Anwesenheitsempfinden, Anwesenheitsempfindung

Anwesenheitsempfinden oder Anwesenheitsempfindung, engl. feeling of a presence, kurz FOP, bezeichnet das Wahrnehmen eines Wesens, das nicht auf einer Sinneswahrnehmung, sondern auf einer Art Gefühl basiert. Brugger, Regard und Landis ordnen das Phänomen der A. unter dem Namen “feeling of a a presence” in eine Gruppe von sechs charakteristischen Typen autoskopischer Phänomene ein, auch wenn es sich hier streng genommen gar nicht um ein visuelles Erlebnis handelt, was der Begriff > Autoskopie eigentlich meint (Brugger, Regard & Landis 1997, S. 21).
Das Phänomen des „Fühlens einer Gegenwart“ ist in unserer Zeit mit 7,91 Prozent relativ häufig in der Normalbevölkerung verbreitet (Brugger, Regard & Landis 1996, S. 120). Allerdings fassen die Autoren unter diesem Begriff alle möglichen Wesen zusammen, von dem gespürten unsichtbaren Begleiter eines Bergsteigers, über den imaginierten Spielkameraden eines Kindes oder ein extraterrestrisches Wesen bis hin zu Schutzengeln (Brugger, Regard & Landis 1996, S. 114). Die Verfasser heben dabei zwei bemerkenswerte Aspekte dieser FOPs hervor: das ist einmal die räumliche Lokalisierung dieser „Gegenwart“ – es handelt sich ja um ein bloßes Fühlen, nicht um einen optischen Vorgang –, und zwar wird das Wesen generell in einem bestimmten Abstand von der eigenen Person wahrgenommen; zum anderen ist es die absolute Gewissheit, mit der dieses unsichtbare Wesen gespürt wird (Brugger, Regard & Landis 1996, S. 115). Der Philosoph und Psychiater Karl Jaspers, der das FOP-Phänomen schon 1913 ausführlich beschrieb, spricht von einer „leibhaften Bewusstheit“ der Anwesenheit eines unsichtbaren Wesens (Jaspers, 1913).
Die Autoren weisen weiter darauf hin, dass FOP-Phänomene häufig im Zusammenhang mit verschiedenen Krankheiten wie Epilepsie, Schizophrenie, Migräne, Depression, organischen Psychosen und Zuständen nach Vergiftungen festgestellt wurden (Brugger, Regard & Landis 1996, S. 115), was jedoch umgekehrt nichts darüber aussagt, ob Menschen, die diese Erlebnisse haben, ebenfalls häufig an diesen bestimmten Krankheiten leiden und um welche Art des FOP es sich handelt. Störungen im Gehirn und Erlebnisse mit Geistern können parallele Erscheinungen sein. Über die Ursachen von Geistererscheinungen sagen diese Krankheiten jedoch nichts aus.

Lit.: Brugger, Peter / Regard, Marianne / Landis, Th.: Unilaterally Felt “Presences”: The Neuropsychiatry of One’s Invisible Doppelgänger. In: Neuropsychiatry, Neuropsychology, and Behavioral Neurology 9 (2), 1996, 114–122; Brugger, Peter / Regard, Marianne / Landis, Theodor: Illusory Reduplication of One’s Own Body: Phenomenology and Classification of Autoscopic Phenomena. In: Cognitive Neuropsychiatry 2 (1), 1997, 19–38.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1