Arme Seelen

Arme Seelen, nach katholischer Lehre Verstorbene, die in der Freundschaft Gottes gestorben, aber noch nicht vollkommen geläutert sind und deshalb nach dem Tod eine Läuterung durchmachen, um die Heiligkeit zu erlangen. Diese abschließende Läuterung wird Purgatorium, > Fegefeuer, genannt. Die Seelen im Fegefeuer können mit den Lebenden in Verbindung stehen, wie auch die Lebenden mit ihnen. Das Los dieser Seelen wurde zuweilen mit drastischen Bildern der Sühne in Feuerflammen oder Verlassenheit und Einsamkeit ausgemalt, im Grunde handelt es sich um eine progressive persönliche Reifung hin zur Vollendung.
Nach dem Volksglauben sind die A. S. Verstorbene, die schwer leiden, keine Ruhe finden, die Menschen vielfältig bedrängen, aber auch Seelen, die noch stark erdgebunden sind und um Friedhöfe, Kirchen und Häuser der Hinterbliebenen streifen. Sie können sich den Lebenden durch Zeichen und > Erscheinungen, durch > Spuk, aber auch durch Mitteilungen in Träumen und medialen Sitzungen kundtun. Bevorzugt lassen sie sich zu Festen wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten sehen, weshalb man ihnen früher an diesen Tagen gerne eine Schüssel mit Milch und Brei hingestellt hat. Ihre Erscheinungsform variiert und lässt sie nicht nur als menschliche Wesen, sondern mitunter in Tiergestalt oder als Irrlichter auftreten. Auch als > Poltergeister können A. S. nach traditionellem Verständnis herumspuken.
Die Berichte über solche Erlebnisse sind so zahlreich, dass daran nicht gezweifelt werden kann. Ob dabei wirklich die Armen Seelen im Spiel waren, lässt sich allerdings wissenschaftlich weder beweisen noch verneinen. Von den vielen Berichten seien hier nur zwei herausgegriffen: Die süddeutsche Prinzessin Eugenie von der > Leyen hat in ihrem Buch Meine Gespräche mit Armen Seelen ihre Tagebucheintragungen aus den Jahren 1921–1929 veröffentlicht. Maria > Simma hat ihre diesbezüglichen Erfahrungen in Meine Erlebnisse mit den Armen Seelen niedergeschrieben.

Lit.: Roesermueller, Wilhelm Otto: Vergeßt die Armen Seelen nicht! Berichte über spontane und experimentelle Manifestationen armer Seelen; e. christl.-relig. u. parapsych. Studie, geboten anhand v. Erlebnisschilderungen d. Forscher Pater Wolfgang Maria Frhr. v. Gruben, Bruno Grabinski, Pater Prof. Dipl.-Ing. J. Brik, Prof. der Theologie Dr. Harald Nielsson, Psychiater Dr.med. Carl Wickland u. a. m. Nürnberg: Selbstverlag, 1957; Simma, Maria: Meine Erlebnisse mit Armen Seelen. Aschaffenburg: Pattloch, 71971; Bonin, Werner F.: Lexikon der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete. Frankfurt/M.: Fischer, 1981; Von der Leyen, Eugenie: Meine Gespräche mit Armen Seelen / M. e. Editorial von Arnold Guillet; Kommentar v. Peter Gehring. Stein am Rhein: Christiana-Verlag, 41985; Zahlner, Ferdinand: Paranormologie und christlicher Glaube, in: Grenzgebiete der Wissenschaft 37 (1988) 2, 99–110.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1