Arcanum

Arcanum (lat., Plur. Arcana) bedeutet im klassischen Latein wörtlich „das Geheime", „das Eingeschlossene“ (arca: Koffer), daher ursprünglich „etwas in einer Kiste oder Truhe Verborgenes“, bezeichnet jedes einzelne Geheimnis im vielgestaltigen System des Universums. Das Wort gewinnt seit der römischen Kaiserzeit besonders für religiöse Sachverhalte wie Gottesgeheimnisse, Kultgeheimnisse und Mysterien Verbreitung (Thesaurus). So übersetzt die Vulgata „unsagbare Worte“ (2 Kor 12, 4) mit „arcana verba“. Die Gesamtheit der Geheimnisse wird auch „Arcana Mundi“ genannt.
In den Mysterienkulten bezeichnet A. alles für Uneingeweihte Unzugängliche. In der > Alchemie und > Chemiatrie bedeutet A. das Geheimpräparat, das > Elixier, den > Stein der Weisen. Zum Schutz der Geheimnisse bedient man sich der > Arkansprache und befolgt die > Arkandisziplin (disciplina arcani), eine Bezeichnung, die als wissenschaftlicher Terminus im 17. Jh. auftaucht, sachlich und sprachlich jedoch spätantik und für die Mysterienwelt von besonderer Bedeutung ist.
> Paracelsus bezeichnet mit A. die den pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Heilmitteln aufgeprägten Heilkräfte, die durch die jeweiligen Signaturen dieser Körper erkennbar werden. Arcana nannte er ferner Präparate, deren Zusammensetzung geheim gehalten wurde.
In der > Spagyrik bezeichnet man mit Arkana sog. Geheimmittel und die immaterielle, verborgene Heilkraft, die sich in den spagyrischen Arzneimitteln zwischen den Polaritäten Gift und Arznei bewegt und sich nur dem Menschen als Arzneimittel mitteilt.
Im > Tarot sind die Karten in das Große Arcanum, die 22 Trumpfkarten, und das Kleine Arcanum sowie die übrigen 56 Karten mit folgenden vier Farben unterteilt: Kelche, Stäbe, Schwerter und Münzen.

Lit.: Keil, Christophorus Henricus: Compendiöses, doch vollkommenes medicinisch-chymisches Handbüchlein, nach der Ordnung des Alphabets verf., worinnen alle 3 Reiche, vegetabile, minerale & animale u. folglich die gantze Materia medica mit enthalten. 9., verb. Aufl. Königsberg; Leipzig: Hartung, 1782; Thesaurus linguae latinae 2. Leipzig: Teubner, 1900–1990, S. 435 f.; Biedermann, Hans: Handlexikon der magischen Künste. Bd. 1. Graz: ADEVA, 1986; Hiller, Helmut: Paracelsus-Lexikon. Anger: Anger Verlag Eick, 1996

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1