Ararat

Ararat (hebr. Wort für das alte Urartu), 5165 m hoher Vulkankegel aus Eruptivgestein im Osten der Türkei. Die Türken nennen ihn Agri dagi („Schmerzensberg“), die Armenier Masis, die Perser Kû-i Nuh und die Europäer Ararat. Er ist der höchste Berg der Türkei. Der Gebirgsstock mit einem Umfang von ca. 130 km besteht aus zwei Gipfeln, dem Großen und dem Kleinen Ararat, die durch einen Sattel von 2950 m Höhe voneinander getrennt sind. Seit seinem letzten Ausbruch von 1840 gilt er als erloschen.
Im vorchristlichen Anatolien waren Berge von Anbeginn heilig, galten sie doch selbst als Gottheiten oder als deren Wohnsitze. Dabei nahm der A. aufgrund seiner Gestalt und Lage ein besondere Stellung ein.
Nach armenischer Vorstellung sollen auf dem A. zwei Arten von höheren Wesen ihren Wohnsitz gehabt haben. Die Višapazunk`, die Drachenabkömmlinge, stammen von der Schlangengöttin Anoyš, der Drachenmutter, ab. Sie werden mit Unwettern in Zusammenhang gebracht und wohnen in Palästen hoher Berge, von denen A. der vornehmste ist. Die zweite Gruppe, die Kàjk`, die Berggeister, hausen hingegen in Höhlen und Schluchten.
Auf dem Großen Ararat bzw. in seiner Umgebung soll der Bibel zufolge nach der Sintflut die > Arche Noach gelandet sein: „Am siebzehnten Tag des siebten Monats setzte die Arche im Gebirge Ararat auf“ (Gen 8, 4). Von der Sintflut berichtet übrigens nicht nur die Bibel, auch armenische Legenden sprechen von einer Sintflut, ja selbst das babylonische > Gilgamesch-Epos enthält ähnliche Schilderungen.
Die Vulgata spricht in diesem Zusammenhang von den montes Armeniae, also den „Bergen Armeniens“, was in der Nova Vulgata in montes Ararat, „Berge von Ararat“, korrigiert wurde.
Die Suche nach den Überresten der Arche hat viele Forscher bis auf den A. geführt. Sie stießen tatsächlich auf Holzstücke einer Baumart, die in den Ebenen Mesopotamiens vorkommt, woher auch Noah stammen soll. Sie sollen vor über 4000 Jahren bearbeitet worden sein. Genauere Untersuchungen stehen noch aus.

Lit.: Murad, Friedrich: Ararat und Masis: Studien zur armenischen Altertumskunde und Literatur. Heidelberg: C. Winter, 1901; Lehmann-Haupt, Carl Friedrich: Materialien zur älteren Geschichte Armeniens und Mesopotamiens. Berlin: Weidmann, 1907; Wartke, Ralf-Bernhard: Urartu, das Reich am Ararat. Mainz am Rhein: von Zabern, 21998.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1