Angra Mainyu

Angra Mainyu (awest. „arger Geist”; Ako Mainyu) oder > Ahriman ist nach der altiranischen Mythologie Sohn des > Ahura Mazda und Zwillingsbruder des guten > Spenta Mainyu. Als Personifikation des Dunklen und Bösen führt er die > Daevas (Dämonen) an und ist Gegenspieler des lichten Ahura Mazda. Während dieser für das Gute steht, trachtet Angra Mainyu danach, die Menschheit durch Zwietracht und Zweifel, Kälte und Unwetter, Dunkelheit, Krankheit, Seuchen, Faulheit, Armut und sonstige Widrigkeiten zu verderben. Mit seinem Zwillingsbruder Spenta Mainyu liegt er während der 9.000 Jahre dauernden Weltperiode in dauerndem Kampf, doch wird er nach der Lehre des > Zoroaster, die seine Gestalt zum Ahriman weiterentwickelte, zur Endzeit > Frasho-kereti endgültig besiegt werden.
Nach der späteren Sekte der „Zervanites“ sind Angra Mainyu und Ahura Mazda Zwillinge und Nachkommen der „Unbegrenzten Zeit“ Zervan Akarana (bzw. Zurvan). Eigentlich sollte Ahura Mazda als Erstgeborener die Herrschaft übernehmen, doch gelang es Angra Mainyu vor diesem den Mutterschoß zu verlassen und sich so für Jahrtausende den Vorrang zu sichern. Der Zoroastrismus nimmt jedoch an, dass Ahura Mazda schließlich obsiegen und Angra Mainyu, dessen Symboltier die Schlange ist, in die Finsternis verstoßen wird.

Lit.: Kanga, Sorabji Naoroji: A new interpretation of the Spenta-Mainyu of the gathas, Ahura Mazda`s own holy spirit, the progenitor of Fravashis in the Avesta, and of the Christos or the Christ-concept and of Logos in Christianity. Bombay: The Gatha Society, 1933.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1