Apothekennamen

Apothekennamen. Neben sachlichen Argumenten werden Apotheken auch nach religiösen Motiven und nach besonderen Heilsvorstellungen benannt. So wurden aus der Bibel oder dem Leben der Heiligen Namen wie Johannes, St. Leonhard und insbesondere St. Michael bewusst als Name ausgewählt. > Michael, der mit seinem Schwert vor allem Übel schützt und als Seelenwäger den Guten zu einem neuen Leben frei von Krankheit verhilft, wurde zum schützenden Engel schlechthin und namengebend für zahlreiche Apotheken, so auch für eine der ältesten 1420 in Augsburg. Das häufige Vorkommen von Marien-Apotheken geht auf ihre Bedeutung als Heil der Kranken und als Quelle des Lebens zurück.
Die vielen Tiernamen, wie Greif, Pelikan, Schwan, Storch, die nach wie vor als A. verwendet werden, haben ebenso christliche Bedeutung, ist doch Christus der eigentliche Heiler. In der Antike schrieb man auch dem Trinken aus dem Horn des Einhorns Heilkräfte und Immunisierung gegen Vergiftung zu. Noch zahlreicher sind die Hirsch-Apotheken. Der > Hirsch soll sich vom Lebens- oder Weltenbaum ernähren (Edda) und aus den Quellen des Lebens trinken. Licht und Göttlichkeit fallen in ihrer Bedeutung in der Hirscherscheinung des Jägers Hubertus zusammen. Die Klauen dienen als Amulett, Talg, Blut und Horn finden in der Volksmedizin Verwendung. Der > Löwe, der schon im alten Orient Symbol der Stärke und des Königtums war, spielt in der christlichen Symbolik und in der Volksmedizin eine besondere Rolle. Löwengalle soll als Augenheilmittel und das in Spiritus destillierte Löwenhirn gegen die Pest wirksam sein. Am häufigsten sind von den Tiernamen jedoch die Adler-Apotheken. Als Vogel des Lichtes, Begleiter des Zeus und Symbol der Auferstehung Christi und des Menschen ist der > Adler nicht nur ein Feind der Finsternis, sonder auch ein Symbol der Lebenserneuerung und gleichsam Träger der himmlischen Medizin.
Eine Ausnahme von dieser stark christlichen Symbolik der Tiere bildet der > Bär, dem schon für sich besondere Heilkräfte zugeschrieben werden. Sein Blut soll die Körperkräfte vermehren, Zähne und Klauen wirken als Amulette und Bärenfett war bis in das letzte Jahrhundert hinein eine Grundsubstanz verschiedener Arzneien.

Lit.: Schwarz, H.-D.: Symbolik und Symbole in alten deutschen Apotheken. Deutsche Apotheker-Zeitung 105 (1965); Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. 5., durchges. u. erw. Aufl. Stuttgart: Kröner, 1991.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1