Animatismus

Animatismus (lat. animatus, beseelt) bezeichnet die Beseelung sämtlicher Elemente der Natur und aller Gegenstände des menschlichen Gebrauchs (> Allbeseelung, Panpsychismus). Der Begriff erhielt durch die Theorie von Robert R. Marrett insofern besondere Bedeutung, als sie A. als Glauben an eine unpersönliche, omnipräsente Naturkraft versteht, der am Anfang aller Religionen gestanden habe. Der naive Mensch erkenne in allem, was ihm als Auffälliges begegnet oder was auf ihn nachdrücklich wirkt, etwas Seelisches. A. wird von anderen als Vorstufe des > Animismus, als > Präanimismus, bezeichnet. Die Vertreter der A.-Theorie sahen u. a. auch in den Konzepten des > Mana, > Manitu, > Wakonda und > Orenda eine Ausdrucksform dieses „Kräfteglaubens“ (> Dynamismus).

Lit.: Marret, Robert R.: The Threshold of Religion. London: Methuen, 1909; Wundt, Wilhelm: Mythus und Religion; Teil 1. 4., unveränd. Aufl. Stuttgart: Kröner, 1926; Tylor, Edward Primitive Culture. Reprinted in 2 vols.: Vol I, The Origins of Culture; Vol. II, Religion in Primitive Culture. New York: Harper Torchbooks. 1958 (1871).

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1