Andreas Salos

Andreas Salos, fiktiver Heiliger, angeblich slawischer Herkunft, der im 5. Jh. in Konstantinopel als sog. „Narr um Christi willen“ gelebt haben soll. Sein Leben wurde von Nikephoros, Priester an der Hagia Sophia, im 10. Jh. beschrieben und enthält neben Lebensbildern aus Byzanz Jenseitsreisen, Fragantworten, eine Apokalypse u. a. m. A. war besonders in Russland beliebt, wo er viele Nachahmer (Jurodivye) fand (Gedächtnis: 2. Oktober). Von Nikephoros wird er als Skythe, d. h. als Angehöriger jener nordischen Völker bezeichnet, die über dem byzantinischen Gebiet in Europa oder Asien wohnten. Er diente als Sklave. Da ihm als solchem das ersehnte kontemplative Leben verwehrt war, riet ihm Nikephoros, sich töricht zu stellen. Er befolgte seinen Rat und hatte Erfolg. Sein Herr legte ihn ein Vierteljahr in einer Kirche an die Ketten, dann ließ er ihn frei. Daraufhin ging A. als Tor in den Straßen von Byzanz umher. Misshandelt und verhöhnt, ließ er sich nicht abwendig machen, sondern ertrug alles in Geduld. Er fand dabei seinen inneren Weg und trat in den ekstatischen Zustand ein. Nikephoros sah ihn sogar betend über der Erde schweben und erzählt von weiteren außergewöhnlichen Ereignissen.

Lit.: Cesaretti, Paolo: I santi folli di Bisanzio. Milano: Arnoldo Mondadori, 1990; Görres, Joseph von: Hinter der Welt ist Magie / M. e. Vorw. v. Helmut Werner. München: Diederichs, 1990.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1