Aphrodite

Aphrodite, Göttin der griechischen Mythologie, deren Urheimat der Orient ist. Die „Zypriotin“, wie die Griechen sie nannten, war laut Homer eine Tochter des > Zeus und der Dione, einer alten indoeuropäischen Himmelsgöttin, und wurde die Mutter des > Eros, den sie von > Uranos bekam. A. soll aus dem ins Meer gefallenen Samen von Zeus entstanden sein, als dieser sich Dione vergeblich nähern wollte. Nach Hesiod wurde sie aus den abgeschnittenen Geschlechtsteilen des Uranos geboren, und als Gattin des > Ares die Mutter der > Harmonia. Auch von ihrer Liebe zum schönen > Adonis, der die Liaison mit seinem Tod bezahlen musste, wird berichtet.
Ursprünglich war A. in Thessalien heimisch und wurde vermutlich zuerst von den Pelasgern verehrt. Ihr Einflussbereich wurde als nahezu grenzenlos angesehen, sie wurde allmählich zu einer allgegenwärtigen Naturmacht.
Die Attribute der zarten, friedliebenden, „goldenen“ A., „die das Lächeln liebt“ (Homer Il 3, 64 u. 424), sind in der himmlischen Sphäre Taube, Sperling und Schwan, im marinen Bereich Muschel und > Delphin, in der pflanzlichen Welt die Fruchtbarkeitssymbole > Rose, > Apfel und > Mohn, während die chthonische Seite der Gartengöttin durch Pflanzen wie > Myrte, > Zypresse, > Dost, > Granatapfel und > Mohnblüte repräsentiert wird.
Nichts Menschliches war der Göttin fremd. Als universale Göttin schützte sie die Liebenden, so etwa Hera bei einem Schäferstündchen und Paris bei der Verführung der Helena. A., die Schönste aller Göttinnen und Gewinnerin eines Schönheitswettbewerbs mit Hera und > Athena vor Paris, protegiert alle kosmetischen Künste und ist auch Vorsteherin der Ehe. Paris erscheint sie salbenduftend und sich spiegelnd.
Bei den > Pythagoreern hatte die Zahl fünf auch die Bezeichnung A. > Platon bringt dann als erster die orientalische Bedeutung der A. als Planet, röm. > Venus, in den europäischen Kulturkreis.
Unter den unzähligen Beinamen der A. weisen Melainis, die „Schwarze“, und Androphonos, die „Männer-Tötende“, auf die Schattenseite der Göttin hin. In Amathus, Cypern, wurde eine maskuline A., ein bärtiger Aphroditos, verehrt (Lurker).
Viele Pflanzen, die psychoaktiv oder erotisierend wirken, intensiv duften oder deren Form Symbolcharakter hat, wurden mit A. in Zusammenhang gebracht (> Aphrodisiaka). Auf Zypern, Samos und Kreta sowie in Athen und am Kephisos gehörten ihr heilige Haine und Blumengärten.
In der Pneumalehre des Platon wird die eine der vier Formen des göttlichen Anhauchens (Epipnoia) der A. zugeordnet (Resch, 239).
Zu den 217 v. Chr. in Rom eingeführten 6 griechischen Götterpaaren gehörten A. (röm. Venus) und Ares (röm. Mars).

Lit.: Paulys Real-Encyclopädie. Hg. v. G. Wissowa u. a. Stuttgart, 1894 ff., Bd. 1 1894; DKP = Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike. Auf der Grundlage von Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Hg. Von Konrad Ziegler u. Walther Sontheimer, 5 Bde. Stuttgart: Alfred Druckenmüller, 1964–1975; Resch, Andreas: Pneuma. In: Grenzgebiete der Wissenschaft 32 (1983) 4, 234–243; Waldenfels, Hans (Hg.): Lexikon der Religionen. Begründet von Franz König unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter. Freiburg: Herder, 1987; Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen. Stuttgart: Kröner, 21989; DNP = Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Hg. v. Hubert Cancik u. Helmuth Schneider, Bd. 1ff. Stuttgart; Weimar: J. B. Metzler, 1996ff.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1