Analogie

Analogie (gr. ana logon, nach Verhältnis, von Cicero mit proportio, Entsprechung, comparatio, Ähnlichkeit, übersetzt), bezeichnet die Gleichheit von Verhältnissen, die Übereinstimmung verschiedener Gegenstände in bestimmten Merkmalen. So ist der Analogieschluss ein methodisches Mittel, um bestimmte Sachverhalte verschiedener Gebiete in eine Beziehung zu bringen. Dabei unterscheidet man zwischen struktureller und funktioneller Ähnlichkeit. Strukturelle A. ist die Übereinstimmung zweier Systeme hinsichtlich bestimmter Merkmale einer bestimmten Elementegruppe. Funktionelle A. kennzeichnet die gleichwertige Leistungsfähigkeit zweier nach Elementen und Struktur verschiedener Systeme hinsichtlich einer bestimmten Aufgabe. So bedeutet in der Biologie A. die Ähnlichkeit funktionell gleichwertiger, aber morphologisch verschiedenartiger Organe.
Während in der Naturwissenschaft nach Ursachen und ihren Wirkungen gesucht wird und in den Geisteswissenschaften der logische Schluss von zentraler Bedeutung ist, steht in der naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Betrachtung der Paranormologie die A. im Mittelpunkt.
Eine besondere Rolle spielt dabei die A. in der > Volksmedizin bei der Annahme einer geheimnisvollen > Sympathie zwischen den Kräften und Dingen des Alls sowie als magisches Prinzip bei Zauberhandlungen: Gleiches soll durch Gleiches bewirkt oder geheilt werden (similia similibus curantur). Zur magischen Praxis des > Analogiezaubers gehören auch > Amulett und > Talisman. Ebenso beruht die > Astrologie auf der Analogie von irdischem und himmlischen Geschehen. Durch Analogie entstehen ganze Symbolreihen: Himmel – Weiß – Licht – Tag – Leben; Erde – Schwarz – Finsternis – Nacht – Tod. In den Rahmen der A. fällt auch die Parallelisierung > Makrokosmos – Mikrokosmos.
Auch innerhalb des Mikrokosmos findet man Analogien, wie in der Verwandtschaft zwischen Empfindungen verschiedener Sinne, z. B. tiefen Tönen und dunklen Farben, sowie innerhalb der Empfindungen und des Denkens selbst. > Analogiedenken.
Da A. letztlich von der Erkenntnisfähigkeit bzw. -tätigkeit des Menschen abhängt, ist es auch eine der philosophischen und theologischen Einsichten, dass man die Wirklichkeit Gottes, die christlichen Glaubenswahrheiten und die grundlegende menschliche Wirklichkeit nur analog und nicht wirklich erfassen kann.
In besonderem Ausmaß kommt die A. nicht zuletzt im > Symbol zum Tragen.

Lit.: Ruh, Kurt (Hg.): Altdeutsche und niederländische Mystik. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1964, S. 275–308; Höffding, Harald: Der Begriff der Analogie. Sonderausgabe. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1967; Langhein, A. W. Heinrich: Das Prinzip der Analogie als juristische Methode: ein Beitrag zur Geschichte der methodologischen Grundlagenforschung vom ausgehenden 18. bis zum 20. Jahrhundert. Berlin: Duncker und Humblot, 1992; Behrens, Mathias: Analogie und Mystik: ein philosophisch-theologisches Gespräch mit dem heiligen Johannes vom Kreuz. St. Ottilien: EOS-Verl., 2000; Coenen, Hans Georg: Analogie und Metapher: Grundlegung einer Theorie der bildlichen Rede. Berlin; New York: de Gruyter, 2002.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1