Antonius der Große

Antonius der Große (um 251–356), heilig (Fest: 17. Januar), auch „der Einsiedler“ und „der Abt“ genannt. Um 251 in Koma, dem heutigen Keman, in Mittelägypten als Sohn wohlhabender christlicher Eltern geboren, übernahm er nach deren Tod im Alter von 18 Jahren die Sorge für seine jüngere Schwester. Nachdem er beim Verlesen des Evangeliums Jesu Worte: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben, dann komm und folge mir nach“ (Mt 19, 21) gehört hatte und bald darauf: „Sorgt euch nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage“ (Mt 6, 34), vertraute er seine Schwester asketisch lebenden Frauen an und führte selbst das Leben eines Asketen zunächst in der Nähe seines Heimatdorfes, dann in einer Grabstätte, um sich anschließend für 20 Jahre in eine verlassene Verteidigungsanlage in der Wüste zurückzuziehen. Um 311 ging er nach Alexandrien, um die Christen während der Verfolgung des Maximus Daja zu stärken. Dann zog er sich wieder in die Wüste zurück, wo er von vielen Asketen und Geistlichen aufgesucht wurde. 337 solle er auf Bitten der Geistlichen nach Alexandrien gekommen sein, um öffentlich gegen die Arianer aufzutreten.
Seine Vita, geschrieben von Athanasius, erzählt zudem ausführlich von Heilungen, Vorhersagen und Visionen. So sagte A. auch seinen Tod voraus und befahl den Seinen, ihn heimlich zu beerdigen. Er starb nach der Hieronymus-Chronik 356 im Alter von 105 Jahren. 561 wurde sein Grab entdeckt und seine Gebeine wurden nach Alexandrien überführt, von wo sie 635, nach der Eroberung Ägyptens durch die Muslime, nach Konstantinopel gelangten. Um 1000 kam der größere Teil der Reliquien in die Prioratskirche St-Didier de la Motte nach Frankreich und schließlich 1491 in die heutige Ruhestätte in der Pfarrkirche St-Julien in Arles.
Der Einfluss und die Verehrung von A. ist zum Großteil der Lebensbeschreibung des Athanasius zu verdanken, die kurz nach 356 entstand und bald in das Lateinische übersetzt wurde. Seine Verehrung ist bis heute lebendig geblieben, wie schon aus seinen Patronaten abzulesen ist: > Antoniusfeuer (Ergotismus gangraenosus, Kribbelkrankheit), eine seuchenartige Krankheit, die mit feuriger, brennender Rötung der Extremitäten begann; Antoniuswasser, zu seinen Ehren geweihtes Wasser, das von Antoniusfeuer Befallenen gereicht wurde; Antoniusschwein, Attribut des Heiligen, wobei sich das Schwein auf das Privileg der Antoniter bezieht, als Entgelt für ihre Armenpflege, ihre Schweine frei weiden lassen zu dürfen. > Antoniterkreuz.

Lit.: Herling, Ludwig Maria von: Antonius der Einsiedler. Innsbruck : F. Rauch, 1929; Athanasius, Alexandrinus: Vita Antonii. Hg. u. mit e. Einl. vers. von Adolf Gottfried. Graz u. a.: Verlag Styria, 1987.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1