Arnheimer Mirakelbuch

Arnheimer Mirakelbuch. Das Arnheimer Mirakelbuch geht auf den hl. Eusebius zurück, dessen Reliquien 1453 nach Arnheim im Gelderland, Niederlande, kamen, dessen zweiter Stadtpatron er um 1450 wurde. Das Mirakelbuch ist, zwei unvollständige Editionen aus dem 20. Jh. ausgenommen, nur handschriftlich überliefert. Es befindet sich in einem Sammelkodex, der als Handschrift 191 in der Handschriftensammlung des Reichsarchivs von Gelderland in Arnheim aufbewahrt wird. Die Papierhandschrift, die insgesamt 52 Blätter zählt und in einem Pergamentumschlag des 16. Jhs. steckt, besteht aus drei von verschiedenen Händen geschriebenen Teilen. Der erste Teil enthält eine mittelniederländische Vita des heiligen Eusebius, der zweite und umfangreichste Teil das Mirakelbuch und der dritte eine mittelniederländische Vita des hl. Bonifatius. Ein Hinweis auf Bethanien lässt vermuten, dass die Handschrift, jedenfalls der 3. Teil, im Kloster Bethanien bei Arnheim geschrieben wurde.
Der zweite Teil, das Mirakelbuch, umfasst 22 Blatt im Oktavformat und ist nahezu zur Gänze von einer Hand in Hybridschrift geschrieben; nur das letzte und ausführlichste Mirakel ist von anderer Hand in Textualisschrift hinzugefügt. Das Buch wird auf 1500 datiert. Es könnte eine Kopie sein, doch fehlt von einer Urschrift jede Spur. Die 32 angeführten Gebetserhörungen sind, mit Ausnahme der letzten, nach folgendem Muster abgefasst: 1) der Notleidende wird vorgestellt; 2) die Not oder die Krankheit wird beschrieben; 3) der Notleidende denkt an den heiligen Eusebius, betet zu ihm und verspricht eine Wallfahrt; 4) das Gebet wird erhört, die Krankheit wird geheilt und die Not aufgehoben; 5) der Begnadete löst sein Versprechen ein und macht eine Wallfahrt.
Die Mirakel umfassen Fälle von Ertrinken, Ersticken, Lähmung, Blindheit, Stummheit, Taubheit, Schwellungen, Blutungen, einen Schlaganfall, eine Halskrankheit und eine Herzkrankheit. Es gibt aber auch andere Mirakel, wie die Rettung vor einem Überfall und einer Gefangennahme und die Heilung einer zerbrochenen Freundschaft.

Lit.: Slempkes, J. A./Oltmans, Alb.: Sagen en sproken van het aoude Geltre. Fluisteringen – Angstgedachten – beeldingsgaven – bijgeloof, Bd. I. Zutphen, 1932, S. 80–98; Alberts, W. Jappe: Der verering van Sint-Eusebius, Archief voor de geschiedenis van de katholieke kerk in Nederland 4 (1962), S. 1–9; Nissen, Peter J. A.: Niederländische Orakelbücher aus dem Spätmittelalter. In: Peter Dinzelbacher/Dieter R. Bauer (Hg.): Volksreligion im hohen und späten Mittelalter. Paderborn u. a.: Schöningh, 1990, S. 291–305.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1