Anemone

Anemone (Anemone spp.), Gruppe von Hahnenfußgewächsen, zu der u. a. der Teufelsbart (Anemone alpina L.), das Leberblümchen (Anemone Hepatica L.), das Buschwindröschen (Anemone nemorosa L.) und die in der > Homöopathie angewandte Echte Kuhschelle (Anemone Pulsatilla L.) gehören. Der Name der A. ist griechisch und bedeutet "Wind”. Antiken Schriftstellern zufolge entspross die Anemone dem Blut des > Adonis oder auch den Tränen der > Aphrodite (Paulys Real-Encyclopädie, Bd. 1, 392). In den Namen und Beinamen der A. klingt bereits die Bedeutung der verschiedenen A.n im Volksglauben an. Der Teufelsbart wird ferner als Hexenbesen, Hutzlmannlen oder Grawes Bergmännle bezeichnet, und das giftige Buschwindröschen heißt nicht nur Giftblum, Sterbglöckl oder Totenblume, sondern auch Hexenblum: “Weil dem Weidevieh Entzündung der Gedärme verursachend” (Jedlitschka, 9, 139) oder auch: “Um die Hexen von dem Stall zu bannen” (Frankenwarte, Würzburg 1928, nr.14). Die drei ersten Buschwindröschen soll man nach deutschem und dänischem Volksglauben im Frühling verschlucken, um kein Fieber zu bekommen (Marzell, 289).
Als Heilpflanze spielte das Windröschen eine Rolle im Kampf gegen die Gicht – man nannte sie auch Gichtblome –, während die ebenfalls giftige Kuhschelle, manchmal auch als Troll bezeichnet, mit ihrem weiteren Namen Bitzwurtz ihre Hilfe gegen den Biss giftiger Tiere anbot. Alle haarigen Fruchtstände der genannten A.n-Arten werden auch volkstümlich als Des wilden Mans Kraut, Bergmännchen oder Grantiga Jaga genannt.

Lit.: Paulys Real-Encyclopädie. Hg. v. G. Wissowa u. a. Stuttgart 1894ff., Bd. 1, 1894; Jedlischka, Heinr.: Volkstümliche Pflanzennamen, Pflanzenaberglauben und Volksheilpflanzen im Wagbachtalkreise (Schlesien). In: Das Kuhländchen. Neu-Titschein 9 (1927), 65–73. 100–110. 122–125, 136–142. 159–161. 171–174. 190–195. 10 (1928), 8–12, 28f. 41–46; Marzell, Heinrich: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Bd. 1. Leipzig: Hirzel, 1943; Schöpf, Hans: Zauberkräuter. Graz: ADEVA, 1986.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1