Apokalypse

Apokalypse (griech., Enthüllung, Offenbarung). Literaturgattung, in der sich eschatologisch, endzeitlich geprägtes Denken ausspricht. Die Apokalyptiker treten an die Stelle der Propheten, von denen sie sich durch die Annahme von zwei grundverschiedenen Weltzeiten, der gegenwärtig schlechten und der zukünftig guten, sowie durch einen Determinismus im Sinne der Berechnung des Weltendes unterscheiden. Diese Berechnung dient letztlich dem Aufweis, dass die letzte Zeit angebrochen ist. Der Verfasser schreibt anonym oder unter einem berühmten Namen seine Offenbarungen, die er in Auditionen, Visionen, Träumen und Ekstasen erhält. So entstand in der Zeit zwischen 200 v. Chr. und 100 n. Chr. eine Reihe solcher anonymer Apokalypsen des Alten wie des Neuen Testaments, die ganz allgemein als apokryphe Apokalypsen bezeichnet werden, weil sie nicht in den biblischen Kanon, die Sammlung der Bücher, aufgenommen wurden, die als inspiriert und für den Glauben normgebend gelten.
Als für den Glauben normgebend und daher in den biblischen Kanon aufgenommen wurde dagegen die Offenbarung des Johannes, da sie sich grundsätzlich von der Form der apokryphen A. unterscheidet. Der Verfasser tritt als echter Prophet auf und der Inhalt der in Briefform vermittelten christlichen Lehre wird zu Recht mit Apokalypsis (Offb 1,1) gekennzeichnet, da er durch das Heilswerk Christi den göttlichen Plan der Weltgeschichte entschlüsselt.
Johannes, aus Syrien oder Palästina stammend, schreibt die Offenbarung während seiner Schutzhaft auf der Sporadeninsel Patmos in Solidarität mit den Gläubigen der angeschriebenen sieben Gemeinden (Apk 1, 4). Er bezeugt als göttlich autorisierter Prophet (Apk 22, 9) die Wahrheit des Geschauten und Gehörten. Als Abfassungszeit gilt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Regierungszeit Domitians (81–96). Johannes wollte seine Gemeinden in rigoroser Form vor einem Kompromiss mit dem Herrscherkult warnen und im Blick auf die Gesamtkirche die Realität der Weltgeschichte aufdecken. Hinter dem vordergründig harten Lebenskampf mit den antigöttlichen Mächten steht hintergründig der allein siegreiche Gott.
Nach dem Segen von Gott, den 7 Geistern und Jesus Christus, den der mit der Bezeugung dieser Offenbarung betraute „Johannes“ den Empfängern, 7 Gemeinden in Kleinasien, wünscht (1, 4–8), zeigt sich an einem Herrentag auf Patmos der von den Toten auferstandene Menschensohn mit 7 Sternen (Sinnbild der 7 Engel der Gemeinden) in der rechten Hand inmitten von 7 Leuchtern (Sinnbild der 7 Gemeinden) dem Seher und beauftragt ihn, an die 7 Gemeinden zu schreiben, was er schaut (1, 9–20). Dies tut Johannes in 7 formell ziemlich gleich gebauten Briefen, die an die „Engel“ der Gemeinden von Ephesos, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodikeia gerichtet sind.
Johannes der die Offenbarungen empfängt, befindet sich dabei in einem vom Geist Gottes erfassten Zustand (Apk 1,10) mit Visionen und Auditionen. Die Offenbarung geht von Gott aus, der sie Christus gegeben hat; dieser gibt sie durch einen Engel weiter an den Seher Johannes, damit er sie den bestimmten Gemeinden kundmache.
Die einzelnen Botschaften, Erscheinungen und Symbole sind so außergewöhnlich, dass für die sachbezogene Deutung der jeweilige Forschungsstand der diesbezüglichen Exegese und Kommentare zu beachten ist, weil es sonst sehr leicht zu voreiligen Schlüssen und esoterischen Deutungen kommt.

Lit.: Theologische Realenzyklopädie / in Gemeinschaft mit Horst Balz ... hrsg. von Gerhard Müller. Berlin: de Gruyter – Evang. Verlagswerk, Studienausgabe, Bd. 3, 1978; Vögtle, Anton: Das Buch mit den sieben Siegeln: die Offenbarung des Johannes in Auswahl gedeutet. Freiburg i. Br. u. a.: Herder, 1989; Giesen, Heinz: Johannes-Apokalypse. Stuttgart: Verl. Kath. Bibelwerk, 1996; Offenbarung des Johannes, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 7. Freiburg: Herder, 31998.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1