Kalbsfuß und Eselsohren über Puppele, Männle und Heidenpuppen bis zu Drakenschwanz, Pfaffenzagel und Schwengelblume reichen. Als Lungenkraut bei Lungenerkrankungen, als Zehrwurz bei Auszehrung, d. h. Schwindsucht, als Fieberwurzel, als Bruchwurtz und Magenwurzel, ja sogar als Fresswurz diente der A. Seiner Wurzel sagt man > aphrodisische Wirkung nach.
Im Mittelalter wurde der A. als psychoaktiver Zusatzstoff zum Wein benutzt (Rätsch, 536). Dem stark giftigen, Alkaloide und Saponine enthaltenden A. werden allerlei Zauberkräfte nachgesagt, so das Abwehren von > Gespenstern und Unholden. Aus diesem Grund legt man Kindern die Blüte in die Wiege oder vergräbt sie unter der Hausschwelle (Magister Botanicus; Schöpf). „Im Geheimen unter das Kopfkissen gelegt, erregt der Knollen glückbringende Träume“ (Höfer und Kronfeld, 22).

Lit.: Höfer, F. / Kronfeld, M.: Die Volksnamen der niederösterreichischen Pflanzen. Wien 1889; 1894; Marzell, Heinrich: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Bd. 1. Leipzig: Hirzel, 1943; Magister Botanicus: Magisches Kreutherkompendium. Speyer: Die Sanduhr, ²1995; Rätsch, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Aarau, CH: AT, 1998.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1