Ares

Ares, Gott aus der griechischen Mythologie, der ursprünglich von thrakischen, „barbarischen“ Stämmen verehrt wurde. Sein Name wurde mit „der Schreier“, „der Ungestüme“ oder mit „Schädiger, Strafer, Rächer“ übersetzt (DNP), was bereits seine Natur einer dämonischen Schadensmacht durchscheinen lässt. Er ist der Sohn von > Zeus und > Hera und der legitime Partner der > Aphrodite, mit der er die ganz ihrer Mutter entsprechende Tochter > Harmonia zeugt. Zusammen mit Oretre hat A. aber noch eine andere Tochter, Penthesileia, die zur Fürstin der > Amazonen wird. Bisweilen wird A. auch als der Vater aller Amazonen bezeichnet. Seine beiden Schwestern Eileithya und Hebe verkörpern Geburt und Jugendschönheit, während A. für den oft gewaltsam hervorgerufenen Tod steht. Mit seiner Schwester Eris, der Personifikation des Streites, verbindet A. die kriegerische Natur. A. ist ein Schlachtdämon, ein Gott der Gewalt, des Kampfes und des Krieges. Nichts Unehrenhaftes ist ihm fremd. Grausamkeit, Kampfwut, Schamlosigkeit, Feigheit, Betrug und Ehebruch zeichnen den dämonischen Charakter des blutrünstigen Unheilstifters, des meist Gehassten unter den 12 olympischen Göttern aus. Der ungezügelte, unstete und würdelose Gott kennt weder Gesetz noch Maß. Eine gewaltige Lanze und ein goldgeschirrtes Pferdegespann sind die Kennzeichen des Menschenschlächters, des einzigen Gottes, der sich dazu herablässt, Sterbliche von eigener Hand zu töten. Die Konfrontation des wilden, ungestümen A. mit der edlen, überlegenen, durch klaren Verstand ausgezeichneten > Athena, gegen die A. ständige Niederlagen einsteckt, spiegelt die Einstellung der Griechen gegenüber der rohen Kriegsführung ausländischer Völker wider. In den Augen der Griechen bleibt A. ein fremder, grausamer und unheimlicher Dämon.
Dies sind die schrecklichen Züge der alten thrakischen Gottheit, die in die Nationalmythologie eingeflossen sind. Die ursprünglich edlen Seiten des A. als eines Schirmers des > Olymp, Helfers der Themis und Führers der gerechtesten Männer, der Frieden stiftet und Leidenschaften beruhigt, überlebten nur in den Vorstellungen der adeligen thrakischen Familien.
Weiter wird A., der nicht nur Amazonenvater ist, sondern auch mit diversen Frauen aus der Unterwelt, wie Aglauros und Erinys Tilphossa, in Kontakt kommt, als Theòs Gynaikõn, als „Gott der Frauen“, beschrieben. Seine Nähe zu unterirdischen Sphären lässt ihn ferner im Licht einer erdhaften, chthonischen Gottheit erscheinen, woran sich die Übersetzung seines Namens als „Befruchter“ knüpft (DKP).
Geheiligte Pflanzen des A. sind das Gras und der > Granatapfel, während zu den geheiligten Tieren > Schlange, > Drache, > Geier, > Wolf, > Schwan und > Hahn zählen.
Als Planet wird > Mars, die römische Entsprechung des A., zuerst bei > Platon erwähnt (Epinomis 987c). In der > Astrologie wird neben der an die klassische Mythologie anknüpfenden Deutung noch eine weitere, meist vergessene Seite des seuchenbringenden Gottes lebendig, nämlich seine Schutzfunktion für die ärztliche Kunst.
Zu den 217 v. Chr. in Rom eingeführten sechs griechischen Götterpaaren gehörten A. (röm. Mars) und Aphrodite (röm. Venus).

Lit.: Paulys Real-Encyclopädie. Hg. v. G. Wissowa u. a. Stuttgart, 1894ff., Bd. 2 1896; DKP = Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike. Auf der Grundlage von Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Hg. v. Konrad Ziegler u. Walther Sontheimer, 5 Bde. Stuttgart: Alfred Druckenmüller, 1964–1975; Waldenfels, Hans (Hg.): Lexikon der Religionen. Begründet von Franz König unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter. Freiburg u. a.: Herder, 1987; DNP = Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Hg. v. Hubert Cancik u. Helmuth Schneider, Bd. 1ff. Stuttgart; Weimar: J. B. Metzler, 1996ff.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1