Anselm von Canterbury

Anselm von Canterbury (geb. um 1033 in Aosta, gest. 21.4.1109 in Canterbury), heilig (1494, Fest: 21. April), Benediktiner in Bec (Normandie), dort Prior und Abt, 1093 Erzbischof von Canterbury, Philosoph, Kirchenlehrer (1720). In seinen Schriften entwickelt A. in der platonisch-augustinischen Tradition ein Denkverfahren, in dem betend-nachdenkliche Vernunft und Glaube einander so erschließen, dass der Glaube in seiner inneren Wahrheit und Stimmigkeit als überbietende Erfüllung der Vernunft als solcher erscheinen kann. In dieser Theologie, deren rationale Seite über die Scholastik hinaus bis hin zu Hegel und Bath fruchtbar geworden ist, manifestiert sich liebendes Streben zu Gott, wobei A. in der Emotionalität seiner Orationes sive meditationes die in seiner Epoche beginnende Erlebnismystik vorwegnimmt. In der Auseinandersetzung mit Heinrich I., der die Oberhoheit des Staates über die Kirche durchsetzen wollte, soll ihm mehrmals Maria erschienen sein. 1103 wurde Anselm verbannt, 1106 erreichte er jedoch den sogenannten Kompromiss von Bec, der zum Modell für das Wormser Konkordat werden sollte.

W.: S. Anselmi Cantuariensis archiepiscopi Opera omnia: [5 Vol.] / Rec.: Franciscus Salesius Schmitt. – Seccovii [Seckau, Steiermark]: [Benediktinerabtei], 1938–61.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1