Anima, Animus

Anima, Animus (lat.). In der Psychologie von C. G. > Jung werden die Begriffe „Anima“, „Animus“ in Anknüpfung an Sigmund Freuds Auffassung der Bisexualität als unbewusste Seelenbilder zu Archetypen von Mann und Frau der jeweils gegengeschlechtlichen seelischen Inhalte.
Anima hat sich als unbewusstes Seelenbild der Frau in der Psyche des Mannes als Niederschlag aus Erlebnissen an Frauen der Umgebung, aus meist verdrängten gegengeschlechtlichen Eigenschaften und aus all den Erfahrungen gebildet, die der Mann im Laufe der Menschheitsgeschichte mit dem weiblichen Geschlecht gemacht hat. Dieser aus Urzeiten herkommende Typus von Erfahrungen ist im kollektiven Unbewussten als Archetyp gespeichert und wird in der Projektion auf bestimmte Frauenfiguren erfahrbar. Solche Projektionen von Anima-Figuren finden sich in Märchen und Mythen, insbesondere aber in den vielfältigen Gestalten der Mutter.
Gleich der Anima hat sich der Animus als unbewusstes Seelenbild des Mannes in der Psyche der Frau gebildet. Als Archetyp wird er in der Projektion auf bestimmte Männerfiguren in Märchen, Mythen und Religionen erfahrbar, insbesondere in der Gestalt des Alten Weisen.

Lit.: Jacobi, Jolande: Die Psychologie von C. G. Jung: eine Einführung in das Gesamtwerk / Mit einem Geleitwort von C. G. Jung. 5., rev. u. erg. Aufl. m. 9 mehrfarb. u. 10 einfarb. Abb. u. 19 Diagrammen. Zürich; Stuttgart: Rascher, 1967; Jung, Emma: Animus und Anima / Lilly Jung-Merker; Rüf, Elisabeth [Hg.]. Zürich; Stuttgart: Rascher, 1967; Jüttemann, Gerd / Sonntag, Michael / Wulf, Christoph (Hg.): Die Seele: ihre Geschichte im Abendland. Weinheim: Psychologie Verlags Union, 1991; Jung, C. G.: Die Archetypen und das Kollektive Unbewußte. Zürich; Düsseldorf: Walter, 91996 (Ges. Werke 9 / 1);Resch, Andreas: Seele. Grenzgebiete der Wissenschaft 62 (2013) 2, 99-128; Resch, Andreas: Anima Mundi. Grenzgebiete der Wissenschaft 62 (2013) 3, 195.221

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1