Anthropologie

Anthropologie ( griech. ánthropos, Mensch; logos, Lehre), „Lehre vom Menschen“, die im Wesentlichen in naturwissenschaftliche, ethnologische, philosophische und theologische A. gegliedert werden kann. Zur naturwissenschaftlichen A. gehören Arten- und Rassenlehre, Abstammungs-, Erb- und Konstitutionslehre. Die ethnologische A. ist identisch mit der Ethnologie, also der Völkerkunde, die im 19. und 20. Jh. im anglo-amerikanischen Sprachbereich durch die Sozial- und Kulturanthropologie ergänzt wurde, welche die Wirkungen der Gesellschaft im weitesten Sinn auf die Angehörigen von überschaubaren Kulturen und deren Verhalten untersucht. Im Unterschied dazu befasst sich die philosophische A. mit der Frage nach dem Wesen des Menschen und seiner Stellung in der Welt und zur Natur. Seit ihrer Erneuerung nach dem ersten Weltkrieg durch Scheler, Plessner, Gehlen, Rothacker und Portmann setzt sich die philosophische A. auch mit der Analyse der „Befindlichkeit des Menschen“ (Kulturpsychologie und Kulturanthropologie) auseinander. Die theologische A. stellt über die naturwissenschaftliche, ethnologische und philosophische Betrachtung hinaus den Menschen in Beziehung zu Gott als seinem Schöpfer, die systematisch entfaltet, rational verantwortet und mit der Sinnfrage verbunden wird.
Die Berücksichtigung paranormaler Phänomene führt zu einem wesentlich neuen Menschenbild durch Einbezug des Außergewöhnlichen in und um den Menschen, worauf schon die Parapsychologen > Rhine und > Tenhaeff hingewiesen haben. Tenhaeff betont die Einheit von Mensch und Phänomen und fordert die Erweiterung der rein quantitativen, Fakten-orientierten Forschung um die Dimension der menschlichen Persönlichkeit.

Lit.: Bonin, Werner F.: Lexikon der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete. Frankfurt a. M.: Fischer, 1981; Landmann, Michael: Philosophische Anthropologie. Berlin u. a.: De Gruyter, 1982; Tenhaeff , W. H. C.: Anthropologische Parapsychologie und historischer Idealismus. In: Andreas Resch: Der Kosmische Mensch. Innsbruck: Resch, 1984, S. 263–307.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1