Anis

Anis (Pimpinella anisum L., syn. Anisum vulgare GAERTN.), auch Andreaskraut genannt, weißblühende Heilpflanze aus der Familie der Doldenblütler. Die Pflanze kommt aus dem Orient und wurde in den östlichen Mittelmeerländern seit alters kultiviert, während sie in Deutschland seit dem frühen Mittelalter angebaut wird. Die Gewürzpflanze mit den aromatischen Früchten wird schon von > Dioskurides lobend erwähnt (Dioskurides, III, 56). Ihre Früchte sollen ihm zufolge schmerzstillend und harntreibend wirken, hilfreich sein gegen den Biss giftiger Tiere und außerdem aphrodisische (> Aphrodisiakum) Wirkung zeigen. Neuere Erkenntnisse bezeichnen den A. als krampflösend, gut gegen Blähungen und unterstützend bei Erkrankungen der Atemwege. Weitere Namen für den A., wie Süsser Kümmel, Welscher Fenchel, Mutterkraut und Lausölpflanze, lassen noch andere Möglichkeiten der Anwendung dieser Pflanze erkennen.
A. ist auch eine der vielen verschiedenen Zusatzstoffe zu Betelbissen (Rätsch, 729) und steht zudem auf der Zutatenliste der Orientalischen Fröhlichkeitspillen sowie verwandter Zubereitungen (Rätsch, 772).
Auch dem A. hängt der Ruf einer zauberkräftigen Pflanze an, die vor allem Schutzfunktion haben soll. > Amuletten werden daher gerne die Samen des A. zugefügt. Nicht zuletzt enthält A. ätherisches > Anisöl.

Lit.: Dioskurides: Pedanii Dioscuridis Anazarbei de materia medica libri V ed. M. Wellmann. 3 voll. Berolini 1907–1914. Dt. Übersetzung von J. Berendes. Stuttgart, 1902; Marzell, Heinrich: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Bd. 3. Stuttgart: Hirzel, Wiesbaden: Steiner, 1977; Schöpf, Hans: Zauberkräuter Graz: ADEVA, 1986; Werner, Helmut: Lexikon der Esoterik. Wiesbaden: Fourier, 1991; Magister Botanicus: Magisches Kreutherkompendium. Speyer: Die Sanduhr, ²1995; Rätsch, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Aarau, CH: AT, 1998.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1